Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Freizeitgartenbau/Gartenakademie

Bepflanzung von Hochbeeten: Gemüse

Hochbeete können entweder Bestandteil eines Nutzgartens sein, und dabei insbesondere zum rückenschonenden Anbau von Gemüse beitragen, oder der Umgestaltung und Verschönerung des Gartens dienen.

Im zweiten Fall werden häufig dauerhafte und hochwertige Materialien Verwendung finden, und meist wird auch der Ziergartencharakter im Mittelpunkt stehen, d.h. sie werden mit Blumen, Stauden, Gräsern und Sträuchern bepflanzt. Aufgrund der höheren Anforderungen bei Planung und Nutzung soll es in den folgenden Beiträgen schwerpunktmäßig um die Bepflanzung von Hochbeeten im Rahmen eines Nutzgartenkonzeptes gehen. Dabei wird auf folgende Themen eingegangen:

  1. Das Gemüsehochbeet
  2. Das Kräuterhochbeet
  3. Das Kartoffelhochbeet
  4. Obst in Hochbeeten
  5. Blumen und Stauden in Hochbeeten

Das Gemüsehochbeet

Besonderheiten des Gemüseanbaus in Hochbeeten

Grundsätzlich lässt sich in Hochbeeten alles kultivieren, was auch sonst im Garten möglich ist. Bei Gemüse sind aber die Vorteile besonders deutlich, da diese Kulturen i.A. pflegeintensiv und regelmäßige Ernten möglich sind.

Im Vergleich zum Anbau von Gemüse im Boden gibt es beim Anbau in Hochbeeten einige Besonderheiten:

  • das Pflanzsubstrat ist locker, humos und nährstoffreich und ermöglicht eine intensive Durchwurzelung und ein zügiges Wachstum der Pflanzen. Es kann zudem bewusst zusammengestellt werden und ggf. können wasserspeichernde Stoffe beigemischt werden
  • die Düngung ist gezielter möglich und leichter durchführbar ggf. auch in Form einer flüssigen Nachdüngung wie dies z.B. im Blumenkasten häufig praktiziert wird.
  • A. wird aufgrund der geringeren Anbaufläche und der „Kultur auf Augenhöhe“ d.h. eine intensivere Beobachtung der Pflanzen eine gute Wasserversorgung gewährleistet sein. Im gewachsenen Boden wird eher darauf vertraut, dass sich die Pflanzen selbst Wasservorräte erschließen oder der Boden dieses aus tieferen Schichten nachliefert. Auch die Auflage einer Mulchschicht ist bei der geringen Fläche leichter möglich, da wenig Material benötigt wird. Nichts desto trotz ist es empfehlenswert, die untenstehenden Hinweise zur Bewässerung zu beachten.
  • Die Konkurrenz durch Unkräuter ist i.A. wesentlich geringer, da das Substrat weniger Unkrautsamen enthält und Beikräuter schneller entfernt werden.
  • Ein Hochbeet hat die Tendenz zum Naschgarten. Es wird „zwischendurch“ geerntet: bei Pflücksalaten werden die äußeren Blätter regelmäßiger abgenommen und bei Wurzelgemüse werden zu dicht stehende Pflanzen, auch wenn sie noch klein sind, verzehrt. Somit ist eine gute Durchlüftung des Bestandes – eine wichtige Voraussetzung, um Pilzbefall vorzubeugen – auch bei geringeren Pflanzabständen als im Boden gewährleistet.
  • Die Problematik der sogenannten „Bodenmüdigkeit“ spielt in Hochbeeten eine untergeordnete Rolle. Diese ist ein wesentlicher Grund dafür, bei der Kultur im Boden die Fruchtfolge zu beachten, was z.B. bedeutet, Gemüsekulturen aus der gleichen botanischen Familie nicht nacheinander auf der gleichen Fläche anzubauen. Auf der sehr begrenzten Anbaufläche in Hochbeeten werden i.A. mehrere Kulturen nebeneinander angebaut, was eine Anreicherung von „bodenbürtigen“ Krankheiten verhindert. Bei der Neubelegung der Beete kann zudem das Substrat leicht durchmischt werden oder es wird Substrat nachgefüllt oder nacheinigen Jahren ausgetauscht, weil dieses zu stark durchwurzelt ist. So kann man sich bei der Anbauplanung darauf konzentrieren, die vorhandene Fläche optimal zu nutzen.
  • Auch die Gefahr eines größeren Schädlingsbefalls ist in Hochbeeten als gering einzustufen, da Schädlinge durch die intensivere Betreuung schneller erkannt und ggf. auf mechanische Weise entfernt werden bzw. vorbeugend wirksame Schutzvorrichtungen, einmal montiert, einfach gehandhabt werden können.

Anbauplanung

Diese erfolgt in ähnlicher Weise und Reihenfolge wie in „normalen“ Beeten:

  • Wahl der „Lieblingskulturen“. Dabei sollte deren „Effizienz im Hochbeet“ beachtet werden. Es gibt hierfür (sehr) gut geeignete1 und weniger gut geeignete Kulturen
  • Planung der Hauptkultur (die am längsten das Beet belegt), danach Vor- und Nachkulturen. Zu beachten ist: bedingt durch Klimawandel früherer Beginn und späteres Ende (wegen höherer Temperatur). Der Spätfrostgefahr kann durch Einsatz von Vliesen begegnet werden
  • Planung der Menge: Selbstversorgung – aufgrund der geringen Anbaufläche eher unwahrscheinlich; Selbstversorgung nur:
    • zu bestimmten Jahreszeiten
    • bei bestimmten Kulturen (abhängig vom persönlichen Bedarf) und nicht bei allen Kulturen gleichzeitig z.B. Kräuter, Radieschen, Salat
  • Verkürzung der Kulturzeit im Beet ist durch Jungpflanzenanzucht möglich

Gut geeignete Kulturen weisen eines oder mehrere der folgenden Merkmale auf:

Balkontomate, Strongboy
Balkontomate, Sorte: Strongboy
Topfpaprika, Zorza
Topfpaprika, Sorte: Zorza
  • „kurze“ Kulturdauer (z.B. Radieschen)
  • laufende Ernte (Fruchtgemüse wie Tomaten, Gurken, Paprika1) und Blattgemüse wie Pflücksalat, Mangold, Bleich- und Schnittsellerie und Kohlgemüse wie Sprossenbrokkoli im Gegensatz zu normalem Brokkoli)
  • geringer Flächenanspruch (z.B. Porree oder Mini-Romana-Salat im Vergleich zu Kopfsalat)
  • geringer Mengenbedarf/pro Mahlzeit

1) Für Hochbeete sollten kleinfrüchtige oder kompaktwachsende Sorten bevorzugt werden; diese Zwergzüchtungen sind auf geringen Wuchs bei starkem Fruchtertrag und einer kompakten Statur ausgelesen worden. Allerdings sind viele der neuen Sorten nicht samenfest (vielfach handelt es sich um sogenannte F1-Hybriden), sodass Saatgut jedes Jahr neu gekauft werden muss. Bei Tomaten sollte darauf geachtet werden, dass diese tolerant gegenüber der Kraut- und Braunfäule sind. Sie lassen sich sehr gut mit den wärmebedürftigen Kulturen ‚Basilikum‘ und ‚Neuseeländer Spinat‘ kombinieren.

Zu den weniger gut geeigneten Kulturen gehört der Kürbis. Im Vergleich zum Ertrag hat er einen extrem hohen Platzbedarf und wird besser neben einem Komposthaufen gepflanzt als im Hochbeet. Auch Zucchini benötigen im Verlauf der Kulturzeit viel Platz. Hier sollte man sich für Sorten mit runden Früchten (z.B. One Ball F1, Runde von Nizza, Zaphito) entscheiden oder Sorten verwenden, die an einem Klettergerüst gezogen werden können (z.B. Kletterzucchini ‚Black Forest‘).

Eine besondere Form der Anbauplanung ist die Gestaltung von themenbezogenen Beeten wie z.B. ein Pizza-Pasta- oder ein Wok-Hochbeet. Entsprechende Anbaupläne mit den dazugehörigen Kulturarbeiten im Verlauf eines Jahres finden Sie z.B. in den Büchern „Hoch das Beet“ und „das unglaubliche Hochbeet“.

Bewässerung

Die Bewässerung stellt in Hochbeeten die größte Herausforderung dar. An einem warmen Sommertag können 5 – 6 l / m² verbraucht werden. Um Transporte mit der Gießkanne gering zu halten, sollte ein Wasseranschluss in der Nähe des Hochbeetes eingeplant und am besten ein Tropfbewässerungssystem integriert oder ein Hochbeet mit Wasserspeicher installiert werden. Aber auch durch die gezielte Steuerung der Bewässerungsintervalle kann der Gefahr der Austrocknung begegnet werden. Es ist sinnvoll, eher selten, also alle 3 – 4 Tage, aber dafür durchdringend zu wässern. Je Bewässerungsvorgang sollten 15 – 20 l / m² gegeben werden, damit die gesamte Pflanzsubstratschicht durchfeuchtet wird und die Pflanzenwurzeln dazu gebracht werden, zu den feuchten Zonen im Beetinneren zu wachsen. Eine gewisse Wasserbevorratung, verbunden mit einer langsamen Wasserabgabe ist über Tontöpfe möglich, über deren poröse Wand das Wasser in das Beet abgegeben wird. Alternativ können Bewässerungskugeln (ollas) oder Tonkegel, auf die eine mit Wasser gefüllte Flasche aufgesetzt wird, verwendet werden.

Darüber hinaus kann durch den Einsatz von Mulchmaterialien die Verdunstung verringert werden. Dazu gehören Gartenfasern (z.B. der Marke Frux), Mulchvliese aus Schafwolle, Blätter von Beinwell und Rhabarber und Rückschnitt von Kräutern u.v.a.m; auf den Einsatz von Rindenmulch sollte aber bei Gemüsekulturen verzichtet werden. Auch ein heller Farbanstrich an der sonnenexponierten Seite, hängende Bepflanzung wie Kapuzinerkresse und das regelmäßige Hacken der Bodenoberfläche wirken einer Austrocknung entgegen.

Aus ökologischen Gründen sollte bevorzugt Regenwasser Verwendung finden. Dies ist darüber hinaus besonders dann von Bedeutung, wenn das Trinkwasser eine hohe Wasserhärte aufweist. Diese bewirkt einen Anstieg des pH-Wertes, was zu einem erhöhten Humusabbau beiträgt und zur Festlegung von Nährstoffen führen kann.

Pflegearbeiten

Laut Empfehlungen der bayerischen Gartenakademie sollten ab dem 2. Jahr im Frühjahr 100 – 200 g Horngrieß je m² eingearbeitet werden, um die Pflanzen ausreichend mit Stickstoff zu versorgen. Wenn Grünmasse als Mulch verwendet wird, kann Dünger sparsamer verwendet werden. Ähnliches gilt beim Einsatz von Schafwollvliesen als Mulch. Dieses zersetzt sich im Laufe der Zeit und gibt die darin enthaltenen Nährstoffe frei.

Gemüseanbau (fast) das ganze Jahr über

Bereits ab März kann mit der Aussaat von Möhren, Erbsen und Kohlrabi begonnen werden. Durch Aufsetzen eines Folientunnels (Ösen zum Einstecken der Federstahlbögen sollten bereits beim Bau in der Rahmenkonstruktion vorgesehen werden), eines Frühbeetkastens (der aus einer Holzrahmenkonstruktion mit einem mit einer Gitterfolie bespanntem Deckel leicht selbst hergestellt werden kann) oder eines Gewächshauses können die klimatischen Bedingungen verbessert und insbesondere ein Schutz gegen nächtliche Fröste geschaffen werden.

Beim Anbau von Herbst- und Winterkulturen wie Wirsing, Grünkohl, Rosenkohl, Porree und Pak-Choi ist eine Ernte bis in den Januar hinein möglich.

 Auch eine ganzjährige Versorgung mit frischem Salat ist möglich, wenn man Gemüsearten aus verschiedenen botanischen Familien geschickt miteinander kombiniert. (siehe folgende Tabelle)

Salate für Hochbeete

Deutscher Name Botanischer Name
Asia-Salate, u.a. die Sorten ‘Red Giant‘ und ‘Mizuna‘ Brassica rapa var. japonica
Salatrauke Eruca sativa
Pak Choi Brassica rapa ssp. pekinensis
Palmkohl Brassica oleracea convar. acephale var. palmifolia
Chicorée, Radicchio, Zuckerhut Cichorium intybus var. foliosum
Endivie Cichorium indivia
Kopfsalat Lactuca sativa var. capitata
Pflücksalate wie Lollo und Eichblattsalat Lactuca sativa var. crispa
Feldsalat (Rapunzel) Valerianella locusta
Sommerportulak Portulaca oleracea ssp. sativa
Winterportulak, Winterpostelein Montia perfoliata
Neuseeländer Spinat Tetragonia tetragonioides
Gemüse-Amaranth Amarathus ssp
Rote-Bete Beta vulgaris ssp. vulgaris

 


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