Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologie

2. Februar – „Tag des Igels“

Heute, am 2. Februar, ist der Tag des Igels. Die historischen Hintergründe für diesen Tag wurden bereits im gestrigen Artikel beschrieben. Inzwischen dient dieser Tag jedoch eher als Anlass, auf die Belange unseres stacheligen Gartenbewohners hinzuweisen.

Denn der Igel steht hierzulande zunehmend Herausforderungen gegenüber. Wir geben Tipps, wie Sie dem Igel helfen können.

Igel werden in zwei Unterfamilien mit insgesamt 10 Gattungen und 24 Arten unterteilt. Die in Deutschland vorherrschende Igelart ist der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus). Von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild wurde der Igel im Jahr 2009 zum „Tier des Jahres“ gewählt.

Lebensraum und Nahrung

Der bevorzugte Lebensraum von Braunbrustigeln ist eine vielfältige Feldflur, die aus Hecken und Gebüschen, Weideland, Feldrainen und Ruderalflächen besteht. Insbesondere durch den zunehmenden Verlust dieser Vegetationsstrukturen erschloss sich der Igel im Laufe der Zeit verstärkt den menschlichen Siedlungsraum. Hier besiedelt er die insbesondere durchgrünten Siedlungsrandbereiche und Streuobstwiesen, lässt sich aber auch gerne in naturnahen Gärten nieder, ebenso in Parks oder auf Friedhöfen.

Die wichtigste Nahrung des Braunbrustigels stellen Insekten dar, insbesondere Käfer, Ohrwürmer, Raupen oder Tausendfüßer sowie Regenwürmer. Entgegen landläufiger Vorstellungen ist der Anteil von Schnecken an seiner Nahrung eher gering. Falls er ihnen habhaft werden kann, frisst der Igel auch nestjunge Mäuse, kleine bis mittelgroße Eier oder Küken von Bodenbrütern bzw. aus dem Nest gefallene Jungvögel. Ebenso frisst er auch Aas und ist daher mitunter an den Überresten von Mäusen, Vögeln oder anderen Tieren zu sehen. Obwohl Braunbrustigel im Herbst gelegentlich auch überreifes Fallobst fressen, stellt dieses jedoch für das Tier mit dem ausgesprochenen Insektenfresser-Gebiss nur einen unbedeutenden Anteil seiner Gesamtnahrung dar. Vielmehr ist davon auszugehen, dass er es auf die am Fallobst reichlich versammelten Insekten abgesehen hat.

Bestandssituation des Igels in Deutschland

Obwohl man momentan in Deutschland derzeit insgesamt noch von einem hinreichenden Igelbestand ausgehen kann, kumulieren sich seit Jahrzehnten verschiedene Faktoren, die für die Igelpopulationen zunehmend zum Problem werden und letztlich schon dazu geführt haben, dass die durchschnittliche Lebenserwartung des Igels innerhalb vergleichsweiser kurzer Zeit von ca. 6 auf 4 Jahre gesunken ist. Sollte diese Entwicklung fortschreiten, läuft der Igel Gefahr in wenigen weiteren Jahrzehnten bedroht oder gar ausgestorben zu sein.

Wesentliche Verluste fordert seit vielen Jahren, neben dem Verlust von Lebensräumen und Biotopverbundstrukturen in ausgeräumten Agrarlandschaften sowie einer fortschreitenden Überbauung durch die Siedlungsentwicklung, der Straßenverkehr. Jedes Jahr werden ca. 500.000 Igel auf den Straßen von Autos überfahren bzw. schwer verletzt, dass sie meist am Straßenrand sterben. Diese Zahl berücksichtigt nicht die damit verbundenen weiteren Verluste von Igelbabys, die im Nest sterben, weil die Mutter getötet wurde.

Zwei neue fortschreitende Faktoren sind nun seit wenigen Jahren hinzugekommen: Zum einen macht ihnen der Klimawandel zu schaffen, denn immer früher erwachen Igel wegen der steigenden Temperaturen aus dem Winterschlaf, finden dann aber noch keine Nahrung. Zum anderen ist diese bereits, bedingt durch den gravierenden Rückgang von Insekten, ohnehin zunehmend knapp. Diese Situation zwingt die Igel auf andere Nahrung wie z.B. Schnecken auszuweichen. Speziell von diesen können Igel Lungenwürmer und andere Innenparasiten bekommen. Das unzureichende Nahrungsangebot und die zunehmende Parasitenbelastung (auch Zecken) führen dazu, dass Igel weniger widerstandsfähig werden und letztlich dadurch geschwächt den Winterschlaf nicht mehr überstehen. Mit dieser düsteren Prognose hat es der Igel, eigentlich eine Allerweltsart, bereits in vielen Bundesländern auf die Vorwarnliste der Roten Liste der bedrohten Tierarten geschafft. In dieser Kategorie versammeln sich immer mehr Arten, die merklich zurückgegangen sind, aber aktuell noch nicht gefährdet sind. Bei Fortbestehen von bestandsreduzierenden Einwirkungen ist in naher Zukunft allerdings eine Einstufung in die Kategorie „Gefährdet“ wahrscheinlich.

Wie können wir als Gartenbesitzer dem Igel helfen?

Mit der folgenden Checkliste geben wir Ihnen Hinweise, wie Sie dem Igel helfen und Ihren Garten in einen igelfreundlichen Lebensraum verwandeln können:

  • Zunächst einmal muss Ihr Garten überhaupt für Igel erreichbar sein. Mauern und herunter gezogene Zäune verhindern dies. Prüfen Sie, inwieweit Sie an diversen Stellen nachträglich Öffnungen schaffen können (ca. 10 x 10 cm). Bei der Neueinfriedung berücksichtigen Sie bitte vorab solche Durchlassmöglichkeiten.
  • Beseitigen oder entschärfen Sie potenzielle Fallen. So sollten Gartenteiche flache Stellen oder Ausstiegshilfen haben, damit der Igel mit eigener Kraft hinausklettern kann. Ebenso stellen wenig begangene Kellertreppen oder unabgedeckte Schächte eine Falle dar, aus der Igel nicht mehr alleine herausgelangen.
  • Rattenschlagfallen sollten für Igel, aber auch für andere Gartenbewohner (Vögel, Eichhörnchen, Gartenschläfer etc.), unzugänglich aufgestellt werden.
  • Vermeiden Sie den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
  • Jeder Garten sollte eine „wilde Ecke“ besitzen, in der heimische Pflanzen wachsen dürfen. Hier können Sie Laub-, Holz und Reisig lagern, welches auch – zumindest während der Wintermonate – nicht entfernt werden sollte.
  • Anstelle von Laub- und Reisighaufen kann man Igeln auch ein Igelhaus als Quartier anbieten.
  • Bieten Sie während der Sommermonate Igeln und anderen Gartentieren bitte regelmäßig frisches Wasser, am besten in einer Insekten- und Vogeltränke oder einfach in einer flachen Tonschale, an.
  • Füttern Sie niemals Milch! Stattdessen eignet sich spezielles Igelfutter, Katzenfutter, gekochtes oder rohes Ei sowie kurz angebratenes, ungewürztes Hack- oder Geflügelfleisch. Das Futter sollte stets Zimmertemperatur haben.

 


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