Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Freizeitgartenbau/Gartenakademie

Frühlingserwachen – doch hier schläft noch jemand!

Die Tage werden länger und die anhaltend ungewöhnlich hohen Temperaturen lassen die ersten Frühlingsblüher blühen und haben die Vogel bereits in allgemeine Paarungsstimmung versetzt, wie unschwer am regen morgendlichen Vogelgezwitscher erkennbar ist. Höchste Zeit also, die vorhandenen Nistkästen im Garten zu inspizieren und von altem Nistmaterial und Kot zu reinigen.

Wer wohnt hier im Moos?

Ein mit Moos befüllter Nistkasten
Ein mit Moos befüllter Nistkasten ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Gartenschläfer darin wohnt(e); Foto: Susanne Schneider
Doch immer wieder erreichen uns seitens der Gartenbesitzer über das LLH-Gartentelefon Anfragen, dass man einen mit Moos vollgefüllten Nistkasten vorgefunden habe und wer denn darin wohnen könnte bzw. ob man das Moos entfernen oder darin belassen sollte. Angeknabberte Samen oder Nüsse lassen auf eine Mäusefamilie schließen. Mitunter sind hier aber auch seltene Bilche eingezogen, wie z. B. die Haselmaus oder der Gartenschläfer – zwei Arten, deren Bestände seit Jahren rückläufig sind. Dann ist hier Ihre Unterstützung beim Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“ gefragt.

Wer ist denn dieser „Gartenschläfer“?

Gartenschläfer
Gartenschläfer sind kleiner als Siebenschläfer; Foto: Sven Büchner
Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) ist der kleine Verwandte des viel bekannteren Siebenschläfers (Glis glis). Beide Arten gehören zur Familie der Bilche. Der Gartenschläfer ist gut zu erkennen an seiner „Zorro-Maske“ und seinem in einer weißen Quaste endenden Schwanz, der weit weniger buschig ist als der des Siebenschläfers.

Die Verbreitungsgebiete des Gartenschläfers in Deutschland liegen nach dem jetzigen Kenntnisstand schwerpunktmäßig in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern sowie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und Teilen von Hessen. Hauptsiedlungsgebiete für den Gartenschläfer sind hier vorrangig der Rheingau und das Hessische Ried. Unsere Hauptstadt Wiesbaden ist gleichzeitig Gartenschäfer-Hauptstadt.

Der Gartenschläfer kommt in sehr unterschiedlichen Lebensräumen vor. Er besiedelt als Kulturfolger sowohl Gärten, Weinberge und Streuobstwiesen, als auch die Hochlagen einiger Mittelgebirge. Trotz dieser Anpassungsfähigkeit gingen in den letzten 100 Jahren viele Vorkommen verloren und die Bestände des Gartenschläfers sind europaweit seit Jahren stark im Rückgang. Auch in Deutschland ist die Schlafmaus in unbekanntem Ausmaß gefährdet. Zu den Rückgangsursachen ist bislang wenig bekannt. Da ein großer Anteil des Weltbestands bei uns lebt, hat Deutschland eine hohe Verantwortung für die weltweite Erhaltung des Bilchs.

Projekt „Spurensuche Gartenschläfer“

Aufnahme eines Gartenschläfers mit einer Wärmebildkamera
Die nachtaktiven und neugierigen Gartenschläfer können gut mit Wildkameras fotografiert und anhand ihrer Zorro-Maske identifiziert werden
Spurtunnel in einem Baum
Ein Spurtunnel zum Nachweis des Gartenschläfers wird an einem Ast befestigt; Foto: Susanne Schneider
Im Oktober 2018 starteten daher der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung die „Spurensuche Gartenschläfer“. Das Projekt wird sechs Jahre im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert.

Zentrale Ziele des Vorhabens sind die Ursachenforschung zum Bestandsrückgang sowie die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen, um die Populationen in einem großen Teil des Verbreitungsgebiets der Art zu stabilisieren. Dazu wird sich verschiedener Forschungsmethoden wie der Nahrungsanalyse, Telemetrie sowie der Untersuchung von Totfunden und Winterschlafquartieren bedient, um mehr über die Biologie, Ansprüche und Krankheiten des Gartenschläfers herauszufinden. Auch Haarproben werden genetisch untersucht. Die Ergebnisse werden in eine bundesweite Datenbank für den Gartenschläfer einfließen. In der zweiten Projekthälfte sollen dann die bis dahin entwickelten Maßnahmen umgesetzt werden.

Spur eines Gartenschläfers
Spur eines Gartenschläfers
Bei der Datenerhebung im Rahmen der Forschung viele freiwillige Gartenschläfer-Begeisterte. Sie kontrollieren z.B. Nistkästen, spüren den Gartenschläfer mithilfe sogenannter Spurtunnel oder Wildtierkameras auf oder melden tot aufgefundene Tiere, die auf Krankheiten und Todesursachen untersucht werden. Für die Erarbeitung und Umsetzung des Schutzkonzepts möchte das Projektteam mit den verschiedensten Interessengruppen wie Hauseigentümern, Obstbauern sowie Gartenbesitzern in den Dialog treten, um gemeinsam eine wirksame Schutzstrategie zu entwickeln und umzusetzen.

Helfen Sie mit!

Die Hessische Gartenakademie lädt private Haus- und Gartenbesitzer sowie Mitglieder der Obst- und Gartenbau- und Kleingärtnervereine dazu ein, zusammen mit dem Projektteam des BUND aktiv zu werden und bei der Umsetzung des Projekts mitzuwirken.

Möchten Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit oder Ihres ehrenamtlichen Engagements über den Gartenschläfer berichten oder suchen eine Referentin oder einen Referenten? Dann treten Sie mit den Projektkoordinatoren Ihres jeweiligen BUND-Landesverbandes in Kontakt.

Und was ist nun mit dem Nistkasten und seinem ominösen Bewohner ?

Der mit Moos vollgefüllte Nistkasten lässt darauf schließen, dass hier ein Bilch wohnt. Daher sollten Sie vorerst den Kasten wieder vorsichtig schließen und das Tier weiterschlafen lassen, da es sich vermutlich noch im Winterschlaf befindet. Ein Spurtunnel oder eine Wildkamera bringen letztlich Klarheit, wenn in den kommenden Tagen und Wochen das Tier erwacht und auf Nahrungssuche geht. Können Sie anhand eines Bildes oder anhand von Spuren auf den kleinen Zorro oder die noch kleinere Haselmaus tippen, dann melden Sie bitte Ihre Sichtung unter www.gartenschlaefer.de (am besten mit Foto-Upload). Dies hilft dem Projekt, mehr über das Verbreitungsgebiet der Art in Deutschland herauszufinden.

Praktische Tipps für einen (nicht nur) gartenschläferfreundlichen Garten

Sorgen Sie für mehr Vielfalt in Ihrem Garten und leisten Sie damit gleichzeitig einen Beitrag, dem Verschwinden des Gartenschläfers und auch anderen Gartenbewohnern entgegenzuwirken.

  • Toter Gartenschläfer
    Viele Gartenschläferverluste gehen auf das Konto streunender Hauskatzen
    Bieten Sie Vögeln, Fledermäusen und Bilchen Unterschlupfmöglichkeiten in Form von Nistkästen aus Holz oder Holzbeton an. Spezielle Bilchkästen haben das Eingangsloch wand- bzw. stammseitig und können daher nicht von Vögeln besiedelt werden. Solch einen Schläferkobel können Sie auch selbst anfertigen.
    ERROR: no data available – mit freundlicher Genehmigung von Sven Büchner
    Mit einem ausreichenden Angebot an Nistmöglichkeiten verringern Sie übrigens die Gefahr, dass ein Bilch in Ihre Gartenhütte oder gar in Ihre Dachdämmung einzieht.
  • Pflanzen Sie heimisches Beerenobst.
  • Reichern Sie Ihren Garten mit Totholz und Laubhaufen an und schaffen Sie „wilde Ecken“, also Bereiche, wo sich die Natur selbst entwickeln darf. Besonders zur Überwinterung werden geschützte Verstecke dringend benötigt.
  • Decken Sie Regentonnen ab, um zu vermeiden, dass Gartenschläfer und andere Tiere ertrinken.
  • Bitte setzen Sie kein Biozide wie z. B. Rattengift ein. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Nager in Ihrem Garten leben, die Sie nicht dulden können oder wollen, überprüfen Sie, wenn möglich, zunächst um welche Art es sich handelt, bevor Sie Maßnahmen einleiten. Gartenschläfer sind vor allem im Frühjahr durch ihre nächtlichen Laute (Quieken, Murmeln, Pfeifen) gut zu erkennen. Zudem hinterlassen sie Fraßspuren im Obst. Am sichersten ist es jedoch, den unbekannten Mitbewohner mithilfe einer Wildtierkamera zu identifizieren – diese können Sie auch beim BUND ausleihen.
  • Führen Sie eine Schadnagerbekämpfung mittels Totschlagfallen vorzugsweise während der Wintermonate durch, wenn Bilche Winterschlaf halten. Wählen Sie den Aufstellungsort so, dass keine Spitzmäuse (keine Nager) oder Vögel an die Falle gelangen!
  • Lassen Sie Ihre Hauskatzen nicht herumstreunen. Sie dezimieren nicht nur Singvögel, sondern auch unseren seltenen Gartenschläfer, ebenso wie Amphibien und Reptilien.

Fazit

Ein naturnaher, giftfreier Garten ist nicht nur wertvoll für viele Tier- und Pflanzenarten, sondern erfreut mit seiner Struktur- und Blütenvielfalt zugleich das Auge. Probieren Sie es aus!


Für alle Fragen rund um den Gartenschläfer und die Beteiligung am Projekt steht Ihnen hier in Hessen die Projektkoordinatorin des BUND-Landesverbandes Hessen zur Verfügung.

Kontakt:

Susanne Schneider
BUND Landesverband Hessen e.V.
Geleitsstraße 14 | 60599 Frankfurt am Main
susanne.schneider@bund-hessen.de
+49 69 677376-16

Hintergrundinformationen zum Projekt unter www.gartenschlaefer.de

Titelfoto: Sven Büchner


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