Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Grünland & Futterbau

Der 1. Schnitt wird jetzt vorbereitet – Grünlandpflege im Herbst

Die Vegetationsperiode 2019 neigt sich langsam aber bestimmt dem Ende zu. Auf dem Grünland ist vielerorts der 3. bzw. 4. Schnitt gerade eingefahren worden und genau JETZT, kurz nach der Weizenernte und mitten in der Herbstbestellung, wird der 1. Schnitt 2020 vorbereitet.

Je nachdem, welche Pflegemaßnahmen bereits durchgeführt wurden bzw. in welcher Ausgangslage sich die Flächen befinden, heißt es nun, die zeitliche Abfolge genau zu planen, damit es nicht zu Engpässen kommt. Besonders beachtet werden müssen strategische Unverträglichkeiten. So kann eine Pflanzenschutzmaßnahme zwei Wochen nach einer Nachsaat, je nach Wirkstoff, die Keimlinge so massiv schädigen, dass es zum Totalausfall kommt. Ebenfalls abzusehen ist von einer Gülledüngung mit anschließender Kalkung. Auf die einzelnen Maßnahmen, geeigneten Durchführungszeitpunkte und ggf. vorliegende Unverträglichkeiten mit anderen Maßnahmen wird im Folgenden eingegangen.

Die untenstehende Abbildung gibt zunächst einen Überblick zum Grünlandmanagement im Jahresverlauf: Was ist wann möglich? Allerdings ist nicht jeder Zeitpunkt gleich günstig bzw. sind bestimmte Maßnahmen im Herbst besonders wirkungsvoll. Für die kommenden Wochen sollten daher folgende Maßnahmen im Dauergrünland eingeplant werden: Kalkung, Unkrautbekämpfung, Nachsaat, Pflegeschnitt und ggf. Güllegabe.

Grünlandmanagement während des gesamten Jahresverlaufes

Grünlandmanagement im Jahresverlauf

Kalkung

Die Ca-Versorgung des Bodens bestimmt den pH-Wert und damit unter anderem die Phosphorverfügbarkeit, Humusgehalt, Leguminosenanteile etc. Die Erhaltungskalkung gleicht dabei den Entzug aus, der durch die Abfuhr des Erntegutes entsteht. Ca-haltige Düngemittel wie Mist oder Kalkstickstoff sind vor einigen Jahrzehnten häufiger, auch auf Grünland, zum Einsatz gekommen. Gleichzeitig wurde damals deutlich weniger Pflanzenmaterial abgefahren, als dies heute der Fall ist. Mit zunehmenden Erträgen und Abfuhr des Erntegutes sanken die pH-Werte im Grünland. Dennoch wird die Grünlandkalkung auf vielen Betrieben noch zurückhaltend umgesetzt.

Um das Ertragspotential im Wirtschaftsgrünland auszuschöpfen, ist zumindest eine Erhaltungskalkung zwingend erforderlich. Ausnahmen bilden äußerst humose Standorte (> 15 % organische Substanz) und Niedermoore, die in Hessen allerdings eher selten als intensive Grünlandstandorte genutzt werden. Tendenziell schwere Böden, wie sie in Mittelgebirgslagen überwiegend zu finden sind, haben hingegen einen hohen Calciumbedarf. In der folgenden Tabelle ist der optimale Boden-pH, die Empfehlung zur Erhaltungskalkung sowie die maximalen Einzelgaben bei Gesundungskalkung in Abhängigkeit zur Bodenart dargestellt.

Bodenart Optimaler
pH-Bereich*
Erhaltungskalkung dt CaO/ha** Max. Einzelgabe bei Gesundungskalkung dt CaO/ha Bodenart
Sand 4,7 – 5,0 4 15
Schwach lehmiger Sand 5,2 – 5,5 5 15
Stark lehmiger Sand 5,4 – 5,7 6 20
Sandiger bis schluffiger Lehm 5,6 – 5,9 7 25
Schwach toniger Lehm bis Ton 5,7 – 6,1 8 30

* darüber und bei 15 % Humus keine Kalkung
**alle 4 Jahre

Quelle: DLG-Merkblatt Nr. 433

Wie stellt sich die Situation nun in der Praxis da? Anhand der Auswertung der Grünland-Bodenproben, die beim Landesbetrieb hessisches Landeslabor (LHL) untersucht wurden, zeichnet sich folgendes Bild ab:

Über 80 % der untersuchten Bodenproben wurden der Bodenartgruppe 2, also „mittlere Böden“, zugeordnet. Wie in der nachstehenden Abbildung zu sehen ist, liegen mehr als 50 % der Böden in der Versorgungsstufe „B“, d. h. sie bedürfen einer Aufkalkung/Gesundungskalkung. Die genauen empfohlenen Mengen werden auf dem Bodenprobenergebnis ausgewiesen. Leider lässt sich beim Vergleich der Daten 2015 mit 2009 kein positiver Trend feststellen. Im Vergleich zu den Ackerflächen fällt allerdings auf, dass deutlich mehr Acker-Proben die angestrebte Gehaltsstufe C erreichen. Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass es eher die „besseren“ Standorte sind, die ackerbaulich genutzt werden. Es könnte aber auch sein, dass im Ackerbau sorgfältiger auf eine ausreichende Ca-Versorgung des Bodens geachtet wird.

PH-Werte von Acker- und Grünlandflächen in Hessen

Grundsätzlich kann Kalk während der gesamten Vegetationsperiode ausgebracht werden. Allerdings sollte die Kalkung auf den Schnittzeitpunkt abgestimmt sein, damit der Kalk nicht mit dem nächsten Schnitt wieder von der Fläche abgefahren wird. Zudem sind anstehende Güllegaben so zu planen, dass der Kalk bereits eingewaschen ist, bevor die Gülle ausgebracht wird und im Zweifel auch auf eine Gülledüngung verzichtet werden kann. Der August/September ist ein günstiger Zeitpunkt da, nach dem 3. bzw. 4. Schnitt die Grasnarbe sich noch von der Sommertrockenheit erholt hat, sodass der Folgeaufwuchs verhalten einsetzt. Zudem ist ab jetzt auch nicht mehr mit langen Trockenperioden zu rechnen, sodass der Kalk kurz nach der Nutzung ausgebracht, schnell eingewaschen werden kann. Der beste Zeitpunkt zur Kalkausbringung bleibt aber der Spätherbst nach der letzten Nutzung. Durch die Winterniederschläge ist eine vollständiges Einwaschen des Kalkes bis zur nächsten Nutzung quasi garantiert. In diesem Fall sollte keine Güllegabe nach der letzten Nutzung erfolgen.

Unkrautbekämpfung

Ampferpflanze
Ampferpflanze mit zwei Generationen Samen im Sommer 2019. Ein Pflegeschnitt ist nicht erfolgt.
Eine hohe Schnittfrequenz hat oft zur Folge, dass Unkräuter wie Ampfer aber auch Disteln das optimale Behandlungsstadium bis zur nächsten Nutzung nicht erreichen. Dies ist bspw. bei einem frühen 1. Schnitt Anfang Mai der Fall. Entweder sind die Problempflanzen noch nicht ausreichend entwickelt oder die mittelspezifische Wartezeit würde dazu führen, dass die Nutzung zu spät erfolgen müsste, sodass die Futterqualität leidet.

Im Spätsommer, wenn die Grünlandbestände noch von der Trockenheit gezeichnet sind, zeigen sich die Pfahlwurzeler, zu denen Disteln und Ampfer gehören, noch/schnell wieder vital. Langjährige Versuche haben gezeigt, dass in den Monaten Juni bis September der höchste Wirkungsgrad bei der Ampferbehandlung erzielt werden konnte. Es ist aber darauf zu achten, in diesem Zeitraum eine Phase zu erwischen, in der es nicht zu heiß ist (< 25° Grad), da ansonsten der Ampfer deutlich schneller in die Samenbildung kommt (Notreife) und dann die PSM (Pflanzenschutzmittel-) Aufnahme deutlich herabgesetzt ist. Außerdem wurde bei der Anwendung von Harmony an sehr warmen Tagen (über 25°C) und bei kalten Nächten (unter 8°C) eine Gräserunverträglichkeit festgestellt, die zu Einkürzungen von bis zu 30 % führte. Die begrenzte Gräserverträglichkeit und die Kosten der PSM-Maßnahme sind zwei wesentliche Argumente für die Einzelpflanzenbekämpfung. Nach einer vollflächigen Behandlung sollte in jedem Fall versuchte werden, eine jährliche Einzelpflanzenbehandlung als festen Bestandteil im betrieblichen Grünlandmanagement zu integrieren.

Ab etwa dem 10. Oktober kann keine Behandlung mehr empfohlen werden, da die Wirkungsgrade aufgrund der einsetzenden Vegetationsruhe dann deutlich zurückgehen.

Eine Nachsaat sollte immer NACH einer Pflanzenschutzmaßnahme erfolgen. Zum einen werden mit der Nachsaat die Lücken geschlossen, die die erfolgreich behandelten Problempflanzen hinterlassen und zum anderen können junge Gräser äußerst sensibel auf die PSM-Anwendungen reagieren.

Nachsaat

Offiziell empfohlen wird eine regelmäßige/jährliche Übersaat mit 10 kg/ha GV mit rotem Etikett. Die Aussaatstärke richtet sich dabei nach dem Lückenanteil. Bei Grasnarben, die deutlich mehr als 20 % Lücken aufweisen können bis zu 20 kg/ha sinnvoll sein. Wenn jährlich nachgesät wird und nur wenige Narbenschäden vorliegen, können auch 5 – 8 kg/ha ausreichend sein.

Der Erfolg der Nachsaat hängt von folgenden Umweltfaktoren ab:

  1. Eine ausreichende Wasserversorgung, damit das Saatgut keimt und sich die jungen Pflanzen im Anschluss optimal im Bestand etablieren können.
  2. Eine optimale Bodenkeimtemperatur von 15 Grad.
  3. Eine möglichst geringe Konkurrenz durch den Altbestand (Aufwuchshöhe max. 10 cm).

Während sich einige Betriebe bereits an Silvester die 1. Maiwoche für den 1. Schnitt und im 4 Wochen Abstand die Folgeschnitte im Kalender notieren, ist der optimale Zeitpunkt für eine Nachsaat nicht ganz so leicht im Voraus zu bestimmen. Langjährige Wetteraufzeichnungen zeigen, dass es im Juli häufig zu einem Niederschlagspeak kommt. Wenn aber, wie 2018, nennenswerte Niederschläge erst im Oktober einsetzen, können auch deutlich spätere Nachsaattermine sinnvoll sein. Auch für Nachsaaten gilt, dass diese bis zum 10. Oktober erledigt sein sollten.

Sinnvoll ist es die Nachsaat mit einer Bekämpfung der Gemeinen Rispe zu kombinieren. Dann gilt es die trockenste Phase in der Vegetation abzupassen (häufig im August), da die Gemeine Rispe sehr trockenheitsempfindlich ist und sich zu diesem Zeitpunkt leicht, mit einem Striegel, aus dem Bestand kämmen lässt. Bei der eingesetzten Technik sollte auf stabile Zinken (Ø 12 mm) geachtet werden. Die Nachgeführte Walze sollte für den ersten Striegelgang abgehängt werden, damit die herausgestriegelten Pflanzen nicht wieder angedrückt werden. Vielmehr sollte das herausgestriegelte Material von der Fläche abgefahren und entsorgt werden. Erst in einem 2. und manchmal auch erst im 3. Arbeitsgang wird dann die pneumatische Nachsaateinrichtung hinzugeschaltet und mit der Walze gefahren, die für den Bodenschluss des Saatgutes sorgt.

Sind die Bestände nicht verfilzt, sondern nur lückig z.B. durch Trockenschäden, kann es sinnvoll sein, mit einer Direktsaatmaschine zu arbeiten. Dies gilt insbesondere dann, wenn z. B. aus arbeitswirtschaftlichen Gründen oder weil einfach kein Regen gemeldet ist, in/direkt nach einer Trockenperiode nachgesät werden muss. Durch die Ablage im Boden wird mehr Bodenschluss gewährleistet, als das bei einem Striegel mit Walze der Fall ist, sodass die Restfeuchte im Boden optimal zum Keimen ausgenutzt werden kann.

Ist die Nachsaat nun aufgegangen und hat ggf. mit der letzten Nutzung (mind. 4 Wochen später) noch einen Pflegeschnitt erfahren, gilt es, die jungen Pflanzen gut über den Winter zu bringen. Ein wesentlicher Knackpunkt hierbei ist die richtige Sortenwahl, insbesondere auf Grenzstandorten. Die Ausdauer der empfohlenen Sorten wird in 10-jährigen Versuchsreihen auf Praxisflächen getestet. Die Versuche (sog. Ausdauerprüfungen) werden, wie die restliche Fläche auch, von Praktikern bewirtschaftet. Nur Sorten, die sich unter diesen Bedingungen auf Mittelgebirgsstandorten langjährig ertragsstark, mit guten Futterwerten und Ausdauer zeigen, werden in die Sortenempfehlung aufgenommen.

Weidelgrasnachsaat
Erfolgreiche Weidelgrasnachsaat im Oktober 2018. Erkennbar an dem "roten Fuß" der Weidelgräser.
Nachsaatwürdig ist vor allem das Deutsche Weidelgras, weil es die hohen Ansprüche der Praxis an Ertrag und Futterqualität erfüllt und gleichzeitig so konkurrenzstark ist, dass es sich gut, auch nachträglich, in Altnarben etablieren lässt. In einer ausgewogenen Mischung haben alle drei Reifegruppen des deutschen Weidelgrases ihre Berechtigung. Gerade 2019, als in den Reifeprüfungen die Rohfasergehalte durch die Kälte im Mai fast stagnierten, waren solche Bestände, die bereits erntereif abgefahren wurden, im Vorteil. Die folgenden Niederschläge kamen so bereits dem 2. Aufwuchs zugute.

Als Nachsaatmischung ist die GV mit rotem Etikett daher eine Qualitätsmischung mit einem Plus an Ertragssicherheit. Wenn trotz guter Rahmenbedingungen (Nährstoffversorgung, N-Niveau, Boden-pH, häufige Nutzung) kein Weißklee vorhanden, aber gewünscht ist (z. B. weil eine Öko-Umstellung erfolgen soll), kann auch die GVk zum Einsatz kommen, die 10 % Weißklee enthält.

Der letzte (Pflege-)Schnitt

Der letzte Schnitt sollte im Oktober erfolgen, möglichst spät, wenn noch eine Güllegabe nach der letzten Nutzung geplant ist. Gleichzeitig muss zu diesem Zeitpunkt bereits die Befahrbarkeit der Flächen im Auge behalten werden. Ziel ist es, dass die Bestände mit einer Aufwuchshöhe von 8-10 cm in den Winter gehen. Kurze Gräser bieten Pilzen und Frost weniger Angriffsfläche, wodurch das Risiko für Auswinterungsschäden reduziert wird. Zudem sind Mäuse in kurzen Beständen leichter auffindbar, sodass ihre natürlichen Feinde sie besser ergreifen können.

Schließlich ist eine vitale dichte Narbe im Herbst die beste Voraussetzung für die kommende Vegetationsperiode 2020.


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