Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Grünland & Futterbau

Grünlandmanagement im (Klima-)Wandel

Im Frühjahr 2020 zeigen sich viele Grünlandbestände von den vergangenen Dürren gezeichnet. Hinzukommen Mäuseschäden, die zuletzt teils ein dramatisches Ausmaß angenommen hatten. In vielen viehstarken Betrieben sind die Futterreserven knapp geworden, nicht selten musste Grundfutter zugekauft werden.

Für 2020 rechnen Experten mit einer erneuten Trockenheit. Laut UfZ Dürremonitor konnten die bisherigen Niederschläge lediglich die Speicher im Oberboden (bis 25 cm) füllen. Der Unterboden ist hingegen noch immer in großen Teilen von Trockenheit gekennzeichnet.

Nach trockenen Sommern sichert die Herbstnachsaat den 1. Schnitt

Dort, wo der Mäusedruck über Winter überschaubar war, bot der Herbst eine gute Gelegenheit, um die Folgen der Trockenheit zu beseitigen. Herbstnachsaaten zeigen gegenüber Frühjahrsnachsaaten einen deutlichen Entwicklungsvorsprung zum 1. Schnitt. Sie sind bereits zur 1. Nutzung ertragswirksam und reagieren deutlich toleranter auf zeitig einsetzende Frühjahrstrockenheit. Leider wird die Winterhärte der (empfohlenen) Gräser häufig unterschätzt und damit ein guter Zeitpunkt zur Bestandspflege verpasst. In den letzten beiden Jahren waren auch späte Nachsaaten im Oktober erfolgreich, die kurz vor den wiedereinsetzenden Niederschlägen durchgeführt wurden.

Auch die Klimaprognosen zeigen eine deutlich verlängerte Vegetationszeit, weshalb die Herbstnachsaat als Routinemaßnahme im Betrieb etabliert werden sollte. Wenn die Narben durch hohe Temperaturen und langanhaltende Sommertrockenheit geschwächt werden, müssen die Niederschläge im Herbst genutzt werden, um den 1. Schnitt des nächsten Jahres vorzubereiten.

Schnittregime bei Trockenheit

Vertrocknete Grasnarbe, im Vordergrund grüner Ampfer
Stumpfblättriger Ampfer, ein Pfahlwurzler, bleibt länger grün als die Grasnarbe und bildet bis zu drei Generationen Samen, wenn zur Trockenzeit kein rechtzeitiger Pflegeschnitt durchgeführt wird
Langjährige Ertragserhebungen auf Trockenstandorten zeigen, dass mit dem 1. Schnitt bereits 50 % des Jahresertrages geerntet werden. Die letzte Nutzung macht hingegen nicht selten weniger als 10 % vom Jahresertrag aus. Dennoch ist sie unerlässlich, wenn absehbar ist, dass der Bestand zu lang (> 10 cm) in den Winter gehen wird. Insbesondere dann, wenn bereits Anfang Oktober die letzte Güllegabe erfolgte, sind die Bestände in diesem Winter oft völlig überwachsen. Unter dem langen Aufwuchs konnte sich die wachsende Mäusepopulation, ungesehen von Fressfeinden, über die Flächen bewegen, Nahrung suchen und vermehren.

Auch Pflegeschnitte im Sommer, die die Gräser auf einen sauberen Wiederaustrieb vorbereiten und Ampfer am Aussamen hindern, sind dringend zu empfehlen. Gerade unter den Vorzeichen des Klimawandels sollten Pflegeschnitte als notwendige Maßnahme im betrieblichen Grünlandkonzept begriffen werden, ohne die kein optimaler 1. (und 2.) Schnitt möglich ist.

Optimal ernährte Pflanzen sind widerstandfähiger

Neben der empfohlenen Düngung (Angebot), ist hierbei auf eine optimale Nährstoffverfügbarkeit zu achten, besonders in Anbetracht der aktuell diskutierten Düngebeschränkungen.

Ausgeglichene pH-Werte (> 5,5) durch regelmäßige Kalkungen (etwa 4 t CaO/ha, alle 3 Jahre, siehe Bodenprobe) sind Voraussetzung für eine gute Nährstoffeffizienz.

Optimale Erträge können auch dann nicht erzielt werden, wenn sich nur einzelne Nährstoffe im Mangel befinden (Liebigsches Minimumgesetz). Besonders in intensiven Systemen kann auf einigen Standorten ein Schwefel-Mangel vorliegen. Hinweis darauf kann eine Teilflächendüngung oder die Grassilage-Analyse geben: RP% / 6,25 / Schwefel % ≤ 12

Schwefelmangel (>12) führt zu Ertragsrückgang und geringen Rohporteingehalten, trotz hoher Stickstoffintensität. Die Bestände weisen häufig einen geringen Leguminosenanteil auf, weshalb im Umkehrschluss beim Anbau von Leguminosen auf eine ausreichende Schwefelversorgung zu achten ist. Zum 1. Schnitt werden 20 kg Schwefel pro ha zusätzlich zur organischen Düngung (20 m3 Rindergülle) empfohlen.

Klee hält die Narbe dicht und liefert länger Ertrag

Regelmäßig über den Hochsommer schließt der Weißklee die Lücken, die das bereits mit vermindertem Wachstum reagierende Gras hinterlässt. Er schützt so auch vor dem Einwandern unerwünschter Arten in die angeschlagene Grasnarbe.

Gerade in extensiven Systemen leistet der Klee einen wesentlichen Beitrag zur Stickstoffversorgung (pro Prozentanteil Klee im Bestand 3 bis 5 kg N / Jahr und ha) und ist damit ein beutender Faktor in der Ertragsbildung. Leguminosen haben einen hohen Kali- und Phosphorbedarf, weshalb die Versorgung auf Grünlandflächen, die bisher wenig organisch gedüngt wurden (z. B. ökologischer Landbau), unbedingt zu prüfen ist.

Auf Schnittflächen kann die Nachsaat von Rotklee sinnvoll sein, sofern es Nutzungsintensität (3 bis 4 Schnitte) und betriebliche Gülleverwertung zulassen. Rotklee ist trockentoleranter als Weidelgras, bei ähnlich hohem Ertragsniveau (80 bis 120 dt TM/ha). Bei Rotkleenachsaaten im Dauergrünland sollte unbedingt auf die Mischungs- und Sortenempfehlung der Offizialberatung zurückgegriffen werden. Sie bietet eine Auswahl in Mittelgebirgslagen geprüfter und für Dauergrünland empfohlener Sorten. Das nachfolgende Management (Schnitthöhe > 8 cm, wenig Bodendruck etc.) entscheidet mit darüber, wie lange sich der Klee im Bestand hält. Nach etwa 3 bis 5 Jahren sollte die Nachsaat wiederholt werden.

Die Nachsaat trockentoleranter Gräserarten sollte hingegen wohl überlegt sein. Versuche haben gezeigt, dass sich Knaulgras bspw. schnell ausbreitet und das Deutsche Weidelgras dauerhaft aus dem Bestand verdrängen kann. Man spricht bei dem Phänomen von (Ver-)Knaulgrasung. Eine ähnliche Bestandsdynamik wurde, laut Praxisberichten, auch bei Rohrschwingelnachsaaten beobachtet. Die Bestandveränderung zeigt sich auch in den Silage-Analysen durch deutlich abfallende Energiegehalte.

Nachsaatmenge und -technik

Für Nachsaaten auf trockenen Standorten empfiehlt sich die Direktsaat (z.B. Vredo), sofern die Narbe nicht verfilzt und von gemeiner Rispe durchsetzt ist. Das Ablegen des Saatgutes in den Boden bedeutet die Anbindung an den kapillaren Wasseraufstieg und verbessert so die Ausgangssituation für den Keimling bei beginnender Trockenheit.

Wesentlich ist aber vor allem, dass ausdauernde Sorten mit hoher Regenerationsfähigkeit zum Einsatz kommen. In Mittelgebirgslagen steht die GV mit rotem Etikett als Nachsaatmischung für Ertragssicherheit und Qualität. Als Faustzahl kann mit Saatgutmengen von 10 kg/ha kalkuliert werden. Diese können auch in Teilmengen (2 x 5 kg) gesplittet werden, um im Frühjahr zur Schadensregulierung bzw. nach Pflanzenschutzmaßnahmen die Lücken zu füllen und im Spätsommer/Herbst, nach der Bekämpfung der Gemeinen Rispe, den Deutsch Weidelgrasanteil im Bestand zu erhöhen.


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