Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Grünland & Futterbau

Grünland: Jetzt geschwächte Narben sanieren

Das Grünland in Hessen hat mit 2020 das 3. überdurchschnittlich trockene Jahr in Folge erlebt. Im gesamten April fielen vielerorts keine 10 mm Niederschlag, teilweise nicht einmal 5 mm.

Abbildung: Trockenheit im Oberboden in Hessen, Dürremonitor, Stand 28.07.2020; Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung
Abbildung: Trockenheit im Oberboden in Hessen, Dürremonitor, Stand 28.07.2020; Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Auf guten Grünlandstandorten wurden im Durchschnitt beim 1. Schnitt 2020 rund 30 % weniger geerntet. Auf windexponierten Flächen mit geringer Bodenauflage lag der Ertragsverlust beim 1. Schnitt nicht selten bei – 70 %. Der 2. Schnitt war zwar meist zufriedenstellend, konnte die bereits entstandenen Verluste aber oft nicht ausgleichen.

Aktuell zeigt der UFZ Dürremonitor auf etwa dreiviertel der Landesfläche mindestens eine ungewöhnliche Trockenheit im Oberboden (25 cm) an.

Auch flächenstarke Betriebe, die aufgrund ihrer guten Grünlandausstattung bisher relativ extensiv gewirtschaftet hatten, verzeichnen in diesem Jahr empfindliche Ertragseinbußen. Der Grund: Die Dürrejahre 2018 und 2019 wirken nach. Viele Bestände haben sich deutlich verschlechtert. Lücken, die die vertrockneten Futtergräser hinterlassen haben, wurden nicht selten durch die Gemeine Rispe besetzt. So sahen die Flächen nach den ausgiebigen Winterniederschlägen zwar zunächst grün aus, mit beginnender Frühjahrstrockenheit wurde aber schnell die verschlechterte Aufwuchsleistung deutlich. Auch die Zunahme von Tiefwurzlern wie Löwenzahn, Distel, Ampfer, Wiesenkerbel und Spitzwegerich weisen auf Trockenschäden in der Narbe hin, die jetzt gut behoben werden können.

Erst Pflanzenschutz, dann Nachsaat

Der erste Schritt vor der Nachsaat ist, unerwünschte Arten aus dem Bestand zu entfernen. Dies kann mechanisch (Striegeln gegen Gemeine Rispe, Ampfer ausstechen, Pflegeschnitt etc.) oder chemisch erfolgen. Um den Kleeanteil im Bestand zu erhalten und die Gräserwirkung der chemischen Behandlung zu minimieren, wird, wenn möglich, eine Einzelpflanzenbehandlung empfohlen. Eine Auswahl gängiger Mittel und deren Wirkungsspektrum sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt.

Umfassende Informationen über zugelassene Mittel, Wirkungsspektrum und Anwendungshinweise liefert der Pflanzenschutzdienst Gießen unter:

Ausgewählte Pflanzenschutzmittel, verändert nach Pflanzenschutzdienst RP Gießen

Herbizid Klee-
schonend
Aufwand-
menge
l/kg/ha
Ampfer Brenn-
nessel
Distel Hahnen-
fuß
Jakobs-
kreuz-
kraut
Schachtel-
halm
Wegerich Warte-
zeit
in Tagen
Garlon nein 2 xx xxx
Mai-August
xx x x xx 14
Harmony SX
Nicht im Ansaatjahr, Nicht bei >25 °C
ja 0,045 xxx
volle
Rosette
14
Lodin nein 2 xx
volle
Rosette
x 3 bei Beweidung;
5 bei Schnittnutzung
Ranger nein 2 xxx
volle
Blatt-
rosette,
vor Blüte
xxx
20-30
cm
xx x x xx 14
Simplex
Auflagen
beachten
nein 2 xxx
volle
Rosette
xxx
20-30
cm
xxx
20-30
cm
xx
vor
Blüte
xxx
bestes
mittel
xx 7
U 46 M-Fluid,
Lotus MCPA,
MCPA 500
nein 2 xx
20-30
cm
xx x xx
30 cm,
Wedel
entfaltet
xxx
Mai-August
14

 

Für die chemische Behandlung ist der Zeitpunkt jetzt meist günstig. Während der Sommermonate und bei zunehmender Trockenheit sinkt die Aufwuchsleistung der Gräser. Die Tiefwurzler sind dann im Vorteil und erreichen das optimale Behandlungsstadium auch zwischen zwei Nutzungen, die bei intensiven Schnittregimen oft nur 4 Wochen auseinanderliegen. Daher gilt es, die Wartezeit im Auge zu behalten. Lange Wartezeiten zögern den Folgeschnitt hinaus, oft zu Lasten der Futterqualität.

Bei extremer Trockenheit sollte mit der Behandlung jedoch gewartet werden, bis die Zielorganismen wieder Wachstumsaktivität zeigen, denn nur vitale Pflanzen, mit ausreichender Blattoberfläche nehmen den Wirkstoff zügig auf. Somit können auch die gewünschten Wirkungsgrade erzielt werden.

An heißen Tagen (über 25 °C) ist ebenfalls von einer Behandlung abzusehen, da dann manche Wirkstoffe eine verstärkte Gräserwirkung zeigen (bis zu 1/3 Einkürzung).

Welche Nachsaattechnik

Der Striegel zur Bekämpfung der Gemeinen Rispe sollte dann eingesetzt werden, wenn die maximale Trockenheit erreicht ist. Dies ist vielerorts im August der Fall. Dann, wenn die Flächen beginnen braun zu werden, lässt sich die trockene Gemeine Rispe gut aus dem Bestand kämmen. Am Markt sind hierfür verschiedene Striegelmodelle in unterschiedlichen Preiskategorien verfügbar.

Kurz zusammengefasst: Der Erfolg der Nachsaat hängt davon ab, wie viel Boden nach dem Einsatz sichtbar ist. Je mehr Lücken geschaffen werden, umso besser für die Etablierung der Nachsaat.

Wesentliche Faktoren für ein gutes Striegelergebnis sind:

  • Bearbeitungszeitpunkt (trocken genug?)
  • Anzahl der Überfahrten (ggf. abfahren des ausgestriegelten Materials)
  • Durchmesser und Anzahl der Zinken

Die Nachsaatmenge richtet sich nach dem Lückenanteil und ist damit an die jeweilige Narbe anzupassen. Als Richtwert: Bei einem Lückenanteil von 20 % sind 10 kg/ha angemessen.

Vorteilhaft sind nachgeführte Walzen, aber nur dann, wenn sie erst zur eigentlichen Nachsaat angehängt werden und so den Bodenschluss des Saatgutes gewährleisten. Andernfalls drücken nachgeführte Walzen das herausgestriegelte Material gleich wieder an.

Auf besonders trockenen Standorten und Narben, die bereits große Lücken aber wenig Filz aufweisen, kann auch über eine Durchsaat nachgedacht werden. Hierfür eignen sich besonders Maschinen, die für die Nachsaat im Grünland entwickelt wurden und daher über einen engen Reihenabstand, eine genau einzustellende Saattiefe (etwa 1 cm tief säen) und Samendosierung verfügen, z.B. Vredo.

Mischungs- und Sortenwahl

Bei der Sortenwahl sollte auf die Qualitäts-Standard-Mischungen der Offizialempfehlung zurückgegriffen werden. Diese Sorten und Mischungen haben sich in den Ausdauerprüfungen der AG Mittelgebirge, die auf Praxisflächen angelegt und unter Praxisbedingungen bewirtschaftet werden, als besonders widerstandsfähig und ertragreich herausgestellt.
Die Sorten- und Mischungsempfehlungen des LLH finden Sie unter: https://llh.hessen.de/pflanze/gruenland-und-futterbau/dauergruenland/mischungs-und-sortenempfehlungen/

Als Nachsaatmischung auf intensiven Mähweiden ist die GV alternativlos. Die enthaltenen Weidelgräser (früh, mittel, spät) schließen schnell Lücken und liefern hohe Erträge mit sehr guter Qualität. Auf reinen Schnittflächen kann Rotklee eingemischt werden, der auch bei Trockenheit noch gute und vor allem proteinreiche Erträge liefert. Hier ist speziell auf Sorten zu achten, die im Dauergrünland geprüft sind. Sorten aus dem Ackerfutterbereich mit weniger Ausdauer hinterlassen schnell Lücken und damit erneute Eintrittspforten für Problemkräuter. Wenn die Flächen auch beweidet werden sollen, ist auf Weißklee auszuweichen, da er den Tritt und Verbiss durch Weidetiere besser verkraftet. Werden die Flächen eher extensiv genutzt (z.B. 2-schnittige Heuwiesen), kann auf Obergräser, gerne Wiesenlieschgras, ausgewichen werden. Eigenmischungen sollten im besten Fall, von jeder Art, zwei empfohlene Sorten enthalten (siehe LLH Sortenempfehlung).

Bei deutlichen Narbenschäden (> 30 %) kann es sinnvoll sein, Ansaatmischungen einzusetzen, besonders dann, wenn einzelne Arten bzw. empfohlene Sorten nicht am Markt verfügbar sind. Die GIV mit hohem Knaulgrasanteil, zum Beispiel, eignet sich besonders für sehr trockene Standorte, auf denen z.B. Heu produziert werden soll.

Nachsaat sinnvoll in das Schnitt- und Gülleregime einbauen

Spätsommernachsaaten werden in der Regel noch mindestens einmal vor Winter genutzt. Hierdurch wird die Bestockung der jungen Pflanzen angeregt und das Auswinterungsrisiko minimiert. Grundsätzlich sollten nachgesäte Flächen jedoch 4 Wochen ruhen, damit die Nachsaat nicht unnötig in Mitleidenschaft gezogen wird. Gleichzeitig sollte die Aufwuchshöhe zum Zeitpunkt der Nachsaat nicht höher als 10 cm sein. Bezogen auf das Schnittregime ist daher eine Nachsaat direkt nach der vorletzten Nutzung (z. B. zwischen dem 4. und 5. Schnitt) zu empfehlen.

In die Planung muss auch die Gülleausbringung mit einbezogen werden, denn Nachsaat und direkte Güllegabe verträgt sich selten gut. Besonders bei dickflüssigen Güllen (TS > 9 %) kann es, bei streifenförmiger Ablage, zu Verätzungen der Keimlinge kommen. Gute Ergebnisse wurden hingegen mit separierter Gülle erzielt. Bei Dt. Weidelgrasnachsaaten mit anschließender Ausbringung der Flüssigphase separierter Gülle, konnten in der Praxis gute Erfolge erzielt werden.

Außerdem sollte auch nochmal ein Blick auf die aktuellen Bodenproben geworfen werden. Bereits bei pH-Werten unterhalb von 5,5 geht die Nährstoffverfügbarkeit deutlich zurück, sprich Dünger kann weniger effizient verwertet werden.  Sofern nötig, ist hier durch Kalkung im Herbst gegenzusteuern, damit sich die gekeimte Nachsaat auch nachhaltig im Bestand etablieren kann.

Nicht zu lange auf Regen warten

Auf stark ausgetrockneten Standorten kann es sinnvoll sein, mit der Nachsaat noch zu warten, bis Niederschläge (über 10 mm) gemeldet sind. Allerdings sollte man auch nicht zu lang warten. Das Jahr 2018 hat gezeigt, dass Oktobernachsaaten, die nach der letzten Nutzung bei weiterhin vorherrschender Trockenheit ausgebracht wurden, bereits zum 1. Schnitt 2019 ertragswirksam waren. Die Frühjahrsnachsaaten 2019 liefen hingegen deutlich langsamer auf und wurden nicht selten vom 1. Aufwuchs erstickt.


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