Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Anbau & Produktionstechnik Leguminosen

Was ist bei der Ernte und Aufbereitung von Körnerleguminosen zu beachten?

Das bisher niederschlagsreiche Jahr hat zu gut entwickelten Körnerleguminosenbeständen mit vielen Hülsenansätzen geführt. Die Bestände zeigen aufgrund der guten Wasserversorgung vielerorts ihr Wachstums- und Ertragspotenzial.

Allerdings treten auf staunassen oder niederschlagsreichen Standorten vermehrt Pilzinfektionen auf, die zu Ertragseinbußen und Lagerschwierigkeiten führen können. Mit Beginn der Bestandesabreife kann es in Verbindung mit den regelmäßigen Niederschlägen zu Spätverunkrautungen kommen, die wiederum Ernteerschwernisse verursachen können. Die Verunreinigungen des Ernteguts durch grünes Pflanzenmaterial müssen bei der anschließenden Reinigung und Lagerung berücksichtigt werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich die gut entwickelten Bestände zum idealen Zeitpunkt dreschen lassen. Für die Abreife der später zu dreschenden Kulturen wie Lupinen oder Sojabohnen werden die Wetterlagen ab Mitte August und September entscheidend sein.

Ernte

In Abhängigkeit der Witterung, des Abreifeverhalten und der Verunkrautung der Bestände ist der Feuchtegehalt des Ernteguts im Blick zu behalten. Können geforderte Restfeuchten von < 14 % zum Drusch, nicht erreicht werden, sollte sich über die Möglichkeit einer Reinigung und Trocknung informiert werden. Nur so können Qualitätsverluste und die Ausbreitung von Pilzinfektionen im Lager verhindert werden. Für die spätere Nutzung der Körnerleguminosen als Futter, Saatgut oder Speiseware muss die Ware entsprechend gesund und frei von Schädlingen sein sowie gereinigt und getrocknet werden, um lagerfähig zu bleiben.

Der Besatz des Erntegutes mit Pflanzenmaterialien (Schalen, Hülsen oder Unkrautsamen), die zusätzliche Feuchtigkeit mit ins Lager bringen, ist zu vermeiden. Hierzu ist auf die richtige Einstellung des Mähdreschers zu achten. Informationen über die richtige und verlustarme Mähdreschereinstellung finden Sie auf der Seite des LeguNet (www.legunet.de) unter den jeweiligen Kulturen. Ein geringerer Besatz mit Pflanzenmaterialen verringert die späteren Kosten der Reinigung und einer möglichen Trocknung.

Reinigung

Ackerbohnen mit geringem Unkrautbesatz

Empfohlen wird, eine erste Vorreinigung der Körnerleguminosen einer Trocknung vorzuschalten, da Körner mit etwas höheren Restfeuchten (15 bis 16 %) widerstandsfähiger gegen mechanische Beanspruchung sind.
Zu beachten ist die erhöhte Schädigungs- und Bruchgefahr trockener Körnerleguminosen, in Verbindung mit einer mechanischen Vorreinigung oder dem Fall aus großer Höhe. Ein schonender Umgang mit dem Erntegut verringert den Bruchanteil und Abzüge beim späteren Verkauf. Des Weiteren können Verletzungen und Haarrisse zu erheblichem Verlust der Keimfähigkeit bei der Saatguterzeugung führen. Nach der Reinigung ist in Abhängigkeit von der gemessenen Restfeuchte zu entscheiden, ob und wie getrocknet werden muss, um eine lagerfähige Ware zu sichern.

Trocknung

Trocknen mit Außenluft

Ziel der Trocknung ist ein Restfeuchtegehalt von unter 14 %. Saatgut sollte mit einer Restfeuchte von 15 % eingelagert werden, um eine hohe Keimfähigkeit zu erhalten. Unter günstigen Temperatur- und Luftfeuchtebedingungen ist eine Trocknung mit Außenluft ausreichend, wenn von maximal 17 bis 18 % Restfeuchte herunter getrocknet werden muss. Um eine Wiederbefeuchtung des Erntegutes durch die Außenluft zu verhindern, darf die relative Luftfeuchte maximal 65 % betragen. Die Temperaturdifferenz zwischen Zuluft und der Luft im Erntestapel sollte 7°C nicht überschreiten. Generell ist darauf zu achten, dass die zugeführte Außenluft eine geringere Temperatur gegenüber der Luft im Erntestapel aufweist. Der Erfolg der Belüftungstrocknung mit reiner Außenluft nimmt mit steigender Größe der Erntekörner ab und funktioniert bei Ackerbohnen weniger gut als z. B. bei Getreide. Allgemein besitzen grobkörnige Leguminosen ein relativ schlechtes Wasserabgabevermögen, weswegen eine Trocknung immer schonend und langsam erfolgen muss. Maximal 4 % Wasser bei Futterware und 2,5 % Wasser bei Saatgut sollten pro Trocknungsgang entzogen werden. Zwischen den einzelnen Trocknungsgängen sind Abstände von mindestens drei Tagen einzuhalten.

Trocknen mit Warmluft

Bei der Einfuhr der Ernte mit Restfeuchten über 18 % muss mit Warmluft getrocknet werden. Hier ist die „kritische Korntemperatur“ und die damit zusammenhängende maximale Höhe der einzusetzenden Warmluft zu beachten (Tab. 1). Wird die kritische Korntemperatur überschritten, führt dies zum Verlust von Keimfähigkeit.

Da die Korntemperatur nicht der Temperatur der Trocknungsluft entspricht, sollte dies an unterschiedlichen Stellen des Erntehaufens händisch überprüft werden, um diese nach zu korrigieren. In der Regel liegen die Korntemperaturen jedoch unter denen der Trocknungsluft. Tabelle 1 zeigt die kritischen Korntemperaturen verschiedener Körnerleguminosen im Vergleich zu Weizen bei der Saatguttrocknung. Dabei wird von einer maximalen Einwirkungsdauer von 80 Minuten ausgegangen, um eine ausreichende Lagerfähigkeit zu erhalten und die nur dann erreicht wird, wenn im Anschluss an die Trocknung der Erntestapel auf mindestens 20°C besser 15°C runtergekühlt wird.

Tabelle 1: kritische Korntemperaturen verschiedener Saatgutarten in Abhängigkeit des Feuchtegehaltes bei einer maximalen Temperatureinwirkdauer von 80 Minuten

kritische Korntemperaturen bei der Trocknung in °C bei:
Kornfeuchte (%)AckerbohneKörnererbseLupineWeizen
Quelle: Kruse (2018): Praxishandbuch Saatgutaufbereitung
1639414452
1837384148
2034364044
2232343842

Säurekonservierung

Bei der Verwertung von Körnerleguminosen als Tierfutter können Ackerbohnen und Erbsen auch durch den Einsatz von organischen Säuren konserviert werden. Die Konservierung mit Säure muss durch ein erweitertes HACCP-Konzept dokumentiert werden. Weiter Information zu dieser Konservierungsmethode finden Sie über die UFOP-Broschüre.

Abnahme

Wer derzeit noch Vermarktungsmöglichkeiten für seine Körnerleguminosen sucht und noch keinen passenden Abnehmer gefunden hat, kann sich über die Abnehmerkarte der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) einen Überblick auch über regionale Landhändler verschaffen.

Mit Saatgut besonders vorsichtig umgehen

Sollen Ackerbohnen und Körnererbsen als Saatgut genutzt werden, ist beim Fördern im Lager nach Möglichkeit darauf zu achten, dass große Fallhöhen insbesondere bei abschließend getrockneter Ware vermieden werden. Alle Körnerleguminosen sind relativ anfällig für Haarrisse bzw. Bruch, was sich negativ auf deren Keimfähigkeit auswirkt. Speziell vor einem Anbau von Ackerbohnen sollte geprüft werden, ob die vorhandene Fördertechnik, insbesondere die Körnerschnecken, für die große Körner geeignet sind.

Ackerbohnenkäfer ist kein Lagerschädling

Lagerschädlinge machen in Ackerbohnen und Körnererbsen weniger Probleme als beispielsweise in Getreide. Der in Ackerbohnen häufig auftretende Ackerbohnenkäfer kommt über das Erntegut mit ins Lager, ist aber kein Lagerschädling, da er sich dort nicht vermehrt, sondern dort nur überwintert. Allerdings besteht die Möglichkeit, bei erneuter Aussaat im Folgejahr, den Käfer als Feldschädling gleich wieder mit auszubringen. Es ist nicht ausreichend geklärt, welche Parameter den Befallsgrad eines Bohnenbestandes mit Ackerbohnenkäfern am stärksten beeinflussen. Tendenziell scheint der Zuflug aus der Schlagumgebung eine größere Rolle zu spielen als das verwendete Saatgut.


Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag