Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Empfehlungen zum Sojaanbau

Die hessische Anbaufläche von Sojabohnen ist in 2021 im Vergleich zum Vorjahr zwar wieder leicht gesunken, von ca. 1.800 auf ca. 1.300 ha, die durchschnittlichen Erträge konnten aber mit 34 dt/ha beinahe das Niveau des Ausnahmejahres 2017 erreichen.

Bei den aktuellen Preisen für Energie, Stickstoffdünger und Eiweißfutter ist die im Vergleich zu anderen Kulturen eher extensiv zu führende Sojabohne mit ihrer sehr hohen Eiweißwertigkeit sicher eine interessante und auch wirtschaftliche Ergänzung in der Fruchtfolge, wenn es der jeweilige Standort hergibt.

Die Sojabohne stammt ursprünglich aus Südostasien und gehört wie die heimische Körnererbse oder die Ackerbohne zu den stickstoffbindenden Leguminosen. Durch fortschreitende Züchtungserfolge steht mittlerweile ein relativ breites Sortenspektrum für den Anbau in den gemäßigten Klimazonen zur Verfügung. Mit einem Gehalt von bis zu 40 % Rohprotein bei einer hohen biologischen Wertigkeit, spielt Soja eine bedeutende Rolle in der Eiweißversorgung von Schweinen und Geflügel. Gerade Soja aus ökologischer Erzeugung wird aber auch zur Herstellung von Produkten für die menschliche Ernährung verwendet. Die Verwertung beziehungsweise Vermarktung des Erntegutes sollte grundsätzlich vor dem Anbau abgeklärt werden. Für einen erfolgreichen Sojaanbau sollten einige wichtige produktionstechnische Faktoren berücksichtigt werden.

Standorteignung

Aufgrund ihrer Herkunft ist die Sojabohne eine wärmeliebende Kultur und bevorzugt daher leicht erwärmbare Böden mit einer guten Struktur und Wasserführung. Sind diese Kriterien erfüllt, kommt es weniger darauf an, ob es sich um leichtere oder schwerere Böden handelt. Grundsätzlich eignen sich Gebiete, in denen Körnermaissorten ab Reifezahlen von 240 angebaut werden auch für den Sojaanbau. Für eine optimale Wasserversorgung sollten im Frühjahr nicht weniger als 100 l/m² pflanzenverfügbares Bodenwasser zur Verfügung stehen. Der größte Wasserbedarf während der Vegetation liegt während der Blüte und insbesondere während der Kornfüllung vor. Zur Generierung von hohen Erträgen sollten den Sojapflanzen während Ihres Wachstums im Bestfall 300 l/m² Wasser über Niederschläge oder auch Beregnung zur Verfügung stehen.

Fruchtfolge

Soja besitzt eine gute Vorfruchtwirkung und kann gerade enge Getreidefruchtfolgen pflanzenbaulich aufwerten. Verglichen mit anderen Körner- oder gar Futterleguminosen hinterlässt sie nach der Ernte mit im Schnitt ca. 35 kg/ha zwar deutlich geringere Reststickstoffgehalte im Boden, liefert durch ihr Wurzelsystem aus ausgeprägter Pfahlwurzel mit intensiver Seitenbewurzelung aber eine ausgezeichnete Bodenstruktur für die Nachfrucht. Infrage kommen hier insbesondere Wintergetreidearten, welche i.d.R. auch pfluglos bestellt werden können Wenngleich die Sojabohne eine selbstverträgliche Kultur ist, sollten Anbaupausen von mindestens zwei, besser drei bis vier Jahren eingehalten werden um das Risiko des Aufbaus eines Krankheits- oder Resistenzpotentials von Anfang an zu minimieren. Aufgrund der hohen Anfälligkeit gegenüber Sklerotinia sind auch zu weiteren Wirtspflanzen wie beispielsweise Raps, Sonnenblumen aber auch Kartoffeln, Kopfsalat und Klee ausreichende Anbaupausen zu empfehlen. Dies sollte auch bei der Artenzusammensetzung von Zwischenfrüchten beachtet werden.

Kriterien der Sortenwahl

Die Basis für einen guten Sojaertrag bildet die richtige Sortenwahl. Das wichtigste Kriterium, noch vor der Ertragsleistung, sollte das Abreifeverhalten der Sorte sein. Ziel ist es, möglichst noch im September bei guten Erntebedingungen dreschen zu können. Für Hessen kommen vornehmlich Sorten der Reifegruppe „sehr früh“ (000) in Frage. Für klimatische Gunstlagen in Südhessen können auch „frühe“ Sorten (00) in Betracht gezogen werden. Es ist wichtig zu beachten, dass sich auch innerhalb einer Reifegruppe die Abreife der verschiedenen Sorten bis zu 10 Tage unterscheiden kann. Eine bessere Einschätzung des Reifezeitpunktes ermöglicht die österreichische beschreibende Sortenliste. In dieser wird die Reifezeit in die oben beschriebenen Reifegruppen und zusätzlich in 9 Stufen eingeteilt, wobei die Note eins für die frühesten Sorten sowie die Note 9 für die spätesten Sorten steht. Die Züchterhäuser bringen laufend neue Sorten für verschiedenste Standortbedingungen sowie Verwertungsmöglichkeiten auf den Markt. Für den Auswahlprozess der passendsten Sojasorte sollten die aktuellen Anbauempfehlungen und Ergebnisse der Landessortenversuche hinzugezogen werden (siehe auch LW 05 und 07/2022):

Ergebnisse des LSV Sojabohne 2021 & Empfehlungen
Ergebnisse LSV Öko-Soja 2021 und Sortenbeschreibung

Saatgutimpfung

Als Leguminose geht auch die Sojabohne zur Bindung von Luftstickstoff eine Symbiose mit entsprechenden Knöllchenbakterien (Bradyrhizobium japonicum) ein (Abb. 1).

Abb. 1: Sojawurzeln mit Knöllchenbakterien
Abb. 1: Sojawurzeln mit Knöllchenbakterien
Abb. 2: Sojabohne mit hellgrünen Bättern und ohne Wurzelknöllchen
Abb. 2: Sojabohne mit hellgrünen Bättern und ohne Wurzelknöllchen

Da die Soja keine einheimische Pflanze ist und die notwendigen Bakterienstämme natürlicherweise nicht in unseren Böden vorkommen, ist eine Impfung des Saatgutes vor der Aussaat zwingend erforderlich. Findet diese nicht oder fehlerhaft statt, kann, je nach vorhandenem Nmin im Boden, mit Ertragsrückgängen von bis zu 30% und einer Reduktion der Eiweißgehalte von bis zu 20% gerechnet werden (Abb. 2). Im Handel werden viele verschiedene Impfpräparate angeboten. Für die Aussaat mit mechanischen Drillmaschinen haben sich Impfmittel auf Torfbasis wie beispielsweise HiStick Soy oder Legumefix bewährt. Wird zur Aussaat eine pneumatische Drillmaschine verwendet, sollten Impfmittel mit Klebstoff verwendet werden, da bei den Torfpräparaten die Gefahr besteht, dass durch den starken Luftstrom in der Maschine das Impfmittel vom Saatgut abgesaugt wird. In der Praxis weit verbreitete Mittel sind Rizoliq TopS oder Turbosoy. Alle genannten Präparate sind auch im ökologischen Landbau zugelassen. Da es sich bei den in den Impfmitteln enthaltenen Bakterien um Lebewesen handelt, sollte die Impfung des Saatgutes sehr sorgfältig erfolgen und folgende Punkte speziell beachtet werden:

  • Impfung möglichst zeitnah vor der Aussaat für eine ausreichende Wirkungssicherheit
  • Das beimpfte Saatgut keinen hohen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung aussetzen
  • Bei der Zugabe von Wasser darf dieses nicht gechlort sein

Bei der Behandlung des Saatgutes mit flüssigen Impfmitteln kann es zu Verklumpungen und Brückenbildung in der Drillmaschine kommen. Um unerwünschten Saatlücken entgegenzuwirken sollte das Saatgut nach einer kurzen Trocknungszeit von ca. zehn Minuten noch einmal durchmischt werden. Um die Fließfähigkeit des Saatgutes zu erhöhen kann auch etwas Mehl, Talkum oder Graphit beigemischt werden. Wenn zum ersten Mal Soja auf der Fläche angebaut wird, sollte mit der 1,5 bis 2-fachen der empfohlenen Impfmittelmenge behandelt werden. Es ist auch schon fertig beimpftes Sojasaatgut erhältlich. Aufgrund der Unsicherheiten bezüglich der Wirkung sollte aber auch dieses Saatgut vor der Aussaat frisch angeimpft werden.

Sojaaussaat

Generell wird die Aussaat von Sojabohnen ab einer Bodentemperatur von mindestens 10⁰ C empfohlen. Wichtiger ist jedoch eine ausgeprägte Hochdruck-Wetterlage nach der Aussaat, welche ein zügiges Auflaufen und eine rasche Jugendentwicklung der Sojapflanzen ermöglicht. In diesem Zeitraum ist die Sojabohne besonders empfindlich. Daher sollte es das oberste Ziel sein, diesen Abschnitt so schnell wie möglich zu passieren. Die optimale Ablagetiefe von ca. vier Zentimetern sollte möglichst konstant eingehalten werden, insbesondere im Hinblick auf die Verträglichkeit des chemischen Pflanzenschutzes, aber auch der Belastung der Keimlinge bei der mechanischen Unkrautregulierung mit dem Striegel. Die Aussaatmenge variiert je nach Sorte zwischen 55 (00-Sorten) und 75 (000-Sorten) Kö./m². Im Anschluss an die Aussaat empfiehlt sich das Anwalzen um zum einen den Boden zu ebnen, um damit die Ernte zu erleichtern und zum anderen grobe Kluten zu zerstören und somit die Wirkung des Spritzfilmes der Vorauflauf-Herbizide zu verbessern. Auf erosionsgefährdeten und zur Verschlämmung neigenden Böden müssen Vor- und Nachteile des Walzens abgewogen werden.

Chemische Unkrautregulierung

Aufgrund ihrer zögerlichen Jugendentwicklung reagiert die Sojabohne empfindlich auf Unkrautkonkurrenz, daher ist eine effektive Unkrautregulierung essentiell für einen erfolgreichen Sojaanbau. Im konventionellen Anbau spielt die Vorauflauf-Herbizidbehandlung die entscheidende Rolle (Tabelle 1). Für Standorte mit Gänsefuß und Melde als Leitunkräuter empfiehlt sich eine Mischung aus 1,5-2,0 kg/ha Artist + 0,25 l/ha Centium 36 CS. Zählen auch der Schwarze Nachtschatten, Amarant und Hirsearten zu den Problemunkräutern, hat sich eine Mischung aus 0,6-0,8 l/ha Spectrum + 0,3-0,4 l/ha Sencor Liquid + 0,25 l/ha Centium 36 CS in der Praxis bewährt. Die Mittel Artist und Sencor Liquid enthalten den Wirkstoff Metribuzin, auf den unter anderem die 00-Sorte „ES Mentor“ mit Wachstumsstörungen bis hin zum Totalausfall reagieren kann! Aus diesem Grund sollte hier auf den Einsatz dieser Herbizide verzichtet werden. Ist mit einem geringen Auftreten von Melde, Gänsefuß und Nachtschatten zu rechnen steht noch die gut verträgliche Mischung aus 2,0 l/ha Quantum und 0,25 l/ha Centium 36 CS zur Verfügung.

Tabelle 1: Herbizideinsatz in Soja

Präparat Wirkungsspektrum
Aufwand-menge in
l bzw. kg/ha
Melde/
Gänse-
fuß
Ka-
mille
Kletten-lab-
kraut
Win-
den-
knö-
terich
Floh-/
Vogel-
knö-
terich
Nacht-
schatten
Ehren-preis Vogel-miere Taub-nessel Aus-
fall-
raps
Quelle: Beratungsempfehlungen Frühjahr 2022 Pflanzenschutzdienst / LLH, verändert nach Sojaförderring
Vorauflauf
Stomp Aqua 1,5 ++ +(+) ++ + + ++ +++ +++ +++ (+)
Centium 36 CS 0,25 + +++ +++ ++ + ++ +++ +++
Sencor Liquid 0,3 – 0,4 +++ ++ + +(+) ++ + ++++ +++ +++
Artist 1,5 – 2,0 +++ ++(+) +++ + +++ ++(+) +++ +++ +++ ++
Quantum 2 +(+) ++ + + ++ +(+) +(+) ++ ++
Spectrum 0,8 – 1,4 + +++ + + +++ + + +++
Spectrum Plus 3,0 – 4,0 ++ ++(+) ++ + + +++ ++(+) +++ +++ (+)
Artist 2,0 + 0,2 +++ +++ +++ ++ ++ ++ +++ +++ +++ ++
+ Centium 36 CS
Quantum 2,0 + 0,25 +(+) ++(+) +++ +++ ++ ++ ++(+) +++ +++
+ Centium 36 CS
Spectrum + Centium + Sencor Liquid 0,75 + 0,2 +++ +++ +++ +++ ++ +++ +++ +++ +++ +
0,3
Nachauflauf
Harmony SX Splitting 0,0075 + 0,3 ++ +++ + ++ + +++ +++ +++
+ Trend
Clearfiled-Clentiga + Mero 1,0 + 1,0 ++ ++ ++ ++ ++ ++ k.A. k.A. ++ +++

Für die Behandlung im Nachauflauf, um eine etwaige Restverunkrautung zu beseitigen, steht das Herbizid Clearfield Clentiga mit einer Aufwandmenge von 1 l/ha zur Verfügung. Es empfiehlt sich eine Mischung mit einem Netzmittel wie z.B. 1 l/ha Dash. Außerdem kann in zwei Anwendungen das Herbizid Harmony SX, einmal bei BBCH 12 und, 7 bis 14 Tage später, bei BBCH 14 der Sojabohne eingesetzt werden. Wichtig hierbei ist, dass zum Anwendungszeitpunkt wüchsiges Wetter herrscht. So kann die Sojabohne den aufgenommenen Wirkstoff schnell verstoffwechseln, ohne selbst größeren Schaden zu nehmen. Bewährt hat sich auch eine Mischung aus 1 l/ha Clearfield Clentiga + 1 l/ha Dash + 7,5 g/ha Harmony SX. Bei allen Nachauflaufmaßnahmen sollten die zu bekämpfenden Unkräuter maximal das erste Laublattpaar aufweisen um einen guten Wirkungsgrad zu erreichen. Eine Bekämpfung von Ungräsern ist in Soja problemlos zum Beispiel mit Fusilade Max oder Focus Ultra möglich. Diese Maßnahme darf aber aus Verträglichkeitsgründen auf keinem Fall in Kombination mit Clearfield Clentiga oder Harmony SX durchgeführt werden.

Mechanische Unkrautregulierung

Im ökologischen Landbau bzw. in konventionellen Betrieben, die Soja auf ökologischen Vorrangflächen anbauen, ist die Sojabohne als Hackkultur zu führen. Der Einsatz des Striegels zur ganzflächigen Unkrautregulierung kann zum sogenannten Blindstriegeln bzw. ab der Entfaltung des ersten Laubblattpaares der Soja in Betracht gezogen werden. Während der empfindlichen Auflaufphase der Sojabohnen sollte allerdings kein Striegeleinsatz erfolgen, um das Abbrechen der Keimlinge und damit Kulturpflanzenverluste zu vermeiden. Dagegen kann ab dem Auflaufen ein Verschütten der Sojakeimlinge mit 2 bis 3cm Erde ein wirksames Mittel sein, um Unkräuter in der Reihe zu stören. Außerdem können so die zu diesem Zeitpunkt empfindlichen Sojapflanzen vor möglichen Nachtfrösten geschützt werden. Diese Maßnahme kann bis zum Erscheinen des ersten Laublattpaares z.B. mit einem Flachhäufler durchgeführt werden. Im Anschluss sollte wüchsiges Wetter der Sojabohne ein erneutes Durchstoßen erleichtern.

Nach dem Entfalten des ersten Laubblattpaares weisen die Sojapflanzen i.d.R. eine ausreichende Standfestigkeit auf, sodass wieder Striegeldurchgänge erfolgen können. Im Hinblick auf die Witterungsverhältnisse, den Bodenzustand und das Entwicklungsstadium der Unkräuter gelten dieselben Empfehlungen wie bei anderen Kulturen auch. Generell sind die Einstellung der Maschine und damit verbunden der Maßnahmenerfolg sowie die Kulturpflanzenverluste mehrmals während des Einsatzes zu kontrollieren und ggf. anzupassen. Ab dem Entfalten des ersten Laublattpaares kann außerdem ein leichtes Anhäufeln seitlich unter die beiden Blätter erfolgen. Dies kann je nach Unkrautdruck, abwechselnd mit einem Striegelgang, mehrmals durchgeführt werden. Versuche haben gezeigt, dass zu häufiger bzw. zu später Striegeleinsatz (ab dem 4. Laubblattpaar) zu Wachstumsstörungen der Kulturpflanzen mit negativen Auswirkungen auf Standfestigkeit und Beerntbarkeit führen können. Daher sollte ab diesem Zeitpunkt die Unkrautregulierung besser mit der Reihenhacke erfolgen. Zur Störung der Unkräuter in den Pflanzenreihen können die gängigen Zusatzwerkzeuge wie Finger- oder Torsionshacke sowie Flachhäufler zum Einsatz kommen. Bei den Flachhäuflern ist allerdings zu bedenken, dass sie auf steinigen Böden die Steine zu nah an die Sojapflanzen schieben können, was zu Erntebehinderungen führen kann. Die Einsatzmöglichkeiten der Hacke enden mit Reihenschluss des Sojabestandes.

Krankheiten und Schädlinge

Abb. 3: Sklerotinia in Sojabohnen
Abb. 3: Sklerotinia in Sojabohnen

Grundsätzlich spielen Krankheiten und Schädlinge im Sojaanbau in Deutschland beziehungsweise in Hessen aufgrund des geringen Anbauumfangs momentan noch eine untergeordnete Rolle. Die Sojabohne kann von Sklerotinia, auch bekannt unter dem deutschen Namen „Weißstängeligkeit“ (Abb. 3), befallen werden, was je nach Befallsstärke auch zu Ertragseinbußen führen kann. Aus diesem Grund sollten die nötigen Anbaupausen zwischen Wirtspflanzen (z.B. Kruziferen, Sonnenblumen), sowohl als Hauptkultur als auch als Bestandteil einer Zwischenfruchtmischung, beachtet werden. Dies gilt insbesondere auf vorbelasteten und besonders gefährdeten feuchteren Standorten. Als unproblematische Zwischenfrüchte vor Sojabohnen eignen sich z.B. die Arten Phacelia und Rauhafer. Da keine Fungizide für den Einsatz in Soja zugelassen sind, besteht keine Möglichkeit chemisch gegen etwaigen Krankheitsbefall vorzugehen.

Insbesondere in Stadtrandnähe können Tauben in zögernd auflaufenden Sojabeständen durch das Abfressen der jungen Keimlinge auch zu größeren Schäden führen. Vergrämungsmittel wie etwa Flugdrachen oder Schussapparate zeigen leider oftmals, wenn überhaupt, nur eine kurze Wirkung. Nach der Keimphase spielt der Taubenfraß keine ertragsrelevante Rolle mehr.

Die Raupen des Afrikanischen Distelfalters (Vanessa cardui) können in einzelnen Jahren verstärkt in Mitteleuropa auftreten und zu größeren Fraßschäden in Sojabeständen führen. Der Befall tritt oft nesterweise im Pflanzenbestand auf. Ab einer Schadschwelle von 20 Raupen pro laufendem Meter oder ein bis zwei Befallsherden auf 100 m2 sollte eine Bekämpfung erfolgen, um Ertragsverluste zu vermeiden. Im konventionellen Anbau steht das Insektizid Karate Zeon mit einer Aufwandmenge von 75 ml/ha zur Verfügung. Im Öko-Landbau kann nach einer Einzelfallgenehmigung des zuständigen Pflanzenschutzdienstes das B.t.-Präparat XenTari eingesetzt werden.

Ernte

Abb. 4: Erntereifer Sojabestand mit vereinzelt grünen Blättern
Abb. 4: Erntereifer Sojabestand mit vereinzelt grünen Blättern
Abb. 5: nicht vom Schneidwerk erfasste Sojahülsen auf der Stoppel
Abb. 5: nicht vom Schneidwerk erfasste Sojahülsen auf der Stoppel

In Abhängigkeit der Witterung, des Standortes und der Sorte beginnt die Abreife der Sojapflanzen in der Regel ab etwa Anfang September. Dabei werfen die Pflanzen ihre Blätter ab. Die Druschreife ist erreicht, wenn sich die Bohnen von der Hülsenwand gelöst haben und bei Bewegung hörbar in den Hülsen klappern. Vereinzelte grüne Blätter und Hülsen können dabei vorkommen und sind kein Problem (Abb. 4). Eine Herausforderung bei der Sojaernte stellt der niedrige Hülsenansatz dar . Um Ernteverluste zu minimieren muss das Schneidwerk so nah wie möglich an der Bodenoberfläche geführt werden (Abb. 5). Eine ebene Bodenoberfläche zahlt sich hier besonders aus, um die Gefahr von Erde und Steinen, die vom Schneidwerk mit aufgenommen werden zu reduzieren. Von Vorteil sind hier entweder relativ schmale, oder Flexschneidwerke. Letztere sind in Deutschland i.d.R. nur selten verfügbar, eventuell über einen gut ausgestatteten Lohnunternehmer. Für die Erzeugung von Saatgut oder Speiseware muss mit besonderer Sorgfalt gedroschen werden, um unnötige Beschädigungen der Körner zu vermeiden. Dazu sollte beispielsweise das Erntegut beim Drusch nicht zu trocken sein und die Entleerungsschnecke des Korntanks nicht mit hoher Drehzahl unter Belastung laufen.

Fazit

In den letzten Jahren sind in Hessen immer mehr Betriebe in den Anbau von Körnerleguminosen eingestiegen, nicht zuletzt auch durch das Förderprogramm HALM C.1, in dem der Leguminosenanbau obligatorisch ist. Die Sojabohne stand in 2021 nach Ackerbohne, Körnererbse und vor der Lupine an dritter Stelle, bezogen auf die hessische Anbaufläche. Dabei nimmt sie ca. 10% der Gesamtfläche der zuvor genannten Körnerleguminosen ein. Vieles spricht dafür, dass sich die absolute Fläche und der Flächenanteil noch vergrößern. Es kommen ständig neue Sorten auf den Markt wodurch auch auf Grenzstandorten ansprechende Erträge realisiert werden können. Auch der Klimawandel trägt seinen Teil dazu bei. Außerdem könnte das Angebot von GVO-freien Sojabohnen bzw. GVO-freiem Sojaschrot absehbar nicht größer, sondern eher kleiner werden. Hauptanbauländer von GVO-freiem Soja wie Brasilien und Indien weiten den Anbau nicht aus bzw. verbrauchen die angebaute Soja zunehmend im eigenen Land. Die knappe Versorgungslage ist auch mit ein Grund dafür, dass die Preise für konventionelle, GVO-freie Sojabohnen momentan bei ca. 580€/t, und damit über 50% höher als in den vergangenen Jahren, liegen. Ein Preisrückgang bis auf oder unter das vorherige Niveau ist aufgrund der Gesamtentwicklung tendenziell eher unwahrscheinlich. Zusammen mit den gestiegenen Energie-, Pflanzenschutz- und Düngerpreisen ist ein wirtschaftlicher Anbau von Sojabohnen, wenn die pflanzenbaulichen Grundlagen berücksichtig werden, also kein Ding der Unmöglichkeit.


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