Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Sommergetreide

EIP Projekt „SorgEnloS“ – Kornsorghum für Hessen

Projekt zur Etablierung neuer, lokal-adaptierter Körnerhirsesorten für die Kornnutzung

Die Anpassung an den Klimawandel sowie die Förderung der Biodiversität sind zentrale Handlungsfelder des zukünftigen Pflanzenbaus. Gerade zunehmend auftretende Trockenereignisse stellen die heimische Landwirtschaft vor Herausforderungen und erfordern erweiterte Fruchtfolgesysteme. Kornsorghum (Sorghum bicolor L. Moench) ist eine trockentolerante, vielseitig nutzbare Kulturpflanze mit zahlreichen agrarökologischen Vorteilen. Als Sommerung kann Kornsorghum vielfältig in bestehende Fruchtfolgesysteme integriert werden, ihre Trockentoleranz trägt zur Risikominderung bei. Besonders während der defizitären Sommermonate dient Kornsorghum zudem als Pollenquelle für die Bienenernährung, womit auch agrarökologische Ziele adressiert werden können. Die Nutzung von Kornsorghum für sowohl tierische als auch menschliche Ernährung ermöglicht darüber hinaus den Aufbau neuer, regionaler Wertschöpfungsketten. Gerade tanninhaltige Sorghumkörner können in der Humanernährung als hochwertiges, glutenfreies Lebensmittel Verwendung finden.

Körnerhirse im Feld
Bislang fristet die Körnerhirse hierzulande ein Nischendasein, Foto: JLU Gießen

Aktuell wird Sorghum nur in geringem Umfang in Deutschland zur Nutzung als Biogassubstrat angebaut. Diese Pflanzentypen sind jedoch hochwachsend und massebetont, sodass sie nicht für den Mähdrusch geeignet sind. Zur Nutzung des Korns sind gegenwärtig noch keine lokal adaptierten Sorten verfügbar und auch zu pflanzenbaulichen Fragestellungen liegen unter hessischen Bedingungen noch keine Informationen vor.

Das Europäische Innovationspartnerschaft Projekt (EIP) „SorgEnloS“ (Sorghum für Kornnutzung in Hessen: Etablierung von neuen, lokal-adaptierten Sorten) hat sich daher die Adaption und Etablierung von Kornsorghum in Hessen zum Ziel gesetzt. Das zweijährige Projekt startete im Frühjahr 2021 und verfolgt dabei einen partizipatorischen Ansatz aus Forschung und Praxis. Zentrales Element ist die züchterische Entwicklung eines auf Hessen angepassten Sortenportfolios durch die Justus-Liebig-Universität Gießen. Parallel dazu werden Exaktversuche zu pflanzenbaulichen Parametern (wie Saatstärke, Aussaattechnik und Düngung) an zwei Standorten (Friedberg, Griesheim) durch den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) durchgeführt. Auch die praktische Landwirtschaft wird stark mit einbezogen, um die Akzeptanz in der heimischen Landwirtschaft sicherzustellen: Auf fünf Betrieben im Raum Mittel- und Südhessen werden dafür diverse Sortenkandidaten angebaut. Auf diese Weise können Erkenntnisse direkt aus und in die Praxis zurückgespiegelt werden – sowohl durch Feldtage und Beratungsarbeit des LLH, als auch durch wissenschaftliche Publikation auf Tagungen sowie in pflanzenzüchterischen Fachjournalen.

Hauptverantwortlicher Projektpartner ist die Professur für Pflanzenzüchtung der JLU Gießen (Ansprechpartner Steffen Windpassinger). Seitens des LLH wird das Projekt durch die Fachinformation Pflanzenbau betreut, Ansprechpartnerinnen sind Cecilia Hüppe und Prof. Dr. Antje Herrmann.


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