Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Sonnenaufgang für die Sonnenblume?

Bisher war der Anbau von Sonnenblumen in Deutschland eine echte Nische. Mit dem Klimawandel, den neuen Anforderungen an die Fruchtfolgegestaltung sowie den veränderten Preiskonstellationen aufgrund des Ukraine-Krieges wird der Anbau aber auch hierzulande attraktiver. Worauf es dabei ankommt, zeigt Frank Hahn.

Mit Sonnenblumen ist es wie mit Hundewelpen: Allein der Anblick eines blühendes Feldes sorgt für Verzückung und ein wohliges Gefühl. In Deutschland ist der Sonnenblumenanbau aber seit langem eine Nische. In den vergangenen Jahren lag die Fläche stets unter 40 000 ha. In diesem Jahr haben die Landwirte den Anbau auf über 85 000 ha ausgedehnt. Das ist vor allem auf die fehlenden Importe wegen des Ukraine-Krieges und die damit verbundenen attraktiven Preise zurückzuführen. Möglicherweise bietet sich damit für manche Betriebe eine langfristige Perspektive. Denn bekanntermaßen müssen unsere Fruchtfolgen aus verschiedensten Gründen auf den Prüfstand. So sieht z. B. die neue gemeinsame Agrarpolitik (GAP) eine größere Vielfalt bei den Kulturen vor. Einschränkungen in der Düngung und im Pflanzenschutz sind weitere Herausforderungen, die vielfältige Fruchtfolgen verlangen. Hinzu kommt der Klimawandel, der sich vermehrt durch Vorsommertrockenheit, Hitze im Sommer oder auch Starkniederschläge bemerkbar macht. 

Was braucht die Sonnenblume?

Für einen erfolgreichen Anbau benötigen die frühen Sorten eine Temperatursumme von mindestens 1500 ° C auf Basis von 6 ° C . Dies entspricht in etwa den Anforderungen eines Körnermaises der Reifegruppe K 230 oder einer 000-Sojabohne. Im Schnitt wurden in den letzten zehn Jahren in Deutschland rund 21 dt/ha geerntet. Auf guten Standorten liegt das Ertragspotential zwischen 30 und 40 dt/ha, auf leichten Standorten bei 20 bis 30 dt/ha.  Ziel muss es sein, die Sonnenblume bis Ende September erntereif zu bekommen. Im Oktober steigt das Risiko einer schlechten Abtrocknung der Bestände. Nicht nur Regen kann zu Problemen führen, sondern bereits Tau. So kann Fäulnis an den Körben entstehen.

Je nach Produktionsziel unterteilt man Sonnenblumen in zwei Kategorien.

Die erste Kategorie sind High-Oleic-Sorten (HO-Sorten), die einen Ölsäureanteil von 75 bis 93 % aufweisen können. Mit einem hohen Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren und einem geringen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren besitzt das Öl eine sehr hohe Hitze- und Oxidationsstabilität. Es wird als Frittieröl oder in der Schmierstoffherstellung verwendet. Die zweite Kategorie sind die Low-Oleic-Sorten (LO-Sorten). Hier liegt der Anteil an ungesättigten Fettsäuren bei ca. 15 bis 20 % Ölsäure. Der Linolsäureanteil liegt bei ca. 70 %. Sie besitzen ein höheres Ertragspotential als die HO-Sorten. HO-Sorten blühen im Vergleich zu LOSorten bis zu acht Tage später. Dadurch haben sie in der Kornfüllungsphase einen etwas höheren Anspruch an die Wasserversorgung.

Es wird empfohlen, HO- und LO-Sorten nicht unmittelbar nebeneinander anzubauen. Mindestens 200 m Abstand sollten gehalten werden, um die Pollenübertragung zwischen den Sortentypen so gering wie möglich zu halten.

Wasserbedarf.

Sonnenblumen können vergleichsweise gut mit geringen Wassermengen auskommen. Das liegt zum einen an den Wurzeln, die sehr kräftig sind und die Wasservorräte in tiefen Bodenschichten erschließen können. Zum anderen

können sie die Nährstoffe sehr schnell aufnehmen und einlagern, was der Sonnenblume in trockenen Jahren einen deutlichen Vorteil gegenüber vielen anderen Kulturen verschafft. Insgesamt kann man ihr eine gute Trockenheit- und Hitzetoleranz attestieren. Wichtig ist nur, dass zur Zeit der Blüte (Mitte bis Ende Juli) ausreichend Wasser zur Verfügung steht.

Die Aussaat kann beginnen, sobald der Boden ausreichend erwärmt ist und sich ohne Strukturgefährdung bearbeiten lässt.

Das bedeutet, die Bodentemperatur sollte bei 6 bis 8 ° C liegen. Je nach Jahr und Region kann das Ende März bzw. Anfang April sein. In der Jugendentwicklung können die Pflanzen durchaus Fröste bis – 5 ° C abpuffern. Die ideale Pflanzenzahl liegt bei 7 Pfl./m2. Auf schwachen Standorten kann die Saatstärke bis auf 6 Pfl./m2 reduziert werden. Ertragsstarke Standorte mit einer sicheren Wasserversorgung vertragen auch 7,5 Pfl./m2. Da die Sonnenblume hohe Anforderungen an die Standraumverteilung stellt, sollte die Aussaat im Einzelkornverfahren erfolgen. Der Reihenabstand kann zwischen 33 und 60 cm variieren. Bei engerem Reihenabstand sind die Pflanzen in der Regel kürzer, was die Lagergefahr verringert. Generell ist das Lagerrisiko bei Sonnenblumen nicht zu unterschätzen. Bei zu hohen Bestandesdichte (> 7,5 Pfl./m2) treiben sich die Pflanzen gegenseitig in die Höhe und bieten für Wind eine größere Angriffsfläche. Bei zu niedrigen Pflanzenzahlen (< 5 Pfl./m2) werden die Körbe zu groß und zu schwer.

Auch die Düngung hat Einfluss auf die Standfestigkeit.

Der Stickstoff- und Phosphorbedarf ist vergleichsweise gering. In Abhängigkeit von Ertrag und dem Stickstoffgehalt im Boden liegt der N-Düngebedarf bei 60 bis 100 kg/ha. Bei zu hohen Gaben wachsen die Pflanzen verstärkt in die Länge, wodurch das Lagerrisiko und auch die Krankheitsanfälligkeit steigt. Aus diesem Grund sind auch Vorfrüchte mit hoher N-Nachlieferung (Leguminosen) wenig geeignet. Der Bedarf an Kali ist dafür deutlich höher. Sonnenblumen sind chloridempfindlich. Kommen chloridhaltige Kalidünger zum Einsatz, sollte die Düngung am besten im Herbst durchgeführt werden (nur auf mittleren und schweren Böden). Unmittelbar zur Saat sind Sulfatformen zu bevorzugen.

Der Magnesium- und Schwefelbedarf liegt zwischen 20 und 30 kg/ha. Darüber hinaus sollte die Bordüngung nicht vernachlässigt werden. Der Bedarf liegt zwischen 200 und 400 g/ha.

Die Pflanzenschutzintensität ist bei der Sonnenblume gering.

Der Fokus liegt ganz klar auf der Herbizidbehandlung. Die Pflanzen benötigen für eine ungestörte Entwicklung einen unkrautfreien Bestand. Hier werden in der Regel Bodenherbizide im Vorauflauf eingesetzt. Es gibt auch einige Sorten, die resistent sind gegen die Wirkstoffe Tribenuron (Express-Sun-Sorten) oder Imazamox (Clearfield-Sorten). Bei diesen Sorten kann zusätzlich eine Herbizidbehandlung mit den entsprechenden Wirkstoffen im Nachauflauf stattfinden. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr von Ausfallsonnenblumen in der Folgekultur, was für Bekämpfungsschwierigkeiten mit Sulfonylharnstoffen sorgt. Grundsätzlich kann die Sonnenblume als Sommerung aber einen wertvollen Beitrag in der Ungrasbekämpfung leisten. Durch den Wirkstoffwechsel und ackerbauliche Maßnahmen lässt sich der Gräserdruck senken.

Vorsicht bei Raps und Sonnenblumen in einer Fruchtfolge.

Beide Kulturen sind anfällig für Sclerotinia. Gleiches gilt auch für Erbsen und Kartoffeln. Die im Boden liegenden Dauerkörper des Pilzes können die Sonnenblumenpflanzen in allen Stadien befallen. Bei starkem Befall kann es zu Totalausfällen kommen. Auf Flächen, auf denen intensiv Raps angebaut wurde bzw. wird, kann bei feuchter Witterung in der Blüte der Einsatz eines Fungizides punktuell sinnvoll sein. Am besten helfen jedoch entsprechende Anbaupausen. Zwischen Raps und Sonnenblumen sollten mindestens drei Jahre liegen. Und auch die Sonnenblumen selbst sollten erst nach vier bis fünf Jahren auf dem selben Schlag stehen. Gute Vorfrüchte sind Getreide, Mais und Zuckerrüben.

Die Ernte kann bei einer Kornfeuchtigkeit von 15 bis 20 % beginnen.

Für eine gute Lagerfähigkeit sollten die Kerne eine Feuchtigkeit von 9 % besitzen. Grundsätzlich ist eine Ernte mit dem Getreideschneidwerk möglich. Es sorgt aber tendenziell für etwas höhere Verluste. Die besten Erfolge erzielt man mit Spezialschneidwerken oder Maispflückern.

Raps versus Sonnenblume?

Grundsätzlich Sollten wir die Sonnenblumen als Ergänzung für unsere Fruchtfolgen betrachten und nicht z. B. den Winterraps durch sie ersetzen wollen. Denn Raps als unsere wichtigste Ölfrucht ist gleichzeitig die wichtigste Blattfrucht. Im Vergleich zur Sonnenblume hat er auch einen deutlich besseren Vorfruchtwert. Zudem erzielt der Raps einen höheren Erlös. Die Sonnenblume kann hingegen mit den deutlich niedrigeren Kosten bei Pflanzenschutz, Düngung und bei der Arbeitserledigung punkten und somit vergleichsweise günstig produziert werden. Höhere Kosten entfallen lediglich auf das Saatgut und die Trocknung. Zudem lassen sich winterkulturlastige Fruchtfolgen aufbrechen und Arbeitsspitzen reduzieren. Bei Ertragsdifferenzen von 4 bis 6 dt/ha zwischen Raps und Sonnenblumen kann man je nach Region und Standortvoraussetzungen bei der aktuellen Preiskonstellation eine wettbewerbsgleiche Grundrente erzielen.


Dieser Beitrag ist in den „DLG-Mitteilungen“ erschienen.


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