Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Wintergetreide

Lohnt sich der Dinkelanbau? Eine ökonomische Analyse

Dinkel ist im konventionellen Anbau bis dato ein Nischenprodukt, wird jedoch mehr und mehr auf größerer Fläche angebaut. Denn die Nachfrage nach dem Verwandten des Weizens steigt: Stellten die deutschen Mühlen dem Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BLZ) zufolge im Jahr 2015/16 noch etwa 90.000 t Mahlerzeugnisse aus Dinkel her, waren es im Wirtschaftsjahr 2018/19 mit ca. 171.000 t fast doppelt so viel.

Andere Stimmen vermuten dagegen Berichten der Agrarzeitung zufolge (August 2021) einen Anbaurückgang in den Folgejahren aufgrund von Marktsättigung. Wie kann der Anbau von Dinkel aus ökonomischer Sicht verglichen mit anderen Getreidesorten bewertet werden? Philipp Heimel, Berater für Ökonomie und Verfahrenstechnik beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), gibt Einblicke in die Rentabilität von konventionellem Dinkelanbau.

Um aus ökonomischer Sicht die richtige Anbauentscheidung zu treffen, ist eine betriebsindividuelle Betrachtung von Leistung und Kosten relevant. Für den Vergleich von Kulturen wird dazu die Methode der Grundrentenberechnung herangezogen.

Die Grundrente setzt sich zusammen aus Betriebsertrag abzüglich der Direktkosten, der Arbeitserledigungskosten sowie der Festkosten (s. Abb. 1). In den Arbeitserledigungskosten wird der Lohnansatz für nichtentlohnte Arbeitskräfte (Betriebsleiter, Familienarbeitskräfte) mitkalkuliert. Dazu wird in der vorliegenden Kalkulation ein
Lohnansatz von 25 €/Std. gewählt.

Abb. 1

Quelle: Grundrentenberechnung
   Markleistung (Ertrag x Preis)
+ Prämie
= Betriebsertrag

–  Direktkosten (Dünger, Pflanzenschutzm., Saatgut; etc.)

= Direktkosten freie Leistungen

–  Arbeitserledigungskosten

= Direkt- & Arbeitserledigungskosten freien Leistungen

–  Festkosten (Gebäude, Büro, etc.)
= Grundrente

Zu beachten bei der Ermittlung der Grundrente sind gewisse Vorfruchtwerte der Kulturen. Denn diese können sich monetär in Form eines höheren Ertrages oder geringerer Kosten für Pflanzenschutz oder Düngung auswirken. Von der Grundrente müssen anschließend noch die Flächenkosten (Pacht oder Pachtansatz) beglichen sowie das unternehmerische Risiko entlohnt werden.

Im vorliegenden Beispiel wird die Grundrente von Dinkel in zwei Varianten (bespelzt und entspelzt) errechnet und mit der Grundrente von Winterweizen in zwei Vorfruchtvarianten (Silomais (SM) und Rübe) sowie mit Wintergerste verglichen (Abb. 2). Silomais wurde ebenfalls als Vorfrucht für den Dinkel (bespelzt und entspelzt) einkalkuliert. Für Wintergerste wurde die Vorfrucht Winterweizen geplant.

Abb. 2

Weizen (SM) Weizen (Rübe) Wintergerste (WW) Dinkel Dinkel entspelzt
Grundrente Winterweizen, -gerste und Dinkel
Ertrag dt/ha 82 82 78 70 49
Preis €/dt 16,5 € 16,5 € 15,5 € 21,0 € 40,0 €
Prämie €/ha 260,0 € 260,0 € 260,0 € 260,0 € 260,0 €
Leistung 1.613 € 1.613 € 1.469 € 1.730 € 2.220 €
Saatgut €/ha 68 € 68 € 48 € 250 € 250 €
Pfl-schutz €/ha 168 € 180 € 173 € 141 € 141 €
Düngung €/ha 245 € 235 € 215 € 192 € 192 €
N-Menge kg N/ha 183 171 148 136 136
Direktkosten 481 € 483 € 436 € 583 € 583 €
DfL 1.132 € 1.130 € 1.033 € 1.147 € 1.637 €
AEL-Kosten €/ha 650 € 632 € 648 € 652 € 1.078 €
Hagelversicherung €/ha 12 € 12 € 12 € 12 € 12 €
Gebäude €/ha 60 € 60 € 60 € 60 € 60 €
Allgemeinkosten €/ha 85 € 85 € 85 € 85 € 85 €
Grundrente €/ha 325 € 341 € 228 € 338 € 402 €

Für die bespelzte Dinkel-Variante wird ein Ertrag von 70 dt/ha angenommen (Abb. 2, Spalte 4). Damit ist das Ertragsniveau um 12 dt/ha niedriger im Vergleich zum Winterweizen gleich welcher Vorfrucht. Dies entspricht auch dem Anbaudurchschnitt: Der Dinkelertrag liegt durchschnittlich etwa 10-15 dt/ha unter Weizen. Dinkel wird in Deutschland zum größten Teil über den Vertragsanbau vermarktet. Aus diesem Grund wurde auch in der Kalkulation von Vertragsanbau ausgegangen. Dabei leitet sich der Dinkel-Preis vom Weizen-MATIF-Preis ab. In der vorliegenden Berechnung wurde ein Erlös von 21,00 Euro/dt für den gespelzten Dinkel angenommen. Der Erlös für entspelzte Ware wurde mit 40 Euro kalkuliert.

Beim entspelzten Dinkel (Spalte 5) ist zu beachten, dass der Ertrag aufgrund der abzuziehenden Spelzen ca. 30 % unter dem des bespelzten Getreides liegt, dagegen ist der Preis höher. Der niedrigere Ertrag muss in der Kalkulation beachtet werden. Somit ergibt sich für den entspelzten Dinkel ein Ertragsniveau von 49 dt/ha.

Während sich für beide Dinkelvarianten höhere Leistungen verglichen mit dem Weizen und der Gerste ergeben, fallen auch die Direktkosten der beiden Dinkelvarianten mit jeweils 583 Euro/ha deutlich höher aus im Vergleich zum Winterweizen (WW (SM) 481 Euro/ha, WW (Rübe) 483 €/ha) und der Wintergerste (436 €/ha). Die höheren Kosten beruhen auf mehreren Faktoren: Zum einen fallen beim Dinkel höhere Saatgutkosten an, da im Vertragsdinkelanbau lediglich zertifiziertes Saatgut verwendet werden darf. Weiterhin sorgt die Entspelzung des Dinkels für zusätzliche Kosten, was mit 6 Euro/dt kalkuliert wurde und für höhere Gesamt-AEL-Kosten beim entspelzten Dinkel sorgt. Der bespelzte Dinkel weist im Vergleich zum Weizen nur leicht höhere AEL-Kosten vor. Diese sind auf die höheren Transportkosten infolge des größeren Volumens zurückzuführen. Die Kosten im Bereich Pflanzenschutz und Düngung fallen beim Dinkel beider Varianten dagegen etwas niedriger als beim Weizen und der Gerste aus. Die Festkosten wurden in Anlehnung an die Festkosten der hessischen Ackerbaubetriebe, die in regelmäßigen Abständen vom LLH erhoben werden, kalkuliert.

Die beispielhafte Betrachtung der Grundrente der verschiedenen Kulturen zeigt, dass der Dinkel als bespelzte Ware mit 338 €/ha eine leicht höhere Grundrente erzielen kann als der Winterweizen nach Silomais mit 325 €/ha. Der Winterweizen nach Zuckerrüben schneidet mit einer Grundrente von 341 €/ha leicht besser ab als bespelzter Dinkel. Bei einer Entspelzung des Dinkels kann die Grundrente sogar auf 402 €/ha ansteigen und ist damit dem Weizen gleich welcher Vorfrucht überlegen. Die Grundrente von Wintergerste liegt mit 228 €/ha deutlich unter der von Dinkel beider Varianten und von Winterweizen gleich welcher Vorfrucht.

Unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus der Beispielsberechnung kann aus ökonomischer Sicht der Anbau von Dinkel im Vergleich zur Wintergerste bevorzugt werden. Als Ersatz für den Winterweizen bringt der Dinkel in bespelzter Form keinen wirtschaftlichen Vorteil. Eine Entspelzung des Dinkels ist für die Wirtschaftlichkeit durchaus von Vorteil. Des Weiteren kann das entspelzte Produkt deutlich besser gehandelt werden. Allerdings muss die Entspelzung zu angepassten Kosten möglich sein.


Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag