Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Ungräser im Bestand: Wie geht es nach der Ernte weiter?

Land auf, Land ab – egal wohin man fährt: In vielen Gemarkungen sind Flächen mit einem Besatz an Ackerfuchsschwanz, Trespen oder Windhalm zu finden. Haben sich Ungräser im Bestand etabliert, ist für die aktuelle Saison nicht mehr viel zu ändern – aber für die Zukunft zu lernen! Denn jetzt zählt der richtige Umgang mit dem Ausfallsamen.

Stärke des Gräseraufkommens entscheidet über Maßnahmen

Sind die Bestände sehr stark mit Ackerfuchsschwanz oder Trespe durchsetzt, sodass ein zeitiges Lager droht oder diese gar nicht beerntet werden können und somit der Ertrag massiv beeinträchtigt ist, kann der Bestand optional als Getreide-Ganzpflanzensilage (GPS)  verarbeitet und einer Biogasanlage zugeführt werden. So wird das Samen-Potential deutlich verringert. Der Samen wird zum Großteil im Siliervorgang und in der Biogasanlage abgebaut, sodass von keiner übermäßigen Verschleppung durch Gärreste auszugehen ist.

Für Flächen in denen der Besatz leicht bis moderat ausfällt gilt es, nach dem Dreschen den Ausfallsamen zum Auflaufen zu bringen und nicht zu vergraben. Dies gelingt am besten mit einem Strohstriegel. Dieser produziert Feinerde und schüttelt die Samen aus der Strohmatte, welche dann bei Feuchtigkeit keimen und auflaufen.

In diesem Zusammenhang spielt das Thema Keimruhe eine wichtige Rolle. Zunächst soll dazu der Ackerfuchsschwanz betrachtet werden.

Der ausfallende Ackerfuchsschwanzsamen befindet sich zunächst in der primären Keimruhe und ist somit noch nicht sofort keimfähig. Die Dauer der Keimruhe ist zum einen genetisch vorbestimmt und zum anderen an die Witterung gekoppelt. Warmes Wetter (> 20° Celsius) führt zu einer kurzen primären Keimruhe. Der Samen ist dann circa nach 4-6 Wochen in der Lage zu keimen. Bei einer kühlen Wetterlage verlängert sich dieses Zeitfenster entsprechend. Durch die verzettelte Entwicklung der einzelnen Bestockungstriebe einer Ackerfuchsschwanzpflanze kommt es zu einer Zeitverschiebung der Keimruhen der Samenstände. Unterschiedliche genetische Herkünfte innerhalb einer Ackerfläche verstärken den verzettelten Auflauf.

Flache Stoppelbehandlung als A & O

Wird der Fuchsschwanzsamen durch eine zu tiefe Stoppelbearbeitung vergraben, wird er aus der primären Keimruhe in die sekundäre Keimruhe überführt. Somit ist er in diesem Jahr nicht mehr keimfähig. Der Bodenvorrat wird mit den vergrabenen Samen aufgefüllt. Samen, die sich in der sekundären Keimruhe befinden, sind in den Folgejahren durch einen minimalen Lichtreiz bereits wieder keimfähig und können damit sofort in Keimstimmung versetzt werden.

Ausgefallene Trespen verfügen über keinerlei Keimruhe und Windhalm über eine deutlich geringere als Ackerfuchsschwanz. Dies sollte beim Ausfallsamenmanagement berücksichtigt werden.

Doch warum ein Strohstriegel zur Bearbeitung des Ausfallsamens? Während Trespen bei 1-6 cm Bodentiefe gute Keimbedingungen vorfinden, benötigen Fuchsschwanz und Windhalm eine deutlich flachere Bodentiefe. Der Windhalm ist per se ein Lichtkeimer und Ackerfuchsschwanz keimt aus maximal 2 cm Tiefe. Diese Arbeitstiefe lässt sich mit konventionellen Bodenbearbeitungsgeräten wie Grubber oder Kurzscheibenegge nur sehr schwer realisieren. Allenfalls können Kombinationen aus Wellscheiben und Messerwalzen ähnlich flache Bearbeitungstiefen realisieren. Versuche wurden mit diesen Kombinationen zum Gräserausfallsamen-Management allerdings noch nicht durchgeführt.

Sollten solche Geräte im eigenen Betrieb nicht vorhanden sein, besteht die Möglichkeit dies bei einem Lohnunternehmer einzukaufen. Alternativ verfügen häufig Maschinenringe bzw. Bodenverbände über solche Geräte.

Bei einer sehr trockenen Bodenbeschaffenheit hat die Art der ultraflachen Stoppelbearbeitung den weiteren Vorteil, dass die Bodenoberfläche geringer ist als nach einer klassischen Stoppelbearbeitung. Die Mulchauflage schützt das Bodenwasser zusätzlich vor Verdunstung. Diese Effekte sind wassersparender als das Brechen der Kapillarität durch eine intensivere Stoppelbearbeitung. Um ein falsches Saatbett zu erstellen, ist diese Bearbeitungsvariante jedoch kontraproduktiv zu beurteilen.

Gräser weisen Herbizid-Resistenzen auf

Sind Herbizide aus den Wirkgruppen 1 (Alte Wirkgruppe A) und 2 (Alte Wirkgruppe B) wie Axial, Atlantis oder Broadway im Frühjahr eingesetzt worden, ist dies besonders problematisch zu beurteilen. Der aktuell vorherrschende Ausfallsamen verfügt über das höchste Resistenzniveau, da es sich in diesem Fall um weiter selektierte Pflanzen handelt.

Speziell der Ackerfuchsschwanz fordert daher viel Zeit, um die aktuellen Ausfallsamen zu managen. Eine veränderte Fruchtfolge kann zusätzliche Zeitkapazitäten für eine entsprechende Bekämpfung schaffen.

Was ist jetzt zu tun?

  • Die Schwere des Befalls ermitteln. Ist der Bestand erntefähig? Falls nicht: Teilbereiche mulchen oder als GPS einer Biogasanlage anbieten.
  • Nach der Ernte ultraflache Bodenbearbeitung ggf. wiederholen.
  • Dem Samen Zeit zum Auflaufen geben.
  • Mechanische und/oder chemische Bekämpfung der aufgelaufenen Gräser durchführen.

Fazit

Bekämpfung von (Un-) Gräsern fängt bereits nach dem Dreschen an und nicht erst nach der Aussaat. Hierfür gilt es die Biologie der einzelnen Ungräser zu kennen und dementsprechend zu handeln.


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