Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Zuckerrübe: Frostschäden-Zählstrecke anlegen

Im hessischen Ried wurden die ersten Rüben bereits in der ersten Märzdekade gedrillt. Diese Rüben waren zu Beginn der Frostperiode bereits in einem Stadium, bei dem die Minustemperaturen nur geringe Ausfälle verursacht haben.

Stärkere Schäden sind dort besonders auf sandigen Böden oder bei grobscholligen Saatbett festzustellen, sowie bei Rüben die in dieser Woche nach den letzten Niederschlägen aufgelaufen sind. Im südlichen hess. Ried sind daher ca. 10% Totalausfall zu verzeichnen und weitere 20-30% geschädigt.

Die meisten Zuckerrüben wurden jedoch in der Karwoche unter optimalen Bedingung gesät. Da die Bodentemperatur in dieser Woche kurzfristig auf knapp 10°C angestiegen ist und die entsprechende Feuchtigkeit auch vorhanden war, sind sehr viele Rübenpillen schnell gekeimt und zum Teil schon aufgelaufen. Diese stehen aktuell im Keimblatt auf der Fläche.

Ein Großteil der Rüben steht jedoch kurz vor dem Durchbruch der Krume, sodass sich die Rüben aktuell in einem sehr empfindlichen Stadium befinden, in welchem der zurückliegende Frost Schäden gemacht haben kann.

Aktuell kann nur sehr schwer abgeschätzt werden, ob und in welchem Ausmaß die Frostnächste der vergangenen Tage Schäden in den Beständen verursacht haben. Diese werden wahrscheinlich erst sicher in der kommenden Woche erkennbar sein. Besonders sensibel sind die Rüben im „Hakenstadium“, wenn die Pflanze die Bodenoberfläche durchstößt. Wurde die Rübenpille zu tief abgelegt, hat sie schon viel Energie verbraucht bis die Bodenoberfläche durchstößt und ist weniger widerstandsfähig.

Um eventuelle Schäden und Pflanzenausfälle besser abschätzen zu können, sollten auf Flächen, die potentiell gefährdet waren/sind, Zählstrecken angelegt werden, um die Bestandesdichte auszählen zu können.

Wie werden diese angelegt?

Um die Bestandesdichte sicher bestimmen zu können, sollten an 3-4 Stellen im Schlag Zählstrecken angelegt werden. Hierfür markieren Sie sich bei einem Reihenabstand von 45 cm eine Strecke von 22,22 m (10m2). Alternativ können Sie auch eine Reihe 11,11 m entlanglaufen und die nächste Reihe die gleiche Strecke wieder zurück. Dabei zählen Sie die vorhandenen Pflanzen. Der Mittelwert der gezählten Pflanzen ergibt dann die Bestandesdiche je Hektar in Tausend Pflanzen.

Bei einem Reihenabstand von 50 cm entsprechen 20 m Zählstrecke 10m2 Rübenfläche.

Es empfiehlt sich, die Zählstrecken zu markieren. So kann durch erneute Zählung der gleichen Strecken, etwa zwei Tage später, festgestellt werden, ob der Bestand stagniert oder ob Zuwachs stattfindet.

Haben Sie dann im Durchschnitt 75 Pflanzen gezählt, haben Sie eine Bestandesdichte von 75.000 Pflanzen/ha.

Die Ideale Pflanzenzahl/ha liegt zwischen 80.000 und 95.000 Pflanzen/ha.

Sollten in der Fläche, durch den Frost, Schäden verursacht worden sein, stellt sich die Frage, ab wann die Rübenflächen umgebrochen und neu gesät werden sollten.

Dafür gilt grundsätzlich:

  • Je später der Umbruch und je später die Nachsaat erfolgt, desto niedriger ist auch das Ertragspotential der Rüben
  • Grundätzlich sollten Flächen mit einer Bestandesdichte von mehr als 45.000 Pflanzen/ha nicht umgebrochen werden
  • Sollten noch weniger Pflanzen auf der Fläche vorhanden sein, diese aber sehr gleichmäßig verteilt, können auch niedrigere Bestandesdichten toleriert werden.
  • Bestände mit Bestandesdichten von deutlich unter 40.000 Pflanzen/ha und sehr ungleichmäßiger Verteilung sollten, sobald klar ist, dass dies der Fall ist, nachgesät werden, um noch ein möglichst hohes Ertragspotential der Rüben ausschöpfen zu können. Mit jedem Tag Verzug können 0,6 – 1,2% Ertrag verschenkt werden.
  • Bevor die Umbruchentscheidung fällt, sollte aber sichergestellt sein, dass kein weiterer Zuwachs mehr in der Fläche stattfindet. Dies kann festgestellt werden, indem die Zählstrecken in einem Abstand von 2 Tagen mehrmals kontrolliert werden.
  • Bei lückigen Beständen besteht die Gefahr einer stärkeren Verunkrautung. Auf Flächen mit Cruiser 600 FS gebeizten Saatgut dürfen keine Pflanzen zur Blüte gelangen!

Wurde mit Cruiser 600 FS (Wirkstoff: Thiamethoxam ) gebeiztes Saatgut ausgedrillt gelten besondere Auflagen. Werden diese Flächen umgebrochen darf nur Saatgut ohne Cruiser 600 FS gedrillt werden. Es darf keine Bodenbearbeitung durchgeführt werden, damit keine Rübenpillen an die Bodenoberfläche gelangen.

Dieser Beitrag stammt aus der Beratungs-Info Pflanzenproduktion des LLH.

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