Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Obstbau

Obstbau: Mehr Schädlinge durch Trockenheit und Hitze?

Wie wirkte sich die warme und trockene Witterung der letzten zwei Jahre auf die Schädlingspopulationen und das Auftreten von Krankheiten aus?

Auftreten von Schädlingen ist multifaktoriell

Generell ist die Entwicklung von tierischen Schaderregern von verschiedenen Einflüssen abhängig. Zum Beispiel sind das Auftreten von Nützlingen sowie der Pflanzenschutzmitteleinsatz regulierende Faktoren. Es ist daher schwierig, zum jetzigen Zeitpunkt fundierte Aussagen zum Effekt der Klimaveränderung auf das Auftreten von tierischen Schaderregern zu machen. Hierzu wären langfristig angelegte Versuchsreihen, also ein Monitoring inklusive Klimaaufzeichnungen vor Ort notwendig.

Aber: In den letzten Jahren ist die Zunahme von Spinnmilben, die eine warme und trockene Witterung bevorzugen, beobachtet worden. Die Raubmilbe – als natürlicher Gegenspieler – bevorzugt hingegen eine warme und feuchte Witterung. Auch das Auftreten von Schildläusen, wie Maulbeerschildläuse und Rote Austernschildläuse (invasive Schädlinge), hat in den letzten Jahren im Kern-, Stein- und Beerenobst (Johannis- und Stachelbeeren) extrem zugenommen. Diese beiden Schildlausarten bringen die Kulturen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, sogar zum Absterben. Bekämpfungsmaßnahmen gestalten sich schwierig oder sind zum Teil gar nicht möglich.

Bei den Krankheiten wurde der Mehltaupilz, der als „Schönwetterpilz“ bekannt ist, in einigen Apfelanlagen verstärkt beobachtet.

Wanzen auf dem Vormarsch

Besonders auffällig ist das vermehrte Auftreten von Wanzen, die als wärme- und trockenheitsliebend bekannt sind. Auch wenn diese Eigenschaft nicht auf alle Wanzenarten zutrifft, so ist in den letzten Jahren im Obstbau ein verstärktes Aufkommen zu beobachten. Die Rotbeinige Baumwanze schädigt zunehmend Birnenfrüchte. Zahlreiche andere Wanzenarten schädigen Äpfel, und die Beerenwanze sondert ein übelriechendes Sekret ab, das beispielsweise Himbeeren ungenießbar macht.

Die Marmorierte Baumwanze, die aus Asien stammt, wird in Hessen seit 2016 zunehmend im kommunalen Grün gefunden. Diese Wanzenart befällt unter anderem zahlreiche Obstarten und hat im Apfelanbau bereits in vielen Ländern große Schäden angerichtet. Eine Masseneinwanderung in Obstanlagen mit entsprechenden Ausfällen fand in Hessen bisher nicht statt, aber mit diesem Schädling muss in Zukunft gerechnet werden. Die Herausforderung: Bislang konnten weder Pflanzenschutzmittel noch Nützlinge erfolgreich eingesetzt werden. Zudem wurden noch keine natürlichen Gegenspieler, die die Population der Marmorierten Baumwanze nachhaltig reduzieren könnten, in Hessen dokumentiert. In anderen Regionen, wie Südtirol, spielt die Einnetzung der Bestände bei der Bekämpfung eine maßgebliche Rolle.

Außerdem wurde in 2019 ein vermehrtes Auftreten der Grünen Reiswanze, die zunehmend im Gemüsebau gefunden wird und dort große Schäden anrichtet, in Hessen registriert. Dieser Schädling muss genau beobachtet werden, da er zukünftig insbesondere im Beerenobst eine Bedrohung darstellen könnte.

Lange Trockenperioden bremsen die Kirschessigfliege

Die Kirschessigfliege (KEF) ist schon vor Jahren in Hessen angekommen und führt, je nach Witterung, in vielen Obstkulturen mal zu mehr, mal zu weniger Schäden. Bei feuchter, milder Witterung im Frühjahr ist die Wahrscheinlichkeit, dass „frühe Früchte“ befallen werden, größer. Hier spielen jedoch noch andere Faktoren eine Rolle, so dass eine generelle Aussage nicht möglich ist. Die Jahre 2018 und 2019 haben aber gezeigt, dass lange Trockenperioden das Auftreten der KEF stark bremsen. Trotzdem gibt es in jedem Jahr, unabhängig von der vorausgegangenen Witterung, starke Ausfälle im Beerenobst. Dies ist dem schnellen und hohen Vermehrungspotential der Kirschessigfliege geschuldet, die sich trotz Hitze und Trockenheit bis September wieder zu einem gefürchteten Schaderreger aufbaut. Hiervon betroffen sind je nach Sorte zum Beispiel Herbsthimbeeren, Brombeeren, Holunder und Heidelbeeren. Bei hohem Befallsdruck kann im Obstbau eine Kombination aus Einnetzung und Pflanzenschutzmitteleinsatz erfolgreich sein.

Zur KEF werden seit 2012 in Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzdienst RP Gießen ein Monitoring mittels Becherfallen als auch Fruchtbeprobungen zur Befallsüberwachung durchgeführt.

Weniger Pilzerkrankungen

Während eine Beurteilung hinsichtlich des Klimaeinflusses auf das Auftreten tierischer Schaderreger als schwierig einzustufen ist, kann klar gesagt werden, dass zumindest die Behandlungen in der Schorfbekämpfung im Apfelanbau sowie zahlreiche Fäulnisbehandlungen in vielen Obstarten in den letzten zwei Jahren reduziert werden konnten. Zahlreiche Pilzerkrankungen traten zudem erst gar nicht auf, weil vorgeschädigte Früchte, wie z.B. Platzer bei Kirschen, nicht infiziert wurden und damit als Vermehrungspotential für gesundes Obst ausfielen. Selbstverständlich darf man hier die regionalen Unterschiede nicht außer Acht lassen.

Fortbildung: Sich auf den Ernstfall vorbereiten

Beratungskräfte des LLH informieren die Obstbauern jährlich während der Saison auf Feldbegehungen über das Auftreten verschiedener Schaderreger und Bekämpfungsstrategien. Zusätzlich werden Obstbauseminare durch den Hessischen Landesverband Erwerbsobstbau (HLEO) angeboten, auf denen die LLH-Beratungskräfte und der Pflanzenschutzdienst (RP Gießen) informieren. In den letzten Jahren stand der Netzeinsatz zum Schutz gegen tierische Schaderreger, Wespen und Vogelfraß, aber auch Sonnenbrand und Hagel im Fokus.

Fazit

Um fundierte Aussagen zum Effekt der Klimaveränderung (Hitze & Trockenheit) auf Schädlinge machen zu können, bedarf es weiterer intensiver Beobachtung und neuer Studien. In den letzten zwei Jahren (2018 und 2019) zeichnete sich jedoch ein vermehrtes Auftreten von Schädlingen (Wanzen, Schildläuse, Spinnmilben) ab, andere invasive Arten etablierten sich in Hessen. Einige Pilzkrankheiten traten im Gegenzug seltener auf.

Lesen Sie auch unseren Beitrag Obstbau: Hitze und Trockenheit führten zu Ernteverlusten in 2019


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