Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Obstbau

Renaissance der Quitte

In vielen Hausgärten, aber auch in manchen Obstplantagen, trifft man sie wieder an: Die Quitte. Über viele Jahrzehnte hatte sie als Obstart an Bedeutung verloren. Jetzt aber scheint die Quitte (Cydonia oblonga Mill.) wieder eine Renaissance zu erleben: Das zeigt die steigende Nachfrage nach Quittenbäumen und reifen Früchten.

Neben der angenehm duftenden Blüte ab April werden ab Ende September die leuchtend gelben Früchte erntereif.

Frisch können die Früchte nicht verzehrt werden, da sie sehr hart sind und viele Steinzellen enthalten. Als Verarbeitungsfrucht ist die Quitte aber sehr begehrt, da sie neben Saft, Wein, Likör, Brand und Brotaufstrich auch in der Küche vielfältige Verwendung findet.

Seit alters her werden auch reife Quittenfrüchte gern in Wäscheschränke gelegt, um den Wohlgeruch auf die Wäsche zu übertragen. Selbst in der Volksheilkunde hat die Quitte nach wie vor eine gewisse Bedeutung.

Sie gilt als eine der ältesten Obstarten und wird seit über 4000 Jahren kultiviert. Ihr Ursprungsgebiet liegt in den asiatischen Ländern Turkmenistan, Iran, Afghanistan und Syrien. Von dort aus wurde sie über ganz Europa und Nordafrika verbreitet. In Südeuropa, besonders in Griechenland hat die Quitte bis heute eine sehr große Bedeutung und geniest eine schon lange Tradition.

Quitten mögen es eher warm

Quittenbäume, Sorte: Konstantinobler
Quittenbäume, Sorte: Konstantinobler

Heute werden Quittenbäume überwiegend in Hausgärten, Bauerngärten und auf Streuobstwiesen angebaut. Plantagenmäßiger Anbau ist in Deutschland noch gering. In Süddeutschland, ostdeutschen Bundesländern und Nordhessen werden Quitten plantagenmäßig angebaut.

Quitten sind wärmeliebend. Geschützte Standorte, die nicht frostgefährdet sind, eignen sich für den Anbau am besten. In sehr kalten Wintern kann es bei starker Frosteinwirkung zu Frostschäden an Stamm und Wurzel kommen. Auch spätfrostgefährdete Tallagen sollten für den Anbau ausscheiden, da Quitten recht früh – ab Anfang April – schon blühen.

An den Boden stellen Quitten keine besonderen Ansprüche. Sie lieben jedoch gut durchlüftete, humose, nährstoffreiche Standorte, die ausreichend Bodenfeuchte bieten.

Die Nährstoffversorgung sollte bedarfsgerecht nach Bodenanalyse erfolgen, um ein ausgewogenes Wachstum und gute Fruchtqualität zu gewährleisten. Quitten wünschen einen schwach sauren Boden mit einem pH-Wert um 6-6,5.

Nach Friedrich und Schuricht (1988) wird empfohlen, die Stickstoffdüngung schon vor Vegetationsbeginn mit etwa 100 kg pro ha (10 g N/m²) zu verabreichen, damit die Holzausreife nicht durch ein Stickstoffüberangebot im Spätsommer verzögert wird.

Pfunds-Quitten sind keine Seltenheit

Im Hausgarten und auf Streuobstwiesen werden Quitten als Busch kultiviert. Im Obstbaubetrieb bevorzugt man die Spindelerziehung.

Die meisten Sorten sind weitgehend selbstfruchtbar. Die Blüten werden aber gern von Hummeln und Bienen besucht, was den Befruchtungsgrad erhöht.

Die Einzelbaumerträge können je nach Standort mit über 30 kg pro Baum sehr hoch ausfallen. Einzelfrüchte erreichen schnell Fruchtgewichte von über 200 Gramm bis 400 Gramm.

Gut ausgereifte Früchte kann man frostfrei in kühlen Räumen bis in den Spätwinter hinein lagern. Bei der Ernte sollte jedoch vorsichtig verfahren werden, damit die Früchte keine Druckflecke erleiden, was die Lagerfähigkeit stark einschränkt. Wenn die Früchte zu lange am Baum verbleiben, können sie wegen ihrer Windanfälligkeit leicht abfallen. Solche Früchte sollen dann schnell verarbeitet werden.

Zuchtbestrebungen nehmen wieder zu

Das Sortenspektrum ist in den letzten Jahren erfreulich angewachsen, so dass für viele Standorte ein ausreichendes Sortenspektrum zur Verfügung steht.

In Baumschulen und Gartenfachmärkten werden verschiedene Sorten apfel-und birnenförmigen Quitten angeboten. Häufig nachgefragte Sorten sind Bereczki, Champion, Cydora, Cydora Robusta, Konstantinobler und Portugieser. Die Vermehrung erfolgt durch Veredelung auf eine Quittenunterlage.

Quitten, reife Früchte der Sorte Bereczki
Quitten, reife Früchte der Sorte Bereczki

Krankheiten und Schädlinge sind kaum Thema

Insgesamt lässt sich feststellen, dass Quittenbäume weniger von Schaderregern und Krankheiten betroffen werden als andere Obstarten. Dennoch benötigt die Quitte hin und wieder auch Pflanzenschutzmaßnahmen.

Um ein gesundes Pflanzenwachstum und eine erfolgreiche Fruchtproduktion zu fördern, sind Standortbedingungen und Pflegemaßnahmen wichtig. Als vorbeugende Maßnahme sollten regelmäßige Kontrollen auf äußere Einwirkungen durch tierische und pilzliche Erreger durchgeführt werden. Als gefährlichste Erkrankung bei Quitten gilt die Bakterienerkrankung Feuerbrand (Erwinia amylovora). Es treten auch pilzliche Erkrankungen wie, Blattbräune und Monilia Spitzendürre auf.

Als tierische Schädlinge sind im Frühjahr häufig Raupen des Kleinen Frostspanners an Quittenbäumen zu finden.

Im Lager kann es zu physiologisch bedingten Erkrankungen wie Fleischbräune oder Stippigkeit kommen.


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