Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

Im Test: Fruchtfolgen für viehlose Ökobetriebe

Staatssekretär Oliver Conz besichtigt Öko-Versuchsfeld des LLH

Hessens Umweltstaatssekretär Oliver Conz (5.v.r.) informierte sich anlässlich eines Besuches auf dem Ökoversuchsfeld in Ober-Erlenbach, welche Fruchtfolgen Landwirte im mittel- und südhessischen zukünftig anbauen können
Hessens Umweltstaatssekretär Oliver Conz (5.v.r.) informierte sich anlässlich eines Besuches auf dem Ökoversuchsfeld in Ober-Erlenbach, welche Fruchtfolgen Landwirte in Mittel- und Südhessen zukünftig anbauen können

Ober-Erlenbach. Das landwirtschaftliche Feldversuchswesen des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) bietet die Grundlage für eine kompetente und objektive Beratung der hessischen Betriebe. Im Rahmen von Landessortenversuchen (LSV) werden im ökologischen Anbau aktuell an drei Versuchsstandorten jährlich umfangreiche Versuche zu Sorteneigenschaften durchgeführt. Die Ergebnisse geben Auskunft darüber, welche Sorten sich unter den gegebenen Boden- und Klimabedingungen am besten für den Anbau eignen. Mit dem seit 2015 bestehendem Öko-Versuchsstandort Ober-Erlenbach wurde zusätzlich ein Systemversuch für den Bodenklimaraum „Rheinebene und Nebentäler“, der den südlichen Landesteil dominiert, erschlossen. Er ist der jüngste der vier ökologisch bewirtschafteten hessischen Versuchsstandorte.

Ökologischer Landbau in Hessen wächst

„Der Ökolandbau in Hessen erfreut sich seit einigen Jahren steigender Beliebtheit. Rund 15 % der Fläche, das entspricht knapp 113.000 ha, werden inzwischen ökologisch bewirtschaftet. Neben Extensiv-Standorten etabliert sich der Ökolandbau mittlerweile auch stärker auf ackerbaulich interessanten Böden“, stellt Andreas Sandhäger, Direktor des LLH, heraus.

Untersuchung zur Resilienz von Ökoanbauflächen

Am 1. Juli besuchte der neue Staatssekretär des Hessischen Umweltministeriums, Oliver Conz, das Öko-Versuchsfeld des LLH in Ober-Erlenbach und informierte sich zu Versuchsfragen und deren Nutzen für die hessischen Öko-Betriebe. „Mit 192 Einzelparzellen ist dieser Langzeitversuch in Mittelhessen der größte seiner Art in Europa“, kommentiert Professor Andreas Gattinger von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Hier wird untersucht, inwieweit ökologische Anbauverfahren optimiert werden können, um langfristig die Produktivität zu erhalten und die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit, hinsichtlich klimatischer Schwankungen sowie anderer Umwelteinflüsse zu steigern.

Modell-Fruchtfolge bietet Orientierung für Gunststandorte

Die ackerbauliche Gunstregion im mittleren und südlichen Hessen ist durch eine vieharme bis viehlose Bewirtschaftungsweise geprägt. Mit der Gunstlage verbunden sind ebenfalls hohe Pachtpreise, weshalb die Betriebe auf umsatzstarke Feldfrüchte setzen müssen. Die Zufuhr von chemisch-synthetischem Stickstoff-Dünger im konventionellen Anbau wird durch den Anbau von Luft-Stickstoff fixierenden Leguminosen wie Sojabohne und Klee ausgeglichen. Der in der Fruchtfolge eines für den Ökolandbau typischen Gemischtbetriebs übliche zweijährige Kleegrasanbau wird in Ober-Erlenbach auf eine überjährige Nutzung in Kombination mit Leguminosen enthaltenden Zwischenfruchtanbau ersetzt.
Da eine innerbetriebliche Verwertung über die Fütterung in viehlosen Betrieben nicht möglich ist, muss der Aufwuchs anderweitig genutzt werden. Neben Kooperationen mit viehhaltenden Betrieben oder Biogasanlagen prüfen die LLH-Versuchsansteller die betriebsinterne Nutzung durch Mulchen auf der Fläche oder durch das sogenannte „Cut & Carry-Verfahren“ (Transfermulchsystem). Dabei wird der Schnitt innerbetrieblich als Mulchauflage in andere Kulturen gegeben, also von einem Geber- auf ein Nehmer-Feld. Neben der Düngewirkung des Mulches dient dieser auch dem Erosions- und Verdunstungsschutz sowie als Nahrungsgrundlage für Regenwürmer.
„Wir haben eine Modell-Fruchtfolge entwickelt, an der sich ökologisch wirtschaftende Betriebe orientieren können. Sie ermöglicht es den Betrieben, die Potentiale eines marktfruchtorientierten Anbaus für den Ballungsraum Frankfurt vollumfänglich zu nutzen und gleichzeitig Grenzen des Anbausystems aufzuzeigen“, erklärt Dr. Ute Williges, Leiterin des LLH Beratungsteams Ökologischer Landbau.

Modell-Fruchtfolge
Modell-Fruchtfolge des Ökoversuchsfelds Ober-Erlenbach

Versuchsstandorte bieten Impulse für zukünftiges Handeln

Staatssekretär Conz betonte, wie wichtig solche Versuchsstandorte für die landwirtschaftliche Praxis seien. Besonders die Vermittlung der praxiserprobten Empfehlungen sei wichtig. In Zusammenhang mit Feldtagen ermöglichen diese Informationen den Landwirten, bisherige Anbauverfahren zu hinterfragen und Impulse für zukünftig erfolgreiches Wirtschaften zu erhalten. Der für dieses Jahr geplante Öko-Feldtag in Ober-Erlenbach musste coronabedingt ausfallen. Nächstes Jahr werden am 23. und 24. Juni wieder die bundesweiten Öko-Feldtage stattfinden, erstmalig am Gladbacher Hof.

 


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