Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Praxisbericht zum Anbau der Weißen Lupine

Kann die Weiße Lupine nach drei Trockenjahren eine Alternative zu Ackerbohne und Erbse sein? Ernst-Uwe von Starck bewirtschaftet das Gut Laar und ist als Demonstrationsbetrieb Teil des bundesweit agierenden Demonstrationsnetzwerkes Erbse/Bohne. Seit 2012 werden auf dem Betrieb, welcher seit 2015 auch am HALM C1 Programm („Vielfältige Kulturen im Ackerbau“) teilnimmt, Ackerbohnen in Sommerform angebaut. Nach dem nicht weiter verfolgten einjährigen Testanbau von Winterackerbohnen in 2014 mit der Sorte Hiverna hat der Betriebsleiter in 2020 die zweite Ernte in Folge von Weißen Lupinen eingefahren.

Herr von Starck, beschreiben Sie uns bitte kurz Ihren Betrieb sowie den Standort, auf dem Sie wirtschaften.

Ernst-Uwe von Starck:

Ich bewirtschafte einen voll arrondierten Ackerbaubetrieb im Raum Kassel. Die Schläge, welche eine mittlere Größe von 5 ha aufweisen, können als mittlere Böden aus Kalkstein- und Rötverwitterung mit Einstreuungen von Ton bis Lösslehm angesprochen werden. Die pH-Werte der Böden liegen mehrheitlich in der Gehaltsklasse C. Im langjährigen Mittel haben wir hier ca. 690 mm Niederschlag, in den letzten drei Jahren allerdings deutlich weniger.

Wie sieht ihre Fruchtfolge (FF) aus und wann bzw. wieso haben Sie mit dem Anbau von Körnerleguminosen begonnen?

Ernst-Uwe von Starck:

Ich befinde mich momentan in der Umstrukturierung meiner FF. Meine Zielfruchtfolge ist 8-jährig und soll möglichst konsequent einen Wechsel von Blatt- und Halm- sowie Winter- und Sommerfrucht ermöglichen. Außerdem integriere ich, wo möglich, einen Zwischenfruchtanbau, wenn mindestens 8 Wochen Vegetationszeit zur Verfügung stehen. Ich verfolge damit das Ziel, möglichst komplett auf den Pflug zu verzichten und gleichzeitig eine effektive Ackerfuchsschwanzbekämpfung zu realisieren.

Ein Beispiel der FF könnte wie folgt aussehen:

Winterraps – Winterweizen (WW)+Zwischenfrucht (Zwfr.)– Ackerbohne/Weiße Lupine – WW+Zwfr. – Hafer+Zwfr. – WW – Rotschwingel(Vermehrung) – Wintergerste

Körnerleguminosen habe ich als weitere Blattfrucht in die FF aufgenommen, um die Arbeitsspitzen in Aussaat und Ernte zu entzerren sowie eine bessere Ackerfuchsschwanzbekämpfung zu ermöglichen.

Sie haben den Anbau von Winterackerbohnen nach einem Jahr abgebrochen, welche Probleme traten im Vergleich zur Sommerform auf?

Ernst-Uwe von Starck:

Ich habe die damals zur Verfügung stehende Sorte „Hiverna“ getestet. Diese Sorte hatte aber auch trotz angepasster (also verringerter) Aussaatstärke keine ausreichende Standfestigkeit, was deutliche Ertragsverluste nach sich zog. Außerdem bringt eine weitere Winterung in der FF keine Vorteile in der Ackerfuchsschwanzbekämpfung sowie keine Entzerrung in der Arbeitsspitze Herbstaussaat und Ernte.

Was hat Sie dazu bewogen neben der Ackerbohne noch die Weiße Lupine in Ihr Anbauspektrum mit aufzunehmen?

Ernst-Uwe von Starck:

Weiße Lupine, Foto: Ernst-Uwe von Starck
Auf meinen teils schweren Tonböden funktionieren die Ackerbohnen bei Trockenheit nicht gut. Nach intensiven Gesprächen mit LLH Pflanzenbauberater Rainer Even sind wir zum Schluss gekommen, dass die Weiße Lupine hier eine interessante Alternative darstellt. Interessant nicht nur wegen des etwas geringeren Anspruches an den Boden, sondern auch wegen ihrer höheren Eiweißwertigkeit, die ein Vorteil in Vermarktung als Futter oder sogar als Nahrungsmittel sein könnte.

Wie haben Sie sich an den Anbau herangetastet? Welche besonderen Ansprüche hat der Anbau der Weißen Lupine aus Sicht des Praktikers? Gibt es wesentliche Unterschiede in der Zulassung von PSM zu anderen Leguminosen? Welche Vor- und Nachteile im Vergleich zur Ackerbohne gibt es?

Ernst-Uwe von Starck:

Im ersten Jahr habe ich nur im ganz kleinen Maßstab, also nur einige tausend m², Weiße Lupinen zum Test angebaut. In 2020 waren es dann schon ein paar Hektar, leider aber mit einem eher enttäuschenden Ertragsniveau. Im Vergleich dazu haben die Ackerbohnen in 2020 durchschnittlich gedroschen.

Die Ansprüche an den Anbauenden sind bei der weißen Lupine eigentlich ähnlich wie bei den anderen Körnerleguminosen. Im Vergleich zu den großen Kulturen gibt es nur ein ganz geringes Spektrum an zugelassenen PSM, weshalb man sich mit der Anbauentscheidung als konventionell wirtschaftender Betrieb erst mal etwas schwerer tut, auch wenn der Schädlings- und Krankheitsdruck bei Lupinen doch geringer ist als z.B. bei Ackerbohnen. Allerdings kann man die Fruchtfolge noch vielseitiger gestalten. Der einzige deutliche Unterschied zu Ackerbohne und Erbse ist der zusätzliche Arbeitsschritt der Impfung des Saatgutes mit Knöllchenbakterien. Dies kann leider nicht auf Vorrat gemacht werden, sondern muss innerhalb von 24 Stunden bis zur Aussaat geschehen.

Hat das notwendige Impfen des Lupinensaatgutes in 2020 problemlos funktioniert?

Ernst-Uwe von Starck:

Nein, leider nicht. Es konnte kein zufriedenstellender Knöllchenansatz erreicht werden. Ich vermute, dass es im Boden zur Aussaat zu lange zu trocken war, was die angeimpften Knöllchenbakterien hat absterben lassen. Außerdem kam es durch das Impfmittel zu einer Beeinflussung der Fließfähigkeit des Saatgutes und somit zu einigen Komplikationen bei der Aussaat.

Können Sie nach zwei Anbaujahren das N-Nachlieferungspotential der weißen Lupine im Vergleich zu anderen Leguminosen einordnen, gab es Unterschiede im Frühjahr 2020?

Ernst-Uwe von Starck:

Ich schätze es ähnlich ein wie bei der Ackerbohne, wobei ich nach der kurzen Anbauerfahrung auch noch keine wirkliche Aussage treffen kann.

Konnten die durch die Saatgutanbieter geweckten Hoffnungen erfüllt werden, nachdem Sie den Anbau der weißen Lupine zwei Jahre ausprobiert haben? Was sind Ihrer Meinung nach die „Hausaufgaben“ für die Züchter der neuen Sorten der Weißen Lupine?

Ernst-Uwe von Starck:

Vom Grundprinzip ist die Handhabung in Ordnung. Mir ist klar, dass der Leguminosenanbau nicht so risikoarm ist wie der Getreidebau. Der Anbau der neuen Sorten der Weißen Lupine steckt quasi noch in den Kinderschuhen. Deshalb darf man nicht zu viel erwarten.

Verbessert werden könnte auf jeden Fall noch die Standfestigkeit, da auf guten Böden erhöhte Lagergefahr besteht. Außerdem wäre, wenn züchterisch möglich, eine Resistenz gegen Anthraknose, nicht „nur“ eine Toleranz, wünschenswert.

Wie vermarkten Sie die Weiße Lupine? Ist es leicht, Absatz zu finden?

Ernst-Uwe von Starck:

Momentan sind die Mengen noch so gering, dass sie problemlos an viehhaltende Betriebe in der Umgebung abgegeben werden können. Bei größeren Mengen sollte die Futtermittelbranche eine mögliche Absatzquelle sein. Langfristig erwarte ich, dass auch aus dem Bereich der Humanernährung größeres Interesse kommen wird.

Wie bewerten Sie die Rentabilität der Weißen Lupine mit und ohne Förderung durch das HALM C1 Programm?

Ernst-Uwe von Starck:

Gerade in den Anfangs-, also Lehrjahren, kann man solche Experimente eigentlich nur mit einer Förderung machen. Ohne staatliche Unterstützung dürfte bei derzeitigem Preisniveau aber auch bei größerer Anbauerfahrung eine wirtschaftliche Erzeugung von Weißen Lupinen nur schwer möglich sein.

Für welche Betriebe sehen Sie die Weiße Lupine als interessante und auch passende Kultur im Anbauspektrum?

Ernst-Uwe von Starck:

Betriebe, welche die Lupinen direkt über eigene Produkte, ob tierisch oder pflanzlich, veredeln können, sind insbesondere bei Direktvermarktung klar im Vorteil. Wenn Bedarf an hochwertigem Eiweiß besteht, aber eher schwächere Böden zur Verfügung stehen, kann die Weiße Lupine eine Alternative sein.


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