Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Ergebnisse der LSV Öko-Ackerbohnen 2020

Öko-Ackerbohnen mit erfreulichen Erträgen

Der Kornertrag der geprüften Ackerbohnensorten lag 2020 fast doppelt so hoch wie im Trockenjahr 2018. Auch gegenüber dem Vorjahr war der Ertrag um rund 50% höher. Dr. Thorsten Haase Der Artikel beleuchtet das Ertragspotenzial neuerer Sorten unter Bedingungen des Ökolandbaus in Hessen.

Ackerbohnen gehören im gemäßigten kühl-feuchten Klima zu den Körnerleguminosen mit dem höchsten Ertragspotenzial. Allerdings benötigen sie Standorte mit wasserhaltefähigen Böden und eine gleichmäßige Wasserversorgung über die gesamte Vegetation, besonders in den Sommermonaten Juni (Blüte) und Juli (Hülsenbildung). Extreme Trockenperioden beeinträchtigen die Ertragssicherheit. Der Öko-Landesortenversuch wird auf zwei langjährig ökologisch bewirtschafteten Standorten, dem Betrieb Kasper (Vogelsbergkreis) und der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen (Landkreis Kassel) durchgeführt. Aufgrund der mittleren bis sehr hohen natürlichen Fruchtbarkeit der Böden eignen sich beide Standorte gut für den Anbau von Ackerbohnen (Tabelle 1).

Tabelle 1:
LSV Öko-Ackerbohnen 2020: Standortbedingungen und Versuchsdurchführung

Alsfeld-Liederbach Hessische Staatsdomäne Frankenhausen
Landkreis: Vogelsberg Kassel
Naturraum: Nördlicher Unterer Vogelsberg Hofgeismarer Rötsenke
Niederschlag (1981-2010): 677 mm 650 mm
Temperatur (1981-2010): 8,8°C 8,5°C
Bodentyp: Parabraunerde / Pseudogley Parabraunerde aus Löss
Bodenart: toniger Lehm schluffiger Lehm
Bodenpunkte: 40 85
Nmin [kg N/ha in 0-90 cm]: 42 56
P2O5 [mg/100g Boden]: 9 10
K2O [mg/100g Boden]: 18 10
Mg [mg/100g Boden]: 16 8
pH-Wert: 6,6 6,6
Aussaat am: 27.03.2020 21.03.2020
Reihenabstand [cm]: 12,9 37
Körner/m2 45 40
Ernte am: 21.08.2020 26.08.2020

 

Wird die Ackerbohne im Betrieb als Marktfrucht angebaut, sollte bei der Sortenwahl in erster Linie die Ertragssicherheit berücksichtigt werden. Neben dem Ertrag ist der Rohproteingehalt ein wichtiger wertgebender Inhaltstoff bei Ackerbohnen. Er wird zwar am Markt nicht honoriert, aber für Betriebe, die ihre Ernte innerbetrieblich verwerten, hat er größere Bedeutung. Denn der Rohproteingehalt (% in der Trockensubstanz) entscheidet mit über den auf der Fläche zu erzielenden Rohproteinertrag (dt/ha). Allerdings, je höher der Kornertrag ausfällt, desto niedriger ist – aber eben nur tendenziell – der Rohproteingehalt. Da dieser (negative) Zusammenhang bei Körnerleguminosen wie der Ackerbohne jedoch nur sehr schwach ausgeprägt ist, steigt der von der Fläche zu erzielende Rohproteinertrag mit steigendem Kornertrag). Das bedeutet: so wie die Sorten hinsichtlich ihres Kornertragspotenzials eingestuft werden (Tabellen 2a und 2b), können sie auch hinsichtlich ihres Rohprotein-Ertragspotenzials bewertet werden.

Für die Verwendung in der Fütterung von Monogastriern (Schweine bzw. Geflügel) limitieren bei Ackerbohnen sekundäre Inhaltsstoffe (Antinutritive) wie Tannine bzw. Vicin und Convicin die in der Ration einzusetzenden Mengen Ackerbohnenschrot.

Die langjährig geprüfte Sorte Fuego erzielte am Standort Alsfeld-Liederbach im dreizehnjährigen Mittel 45 dt/ha, im Jahr 2020 47 dt/ha. Tabelle 2a zeigt die relative Kornertragsleistung der zwischen 2016 und 2020 auf beiden Standorten geprüften Sorten, jeweils im Verhältnis zum Ertrag der vier über die fünf zurückliegenden Prüfjahre auf beiden Standorten geprüften Sorten Fuego, Fanfare, Taifun, Tiffany (Bezugsbasis). Der Kornertrag dieser vier geprüften Sorten lag im vierjährigen Mittel bei 41,0 dt/ha, im Jahre 2020 bei 53,0 dt/ha.

Die Unterschiede zwischen den beiden Standorten in Sachen natürliche Bodenfruchtbarkeit zeigten sich 2020 deutlicher als sonst, mit mittleren Kornerträgen (Bezugsbasis) in Alsfeld-Liederbach in Höhe von 48,3 gegenüber 57,8 dt/ha in Frankenhausen.

Die geprüften Sorten im Überblick

Wie die Daten aus drei (2018-2020) aber auch den fünf (2016-2020) Versuchsjahren eindeutig belegen, hat die Standardsorte Fuego ernsthafte Konkurrenz durch andere tanninhaltige Sorten bekommen.

Sorte Fanfare ist etwas länger im Wuchs als Fuego, aber genauso wenig lageranfällig. In Sachen Blattgesundheit unterscheiden sich die Sorten nicht. Das höhere Kornertrags- und Rohproteinertragspotenzial von Fanfare ist durch die fünfjährigen Versuchsergebnisse sehr gut abgesichert. Die Sorte ist auf jeden Fall für den Anbau zu empfehlen.

Für Sorte Tiffany spricht neben dem gut abgesichert über Fuego liegenden Ertragspotenzial der geringere Vicin- und Convicingehalt der Bohnen. Da Vicin bei Geflügel die Eiweißverdauung hemmt und die Legeleistung herabsetzt, ist Tiffany für die eigenbetriebliche Verwertung in der Geflügelfütterung auf jeden Fall zu empfehlen. Die Sorte unterscheidet sich laut Bundessortenamt hinsichtlich ihrer agronomischen Eigenschaften nicht von Fanfare, lediglich ihr Rohproteingehalt soll etwas höher sein.

Sorte Taifun gilt als tanninarm und erzielte im drei- bzw. fünfjährigen Mittel der zwei Standorte 92 bzw. 91 % des Kornertrags von Fuego. Die Tanninfreiheit von Taifun kann das im Vergleich zu anderen Sorten deutlich niedrigere Ertragspotenzial wohl kaum kompensieren und eine Empfehlung für den Anbau ist zunächst nicht zu rechtfertigen. Grundsätzlich sollten solche Sorten nur mit Anbauvertrag und zu auf das geringere Ertragsniveau abgestimmten Preisen.

Zu Sorte Trumpet kann man nach drei Versuchsjahren eindeutig eine Anbauempfehlung aussprechen. Sie blüht etwas später als Fanfare und Tiffany, und ist etwas anfälliger für Rost, das Ertragspotenzial liegt jedoch sogar offenbar noch höher als bei den beiden genannten Sorten. Der Rohproteingehalt ist deutlich niedriger, was der Grund dafür ist, dass der Vorsprung im Kornertrag beim Rohproteinertrag etwas geringer ausfällt, aber trotzdem noch über dem von Daisy und Stella liegt, die beide beim Rohproteinertrag die höchste BSA-Stufe 9 aufweisen können. Hinsichtlich der Anfälligkeit für Botrytis schneiden beide Sorten etwas schlechter ab als Fanfare und Tiffany, beim Korn- und Rohproteinertrag sind sie den beiden jedoch eindeutig überlegen. Daisy und Stella können beide für den Anbau empfohlen werden.

Die bislang nur zweijährig geprüfte Sorte Bianca kann ihr geringes Ertragspotenzial nur geringfügig durch ihren sehr hohen Rohproteingehalt kompensieren, was der direkte Vergleich mit Sorte Macho scheinbar eindeutig belegt. Ein drittes Jahr sollte für ein abschließendes Urteil jedoch abgewartet werden. Gleichwohl könnte aufgrund des sehr guten Abschneidens beim Kornertrag Macho schon jetzt einen Probeanbau wert sein. Bei LG Cartouche ist der Fall eventuell ähnlich gelagert wie bei Bianca: ein geringes Kornertragspotenzial, welches etwas relativiert durch den sehr hohen Rohproteingehalt wird. Im besten Falle also wohl eine Sorte für die hofeigene Verwertung. Ein weiteres Prüfjahr bleibt abzuwarten.

Schließlich noch die erst einjährig geprüfte Sorte Allison, die laut Einschätzung des Bundessortenamtes hinsichtlich Kornertrag auf demselben Niveau wie Fanfare und Tiffany liegt.

Informationen zur Verfügbarkeit von zertifiziertem Öko-Saatgut der beschriebenen Sorten sind bei OrganicXseeds zu finden.

 

Tabelle 2a: Kornertrag von Öko-Ackerbohnen
– jeweils Mittelwerte beider Standorte (Alsfeld-Liederbach und Frankenhausen)

Kornertrag
[dt/ha] relativ zur BB [%]
Sekundäre
Inhaltsstoffe
Züchter/Vertrieb 2016 2017 2018 2019 2020 2018
-20
2016
-20
Fuego BB tanninhaltig NPZ / Saaten-Union 102 99 97 106 98 100 100
Fanfare BB tanninhaltig NPZ / Saaten-Union 104 106 105 104 103 104 104
Taifun BB tanninfrei NPZ / Saaten-Union 86 91 91 89 95 92 91
Tiffany BB tanninhaltig/
convicin-/vicinarm
NPZ / Saaten-Union 107 104 108 101 104 104 105
Trumpet tanninhaltig NPZ / Saaten-Union 110 115 106 110
Daisy tanninhaltig SZ Petersen / Saaten-Union 111 105 107 108
Stella tanninhaltig SZ Petersen / Saaten-Union 108 109 105 107
Bianca tanninfrei, vicinarm SZ Steinach 90 79
Macho tanninhaltig NPZ / Saaten-Union 117 110
LG Cartouche tanninhaltig Limagrain 107 97
Allison tanninhaltig, vicinarm NPZ / Saaten-Union 110
Mittelwert der Bezugsbasis (BB) 43,7 57,4 26,9 36,0 53,0 38,6 43,4

 

Tabelle 2b: Rohproteiengehalt von Öko-Ackerbohnen
– jeweils Mittelwerte beider Standorte (Alsfeld-Liederbach und Frankenhausen)

Rohproteingehalt
[% in der TS] relativ zur BB [%]
2016 2017 2018 2019 2020 2018
-20
2016
-20
Fuego BB 98 98 100 98 99 99 98
Fanfare BB 96 98 101 100 101 100 99
Taifun BB 104 101 100 100 99 100 101
Tiffany BB 103 104 100 102 101 101 102
Trumpet 98 95 95 96
Daisy 99 102 101 101
Stella 101 103 102 102
Bianca 107 102
Macho 94 95
LG Cartouche 106 108
Allison 101
Mittelwert der Bezugsbasis (BB) 31,3 30,9 32,2 29,6 31,6 31,1 31,1

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