Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

Ergebnisse der LSV Öko-Roggen 2019 & Empfehlungen

Rekorderträge im Öko-Roggen

Unter den Getreidearten ist der Roggen so anspruchslos wie kein anderes Getreide. Aufgrund der ausgeprägten Resistenz gegenüber Kahlfrösten, des starken Wurzelsystems und der frühen Pflanzenentwicklung bei langer Kornfüllungsphase ist der Roggen sehr gut auch für grundwasserferne, leichte, sandige Standorte mit Tendenz zur Trockenheit geeignet.

Der Landessortenversuch Öko-Winterroggen rotiert in Alsfeld-Liederbach auf den Betriebsflächen des seit 1989 biologisch-dynamisch bewirtschafteten Betriebs Kasper und steht stets im ersten Jahr nach zweijährigem Feldfutterbau. Diese Fruchtfolgestellung ist in der Praxis des Ökolandbaus bei Roggen nicht verbreitet, aber aus versuchstechnischen Gründen erforderlich. Deshalb wurde bereits in früheren Jahren geprüft, wie sich die Fruchtfolgestellung auf die Leistung der geprüften Sorten auswirkt. Resultat: Nach Kleegras waren erwartungsgemäß die Kornerträge höher als wenn der Roggen abtragend steht. Auf die Reihenfolge der Sorten hinsichtlich ihrer Ertragsleistung hatte die Fruchtfolgestellung jedoch keinen Einfluss.

Der langjährige Ertrag der Populationssorte Conduct lag im Mittel von zwölf Jahren (2007-2018) bei 53 dt/ha. Der Ertrag der Sorte schwankte in diesem Zeitraum zwischen 33 (2014) und 72 dt/ha (2011). 2019 erzielte die Sorte, die als bewährte Referenz noch immer im Prüfsortiment steht, ihr bisheriges Rekordergebnis (73 dt/ha). Auch die seit 2015 geprüfte Hybride SU Performer erzielte im fünften Prüfjahr 2019 den Höchstertrag (90 dt/ha).

Die Bewertung der Sorten basiert auf der am Standort Alsfeld-Liederbach mehrjährigen (über drei bzw. sechs Jahre) erzielten Ertragsleistung. In der Folge werden das Ertragspotenzial und die wichtigsten agronomischen Eigenschaften der Sorten vorgestellt. Die Populations- und die Hybridsorten unterscheiden sich naturgemäß sehr stark in ihrem Ertragspotenzial. Daher sollte ein Vergleich der relativen Ertragsleistung stets nur innerhalb von Populationssorten vorgenommen werden. Dasselbe gilt für Hybridsorten.

Die geprüften Sorten im Überblick

Populationssorten

Die Sorte Conduct ist blattgesund, sehr lang im Stroh bei mittlerer Standfestigkeit. Im Mittel der mindestens dreijährig geprüften Populationssorten wird sie von Dukato und Inspector beim Ertrag überflügelt. Sie kann aber nach wie vor für den Anbau empfohlen werden. Sie weist eine geringe Anfälligkeit für Mutterkorn auf, genauso wie Dukato.

Dukato ist mittellang bei gleichzeitig guter Standfestigkeit und ausgewogener Blattgesundheit Die Populationssorte kann ebenfalls für den Anbau empfohlen werden.

Sorte Inspector wurde 2014 zum ersten Mal geprüft. Sie ist sehr lang und gleichzeitig wenig anfällig für Lager, ebenfalls erfreulich ist ihre gute Blattgesundheit und geringe Anfälligkeit für Mutterkorn. Unter den genannten Populationssorten hat sie im sechs- (2014-19), wie auch im dreijährigen Mittel (2017-19) den höchsten Ertrag.

Firmament ist eine 2013 zugelassene Erhaltungssorte mit ausgezeichneten Backeigenschaften. Sie hat jedoch im Mittel der letzten sechs Jahre die niedrigsten Kornerträge gedroschen. Die Sorte ist langstrohig, laut Züchterangaben sehr winterhart und hat eine gute Blattgesundheit. Um eine gute Standfestigkeit zu sichern, sollte auf besseren Standorten oder bei zu erwartender hoher N-Nachlieferung der Vorfrucht die Saatstärke reduziert werden.

Lichtkornroggen ist eine biologisch- dynamische Züchtung, die vom Bundessortenamt 2011als Erhaltungssorte zugelassen wurde. Charakteristisch für Lichtkornroggen ist das besonders helle Korn. Daraus lassen sich für Roggen ungewöhnlich helle, lockere Brote mit mildem Geschmack backen. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist Lichtkornroggen eine sehr interessante Sorte für den Anbau, da sie viele im Ökolandbau gewünschte Eigenschaften aufweist. Die Sorte ist langstrohig, standfest und blattgesund. Der Ertrag ist im vierjährigen Mittel (2016-19) in etwa auf dem gleichen Niveau (94%) wie der der anderen Backroggensorte Firmament. Dankowskie Turkus reicht im dreijährigen Mittel zumindest an Inspector heran.

Zu den Neulingen im Sortiment lassen sich nach dem ersten Prüfjahr noch keine abgesicherten Aussagen zum Ertragspotenzial am Standort Liederbach machen. Sie werden hier kurz vorgestellt. Dankowskie Opal ist lang im Wuchs und besitzt eine ausgeglichene Blattgesundheit. Dankowskie Granat ist lang im Wuchs und ausgewogen in der Blattgesundheit. Zur Mutterkornanfälligkeit liegen keine Informationen vor. SU Popidol ist lang im Wuchs mit einer durchschnittlichen Halmstabilität. Die Sorte ist blattgesund und hat gegenber Conduct, Dukato und Inspector eine verbesserte Mehltau- und Braunrosttoleranz. Die Mutterkornanfälligkeit ist als vergleichbar gering eingestuft.

Hybridsorten

SU Performer scheint auch nach fünf Prüfjahren noch immer eine Instanz im Sortiment der Hybriden. Allerdings liegen auch nur von einer Sorte (KWS Gatano) abgesicherte, weil dreijährige Ergebnisse vor. Aber auch die beiden unlängst zweijährig geprüften Hybriden lassen zumindest keinen höheren Ertrag erwarten als SU Performer. Pflanzenbaulich von Nachteil aus Sicht des Ökolandbaus ist die kurze Pflanzenlänge. Auch die recht hohe Anfälligkeit für Mutterkorn muss berücksichtigt werden. Aufgrund ihrer Spitzenerträge wird man jedoch – möchte man Hybriden anbauen – kaum an dieser Sorte vorbeikommen.

Eine weitere Hybride, KWS Bono war zwischen 2015 und 2017 geprüft worden. Sie ist eine kurze, gesunde Sorte, die aber bei weitem nicht mit SU Performer mithalten konnte.

Für KWS Gatano liegen nun ebenfalls dreijährige Ergebnisse vor. In Sachen Halmknicken, Blattgesundheit und Anfälligkeit für Mutterkorn ist der sehr kurze Gatano SU Performer überlegen. In höhere Erträge konnte sie diese Vorteile jedoch leider nicht umsetzen. Sie kann also nicht als Alternative zu SU Performer empfohlen werden.

KWS Binntto ist kurz im Halm, standfest und weist eine ausgewogene Blatt-gesundheit auf. Nur die Mehltauanfälligkeit ist leicht erhöht. Die Sorte konnte die an sie gestellten, sehr hohen Ertragserwartungen nicht erfüllen. KWS Binntto wird das Liederbacher Sortiment – auf Empfehlung des Züchterhauses – bereits nach zwei Jahren verlassen

KWS Serafino zeigt ein gegenüber SU Performer vergleichbares Ertragspotenzial, längeren Wuchs bei gleicher Standfestigkeit, eine bessere Blattgesundheit bei gleichzeitig geringerer Anfälligkeit gegenüber Mutterkorn. Auf das dritte Prüfjahr darf man gespannt sein. Aktuell liegt leider noch kein Saatgut in Öko-Qualität vor.

KWS Eterno ist ein Neuzugang. Etwas kürzer als Serafino, bei gleicher mittlerer Halmstabilität ist die Sorte bezüglich Blattgesundheit weniger vorzüglich eingestuft. In Alsfeld-Liederbach überholte Eterno 2019 die übrigen Hybriden im Ertrag. Weitere Versuche bleiben abzuwarten.

Was beim Anbau zu beachten ist

Günstige Vorfrüchte sind Körnerleguminosen, Kartoffeln, Weizen, Hafer und Mais. Auf leichten Standorten kann der Roggen auch nach Kleegras angebaut werden, auf leichten und schweren Böden besser an sehr abtragender Position am Ende der Fruchtfolge. Dort bietet er eine gute Deckfrucht für Untersaaten eines folgenden Kleegrases. Winterroggen kann auch in abtragender Fruchtfolgestellung im Vergleich zu den anderen Getreidearten noch hohe Kornerträge ausbilden, wohingegen bei zu guter Stellung in der Rotation das Risiko des Lagerns steigt. Bei Lager kann Auswuchs und damit ein Verlust der Backqualität die Folge sein.

Roggen nutzt im Herbst aufgrund seiner bescheidenen Vorwinterentwicklung nur geringe Mengen bodenbürtigen Stickstoffs. Daher ist ein später Umbruch einer Vorfrucht oder Gründüngung ratsam um – insbesondere auf leichten Standorten –  N-Auswaschungsverluste zu minimieren. Die späte Bodenbearbeitung und Aussaat kann auch das Aufkommen von Unkräutern reduzieren. Auf einem genügend abgesetzten Saatbett wird Roggen 1 bis 2 cm flach abgelegt, auf leichteren Böden auch bis zu 3 cm tief. Reinschmieren bei zu nassem Boden ist möglichst zu vermeiden.

Der Roggen besitzt eine hohe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern, so dass auf begleitende Pflegemaßnahmen meist verzichtet werden kann. Beim Striegeln ist aufgrund des flachen Wurzelwerks Vorsicht geboten. Sehr flach und spät gesäte Bestände sollten im Frühjahr vor dem Striegeln gegebenenfalls angewalzt werden.

Wer Bedarf an Öko-Saatgut hat, kann sich im Internet auf der Seite www.organicxseeds.com über verfügbare Sorten und deren Anbieter informieren.

Öko-Winterroggen: Kornertrag [dt/ha bei 86% TS] im Landessortenversuch Alsfeld-Liederbach 2014-2019 relativ [%] zur Bezugsbasis

Zulassung 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2014-19 2017-19
Populationssorten (P)
Conduct (BB-P) P 2006 115 98 95 97 93 98 99 96
Dukato (BB-P) P 2008 93 99 100 100 102 98 99 100
Inspector (BB-P) P 2013 92 103 105 103 105 105 102 104
Firmament * P 2013 112 92 97 90 91 99 97 93
Elias ** P 2013 96 100 93
Amilo P 1992 101 103 92 103 95 97
Lichtkornroggen * P 2011 97 94 88 96 93
Dankowskie Turkus P 106 98 104 103
Dankowskie Opal P 101
Dankowskie Granat P 100
SU Popidol P 2018 101
Bezugsbasis BB-P [dt/ha]   28,3 65,1 52,4 63,5 37,6 75,1
 
Hybriden (H)
SU Performer (BB-H) H 2013 100 100 100 100 100 100 100
KWS Bono H 2014 85 91 96
KWS Gatano H 2016 91 102 95 96
KWS Binntto H 2017 91 99
KWS Serafino H 98 100
KWS Eterno H 2017 106
Bezugsbasis BB-H [dt/ha]   40,2 88,7 72,6 78,9 51,1 90,4

Bezugsbasis (BB-P) = Mittelwert aus drei Populationssorten (Conduct, Dukato, Inspector)
Bezugsbasis (BB-H) = SU Performer
* als Erhaltungssorte zugelassen
** in Österreich zugelassen


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