Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

Ergebnisse der LSV Öko-Roggen 2020 & Empfehlungen

Ein mäßiges Jahr für den Ökoroggen

Unter den Getreidearten ist der Roggen so anspruchslos wie kein anderes Getreide. Aufgrund der ausgeprägten Resistenz gegenüber Kahlfrösten, des starken Wurzelsystems und der frühen Pflanzenentwicklung bei langer Kornfüllungsphase ist der Roggen sehr gut auch für grundwasserferne, leichte, sandige Standorte mit Tendenz zur Trockenheit geeignet.

Der Landessortenversuch Öko-Winterroggen rotiert in Alsfeld-Liederbach auf den Betriebsflächen des seit 1989 biologisch-dynamisch bewirtschafteten Betriebs Kasper und steht stets im ersten Jahr nach zweijährigem Feldfutterbau. Diese Fruchtfolgestellung ist in der Praxis des Ökolandbaus bei Roggen nicht verbreitet, aber aus versuchstechnischen Gründen erforderlich. Deshalb wurde bereits in früheren Jahren geprüft, wie sich die Fruchtfolgestellung auf die Leistung der geprüften Sorten auswirkt. Resultat: Nach Kleegras waren erwartungsgemäß die Kornerträge höher als wenn der Roggen abtragend steht. Auf die Reihenfolge der Sorten hinsichtlich ihrer Ertragsleistung hatte die Fruchtfolgestellung jedoch keinen Einfluss.

Der langjährige Ertrag der Populationssorte Conduct lag im Mittel von sechs Jahren (2014 bis 2019) bei rund 53 dt/ha. Die seit 2014 geprüfte Hybride SU Performer erzielte im selben Zeitraum im Durchschnitt 70 dt/ha (133 %). Die Populations- und die Hybridsorten unterscheiden sich naturgemäß sehr stark in ihrem Ertragspotenzial. Daher sollte ein Vergleich der relativen Ertragsleistung stets nur innerhalb von entweder Populations- oder Hybridsorten vorgenommen werden.

Der Ertrag der Sorte Cosinus, die als bewährte Referenz-Populationssorte noch immer im Prüfsortiment steht, schwankte über die Jahre erheblich zwischen 33 (2014) und 73 dt/ha (2019). Die Sorte erzielte 2020 nur 38 dt/ha, ein vergleichsweise enttäuschendes Ergebnis, das auf den mageren Standort und die ausgeprägte Trockenheit in Liederbach  2020 zurückzuführen ist.

Die Bewertung der Sorten basiert auf der am Standort Alsfeld-Liederbach über drei Jahre erzielten Ertragsleistung. In der Folge werden das Ertragspotenzial und die wichtigsten agronomischen Eigenschaften der Sorten vorgestellt.

Die geprüften Sorten im Überblick

Populationssorten

Sorte Amilo ist eine sehr alte Sorte, die aber im Ökolandbau immer noch  Verwendung findet. Auf dem Markt für Öko-Saatgut steht auch immer noch Saatgut zur Verfügung. Wie die dargestellten dreijährigen Ergebnisse zum Kornertrag zeigen, hat sie das Ertragsniveau von Conduct.

Die deutlich jüngere Sorte Conduct ist blattgesund, sehr lang im Stroh bei mittlerer Standfestigkeit. Sie kann nach wie vor für den Anbau empfohlen werden. Sie weist, genauso wie Dukato, eine geringe Anfälligkeit für Mutterkorn auf.

Dukato ist mittellang bei gleichzeitig guter Standfestigkeit und ausgewogener Blattgesundheit (Ausnahme Braunrost).

Die langstrohige Inspector Sorte besitzt eine mittlere Blattgesundheit und geringe Anfälligkeit für Mutterkorn. Unter den oben genannten Populationssorten hat sie im sechs- (2014-19), wie auch im dreijährigen Mittel (2017-19) den höchsten Ertrag. Die Populationssorte kann für den Anbau empfohlen werden.

Die EU-Sorte Dankowskie Granat ist lang im Wuchs und ausgewogen in der Blattgesundheit. Zur Mutterkornanfälligkeit liegen keine Informationen vor. Im Gegensatz zu Opal (aus demselben Züchterhaus) hat die Sorte Granat 2020 enttäuscht. EU-Sorte Dankowskie Opal ist lang im Wuchs und besitzt eine ausgeglichene Blattgesundheit. Der in den beiden Prüfjahren erhobene Kornertrag macht neugierig auf ein drittes Jahr.

Hybridsorten

2020 wies SU Performer einen relativ höheren Kornertrag als die anderen Hybridsorten. Pflanzenbaulich von Nachteil aus Sicht des Ökolandbaus ist die kurze Pflanzenlänge. Die recht hohe Anfälligkeit für Mutterkorn muss berücksichtigt werden. Die Blattgesundheit ist gut. Aufgrund des langjährigen sehr guten Abschneidens kann die Sorte für den Anbau empfohlen werden.

SU Bendix wurde erstmalig geprüft. Sie ist sehr blattgesund, etwas weniger anfällig für Mutterkorn als SU Performer und genauso kurz im Wuchs. In ihrem ersten Prüfjahr schnitt sie beim Ertrag weit unter SU Performer ab. Weitere Prüfjahre bleiben abzuwarten.

KWS Eterno wurde 2020 zum zweiten Mal geprüft. Die Sorte weist eine Schwäche bei der Mehltauanfälligkeit auf, sonst ist sie erfreulich gesund. Im zweijährigen Mittel schnitt die Sorte etwa auf dem Niveau von KWS Serafino ab.

KWS Serafino zeigt ein gegenüber SU Performer vergleichbares Ertragspotenzial. Auf das dritte Prüfjahr darf man gespannt sein. Für die EU-Sorte liegen keine Informationen in der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes vor.

Die blattgesunde Sorte KWS Tayo hatte im ersten Prüfjahr das Ertragsniveau von SU Bendix und KWS Eterno auf. Die Einstufung des Bundessortenamtes lässt deutlich höhere Erträge erwarten.

Was beim Anbau zu beachten ist

Günstige Vorfrüchte sind Körnerleguminosen, Kartoffeln, Weizen, Hafer und Mais. Auf leichten Standorten kann der Roggen auch nach Kleegras angebaut werden, auf leichten und schweren Böden besser an sehr abtragender Position am Ende der Fruchtfolge. Dort bietet er eine gute Deckfrucht für Untersaaten eines folgenden Kleegrases. Winterroggen kann auch in abtragender Fruchtfolgestellung im Vergleich zu den anderen Getreidearten noch hohe Kornerträge ausbilden, wohingegen bei zu guter Stellung in der Rotation das Risiko des Lagerns steigt. Bei Lager kann Auswuchs und damit ein Verlust der Backqualität die Folge sein.

Roggen nutzt im Herbst aufgrund seiner bescheidenen Vorwinterentwicklung nur geringe Mengen bodenbürtigen Stickstoffs. Daher ist ein später Umbruch einer Vorfrucht oder Gründüngung ratsam um – insbesondere auf leichten Standorten –  N-Auswaschungsverluste zu minimieren. Die späte Bodenbearbeitung und Aussaat kann auch das Aufkommen von Unkräutern reduzieren. Auf einem genügend abgesetzten Saatbett wird Roggen 1 bis 2 cm flach abgelegt, auf leichteren Böden auch bis zu 3 cm tief. Reinschmieren bei zu nassem Boden ist möglichst zu vermeiden.

Der Roggen besitzt eine hohe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern, so dass auf begleitende Pflegemaßnahmen meist verzichtet werden kann. Beim Striegeln ist aufgrund des flachen Wurzelwerks Vorsicht geboten. Sehr flach und spät gesäte Bestände sollten im Frühjahr vor dem Striegeln gegebenenfalls angewalzt werden.

Wer Bedarf an Öko-Saatgut hat, kann sich im Internet auf der Seite www.organicxseeds.com über verfügbare Sorten und deren Anbieter informieren.

Öko-Winterroggen: Kornertrag [dt/ha bei 86% TS] im Landessortenversuch Alsfeld-Liederbach 2018-2020 relativ [%] zur Bezugsbasis

2018 2019 2020 2018-2020
Quelle: LSE 2019
(BB) = P (3 jährig geprüft)
P = Populationen
H = Hybriden
Sorte Sortentyp Zulassung dt/ha % dt/ha % dt/ha % dt/ha %
Amilo (BB) P 1992 38,8 102 71,3 96 36,8 97 49,0 98
Conduct (BB) P 2006 35,0 92 73,3 99 38,0 101 48,8 98
Dukato (BB) P 2008 38,4 101 73,3 99 36,7 97 49,5 99
Inspector (BB) P 2013 39,3 104 78,6 106 39,9 105 52,6 105
Dankowskie Granat P 2018 75,1 101 35,3 93
Dankowskie Opal P 2018 75,6 102 40,9 108
SU Performer H 2013 51,1 135 90,4 122 53,7 142 65,1 130
SU Bendix H 2014 46,0 122
KWS Eterno H 2017 95,5 129 46,6 123
KWS Serafino EU H 2017 90,2 122 51,0 135
KWS Tayo H 2020 46,7 123
Bezugsbasis [dt/ha] 37,9 74,1 37,8 49,9

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