Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

Ergebnisse der LSV Öko-Silomais 2019

Stabile Erträge auf hohem Niveau beim Öko-Silomais

Aufgrund seines hohen Ertragspotenzials und der hohen Energiegehalte ist Silomais eine wertvolle Ergänzung für die in Fruchtfolgen des Ökolandbaus verbreiteten, eiweißreichen Futterleguminosen. Seinen hohen Ansprüchen an die Stickstoffversorgung kann man durch eine günstige Fruchtfolgestellung (z.B. nach Kleegras) und/oder gezielte organische Düngung (z.B. mit Gülle) gerecht werden. Der mehrjährige Feldfutterbau reduziert verglichen mit anderen Vorfrüchten auch den Unkrautdruck zur Nachfrucht Silomais. Dieser benötigt in der Jugendentwicklung „Familienanschluss“, d.h. die mechanische Unkrautregulierung hat oberste Priorität und sollte sehr sorgfältig durchgeführt werden. Hat man den Mais durch diese kritische Phase gebracht, ist er dafür umso selbständiger, weil er durch seine kräftige Biomasseentwicklung (ab ca. 30 cm Wuchshöhe) das Unkraut hervorragend unterdrückt.

Hat man Stickstoffversorgung und Unkrautregulierung hinreichend berücksichtigt, steht zur Absicherung des Anbauerfolges noch die Sortenwahl an. Sorten für die Nutzung als Silomais sollten vor allem einen hohen Trockenmasseertrag und eine hohe Energiekonzentration aufweisen. An erster Stelle steht jedoch die Festlegung auf eine, für den eigenen Standort angemessene Reifegruppe, ausgedrückt als „Silo-Reifezahl“ einer Sorte. Nur eine gut ausgereifte Maispflanze erzielt gute Stärke- und Energiegehalte. Auch weil im Ökolandbau die Aussaat meist relativ spät erfolgt, ist die Fähigkeit der gewählten Sorte zur sicheren Abreife ein wichtiges Kriterium. Die optimale Silierreife liegt bei einem Trockensubstanzgehalt zwischen 32 und 35 % und sollte auf dem eigenen Standort im Durchschnitt der Jahre zwischen Ende September und Mitte Oktober erreicht werden. Später abreifende Sorten weisen zwar ein höheres Ertragspotenzial auf, aber ihr Anbau birgt auch ein höheres Risiko einer nicht abgeschlossenen Stärkeeinlagerung. Für die meisten hessischen Standorte nördlich der Wetterau kommen wohl nur Sorten der Reifegruppe mittelfrüh (Silo-Reifezahl S 230 – 250) oder früher (S ≤ 220) in Frage.

Der Versuch wird auf mittlerem tonigem Schluff (75 Bodenpunkte) auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen durchgeführt, dem seit 2000 ökologisch bewirtschafteten Lehr- und Versuchsbetrieb der Universität Kassel statt.

Tabelle 1: Versuchsfläche und Anbaudaten LSV Öko-Silomais 2017-2019, Hessische Staatsdomäne Frankenhausen (Landkreis Kassel)

2019 2018 2017
Nmin (kg N/ha in 0-90 cm) 62 k. A. 70
P2O5 (mg/100g Boden in 0-30 cm) 16 8 12
K2O (mg/100g Boden in 0-30 cm) 11 10 9
Mg (mg/100g Boden in 0-30 cm) 11 11 8
pH-Wert 6,4 6,4 6,6
Saat 13.05. 11.05. 05.05.
Häckseln 24.09. 13.09. 27.09.

 

Das Spektrum der Reifegruppe der geprüften Sorten reicht von früh (hier ab Siloreifezahl S 170 bis S 220) bis mittelfrüh (S 230-250). Bei einem Prüfglied – Weihenstephaner 2 (ca. S. 240) – handelt es sich um eine sogenannte Population aus der Züchtungsforschung von Dr. Barbara Eder (Landesanstalt für Landwirtschaft, Bayern). Alle anderen Prüfglieder waren Hybridsorten.

Nur für fünf Sorten liegen 2019 dreijährige (2017-2019) Ergebnisse vor. Diese Sorten unterschiedlicher Siloreifezahl (210 bis 240) dienen bei der Darstellung von Ertrag und Qualität des Prüfsortiments als Verrechnungssorten (Mittelwert aus fünf Sorten = 100 %).

Vorfrucht des Feldversuches war überjähriges (2017 und 2018) bzw. zweijähriges Kleegras, das jeweils mit dem Pflug umgebrochen wurde. 2017 war die Vor-Vorfrucht Winterweizen, 2018 Kartoffeln. Ausgesät wurden 22 keimfähige Körner/m2 mit einer vierreihigen Einzelkornsämaschine (75 cm Reihenabstand), die später auf 11 Pflanzen/m2 vereinzelt wurden. Die Unkrautregulierung im Parzellenversuch wurde maschinell vorgenommen.

Sehr gute Erträge bei hoher Qualität in 2019

Der durchschnittliche Trockenmasseertrag der fünf Verrechnungssorten 2019 bei 218 dt/ha und damit auf einem deutlich höheren Niveau als 2018 (185 dt/ha).

Die Spannweite der Relativerträge reichte 2019 von 92 % (Population Weihenstephaner 2) bis zu 108 % (Hybride Benedictio KWS). Die fünf dreijährig geprüften Sorten unterschieden sich im Mittel der drei Versuchsjahre, wiesen aber zum Teil erhebliche Schwankungen um ihr jeweiliges dreijähriges Mittel auf (z.B. Farmezzo: 94 … 102 %).

Da der Energieertrag [GJ/ha] sehr eng mit dem TM-Ertrag [dt/ha] und viel stärker als mit dem Energiegehalt [MJ/kg TM] korreliert ist, gilt für die Abstufung der Sorten hinsichtlich Energieertrag (TM-Ertrag x Energiedichte) das gleiche wie beim TM-Ertrag. Die Energiedichte variiert zwischen den Sorten kaum, sondern ist stärker von der Witterung während der Vegetationsperiode abhängig. Über die drei Versuchsjahre schwankte die Energiedichte im Schnitt der Verrechnungssorten jedoch kaum.

Seit dem 1. Januar 2014 sind Körner- und Silomais beim Saatgutbezug der Kategorie I zugeordnet. Die Eingruppierung in Kategorie I setzt voraus, dass ausreichend Öko-Saatgut dieser Kultur zur Verfügung steht. Mit dieser Begründung werden keine Ausnahmegenehmigungen zur Verwendung von konventionell erzeugtem Saatgut mehr erteilt. Wer Saatgut einer bestimmten Sorte beziehen möchte, kann sich auf der Webseite http://www.organicxseeds.de/ ein Bild von der aktuellen Verfügbarkeit machen.

Tabelle 2: TS-Gehalt [% der FS], sowie TM-Ertrag und Energiedichte in % relativ zum Mittel der fünf Verrechnungssorten (fettgedruckt) im Landesortenversuch Öko-Silomais Frankenhausen 2017-2019

Züchter SRZ TS -Gehalt [% der FS] TM-Ertrag [dt/ha] rel. zu VRS [%] Energiedichte NEL [MJ/kg TM]  rel. zu VRS [%]
2019 2018 2017 2017-19 2019 2018 2017 2017-19 2019 2018 2017 2017-19
Perez KWS 170 38,3 42,8 93 99 94 96
Likeit DSV 180 35,8 39,5 40,8 39,1 100 96 101 99 102 100 100 100
Amavit Agromais 210 36,2 105 97
Eurojet Planterra 210 32,4 38,0 101 96 101 100
LG31218 Limagrain 210 34,5 98 97
Rancador RAGT 210 33,9 99 98
Oxanna Bio IG Mais 210 34,0 36,5 93 99 100 102
Cathy DSV 210 34,0 39,9 97 100 97 100
Amaverde KWS 210 36,1 42,7 87 102 98 101
Keops KWS 210 35,1 40,5 103 103 99 101
Farmezzo Farmsaat 210 33,7 38,4 36,0 36,4 94 95 102 97 100 99 101 100
Milkstar Saaten Union 220 34,4 104 95
P 7515 Pioneer 220 32,7 38,9 94 97 95 103
LG 30215 Limagrain 220 33,9 39,6 98 100 100 99
Landlord agaSAAT 220 33,9 39,3 35,4 36,6 98 102 91 97 100 101 100 101
Farmfire Farmsaat 230 32,7 36,9 35,4 35,4 100 105 105 103 98 99 100 99
Benedictio KWS KWS 230 35,5 39,4 36,3 37,5 108 102 101 104 100 101 99 100
Weihenstephaner 2 Farmsaat 240 32,7 36,8 36,2 92 87 87 98 97 95  
Mittelwert der Verrechnungssorten 35,5 38,7 36,8 37,0 218 185 210 204 6,8 6,8 6,9 6,8

SRZ = Siloreifezahl


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