Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

Ergebnisse der LSV Öko-Triticale 2019 & Empfehlungen

Volles Fass im Mai: Spitzenerträge bei Öko-Triticale

Triticale bringt als Kreuzung von Weizen und Roggen vom Weizen das höhere Ertragspotenzial und vom Roggen die geringere Krankheitsanfälligkeit mit. Als langstrohige, gesunde und relativ anspruchslose Getreideart mit hohem Futterwert eignet sie sich gut für den Anbau in Ökobetrieben. Öko-Ackerbauern benötigen Sortenempfehlungen, die unter den Bedingungen des Ökologischen Landbaus gewonnen wurden. Dr. Thorsten Haase vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen fasst die Ergebnisse der hessischen Öko-Landessortenversuche zu Wintertriticale zusammen.

Die Öko-Landessortenversuche Wintertriticale rotieren in Alsfeld-Liederbach auf den Betriebsflächen des seit 1989 biologisch-dynamisch bewirtschafteten Betriebs Kasper und stehen stets im ersten Jahr nach zweijährigem Feldfutterbau. Aufgrund der integrierten Viehhaltung (0,4 GV/ha) ist auf den Versuchsflächen die Grundnährstoffversorgung mit Phosphor, Kalium und Magnesium auf den meisten Schlägen im optimalen Bereich (Versorgungsstufe C).

Sowohl der sechsjährige (2013-18) als auch der dreijährige (2016-18) mittlere Ertrag der beiden Sorten Cosinus und Tulus liegt am Standort Alsfeld-Liederbach bei 57 dt/ha. Während 2018 nur 42 dt/ha gedroschen wurden, erfreute das Jahr 2019 durch Spitzenerträge in Höhe von rund 81 dt/ha.

Seit zwei Jahren wird der Landessortenversuch Öko-Wintertriticale auch am Standort Frankenhausen (Landkreis Kassel) durchgeführt. Vergleicht man den mittleren Ertrag der beiden Referenzsorten, die in beiden Jahren an beiden Standorten geprüft wurden, so fällt auf, dass Alsfeld-Liederbach (62 dt/ha bei 55 Bodenpunkten) im Mittel (2018-19) beinahe denselben Ertrag erzielt wie Frankenhausen (63 dt/ha bei 75 Bodenpunkten).

Im langjährigen Mittel (2013-19) unterscheiden sich in Alsfeld-Liederbach Cosinus und Tulus hinsichtlich ihres Kornertrags nicht. Für drei weitere Sorten liegen mittlerweile Ergebnisse aus drei Versuchsjahren vor. Hier stellt sich die Frage, ob die neueren den bewährten Sorten Konkurrenz machen können.

Zunächst werden die fünf am Standort Alsfeld-Liederbach dreijährig geprüften Sorten vorgestellt, gefolgt von den vier, auch in Frankenhausen zweijährig geprüften Sorten. Die Ergebnisse der fünf an beiden Standorte erstmalig geprüften Sorten können nur unter Vorbehalt präsentiert werden. Die Einschätzung des Ertragspotenzials der Sorten wird stets ergänzt durch eine Bewertung der wichtigsten agronomischen Eigenschaften.

Die geprüften Sorten im Überblick

Die langjährig geprüfte Sorte Cosinus drosch ebenso wie Tulus im Mittel von drei Jahren (2017-19) schlechter als Rhenio, Lombardo und Cedrico. Das entspricht auch der Einschätzung des Bundessortenamtes hinsichtlich des Ertragspotentials der beiden Sorten. Die Blattgesundheit ist bei Cosinus ausgewogen, ihre Anfälligkeit gegenüber Gelbrost etwas stärker ausgeprägt als bei Tulus. Cosinus ist lang, aber recht lageranfällig. Die zweite Bezugssorte Tulus ist etwas weniger lang, blattgesund. winterhärter als Cosinus, neigt weniger zum Lagern und wird auch weniger von Gelbrost befallen.

Rhenio hat im Vergleich zu den beiden genannten Sorten ein höheres Ertragspotenzial, was die Sorte auch in Alsfeld-Liederbach unter Beweis stellte. Die kurze, winterharte Sorte ist jedoch relativ anfällig für Blattseptoria und Gelbrost. Für den Anbau kann sie dennoch empfohlen werden.

Lombardo hat im dreijährigen Mittel ertraglich überzeugt. Die Sorte ist mittellang, stand- und sehr winterfest. Allerdings muss die erhöhte Braunrostanfälligkeit beachtet werden. Sie kann für den Anbau dennoch empfohlen werden.

Die Sorte Cedrico wies ebenfalls einen überdurchschnittlichen Ertrag auf. Die Sorte ist kurz in, halmstabil und blattgesund (Ausnahme: Mehltau). Sie hat in allen drei Jahren überdurchschnittliche Erträge erzielt. Ein Anbau kann in Betracht gezogen werden.

Tripanem stammt aus biologisch-dynamischer Züchtung und weist laut Züchterangaben eine „ausgezeichnete Blattgesundheit“ auf. In der Tat war sie kaum von Gelbrost befallen. Was den Ertrag betrifft, konnte Tripanem bislang auf keinem der beiden Standorte überzeugen. Eine Nutzung als Brotgetreide ist möglich, sodass der Vertragsanbau von Tripanem eine Option sein könnte.

Robinson ist mittellang im Wuchs, standfest, und blattgesund. Die Sorte wies jedoch beim Kornertrag zwischen den Jahren und den Orten starke Schwankungen auf, so dass ein drittes Prüfjahr unbedingt noch abgewartet werden sollte.

Temuco ist kurz in der Pflanzenlänge und blattgesund. Der Ertrag der Sorte war am Standort Frankenhausen in beiden Jahren sehr erfreulich, in Alsfeld-Liederbach durchschnittlich. Temuco hat eine mittlere Blattgesundheit, ist eher kurz und sehr halmstabil

Trisem ist die längste Sorte im Prüfsortiment. Dennoch ging Trisem trotz Erträgen von über 90 dt/ha in Frankenhausen nicht ins Lager. Die äußerst blattgesunde Sorte lieferte in beiden Jahren auf beiden Standorten sehr erfreuliche Erträge.

Neuzugänge

Jokari ist lang im Wuchs mit ausgewogener Standfestigkeit und guter Blattgesundheit. Die Frohwüchsigkeit während der Jugendentwicklung ist allerdings unterdurchschnittlich. SU Kalyptus erreichte auf beiden Standorten ein gut durchschnittliches Ertragsniveau. Kalyptus ist kurz in der Halmlänge, blattgesund, standfest und hat eine durchschnittliche Frohwüchsigkeit. RGT Belemac lieferte auf beiden Standorten einen überdurchschnittlichen Ertrag. Belemac ist mittellang im Wuchs, standfest und blattgesund. Riparo vermochte 2019 ebenfalls mit überdurchschnittlichen Erträgen zu überzeugen. Riparo ist kurz, standfest, und blattgesund. Der Kornertrag der Sorte Ozean erfreute nur auf einem und enttäuschte auf dem anderen Standort. Die Sorte ist mittellang, lagerstabil und fällt durch eine ausgeprägte Blattgesundheit auf. Für die Sorte Porto schließlich liegen einjährige Ergebnisse nur aus Alsfeld-Liederbach vor, die neugierig auf die weiteren Prüfjahre machen. Die äußerst blattgesunde Sorte ist sehr kurz und lagerstabil

Was beim Anbau zu berücksichtigen ist

Aufgrund ihrer relativ geringen Ansprüche kann Triticale als abtragende Frucht in die Fruchtfolge integriert werden. Bei hohem Getreideanteil ist jedoch auf Fußkrankheiten (Halmbruch, Schwarzbeinigkeit) zu achten. Dementsprechend sind Gerste und Weizen als direkte Vorfrüchte zu vermeiden. Der Erntezeitpunkt der Vorfrucht sollte so früh liegen, dass genügend Zeit für die Bodenbearbeitung und die termingerechte Aussaat (Ende September bis Mitte Oktober) bleibt. Günstige Vorfrüchte sind Kartoffeln, Hafer, Erbsen und andere Leguminosen. Die Saatfurche (20 bis 25 cm) sollte ca. 2 bis 3 Wochen vor der Aussaat durchgeführt werden. Ein feines Saatbeet mit entsprechender Rückverfestigung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines schnellen Auflaufens und einer zügigen Vorwinterentwicklung. Auf lehmigen Standorten sind 350 Körner/m2 anzustreben. Die Saattiefe liegt bei 2 bis 4 cm.

Der Striegeleinsatz kann als Blindstriegeln erfolgen und erlaubt das Freilegen der Keimfäden der Unkräuter. Nach Feldaufgang kann wieder ab dem 3-Blatt-Stadium gestriegelt werden. Der für Triticale typische kriechende Wuchs der Bestockungstriebe erfordert in der Folge vorsichtiges Striegeln. Aufgrund des guten Unkrautunterdrückungspotenzials der Triticale sollte ein einmaliger Arbeitsgang im Frühjahr ausreichen. Triticale profitiert von einer organischen Düngung mit Gülle. Höchstmengen von 20 bis 25 m3 sollten im Frühjahr aber nicht überschritten werden.

Wer Bedarf an Öko-Saatgut hat, kann sich im Internet auf der Seite  www.organicxseeds.com über verfügbare Sorten und deren Anbieter informieren.

 

Öko-Wintertriticale: Kornertrag [dt/ha bei 86% TS] im Landessortenversuch Alsfeld-Liederbach 2013-2019; relativ zum Mittel der Bezugsbasis [%]

Zulassung 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2017-19 2013-19
Cosinus (BB) 2009 104 105 95 103 99 97 100 99 100
Tulus (BB) 2009 96 95 105 97 101 103 100 101 100
Rhenio 2014 108 97 103 97 112 104
Salto 2015 90 90 106
Lombardo 2015 77 107 99 108 105
Barolo 2015 95 98 100
Cedrico 2016 106 105 104 105
Tripanem 88 86
Robinson 2017 94 108
Temuco 2017 101 98
Trisem 2018 103 106
Jokari 90
SU Kalyptus 2018 102
RGT Belemac 2018 104
Riparo 2018 102
Ozean 2019 103
Porto 2018 106
Bezugsbasis BB [dt/ha] 64,2 46,9 60,6 59,1 69,9 41,9 80,6 64,1 60,4

 

 

Öko-Wintertriticale: Kornertrag [dt/ha bei 86% TS] im Landessortenversuch Frankenhausen und Alsfeld-Liederbach 2018 und 2019; relativ zum Mittel der Bezugsbasis [%]

2018 2019 2018-19
Zulassung FH AL FH AL FH AL Mittel
Cosinus (BB) 2009 94 97 100 100 98 99 98
Tulus (BB) 2009 106 103 100 100 102 101 102
Rhenio 2014 105 97 100 112 102 107 104
Salto 2015 99 106
Lombardo 2015 108 99 108 105
Barolo 2015 98 100
Cedrico 2016 99 105 100 104 100 104 102
Tripanem 85 88 91 86 89 87 88
Robinson 2017 106 94 88 108 95 103 99
Temuco 2017 108 101 105 98 106 99 103
Trisem 2018 115 103 119 106 117 105 111
Jokari 100 90
SU Kalyptus 2018 100 102
RGT Belemac 2018 102 104
Riparo 2018 106 102
Ozean 2019 86 103
Porto 2018 106
Bezugsbasis BB [dt/ha] 46,3 41,9 79,4 80,6 62,8 61,2 62,0

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