Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

Ergebnisse des LSV Öko-Triticale 2020 & Empfehlungen

Triticale bringt als Kreuzung von Weizen und Roggen vom Weizen das höhere Ertragspotenzial und vom Roggen die geringere Krankheitsanfälligkeit mit.

Als langstrohige, gesunde und relativ anspruchslose Getreideart mit hohem Futterwert eignet sie sich gut für den Anbau in Ökobetrieben. Öko-Ackerbauern benötigen Sortenempfehlungen, die unter den Bedingungen des Ökologischen Landbaus gewonnen wurden.

Die Öko-Landessortenversuche Wintertriticale rotieren in Alsfeld-Liederbach auf den Betriebsflächen des seit 1989 biologisch-dynamisch bewirtschafteten Betriebs Kasper und stehen stets im ersten Jahr nach zweijährigem Feldfutterbau. Aufgrund der integrierten Viehhaltung (0,4 GV/ha) ist auf den Versuchsflächen die Grundnährstoffversorgung mit Phosphor, Kalium und Magnesium auf den meisten Schlägen im optimalen Bereich (Versorgungsstufe C).

Der Kornertrag von Wintertriticale am Standort Alsfeld-Liederbach beträgt im Mittel der letzten 10 Jahre (2011-2020) rund 63 dt/ha (Sorte Cosinus). Der mittlere Kornertrag der beiden langjährig (hier: 2015-2019) geprüften Sorten Cosinus und Tulus lag ebenfalls bei 63 dt/ha, im Jahr 2020 jedoch bei lediglich 40 dt/ha.

In den Jahren 2018 bis 2020 wurde der Landessortenversuch Öko-Wintertriticale zusätzlich am Standort Frankenhausen (Landkreis Kassel) durchgeführt. Der über drei Jahre gemittelte Ertrag der beiden Sorten fiel mit auf dem sehr fruchtbaren Standort Frankenhausen mit 65 dt/ha deutlich besser aus als in Alsfeld-Liederbach (54 dt/ha). Dieser zu erwartende Effekt des Standortes auf den Kornertrag kommt allerdings erst durch die erheblichen Unterschiede im Jahr 2020 zustande, als in Frankenhausen 70 und in Alsfeld-Liederbach nur 40 dt/ha gedroschen wurden.

Für insgesamt sieben Sorten liegen mittlerweile von beiden Standorten Ergebnisse aus drei Versuchsjahren vor. Es stellt sich die Frage, ob die neueren den beiden bewährten Sorten Cosinus und Tulus (beide Zulassung 2009) Konkurrenz machen können. Die Einschätzung des Ertragspotenzials der Sorten wird ergänzt durch eine Bewertung der wichtigsten agronomischen Eigenschaften.

Die geprüften Sorten im Überblick

Vergleich man die beiden Verechnungssorten Cosinus und Tulus miteinander, so unterscheiden sie sich im neunjährigen Mittel (Alsfeld-Liederbach 2011-2020, wegen Auswinterung ohne 2012) hinsichtlich des Kornertrags nicht voneinander. Anders verhält es sich beim dreijährigen Mittel (2018-2020). Hier schneidet Tulus deutlich (103 %) besser ab als Cosinus (97 %). Die Blattgesundheit ist bei Cosinus ausgewogen, ihre Anfälligkeit gegenüber Gelbrost etwas stärker ausgeprägt als bei Tulus. Cosinus ist lang, aber recht lageranfällig. Die zweite Vergleichssorte Tulus ist etwas weniger lang, blattgesund. winterhärter als Cosinus, neigt weniger zum Lagern und wird auch weniger von Gelbrost befallen.

Lombardo weist eigentlich ein deutlich größeres Ertragspotenzial auf als die beiden genannten Verrechnungssorten. Jedoch wurde die Sorte 2019 als auch 2020 in Frankenhausen stark von Gelbrost befallen, was den Kornertrag stark reduzierte. Die erhöhte Braunrostanfälligkeit sollte ebenfalls beachtet werden. Die Sorte ist mittellang, stand- und sehr winterfest.

Die Sorte Cedrico wies im Mittel von drei Jahren und zwei Standorten einen leicht überdurchschnittlichen Ertrag (103 %) auf. Hinsichtlich Gelbrost erwies sie sich im Feldversuch als gering anfällig. Die Sorte ist kurz, halmstabil und blattgesund (Ausnahme: Mehltau). Ein Anbau kann in Betracht gezogen werden.

Robinson ist mittellang im Wuchs, standfest, und blattgesund. Die Sorte wies jedoch beim Kornertrag zwischen den Jahren und den Orten starke Schwankungen auf, Im Mittel liegt der Ertrag auf dem Niveau von Cosinus.

Temuco ist kurz in der Pflanzenlänge, sehr halmstabil und blattgesund. Der Ertrag der Sorte war im Mittel der Jahre und Standorte mit 106 % deutlich über dem Mittel der Vergleichssorten.

Noch besser schnitt die Sorte Trisem ab. Sie ist die längste Sorte im Prüfsortiment. Dennoch ging Trisem trotz Erträgen von über 90 dt/ha 2019 in Frankenhausen nicht ins Lager. Die äußerst blattgesunde Sorte lieferte in allen drei Jahren auf beiden Standorten sehr erfreuliche Erträge. Sie kann auf jeden Fall für den Anbau empfohlen werden.

Für drei weitere Sorten liegen erst zweijährige Daten vor. Ein drittes Prüfjahr bleibt abzuwarten.

Zweijährig geprüfte Sorten

RGT Belemac ist mittellang im Wuchs, standfest und blattgesund. Riparo ist kurz, standfest, und blattgesund. Die bisherigen Ergebnisse deuten auf ein gutes stabiles Ertragspotenzial hin. Sorte Ozean ist mittellang, lagerstabil und weist eigentlich eine ausgeprägte Blattgesundheit auf. Ähnlich wie Lombardo wurde die Sorte jedoch in Frankenhausen 2019 und 2020 stark von Gelbrost befallen – mit verheerender Wirkung auf den Kornertrag.

Neuzugänge

Vivaldi ist kurz und sehr halmstabil, weist eine gute Blattgesundheit auf, fiel jedoch wie Lombardo und Ozean durch sehr starken Gelbrostbefall negativ auf. Ramdam mittelang, sehr blattgesund und soll laut Bundessortenamt ein sehr hohes Ertragspotenzial haben. Die Ergebnisse von beiden Standorten aus dem ersten Jahr scheinen das zu bestätigen. Ähnliches lässt sich für Belcanto sagen.

Was beim Anbau zu berücksichtigen ist

Aufgrund ihrer relativ geringen Ansprüche kann Triticale als abtragende Frucht in die Fruchtfolge integriert werden. Bei hohem Getreideanteil ist jedoch auf Fußkrankheiten (Halmbruch, Schwarzbeinigkeit) zu achten. Dementsprechend sind Gerste und Weizen als direkte Vorfrüchte zu vermeiden. Der Erntezeitpunkt der Vorfrucht sollte so früh liegen, dass genügend Zeit für die Bodenbearbeitung und die termingerechte Aussaat (Ende September bis Mitte Oktober) bleibt. Günstige Vorfrüchte sind Kartoffeln, Hafer, Erbsen und andere Leguminosen. Die Saatfurche (20 bis 25 cm) sollte ca. 2 bis 3 Wochen vor der Aussaat durchgeführt werden. Ein feines Saatbeet mit entsprechender Rückverfestigung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines schnellen Auflaufens und einer zügigen Vorwinterentwicklung. Auf lehmigen Standorten sind 350 Körner/m2 anzustreben. Die Saattiefe liegt bei 2 bis 4 cm.

Der Striegeleinsatz kann als Blindstriegeln erfolgen und erlaubt das Freilegen der Keimfäden der Unkräuter. Nach Feldaufgang kann wieder ab dem 3-Blatt-Stadium gestriegelt werden. Der für Triticale typische kriechende Wuchs der Bestockungstriebe erfordert in der Folge vorsichtiges Striegeln. Aufgrund des guten Unkrautunterdrückungspotenzials der Triticale sollte ein einmaliger Arbeitsgang im Frühjahr ausreichen. Triticale profitiert von einer organischen Düngung mit Gülle. Höchstmengen von 20 bis 25 m3 sollten im Frühjahr aber nicht überschritten werden.

Wer Bedarf an Öko-Saatgut hat, kann sich im Internet auf der Seite www.organicxseeds.com über verfügbare Sorten und deren Anbieter informieren.

Öko-Wintertriticale: Kornertrag [%] im Landessortenversuch Frankenhausen (FH) und Alsfeld-Liederbach (AL) relativ zum Mittel der beiden Verrechnungssorten

2018 2019 2020 2018-2020
2018 bis 2020; relativ zum Mittel der Verrechnungssorten [%]
Zulassung FH AL FH AL FH AL FH AL Mittelwert
Cosinus (VRS) 2009 94 97 100 100 97 93 97 97 97
Tulus (VRS) 2009 106 103 100 100 103 107 103 103 103
Lombardo 2015 108 99 80 108 64 104 84 104 94
Cedrico 2016 99 105 100 104 96 117 98 109 103
Robinson 2017 106 94 88 108 92 102 95 101 98
Temuco 2017 108 101 105 98 111 112 108 104 106
Trisem 2018 115 103 119 106 124 104 119 104 112
RGT Belemac 2018 102 104 96 110
Riparo 2018 106 102 104 102
Ozean 2019 86 103 69 106
Vivaldi 2019 53 101
Ramdam 2019 128 125
Belcanto 2019 115 116
Verrechnungssorten [dt/ha] 46,3 41,9 79,4 80,6 70,3 40,0 65,3 54,1 59,7

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