Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

Ergebnisse LSV Öko-Soja 2021 und Sortenbeschreibung

Erneut hohe Erträge bei Öko-Sojabohnen

Landessortenversuche (LSV) Öko-Sojabohnen auf dem Gladbacherhof und dem Öko-Versuchsfeld Ober-Erlenbach

Unter der Leitung von Dr. Franz Schulz führte das Versuchsteam des Gladbacherhofs, Öko-Versuchsbetrieb der Justus-Liebig-Universität Gießen, auch 2021 wieder einen LSV Öko-Sojabohnen durch. Landessortenversuche mit vergleichbaren Sortimenten wurden auch an vier Versuchsstandorten in Baden-Württemberg und mit vier Sorten auf dem LLH Öko-Versuchsfeld in Ober-Erlenbach durchgeführt. Dr. Andreas Hammelehle, Leiter des Öko-Versuchsfelds Ober-Erlenbach des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) beschreibt die Ergebnisse.

Versuchsfeld, LSV Öko-Sojabohnen
Beim Versuch in Ober-Erlenbach ist gut die unterschiedliche Abreife der 00- und 000- Sorten zu erkennen

Die Anbaufläche sowie die Erntemenge von Sojabohnen hat sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zwischen 2016 und 2020 mehr als verdoppelt, wobei 80% der Flächen in nur zwei Bundesländern, Baden-Württemberg und Bayern, liegen. Für 2021 ist nach vorläufigen Zahlen mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Mehr als ein Viertel der bundesweiten Anbaufläche wurde 2020 ökologisch bewirtschaftet. In Hessen haben sich die Soja Anbauflächen zwischen 2018 und 2020 von 640 auf 1.800 ha fast verdreifacht. Auch in Hessen nimmt der Öko-Anbauumfang – ausgehend von einem sehr geringen Niveau – kontinuierlich zu und lag 2019 bei über 900 ha.

Die Eignung eines Standortes für den Anbau von Sojabohnen wird in fünf Klassen eingeteilt, von „ungeeignet“ bis „sehr gut geeignet“ und leitet sich aus der Wärmesumme, Globalstrahlung, Niederschlagssumme und Bodenwertzahl des jeweiligen Standortes ab (siehe Geoportal JKI ). Gut geeignete Lagen in Hessen sind das hessische Ried, das Rhein-Main Gebiet, weite Teile der Wetterau bis in den Raum Gießen sowie der Raum Limburg. Die angrenzenden Lagen und der Raum Kassel sind noch ausreichend geeignet, die Mittelgebirgslagen hingegen mangelhaft bis ungeeignet.

Die Nachfrage nach heimischen Öko-Sojabohnen, sei es zur Nutzung als Futtermittel oder als Speisesoja steigt stetig an. So erhöht z.B. der Sojahersteller Taifun aktuell seine Kapazitäten deutlich und sucht weiterhin nach Vertragsanbauern. Bei Speisesoja zur Tofu Herstellung wird neben Rohproteingehalten zwischen 42% und 45% auch auf die Nabelfarbe und Inhaltstoffe wie z.B. antinutritive Stoffe geachtet, welche neben der Verdaulichkeit auch den Geschmack beeinflussen und daher auch züchterisch bearbeitet werden. Am besten ist die Sortenwahl mit dem Verarbeiter/Abnehmer im Voraus abzuklären. Die anspruchsvolleren Speisojasorten erzielen höhere Preise, doch der Anbau ist anspruchsvoller und wegen der geringeren Erträgen können die Deckungsbeiträge auch unter denen von Futtersoja liegen. Auch ist der Anbau von Futtersoja in der Regel anspruchsloser. Fortschritte in der Züchtung vereinfachen den Anbau zunehmend. So stehen immer mehr sehr frühe (000) Sorten zur Verfügung und auch schon einzelne extrem frühreife (0000) Sorten. Auch steigt die Anzahl an Aufbereitungsanlagen. Erkenntnisse des Sojaförderrings helfen beim Einstieg in den Anbau.

Bei der Sortenwahl sollte wegen der geringen Konkurrenzkraft in der Jugendphase gegenüber Beikräutern und wegen des zwischen Auflauf und Erscheinen des ersten Laubblattpaars gefürchteten Taubenfraßes auf einen gleichmäßigen und zügigen Auflauf und eine rasche Jugendentwicklung der Soja geachtet werden. Eine hohe Kältetoleranz vereinfacht die Wahl des Aussaatzeitpunkts. Die Aussaat im Zweifel eher später wählen, um einen zügigen Auflauf zu garantieren. Dies ist in mit Delia (Saatfliegen) belasteten Lagen sehr wichtig, da die Larven der Saatfliegen, welche insbesondere auf Lössböden häufig anzutreffen sind, durch Fraßgänge im Keimling zu Fehstellen bis zu Totalausfällen führen können. Die Sortenwahl bezüglich Abreifezeitpunkt ist den klimatischen Verhältnissen anzupassen. Sichere stabile Erträge sind hohen Kornerträgen vorzuziehen. Das Saatgut sollte nicht zu knapp kalkuliert und Pflanzenverluste durch mechanische Pflegemaßnahmen berücksichtigt werden. Ein Aufschlag von 10% für Striegelverluste sollte beachtet werden. Falls möglich kann ein falsches Saatbeet und Blindstriegeln den Beikrautdruck deutlich verringern. Die optimale Saatstärke für sehr frühe (000) Sorten liegt bei 65 bis 70 keimfähigen Körnern/m2. Durch die Verzweigungsleistung der ca. 8 Tage später abreifenden 00 (frühen) Sorten kann deren Aussaatmenge auch unter Ökobedingungen auf 55 bis 60 keimfähige Körner/m2 reduziert werden. Die Reifegruppe sagt jedoch nichts über die Keimdauer und die Jugendentwicklung aus. Hier lohnt sich ein Blick in die beschreibenden Sortenlisten und die Nachfrage bei Kollegen und Beratern. Soja hat bis auf Stickstoff einen hohen Nährstoffbedarf, welcher ideal aus einer Kompostgabe gedeckt werden kann. Durch die häufig stickstoffbindende Wirkung von Komposten kann der Nmin Gehalt des Bodens gesenkt und die Stickstofffixierungsleistung der Soja erhöht werden.

Auf dem Gladbacherhof, welcher im Bodenklimaraum (BKR) 133 (Zentralhessische Ackerbaugebiete) liegt und gut geeignet für den Sojaanbau ist (siehe Geoportal JKI ) wurden im Jahr 2021 15 Sorten der Reifegruppe 000 geprüft. Gesät wurde am 9.05.2021, siebzig keimfähige Körner/m², der Feldaufgang des Sortimentes war zwischen dem 20. und dem 21. Mai und damit im Schnitt vier Tage früher als 2020 aber 11 Tage später als 2019. Mängel im Stand nach Auflauf waren insgesamt sehr gering und beim Blühbeginn und zur Ernte nicht mehr vorhanden. Die Pflanzen waren mit durchschnittlich 133 cm um 44 cm bzw. 38 cm länger als 2019 bzw. 2020. Das war sicherlich den deutlich höheren Niederschlägen im Jahr 2021 zu verdanken. Das größere vegetative Wachstum hat sich jedoch weder negativ auf den Ertrag noch auf die Lagerung ausgewirkt. So wurde bis auf eine Sorte mit sehr geringem Lager keine Lagerung vor der Ernte beobachtet. Der Hülsenansatz der untersten Hülse bei durchschnittlich15,1 cm Höhe war etwas höher als 2019 (14 cm) aber deutlich tiefer als 2020 (18,6 cm). Die Ernte fand am 1.10.2021 statt. Der durchschnittliche Kornertrag von 41,7 dt/ha war im mittleren Bereich der letzten drei Jahre gegenüber den sehr hohen Erträgen 2019 (44 dt/ha) und den deutlich tieferen in 2020 (38 dt/ha) (Tab. 1, Abb. 1). Damit schwankten die durchschnittlichen Erträge der letzten drei Jahre am Gladbacherhof weniger als an Öko-Standorten in Baden-Württemberg mit vergleichbarem Sortiment (Daten nicht gezeigt). Die Kornerträge wurden nur vom Standort Karlsruhe-Grötzingen (BKR 121, Rheinebene und Nebentäler) mit 46,9 dt/ha übertroffen. Die übrigen Vergleichsstandorte erzielten deutlich niedrigere Erträge, zwischen 36 und 38 dt/ha. Die durchschnittlichen Rohproteingehalte des Sortiments am Gladbacherhof waren mit 44,3% deutlich höher als das dreijährige Mittel von 41.7% (Tab. 1, Abb. 1). Das wüchsige Wetter begünstigte demnach neben einem starken vegetativen Wachstum auch die Erträge und darüber hinaus die Rohproteingehalte. Diese insgesamt guten Bedingungen zeigen sich auch in einer um fast 20 g höheren durchschnittlichen TKM (222 g) gegenüber dem dreijährigen Mittel.

Auf dem LLH Öko-Versuchsfeld Ober-Erlenbach, BKR 121, wurden nur vier Speisesorten der Reifegruppen 000 (Aurelina, Tofina) und 00 (Primus, Lenka) geprüft. Die Aussaat erfolgte am 26.04.2021. Da die Wettervorhersage im Nachhinein sehr optimistisch war, kam es erst am 14.05.2021 zum Auflauf, wobei es keinen Unterschied zwischen den Sorten gab. Die Abreife erfolgte bei den 000 Sorten mehr als eine Woche vor denen der 00 Sorten. Die Ernte konnte aus arbeitswirtschaftlichen Gründen erst am 25.10. durchgeführt werden. Der Durchschnittsertrag von 36,7 dt war um 4 dt geringer als auf dem Gladbacherhof (Tabelle 1). Zwischen den Sorten gab es keine gesicherten Ertragsunterschiede, selbst die schon etwas ältere Sorte Primus erzielte vergleichbare Erträge.

Tabelle 1: Dreijährige Relativerträge von Öko-Soja vom Gladbacherhof und einjährige Relativerträge vom Öko-Versuchsfeld Ober-Erlenbach

Ort
Gladbacherhof Öko-Versuchsfeld Ober-Erlenbach
Ertrag relativ zum Versuchsdurchschnitt (VD) Ertrag relativ zum Versuchsdurchschnitt
2019 2020 2021 Mittel 2021

* Grenzdifferenz

Mittel VD (dt/ha) 45,5 38,0 41,7 41,7 36,7
GD 5%* 9,2 5,1 16,1 16,9
RGT Sphinxa 112 109 113 112
Alicia 102 123 108
Acardia 101 116 103 107
Achillea 104 104
ES Favor 103 94 109 102
Marquise 102 106 93 100
Aurelina 100 102 99 100 102
Lenka 102
ES Comandor 101 98 103 100
Abaca 100 100
GL Melanie 98 100 97 99
Primus 99
Tofina 95 91 97 94 98
Amarok 95 95 91 94
Nessie PZO 101 93 93
Merlin 91 90 95 92
Simocine 88 83 82

Drei- oder mehrjährig geprüfte Sorten

Acardia ist für die Futternutzung geeignet und erzielte mit einem hohen TKM in den letzten drei Prüfjahren überdurchschnittliche Erträge. Diese gingen zu Lasten des Rohproteingehalts, welcher jeweils unter dem Versuchsdurchschnitt lag. Der Feldaufgang war etwas verzögert und die Jugendentwicklung gering. Der Hülsenansatz ist im Vergleich zu anderen Sorten eher hoch. Die Sorte wird als trockentolerant und standfest beschrieben mit guter Widerstandsfähigkeit gegen Sklerotinia und mittlerer bis mittelspäter Reife innerhalb der 000 Sorten.

Amarok (VRS) erzielte in den letzten drei Prüfjahren im Mittel durchschnittliche Erträge mit durchschnittlichen Rohproteingehalten und unterdurchschnittlicher TKM. Positiv an dieser Sorte fällt die Frohwüchsigkeit in der Jugendentwicklung und die große Pflanzenlänge auf. Der Ansatz der ersten Hülse ist etwas tiefer als der Durchschnitt. Die Abreife ist nicht ganz so früh wie bei der Sorte Merlin.

Aurelina erzielte im Schnitt leicht überdurchschnittliche Erträge bei hohen TKM. Mit überdurchschnittlichen Rohproteingehalten und einem hellen Nabel ist sie für die Verarbeitung zu Speisezwecken und zur Tofu Herstellung geeignet. Der Feldaufgang war eher verzögert, der Hülsenansatz im Jahr 2020 durchschnittlich und im Jahr 2021 vergleichsweise hoch. Die Sorte wird mit einer mittleren Krankheitsanfälligkeit beschrieben1).

ES Comandor erzielte im Schnitt leicht überdurchschnittliche Erträge bei leicht unterdurchschnittlichen Rohproteingehalten und einer eher unterdurchschnittlichen TKM. Der Aufgangszeitpunkt war durchschnittlich. Weiter konnte ein mittlerer bis hoher Hülsenansatz und eine überdurchschnittliche Pflanzenlänge bonitiert werden.

ES Favor erzielte im Schnitt überdurchschnittliche Erträge bei durchschnittlichen Rohproteingehalten und überdurchschnittlicher TKM. Der Aufgang war eher spät, die Höhe des ersten Hülsenansatzes tief und die Pflanzenlänge unterdurchschnittlich.

GL Melanie erzielte durchschnittliche Erträge mit durchschnittlicher TKM und unterdurchschnittlichen Rohproteingehalten. Der Feldaufgang war eher spät, Ihre Jugendentwicklung war etwas zögerlich. Der Ansatz der ersten Hülsen war leicht unterdurchschnittlich und die Pflanzenläge durchschnittlich. Der Erntetermin ist ähnlich früh wie bei Merlin, bei besserem Ertragsniveau.

Marquise erzielte leicht überdurchschnittliche Erträge mit durchschnittlichen Rohproteingehalten und durchschnittlicher TKM. Während der Feldaufgang 2020 eher früh war, war er 2021 eher spät. Die Jugendentwicklung war in den letzten drei Prüfjahren sehr rasch. Der Ansatz der ersten Hülsen und die Wuchshöhe waren überdurchschnittlich hoch. Die Reifezeit wird als früh und die Anfälligkeit der Sorte gegenüber Peronospora und Samtflecken als gering beschrieben 1).

Merlin (VGL) ist nach wie vor eine Sorte, die sich aufgrund ihrer Kältetoleranz und schnellen Jugendentwicklung (schnellerer Reihenschluss) besonders für einen Erstanbau von Sojabohnen beziehungsweise für Anbauversuche in Grenzlagen als Futtersorte anbietet. Dies zeigt sich schon beim Auflauf, welcher im Schnitt der letzten drei Jahre zwei Tage vor dem Durchschnitt des Sortiments auf dem Gladbacherhof erfolgte. Die überdurchschnittliche Massenbildung in der Jugendentwicklung wurde dieses Jahr nicht erzielt. Die Wuchshöhe von Merlin ist eher gering. Dafür besticht sie durch eine zeitige, sichere sowie gleichmäßige Abreife. Mit einem sehr tiefen Hülsenansatz werden durchschnittliche Erträgen bei unterdurchschnittliche Rohproteingehalte und TKM erzielt. Die Anfälligkeit auf Sclerotinia wird als gering beschrieben 1).

RGT Sphinxa erzielte im Schnitt aller drei Prüfjahre die höchsten Erträge mit leicht überdurchschnittlichen Rohproteingehalten. Auch die TKM war überdurchschnittlich hoch. Der Feldaufgang war 2020 eher früh, 2021 jedoch spät. Während der Ansatz der ersten Hülsen 2020 mit 16 cm im Vergleich zu den anderen Sorten sehr tief war, war er 2021 mit 19 cm am höchsten. Die Pflanzenlänge war unterdurchschnittlich.

Tofina ist eine speziell für die Tofu Herstellung gezüchtete Speisesorte mit unterdurchschnittlichen Erträgen bei überdurchschnittlichen Rohproteingehalten. Auch die TKM war jeweils überdurchschnittlich. Der Feldaufgang von Tofina war vergleichsweise spät, die Jugendentwicklung hingegen mittel bis stark. Die Höhe des Ansatzes der ersten Hülsen war 2020 mit 22 cm sehr hoch und 2021 mit 14 cm unterdurchschnittlich. Bei der Pflanzenlänge verhielt es sich genau umgekehrt. Die Reifezeit von Tofina ist früh. Von den Saatgutvermehrern wird die Anbaueignung für ganz Deutschland beschrieben. Es wird eine mittlere Krankheitsanfälligkeit beschrieben 1).

Informationen zur Verfügbarkeit von zertifiziertem Öko-Saatgut der beschriebenen Sorten sind auf OrganicXseeds-Deutschland zu finden.

1) Beschreibende Sortenliste

Dreijährige Erträge (86% TS) sowie Rohproteingehalte der Soja vom LSV Gladbacherhof
Abb. 1: Dreijährige Erträge (86% TS) sowie Rohproteingehalte der Soja vom LSV Gladbacherhof; Sorten aufsteigend sortiert nach den mittleren Erträgen der Jahre 2019 bis 2021; VD: Versuchsdurchschnitt des dreijährigen Mittels der Jahre 2019 bis 2021

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