Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Ökologischer Pflanzenbau

Landessortenversuch Öko-Kartoffel 2021 – Widerstandsfähige Sorten trotzen der Krautfäule

In diesem Jahr hat die Bekämpfung der Krautfäule viele ökologisch wirtschaftende Landwirte vor große Herausforderungen gestellt. Inzwischen sind aber auch resistente Sorten am Markt, die bei mäßigem bis mittleren Krautfäuledruck keinen oder nur geringen Befall zeigen. Welche Sorten unter diesen Bedingungen gut zurechtgekommen sind, erläutert Reinhard Schmidt vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Schwierige Startbedingungen

Der April hat sich in diesem Jahr sehr launisch gezeigt. Niedrige Lufttemperaturen z.T. auch in Verbindung mit Bodenfrösten haben die Bodentemperaturen bis Ende des Monats im einstelligen Bereich gehalten. Früh gepflanzte Kartoffeln sind z.T. unter ungünstigen Bedingungen gepflanzt worden. In Nordhessen sind ein Großteil der Pflanzknollen erst Ende April in den Boden gekommen. Das Wetter hat sich auch bis Mitte Mai nicht wesentlich geändert. Niederschläge Mitte Mai haben eine termingerechte Unkrautbekämpfung mit Striegel oder Hacke z.T. behindert. Vorgekeimte Knollen haben unter ungünstigen Keimbedingungen erfahrungsgemäß einen Vorteil und laufen deutlich schneller auf. Aber selbst vorgekeimte Sorten benötigten unter diesen Bedingungen bis zu vier Wochen zum Auflaufen. Lange Keimphasen bedeuten auch einen langen Zeitraum, in dem Krankheiten wie z.B. Rhizoctonia solani die jungen Keime infizieren können. So sind auch viele Bestände ungleichmäßig aufgelaufen. Auch innerhalb der Versuchsparzellen war der Entwicklungsstand in der frühen Jugendentwicklung sehr heterogen. Von Ende Mai bis Mitte Juni hatten sich dann die Wachstumsbedingungen deutlich gebessert. Temperaturen um 20 bis 25 °C und ausreichend Bodenwassergehalte führten zu einem deutlich besseren Pflanzenwachstum, welches ab Mitte Juni durch Temperaturen deutlich jenseits der 30°C-Marke zum Stillstand gekommen war. Der Wassergehalt im durchwurzelbaren Raum war zu diesem Zeitpunkt auf ein Minimum gesunken. Bestände, die in dieser Zeit keine Gewitterschauer abbekamenhaben oder nicht beregnet werden konnten, litten deutlich unter Hitze- und Wasserstress.

Kupfer gegen Krautfäule

An diese Hitzephase schloss sich wieder eine mehrwöchige Phase mit moderaten Temperaturen und häufigen Niederschlägen an. Der Krautfäuledruck war während dieser Zeit deutlich angestiegen. Nach wie vor ist der Einsatz von Kupfer im ökologischen Landbau das wirkungsvollste Mittel gegen die Krautfäule. Die Besonderheit dabei ist, dass Kupfer vorbeugend auf die Blätter aufgebracht werden muss. Der Kupferbelag verhindert, dass die Pilzsporen in die Blätter eindringen können. Allerdings ist dieser Belag nicht wasserfest. Nach Niederschlagsmengen von ca. 20-25 l/m² ist der Belag wieder abgewaschen und muss erneuert werden. Um den Schutz zu erhöhen, sollten auch abgewaschene Teilmengen ersetzt werden. Die häufigen Sommerniederschläge machten es schwer, den richtigen Behandlungszeitpunkt zu treffen.

Resistente oder widerstandsfähige Sorten sind gerade in der frühen Entwicklung wenig anfällig gegen die Krautfäule. Daher kann die Erstbehandlung mit Kupfer in der Regel später erfolgen als bei anfälligeren Sorten. Um ein Durchbrechen der Resistenzen zu vermeiden, sollten aber auch diese Sorten möglichst krautfäulefrei (bei Notwendigkeit mit Kupfer)gehalten werden.

Deutlich mehr hohlherzige Knollen

In diesem Jahr häufiger zu beobachten: Hohlherzigkeit
In diesem Jahr häufiger zu beobachten: Hohlherzigkeit

Die oben beschriebenen Witterungsbedingungen führten in diesem Jahr zu einem deutlich höheren Anteil an hohlherzigen Knollen in Praxisschlägen (siehe Bild). Hohlherzigkeit tritt besonders dann auf, wenn auf Phasen mit Wasser- und Nährstoffstress Phasen mit günstigen Witterungsbedingungen folgen. In diesen Stressphasen ist die Nährstoffversorgung der Zellen im Kernbereich des Marks unzureichend, so dass sie geschädigt werden oder sogar absterben. Setzt das Wachstum wieder ein, erreichen die geschädigten Zellen nicht mehr die Zellteilungsraten wie die umgebenden gesunden Zellen. Sie werden von diesen abgestoßen oder zerreißen, so dass dort Hohlräume entstehen. Häufig sind große Knollen öfter betroffen als kleine Knollen. Um betroffene Partien doch noch zu vermarkten, sollten diese nach Knollengröße kontrolliert werden, um eventuell eine besonders betroffene Größenfraktion abzusortieren. Vorbeugend hilft nur die Stresssituation zu reduzieren, also z.B. bei trockenen Bedingungen, wenn möglich, beregnen oder für eine gleichmäßige Nährstoffversorgung sorgen.

Versuchsaufbau und Durchführung

Der Sortenversuch am Standort Frankenhausen wurde am 28. April gepflanzt. Das Pflanzgut wurde ca. 3 Wochen vorgekeimt. Die Sorten waren zwischen dem 21. und 30. Mai aufgelaufen. Zur Unkrautbekämpfung wurde der Striegel eingesetzt. Der Dammaufbau erfolgte im Wechsel dazu mit der Sternradhacke an zwei Terminen. Kartoffelkäfer sind auch in diesem Jahr wieder aufgetreten, allerdings später und nicht so stark wie in den vorausgegangenen Jahren. Eine Regulierung im Versuch erfolgte nur mittels Absammeln. Eine Kupferbehandlung wurde in den Versuchen nicht durchgeführt. Die Sorten wurden nach Reifegruppen in zwei Versuche aufgeteilt. Dabei wurden die sehr frühen und frühen Sorten (Reifegruppe 1 und 2) in einem Versuch zusammengefasst. Im zweiten Versuch standen die Sorten aus der mittelfrühen, sowie eine Sorte aus der mittelspäten Reifegruppe. Die frühen Sorten wurden am 06. September, die mittelfrühen Sorten am 8. September gerodet.

Erträge und Qualitäten der sehr frühen und frühen Sorten

Im Versuchsmittel der frühen und sehr frühen Sorten wurde ein Rohertrag von 391 dt/ha erzielt. Dieser hohe Mittelwert war insbesondere dem sehr hohen Ertrag von Twister geschuldet, deren Rohertrag von 515 dt/ha deutlich über dem Versuchsmittel lag. Der Untergrößenanteil der geprüften Sorten lag zwischen 3,9 % bei Twister und 7,1 % bei Lea. Als einzige Sorte traten bei Twister Übergrößen (11 %) auf. Dies mag auch daran gelegen haben, dass Twister als einzige der frühen Sorten keinen Krautfäulebefall gezeigt hat. Das Absterbedatum von Twister war 10 bis 14 Tage später als bei den anderen Sorten, was somit auch die Vegetationszeit dieser Sorte erhöhte. Auf eine Krautabnahme wurde im Versuch verzichtet. Durch die Übergrößen lag der Speisewareanteil (Anteil Knollen zwischen 30/35mm und 60/65mm) bei Twister bei nur 85 %. Trotzdem erreichte Twister mit relativ 140 den mit Abstand höchsten Speisewareertrag. Bezugsbasis für die Speisewareerträge bildeten dabei die über drei Jahre geprüften Sorten Wega und Goldmarie. Dabei erreichte Wega in diesem Zeitraum jeweils einen um ca. 20 % höheren Speiseertrag als Goldmarie. Auch Lea erreichte in diesem Jahr mit relativ 118 im Speisewareertrag ein sehr positives Ergebnis.
Bei der Knollenqualität gab es deutliche Unterschiede zwischen den Sorten. So war der Rhizoctonia-Sklerotienbesatz von Goldmarie und Twister deutlich höher als bei Lea und Wega. Goldmarie bestätigt damit die Boniturergebnisse aus den Vorjahren. Auch beim Schorfbefall schnitten Lea und Wega deutlich besser ab als Goldmarie und Twister. Besonders Lea konnte, wie schon im Vorjahr, mit einer sehr guten Knollenoptik überzeugen. Im Stärkegehalt wurden die Vorjahresergebnisse bestätigt. Danach neigte die vorwiegend festkochende Sorte Wega (12,9 %) zu niedrigen Stärkegehalten und die festkochende Sorte Goldmarie (14,9 %) zu deutlich höheren Stärkegehalten. Lea und Twister lagen mit jeweils 13,9 % im mittleren Bereich.

Beschreibung der geprüften sehr frühen und frühen Sorten

  1. Wega: Frühe, vorwiegend festkochende Sorte mit ovaler Knollenform und tiefgelber Fleischfarbe. Wega hat eine mittelschnelle Ertragsbildung, die in diesem Jahr allerdings deutlich langsamer war als in den Vorjahren. Wega konnte im Ertrag in allen Prüfjahren am Standort Frankenhausen überzeugen. Die Sortierung ist etwas ungleichmäßig mit Neigung zu Übergrößen. Wega setzt nur wenig Knollen an. Diese haben eine mittlere Anfälligkeit für Rhizoctonia solani. Geschmacklich eher im Mittelfeld. Wega tendiert zu geringen Stärkegehalten. Mit der guten Lagereignung ist Wega eine interessante Sorte im vorwiegend festkochenden Sortenspektrum.
  1. Goldmarie: Frühe, festkochende und glattschalige Speisekartoffel mit langovaler Knollenform und tiefgelber Fleischfarbe. Optisch sehr ansprechende Knollen, wenn diese nicht in die Übergrößen wachsen. Daher sollte der Pflanzabstand in der Reihe reduziert werden und eine N-Düngung nur sehr verhalten erfolgen. Die Jugendentwicklung der Pflanze und die Knollenentwicklung sind eher verhalten. Goldmarie ist eine keimruhige Sorte und sollte daher vor dem Pflanzen in Keimstimmung gebracht oder vorgekeimt werden. Geringe Anfälligkeit für Y-Virus. Standortabhängig kann Schorfbefall auftreten. Anfällig zeigte sich Goldmarie immer für Rhizoctonia solani (Dry Core und Sklerotienbesatz). Die Stärkegehalte waren für eine festkochende Sorte immer recht hoch, ohne dass die Kocheigenschaft darunter gelitten hat.
  1. Lea: Sehr frühe, festkochende Sorte. Stand in 2020 erstmalig im Versuch. In diesem Jahr im Ertrag deutlich besser als im Vorjahr. Hat in beiden Versuchsjahren deutlichen Krautfäulebefall gezeigt. Lea hat eine zügige Knollenentwicklung. In beiden Versuchsjahren optisch sehr ansprechende Knollen mit wenig Mängeln und tiefgelber Fleischfarbe. Lea ist damit im sehr frühen, festkochendem Segment eine neue interessante Sorte.
  1. Twister: Frühe, festkochende Sorte mit ovaler Knollenform und hellgelber Fleischfarbe. Diese Sorte ist extra für den Ökolandbau gezüchtet worden. Twister besitzt eine Resistenz gegen Krautfäule – sowohl am Blatt als auch an der Knolle (Braunfäule). Die Blattgesundheit war in diesem Jahr sehr deutlich zu sehen. Die Knollenentwicklung scheint sehr zügig zu sein. Twister verfügt damit über ein sehr hohes Ertragspotential. Leider waren die Knollen im ersten Prüfjahr mit einigen Mängeln behaftet. Sowohl der Befall mit Rhizoctonia solani wie auch der Schorfbefall waren deutlich überdurchschnittlich.

Erträge und Qualitäten der mittelfrühen und mittelspäten Sorten

Im Versuchsmittel der Reifegruppen III und IV wurden 330 dt/ha Rohertrag geerntet und damit deutlich weniger als bei den frühen Sorten. Höchster Rohertrag wurde von Muse mit 410 dt/ha erzielt, gefolgt von Jule mit 376 dt/ha und Pocahontas mit 358 dt/ha. Deutlich ertragsschwächste Sorte war Heidemarie mit 247 dt/ha gefolgt von Antonia mit 291 dt/ha. Von den dreijährig geprüften Sorten Almonda, Simonetta und Antonia (Verrechnungssorten) erreichte Antonia damit jeweils den geringsten Speisewareertrag. Neben einem geringen Rohertrag war auch der hohe Anteil an Untergrößen für dieses Ergebnis mit verantwortlich. Aktuell lag dieser bei Antonia bei 22 %. Ebenfalls hohe Anteile an Untergrößen zeigten die Sorten Jule, Sevilla und Danina mit Werten zwischen 11 % und 13 %. Almonda und Simonetta bestätigen die guten Erträge aus den Vorjahren und zeigten sich bei doch sehr unterschiedlichen Witterungsbedingungen sehr konstant im Ertrag.

Den stärksten Krautfäulebefall zeigten Juventa und Danina. Ohne Befall waren Muse und Heidemarie geblieben. Alle anderen Sorten zeigten einen leichten Befall mit Krautfäule. Alternaria-Blattflecken hatten dagegen in diesem Jahr keine Rolle gespielt.

Obwohl bei einigen Sorten Krautfäulebefall aufgetreten war, wurde bei keiner Probe Braunfäule an den Knollen festgestellt. Auch hohlherzige Knollen waren im Versuch nicht aufgetreten. Bei Muse wurde ein sehr hoher Anteil an nassfaulen Knollen im Erntegut gefunden.

Beim Rhizoctoniabefall zeigte sich besonders Heidemarie anfällig. Hier lag der Sklerotienbesatz bei 8,3 % und auch der Anteil an Knollen mit Dry Core von 27 % lag deutlich über dem Versuchsmittel. Eine Partie mit einem so hohen Rhizoctoniabesatz wird kaum vermarktbar sein. Aber auch Jule, Juventa und Danina zeigten einen starken Befall mit Rhizoctonia solani. Kartoffelschorf spielt auf Lehmböden in der Regel nur eine untergeordnete Rolle. Im Versuch zeigte Heidemarie den höchsten Befall, mit einem Oberflächenbefall von gut 4%, was aber noch nicht problematisch ist.

Im Mittel der Sorten lag der Stärkegehalt bei 16,6 % und damit deutlich niedriger als im Vorjahr. Von den festkochenden Sorten bestätigen Almonda und Muse mit jeweils 18 % die Neigung zu höheren Stärkegehalten aus dem Vorjahr. Die erstmalig geprüfte Sorte Pocahontas erreichte den geringsten Stärkegehalt (13,9 %). Von den vorwiegend festkochenden Sorten bzw. mehlig kochenden Sorten erzielten Sevilla und die in diesem Jahr neu zugelassene Polly die höchsten Stärkegehalte.

Beschreibung der geprüften mittelfrühen und mittelspäten Sorten

  1. Almonda: Festkochende Sorte mit gelber Fleischfarbe und ovaler Knollenform. Optisch ansprechende Knollen mit etwas ungleichmäßiger Sortierung. Die Sorte hat eine geringe/mittlere Krautfäuleanfälligkeit. Auch die Anfälligkeit für Schorf, Eisenfleckigkeit und Schwarzfleckigkeit sind gering. Mittlere bis gute Ertragserwartung. Sehr schnelle Knollenentwicklung bei geringem Knollenansatz. Bis auf mittleren Silberschorfbefall in 2019 zeigten sich die Knollen ausgesprochen gesund und optisch ansprechend. Almonda neigt zu hohen Stärkegehalten. Sollte nicht auf Standorte angebaut werden, die hohe Stärkegehalte begünstigen. Eine Kontrolle der Stärkegehalte während der Vegetation ist bei dieser Sorte eine qualitätsabsichernde Maßnahme.
  1. Antonia: Festkochende Sorte mit ovalen Knollen. Antonia ist zwar schon seit 2008 im Handel, stand allerdings in 2021 erst im dritten Versuchsjahr. Antonia erreichte sowohl im Brutto- wie auch im Speisewareertrag in allen Prüfjahren ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Aktuell und im Vorjahr mit deutlichem Krautfäulebefall. Mittlerer bis hoher Knollenansatz. Neigt daher zu einer kleiner fallenden Sortierung mit einem hohen Anteil an Untergrößen. Optisch sehr ansprechende Knollen mit wenigen Mängeln.
  1. Simonetta: Festkochende Speisesorte mit ovalen bis langovalen Knollen. Simonetta stand im dritten Versuchsjahr und erreichte meist einen mittleren bis guten Rohertrag, der aber Dank der gleichmäßigen großfallenden Sortierung zu einem guten Speisewareertrag geführt hat. Das Ertragsniveau ist mit dem von Almonda vergleichbar. Simonetta neigt zu einem geringen Knollenansatz, wobei die Knollen auch schon mal in die Übergrößen wachsen können. Die formschönen Knollen zeigten in allen Prüfjahren einen nur sehr geringen Befall mit Rhizoctoniasklerotien und Kartoffelschorf. Allerdings trat in diesem Jahr vermehrt Dry Core an den Knollen auf. Ebenfalls berichteten Landwirte und andere Versuchsansteller von Fäulnisproblemen an den Knollen, die aber hier im Versuch nicht aufgetreten sind. Simonetta soll eine geringe Neigung zu Eisen- und Schwarzfleckigkeit haben. In 2020 und 2021 hat sich Simonetta ausgesprochen gesund im Kraut gezeigt. Nach Züchterangaben sollen die tiefgelben Knollen eine geringe Keimfähigkeit aufweisen und damit auch für eine längere Lagerperiode geeignet sein.
  1. Jule: Festkochende Sorte mit ovalen Knollen und gelber Fleischfarbe. Stand 2021 im zweiten Versuchsjahr. Nach schwachem Ertrag im Vorjahr konnte Jule unter den diesjährig feuchten Bedingungen im Ertrag überzeugen. Mittlere Anfälligkeit für Krautfäule. Geringe Anfälligkeit für Y-Virus. Die Stärkegehalte lagen in beiden Jahren im unteren Bereich. Jule neigt zu einem höheren Knollenansatz mit kleinfallender Sortierung und einem höheren Anteil an Untergrößen. Die Knollen weisen einen geringen Schorfbefall aber einen wiederholt starken Rhizoctoniabefall (Dry Core und Sklerotien) auf.
  1. Muse: Festkochende Sorte mit ovaler Knollenform und gelber Fleischfarbe. Stand 2021 im zweiten Versuchsjahr. Geringe Krautfäuleanfälligkeit. Mittlerer bis hoher Knollenansatz. Ertrag im ersten Jahr leicht unterdurchschnittlich. In diesem Jahr konnte Muse das Ertragspotential voll ausschöpfen, obwohl die Krautentwicklung verhalten war. Muse hatte in beiden Anbaujahren sehr hohe Stärkegehalte. Die Knollen zeigten nur geringe Mängel (Rhizoctonia, Schorf) allerdings war der Anteil nassfauler Knollen sehr hoch. Laut Aussage des Züchters soll Muse nicht weiter als Sorte vertrieben werden.
  1. Pocahontas: Festkochende Sorte mit ovaler Knollenform, gelber Fleischfarbe und roten Augen. Stand 2021 im ersten Prüfjahr und erzielte auf Anhieb gute Erträge mit einer gleichmäßigen Sortierung. Mängel an den Knollen konnten nicht festgestellt werden. Mittlerer Krautfäulebefall. Niedrigster Stärkegehalt im Versuch. Mittlere bis hohe Anfälligkeit für Y-Virus. Pocahontas soll eine gute Lagereignung haben.
  1. Heidemarie: Gelbschalige, festkochende, mittelfrühe, langovale Speisekartoffelsorte. Sie stammt aus der biologischen Zucht von Karsten Ellenberg. Leider war die Pflanzgutqualität nicht sehr gut. Entsprechend war der Feldaufgang sehr langsam und ungleichmäßig. Auch die weitere Entwicklung war sehr verhalten. Ein Reihenschluss wurde nicht erreicht. Absterben des Krautes erst Mitte August. Sowohl im Rohertrag wie auch im Speisewareertrag lag Heidemarie deutlich unter dem Versuchsmittel. Auch in der Knollenqualität zeigte Heidemarie beim Rhizoctonia- und Schorfbefall deutliche Mängel.
  1. Sevilla: Mittelspäte, vorwiegend festkochende (leicht mehlige) Sorte mit ovaler Knollenform und gelber Fleischfarbe. Die Kreuzung aus Agria mit einem Krautfäule-resistenten Stamm aus dem Bioimpuls-Programm wird als robuste low-input Kartoffel beschrieben. Diese Sorte soll kleiner fallend und mit einem höheren Knollenansatz sein. Dies konnte aus dem diesjährigen Versuch so bestätigt werden. Der Anteil an Untergrößen lag bei 12 %. Obwohl nur ein sehr geringer Krautfäulebefall bonitiert wurde, lag Sevilla sowohl im Rohertrag wie auch im Speiseertrag deutlich unter dem Versuchsdurchschnitt. Der Reifegruppe entsprechend späte Abreife. Die etwas rauschaligen Knollen zeigten einen geringen Rhizoctoniabefall und einen etwas höheren Schorfbefall bei einem Stärkegehalt von 19 %.
    Neue interessante Sorte
    Neue interessante Sorte "Emanuelle", Proberodung 15.Juli
  1. Emanuelle: Neue, mittelfrühe, festkochende Sorte mit langovaler Knollenform und tiefgelber Fleischfarbe. Es handelt sich hierbei um eine Allians-Kreuzung. In diesem Jahr mit sehr geringem Krautfäulebefall. Üppige Krautentwicklung so dass die Reihen gut geschlossen wurden. Im Ertrag ist Emanuelle etwa vergleichbar mit Almonda oder Simonetta. Mittlere Sortierung mit glattschaligen Knollen. Diese sind z.T. leicht hörnchenförmig aber sonst kaum Mängel. Insgesamt optisch sehr schöne Knollen. Im Geschmack soll Emanuelle sehr gut sein. Eine neue, interessante Sorte für den Öko-Landbau, die Freude auf weiterer Versuchsjahre macht.
  1. Danina: Mittelfrühe, vorwiegend festkochende Sorte mit ovaler Knollenform und gelber Fleischfarbe sein. Mit einer Keimruhe bis weit ins Frühjahr ist sie eine klassische Lagersorte. Sie wird als Qualitätsspeisesorte beschrieben, kann gewaschen und abgepackt werden. Sie soll eine gute durchschnittliche Blattgesundheit haben. In diesem Jahr allerdings mit stärkerem Krautfäulebefall. Sehr gute Krautentwicklung mit gutem Reihenschluss. Im Ertrag lag Danina im Mittelfeld. Die glattschaligen Knollen waren ohne Schorfbefall aber mit überdurchschnittlich hohem Rhizoctoniabefall. Der Untergrößenanteil war mit 11,7 % ähnlich hoch wie bei Sevilla.
  1. Juventa: Mittelfrühre, vorwiegend festkochende Sorte mit ovalen Knollen und guter Keimruhe. In diesem Jahr mit starkem Krautfäulebefall. Im Ertrag daher nur unter dem Versuchsmittel. Die Jugendentwicklung war vergleichsweise langsam. Die Knollen zeigten einen sehr starken Rhizoctoniabefall, sowohl bei Dry Core (36 %) wie auch im Sklerotienbesatz. Der Stärkegehalt war im Vergleich zu den anderen Sorten gering.
  1. Polly: Neue, mehlige Sorte die erst in diesem Jahr ihre Zulassung bekommen hat. Die Pflanzenentwicklung war ausgesprochen zügig mit einer üppigen Krautentwicklung und einer raschen Knollenentwicklung. Im ersten Versuchsjahr mit geringem bis mittlerem Knollenansatz. Im Rohertrag landete Polly mit 328 dt/ha im guten Mittelfeld. Der Untergrößenanteil lag bei 5 %. Für eine mehlige Sorte etwas untypisch ovale bis langovale Knollen, die im ersten Jahr nur wenig Knollenmängel gezeigt haben.

 

Tabelle 1: Standort- und Anbaudaten

Versuchsort Grebenstein-Frankenhausen
Kreis Kassel
Höhenlage über NN 200 m
Mittlere Jahrestemperatur 8,5°C
Jahresniederschlag 650 mm
Bodenart Lehm mit Lössauflage uL
Bodenpunkte 80
Bodenuntersuchung
Nmin kg/ha 0-90cm 18 / 22 / 22
pH-Wert 6,4
P2O5 10
K2O 8
MgO 11
Vorfrucht Luzerne 2-jährig; Umbruch Juni 2020
Zwischenfrucht Hafer
Pflug 12.10.20
Pflanzdatum 28.04.21
Düngung keine
Unkrautbekämpfung Striegel: 30. Mai
Anhäufeln Sternradhacke: 02. Juni; 11. Juni
Kupfereinsatz ohne
Krautabnahme ohne
Ernte sehr frühe und frühe 06.09.21
Ernte mittelfrühe 08.09.21

 

Tabelle 2: Versuchsergebnisse der Jahre 2021-2019: Sehr frühe und frühe Sorten

Rohertrag 2021 Anteil Untergrößen 2021 Anteil Speiseware 2021 Anteil Übergrößen 2021 Speisewareerträge 2021-2019 rel. VRS
Sorte dt/ha rel. VRS % % % 2021 2020 2019
VRS: Wega, Goldmarie
Speiseware Sortierung: 30/35 mm bis 60/65 mm
Wega VRS 365,8 112 5,6 94,4 0,0 111 110 108
Goldmarie VRS 288,7 88 4,0 96,0 0,0 89 90 92
Lea 394,2 120 7,1 92,9 0,0 118 97
Twister 515,8 158 3,9 84,7 11,4 140
VRS dt/ha 327,3 311 310 288
VD 391,1

 

Tabelle 3: Versuchsergebnisse der Jahre 2021-2019: Mittelfrühe/mittelspäte Sorten Sorten

Rohertrag 2021 Anteil Untergrößen 2021 Anteil Speiseware 2021 Anteil Übergrößen 2021 Speisewarenerträge 2021-2019  rel. VRS
Sorte dt/ha rel. VRS % % % 2021 2020 2019
VRS: Almonsa, Antonia, Simonetta
Speisewareerträge Sortierung: <30/35 mm bis >60/65 mm
Almonda VRS 337 105 3,7 96,4 0,0 111 100 103
Antonia VRS 291 91 21,7 78,3 0,0 78 94 97
Simonetta VRS 332 104 1,0 98,5 0,5 112 106 100
Jule 376 117 13,4 86,6 0,0 111 89
Muse 410 128 5,3 94,7 0,0 132 96
Pocahontas 358 112 4,7 95,4 0,0 117
Heidemarie 247 77 4,6 95,4 0,0 80
Sevilla 306 96 12,1 88,0 0,0 92
Emanuelle 341 106 3,3 96,7 0,0 112
Danina 327 102 11,7 88,1 0,3 98
Juventa 307 96 9,1 90,9 0,0 95
Polly 328 103 5,0 95,0 0,0 106
Mittel VRS dt/ha 320 293 313 322
VD 330

 

Tabelle 4: Pflanzen- und Knollenbonitur 2021

Sehr frühe und frühe Sorten
Sorte Krautfäule 1-9
19.07.2021
Alternaria 1-9
04.07.2021
Datum Absterben Anzahl Knollen mit Dry-core Löchern Rhizoctonia Befallsstärke % Schorf Befallsstärke % Stärkegehalt in Knolle %
Wega 2 2 02.08.21 10 0,6 0,3 12,9
Goldmarie 3 1 06.08.21 14 2,0 1,9 14,9
Lea 5 2 04.08.21 0 0,4 0,0 13,9
Twister 1 1 16.08.21 21 2,3 2,0 13,9
Mittelfrühe und mittelspäte Sorten
Sorte Krautfäule 1-9
19.07.2021
Alternaria 1-9
04.07.2021
Datum Absterben Kraut Anzahl Knollen mit Dry-core Löchern Rhizoctonia Befallsstärke % Schorf Befallsstärke % Stärkegehalt in Knolle %
Almonda 2 2 13.08.2021 8 0,0 1,98 18,0
Antonia 3 2 11.08.2021 0 0,3 1,20 16,4
Simonetta 3 2 09.08.2021 16 0,0 0,08 15,4
Jule 3 2 10.08.2021 18 2,9 0,42 15,4
Muse 1 1 19.08.2021 4 0,3 0,48 18,0
Pocahontas 3 1 11.08.2021 0 0,0 0,00 13,9
Heidemarie 1 1 17.08.2021 27 8,3 4,42 18,0
Sevilla 2 1 16.08.2021 1 0,5 1,71 19,0
Emanuelle 2 1 06.08.2021 0 0,0 0,12 16,4
Danina 5 1 09.08.2021 13 2,2 0,00 15,7
Juventa 6 1 09.08.2021 36 4,8 0,67 14,9
Polly 3 1 13.08.2021 5 0,0 1,05 18,0

 

Tabelle 5: Sortenbeschreibung

Sorte Zulassung Züchter Reifegruppe Kochtyp Knollenform
I: sehr früh; II: früh; III mittelfrüh, IV: mittelspät
f = festkochend, vf = vorwiegend festkochend, m = mehlig kochend
ov = oval, rdov = rundoval, lgov = langoval
Wega 2010 Norika II vf ov
Goldmarie 2013 Norika II f lgov
Lea 2019 Solana I f ov
Twister EU Agrico II f ov
Almonda 2013 Solana III f oval
Antonia 2008 Europlant III f oval
Simonetta 2017 Europlant III f lgov
Jule 2019 Solana III f oval
Muse 2020 HZPC III f oval
Pocahontas 2018 Solana III f oval
Heidemarie 2020 Ellenberg III f lgov
Sevilla EU N.Vos IV vf oval
Emanuelle 2019 HZPC III f lgov
Danina 2017 Europlant III vf oval
Juventa 2017 Europlant III vf oval
Polly 2021 Norika III vf-m ov-lgov

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