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Ackerbau: Der Winter als Erntehelfer

„Weiße Weihnachten“ – das wünschen sich viele von uns jedes Jahr auf’s Neue, wenngleich der Wetterbericht dann meist doch wieder mit trübem Matschwetter aufwartet.

Weizen im Winter
Weizen im Winter; Foto: Sztrapacska - pixabay

Auch wenn der Klimawandel nicht bedeutet, dass der Winter zukünftig gänzlich ausfällt: Die Messreihen des Deutschen Wetterdienstes zeigen eindeutig, dass die Anzahl der sogenannten Frost- und Eistage im Trend abnimmt. Schnee und kalte Temperaturen gehören aber nicht nur zu einem Bilderbuch-Winter wie wir ihn uns vorstellen, sie übernehmen auch wichtige Aufgaben in der Landwirtschaft.

Unsere Wintergetreidearten benötigen für den Übergang von der vegetativen in die generative Wachstumsphase einen Kältereiz, auch Vernalisation genannt. Hierdurch erkennt die Pflanze, wann sie mit der Ährenanlage beginnen kann. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass es in zunehmend milderen Wintermonaten passieren kann, dass der Vernalisationsanspruch einiger Pflanzen unter Umständen nicht immer erreicht werden kann, was sich dann in einer geringeren Ertragserwartung bemerkbar macht. Beim Winterweizen zum Beispiel sollten die Temperaturen über einen Zeitraum von rund sechs Wochen zwischen 0 ⁰C und maximal 8 ⁰C liegen. Hinsichtlich Intensität und Dauer des Kältereizes gibt es oftmals aber auch Sortenunterschiede.

Viele Landwirtinnen und Landwirte nutzen den Frost auch als „Helfer“ bei der Bodenbearbeitung. Dafür wird der Acker im Spätherbst gepflügt und über den Winter liegen gelassen. Der Frost sorgt dann dafür, dass das in den Schollen aufgenommene Wasser gefriert und durch die Ausdehnung den Boden auseinandersprengt. Insbesondere auf schwer bearbeitbaren Böden kann diese Frostgare die Grundlage für ein optimales Saatbett für die nachfolgende Sommerkultur bilden.

Der Frost hat aber nicht nur positive Seiten für die Landwirtschaft. Insbesondere wenn keine schützende Schneedecke auf den Kulturen liegt können starke Frostereignisse auch zu Schäden an den Pflanzenbeständen führen, der sogenannten Auswinterung. Der Klimawandel bedingt, dass die Vegetationsperiode tendenziell früher im Jahr beginnt. Spätfrostereignisse nach dem Wachstumsbeginn bergen somit ein großes Risiko für landwirtschaftliche und gartenbauliche Nutzpflanzen.

Die Niederschläge im Winter, sei es Schnee oder in den meisten Fällen doch eher Regen, dient dazu die Bodenwasservorräte für die folgende Ernte wieder aufzufüllen. Dies ist besonders für Trockenjahre sehr wichtig, um den Pflanzen eine Überbrückung für niederschlagsarme Perioden zu bieten und somit die Erträge, zumindest teilweise, abzusichern. Niederschlag in Form von Schnee bietet den Vorteil, dass das Wasser über einen längeren Zeitraum an den Boden abgegeben wird und die Infiltrationsrate im Vergleich zum Regen besser ist.


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