Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

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Bedeutung von Schnee und Frost im Gartenbau

Während wir uns über weiße Weihnachten und schneegepuderte Dächer freuen, stellen Schnee und Frost die gartenbaulichen Betriebe vor zahlreiche Herausforderungen. So kann die Schneelast auf Gewächshäusern zu Schneedruckschäden in Millionenhöhe führen.

Auch Lichtmangel als Folge einer langen Schneebedeckung auf dem Gewächshausdach beeinflusst das Wachstum und die Entwicklung der Kulturpflanzen negativ. Aber Schnee hat auch seine positiven Seiten. So besteht frisch gefallener Schnee zu 95 % aus eingeschlossener Luft und ist somit ein guter Wärmeisolator, der Pflanzen unter der Schneedecke vor Frost schützt. Apropos Frost …

Frost macht den Einjährigen den Garaus

Frost beendet die Vegetationsperiode vieler einjähriger Pflanzen. Diese frieren im Herbst ab, verfaulen und vertrocknen. Zusätzlich bewirkt Bodenfrost einen Mangel an flüssigem Wasser im Boden und schafft so lebensfeindliche Umweltbedingungen. Da die Pflanzen Wasser durch Transpiration verlieren, jedoch aus dem gefrorenen Boden kein Wasser mehr aufnehmen können, drohen sie zu vertrocknen (Frosttrocknis). Hier empfiehlt es sich, in frostfreien Phasen zu bewässern.
Bei den „winterharten“ mehrjährigen krautigen Pflanzen sterben die oberirdischen Pflanzenteile ab und treiben erst im Frühjahr bei gesicherter Wasserversorgung und entsprechender Temperatur wieder aus.
Mehrjährige Pflanzen, wie Obst- und Ziergehölze schützen sich im Winter z.B. durch Laubabwurf und Knospenruhe (Dormanz).

Vernalisation: Erdbeeren und Obstgehölze brauchen Kältereiz

Nach erfolgter Blüteninduktion im Herbst benötigen Kulturen wie z.B. Erdbeeren, Süßkirschen und bestimmte Apfelsorten Kurztagsbedingungen und kühle Temperaturen, um ihr Kältebedürfnis zu befriedigen. Wird der Kältebedarf erfüllt, wirkt sich dies positiv aus: Ein früher, gleichmäßiger Austrieb und Blühbeginn fördert eine erfolgreiche Bestäubung, einen einheitlichen Fruchtansatz und eine gleichmäßige Abreife der Früchte. Wird der Kältebedarf nicht erfüllt, kann dies z.B. bei Erdbeeren zu einem verzögerten Austrieb mit verkürzten Blatt- und Blütenstielen, verringerter Blattanzahl, kleineren Blattflächen, sowie zu spätem Blühbeginn und ungleicher Blüte als auch schlechter Pollenqualität führen, was letztlich einen geringeren Fruchtertrag mit verminderter Fruchtqualität (kleine, deformierte Früchte) nach sich zieht.

Gute Erträge trotz widriger Wetterbedingungen

Frost tritt vor allem in Senken mit Kaltluftansammlungen auf, sowie an Orten ohne Windschutz. Im Allgemeinen können die Pflanzen einen sich langsam vollziehenden Temperaturrückgang besser ertragen, als einen plötzlichen Temperatursturz, wie er bei Frühfrösten im Herbst oder Spätfrösten (z.B. Eisheilige) im Frühjahr häufig auftritt.

Die Frosthärte von gartenbaulichen Kulturen hängt z.B. von den Sorteneigenschaften, der chemischen Zusammensetzung der Zellsäfte, sowie der Nährstoffversorgung mit Kalium ab, das den Wasserhaushalt in den Pflanzenzellen reguliert. Durch kulturtechnische Maßnahmen, wie angepasste Saat- und Pflanztermine, Pflanztiefe, Kali-Düngung zur Erhöhung der Frosttoleranz und Sortenwahl können gartenbaulichen Kulturpflanzen geschützt werden. Auch direkte Frostbekämpfungsmaßnahmen sind möglich wie z.B. mittels Frostschutzberegnung zur Obstblüte, Kalkanstrich bei Gehölzen gegen Frostrisse der Rinde, Anhäufeln von Veredlungsstellen bei Rosen, Einsatz von Gebläsen und Rotoren und Abdecken mit Frostschutzvliesen.

Grünkohl, Lauch & Co.

Grünkohl
Grünkohl

Gut klar mit Frost kommen hingegen Wintergemüsesorten, die in ihren Zellen eine Art Frostschutz ausbilden, unter anderem Zucker, was den süßen Geschmack des Wintergemüses erklärt. Dadurch frieren die Zellen bei Minusgraden nicht ein. Winterzwiebeln und Grünkohl, beispielsweise, können somit, sortenabhängig, Temperaturen bis zu -12°C ertragen.

Stimmt es eigentlich, dass Grünkohl erst nach dem ersten Frost geerntet werden sollte? Nicht ganz. Grünkohl braucht niedrige Temperaturen aber nicht zwingend Frost, um seinen Geschmack zu entfalten. Durch Kälteeinwirkung verlangsamen sich die Stoffwechselprozesse in der Pflanze. Zuckerabbauende Enzyme werden inaktiviert, zeitgleich wird durch Photosynthese weiterhin Zucker gebildet. Dadurch steigt der Zuckergehalt in den Kohlblättern und der Kohl wird aromatischer und schmeckt weniger bitter.

Anders verhält es sich z.B. bei der Schlehe. Bei der Schlehe bewirkt Frost einen Abbau ihres Gerbstoffgehalts und lässt sie erst dann genießbar werden.

Fazit

Schnee und Frost haben also einen starken Einfluss auf die Entwicklung den Anbau und Ertrag von gartenbaulichen Kulturen. Der Anbauer ist dabei gefordert, mit Hilfe von pflanzenzüchterischen, mechanisch-physikalischen, kultur- und anbautechnischen, sowie baulichen Maßnahmen die Kulturpflanzen und Gewächshäuser vor Schäden durch Frost und Eis zu bewahren.

 


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