Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Herdenschutz

Wolfsmeldungen und Rissereignisse in Hessen

Die bestätigten Wolfssichtungen, Verdachtsfälle und dokumentierten Rissgeschehen mit nachgewiesener Wolfsbeteiligung sind auch in Hessen in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen.

Aktuelle und historische Zahlen für Hessen sind auf der Website des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), der zuständigen Behörde für das Wolfsmonitoring aufgeführt. Dort ist auch das neue „Wolfszentrum Hessen“ angesiedelt, erster Ansprechpartner für Wolfssichtungen und Rissmeldungen

Entwicklung der hessischen Wolfspopulation

Die Wolfspopulation in Hessen wächst kontinuierlich weiter und folgt damit dem Trend im Bundesgebiet (https://www.dbb-wolf.de/). In 2019/2020 sind die ersten Wölfe in Hessen sesshaft geworden und haben ein Territorium besetzt. Aktuell (September 2021) sind fünf Territorien in Hessen amtlich bestätigt mit drei Einzeltieren und zwei Paaren, wovon eines bereits Junge zu Welt gebracht hat. Wir sprechen also aktuell vom ersten hessischen Wolfsrudel (Familienverband) und knapp zehn hessischen Wölfen insgesamt.

Zaunanlagen ertüchtigen, Grundschutzmaßnahmen anwenden

Schafe hinter Weidezaun auf grüne Wiese
Elektrozäune verringern das Risiko von Übergriffen durch große Beutegreifer
Weidetierhaltern wird dringend empfohlen, die eingesetzten Weidezaunsysteme hinsichtlich ihrer Präventionsqualität zur Abwehr von großen Beutegreifern zu überprüfen. Grundsätzlich haben sich Elektrozäune zur Abwehr von Wolf, Luchs und Co. bewährt. Allerdings muss immer eine ausreichende Hütespannung von mindestens 3000 Volt am Zaun anliegen. Die E-Zäune müssen mindestens 90 hoch sein, und dürfen keine Möglichkeit zum gefahrlosen Durchschlüpfen bieten. So darf der Bodenabstand des untersten elektrischen Leiters im Zaun maximal 25 cm betragen.

Herkömmliche Festzäune aus Metall-Knotengeflecht, oder Holzlatten, ohne elektrische Leiter und Anschluss an ein Zaungerät, bieten selten eine gute Abwehr gegen große Beutegreifer. Wölfe können sich solchen Zäunen gefahrlos annähern und diese Zäune intensiv nach Schlupflöchern und Schwachstellen untersuchen. Durch die gefahrlose Annäherung können Wölfe auch die Möglichkeit zum Überspringen des Hindernisses gut austesten. Solche Zäune müssen deshalb mindestens 120 cm hoch sein und einen guten Schutz gegen das Untergraben der Anlage, bieten.

Für eine verbesserte Schutzwirkung von Festzäunen hat sich das nachträgliche Anbringen von elektrischen Leitern auf der nach außen weisenden Zaunseite mit Anschluss an ein Weidezaungerät bewährt, wo immer das möglich ist. Zur guten fachlichen Praxis beim Einsatz von Elektrozäunen gehört auch eine leistungsfähige Erdungsanlage die zum Gerät passt und die tägliche Kontrolle der Zaunanlage. Stacheldrähte dürfen nicht nachträglich unter Strom gesetzt werden. Leider bieten auch gute Weidetierzäune keinen 100-prozentigen Schutz vor Wolfsattacken. Sie können die Gefahr von Übergriffen auf Weidetiere durch Wolf und Co. jedoch deutlich verringern. Gerade bei einer verbreiteten Anwendung der Grundschutzmaßnahmen wird die Prägung der Wölfe auf Weidetiere als leichte Beute zumindest verzögert.

Die intensivere Kontrolle der Zaunanlagen und die Einhaltung der Grundschutzmaßnahmen zur Abwehr großer Beutegreifer wird auf hessischen Grünlandflächen im Rahmen des HALM-Programmes-H2 durch die Landesregierung mit maximal 40,-€ pro Hektar und Jahr gefördert.

Informations- und Beratungsangebot nutzen

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen bietet über seine Fachberatung ein umfassendes Informationsangebot zur Prävention von Übergriffen großer Beutegreifer auf Weidetiere. Nutzen Sie auch unser Faltblatt Hinweise zum Herdenschutz für Weidetierhalter .


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