Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Rinder

Dem Futtermangel trotzen

Die lange anhaltende Trockenheit im Frühjahr und Sommer dieses Jahres führt dazu, dass die Grob­futterreserven sowohl bei Gras- als auch bei Maissilage für die kommende Winterfütterungsperiode und darüber hinaus in hessischen Milchkuhbetrieben knapp werden.

Wie dem Futtermangel begegnen, welche Strategien sind möglich und sinnvoll? Neben dem möglichen Zukauf von Grobfuttern oder industriellen Nebenprodukten sollte vorab der gesamte Viehbestand einer kritischen Bewertung zu unterzogen werden. Was muss an Jungvieh unbedingt aufgezogen werden oder ist jetzt der Zeitpunkt, den Kuhbestand zu reduzieren? Hier gilt es, bei knappen Grobfuttervorräten mit weniger Kühen zufriedenstellende Milchleistungen zu erfüttern anstatt mehr Kühe nicht leistungsgerecht versorgen zu können! Entscheidend ist, dass bei allen angestrebten Lösungen die ernährungsphysiologi­schen Bedürfnisse der Tiere hinsichtlich der Versorgung mit Protein, Energie, Struk­tur, Mineralstoffen und Spurenelementen beachtet werden müssen. Zugleich wird die Milchviehfütterung unter den Bedingungen knapper Grobfutterrecourcen teurer und zusätzliche Arbeitserledi­gung für die Fütterung fällt an.

Thomas Bonsels, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen in Kassel, gibt Tipps, wie trotz knapper Futterreserven leistungsge­recht Milch erzeugt werden kann.

Basis „Futtervorratsplanung“

Basis einer bedarfsgerechten Versorgung des Milchviehbestandes ist gerade bei Futter-knappheit eine rechtzeitige Futtervorratsplanung. Ausgehend von den im Betrieb zur Verfügung stehenden Silage- und Heu- bzw. Strohmengen, die möglichst genau erfasst werden müssen, wird die Verteilung auf die einzelnen Tiergruppen (Jungvieh, Mastvieh, Milchkühe) und Leistungsgruppen (trocken-stehende, frisch lak­tierende, altmelkende Kühe) vorgenommen.

Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Raumgewichte einzelner Grob-, Saft- und Kraftfuttermittel, die zur Ermittlung der Futterbestände notwendig sind.

Tabelle 1: Raumgewichte der wichtigsten Futtermittel

Futtermittel TM-Bereich in % kg/m3 m3/dt
Heu
   lang, lose 70 – 80 1,4 – 1,3
   HD-Ballen 50 -100 2,0 – 1,0
   Rundballen  (1,5 x 1,2 m) 100 – 160 1,0 – 0,6
   Quaderballen  (2,0 x 1,2 x 0,7 m) 120 – 160 0,8 – 0,6
Grassilage  (Fahrsilo)
   Feuchtsilage bis 20 800 – 750 0,13 – 0,14
   Anwelksilage 25 – 35 650 – 550 0,15 – 0,18
   Heulage 40 – 60 500 – 350 0,20 – 0,30
   Rundballensilage  (1,2 x 1,2 m) 35 – 45 350 – 450 0,20 – 0,30
Maissilage  (Fahrsilo) 27 – 32 660 – 610 0,15 – 0,16
Biertrebersilage 26 1000
Pressschnitzelsilage 20 – 24 1000 – 850
Stroh
   HD-Ballen 50 – 100 2,0 – 1,2
   Rundballen  (1,2 x 1,2 m) 80 – 120 1,2 – 0,8
   Quaderballen  (2,4 x 1,2 x 0,7 m) 100 – 140 1,0 – 0,7
Kraftfuttermittel  *)
   Getreide                             Ø 6,5 dt/m3 0,15 m3/dt
   Gerste 610  (580 – 640) 0,16
   Weizen 760  (710 – 820) 0,13
   Kraftfutter Rindvieh 550 – 650 0,18 – 0,15

*)  oft in Hektoliter (hl)-Gewicht ( 1 hl = 1/10 m3 )
Quelle: LLH Kassel, LWK NRW, STMLF Bayern

Die auf dem Betrieb vorhandenen Futter­mengen werden mit dem Bedarf der Tiere (Tabelle 2) gegen gerechnet und der Überschuss bzw. der Fehlbedarf ermittelt.

 

Tabelle 2: Bedarf an Grobfutter-TM je Tier und Tag

tägliche
TM-Aufnahme
kg
benötigte
Grobfutter-TM
dt/Monat
Milchkuh 12 – 14 3,9
Jungvieh unter 1 Jahr 4 – 5 1,4
Jungvieh 1 – 2 Jahre 8 – 9 2,6
Jungvieh über 2 Jahre 9 – 10 2,9

Erst so lässt sich eine erste Bilanz ziehen, wie viel der jeweiligen be­triebseigenen Futtermittel zur Verfügung stehen bzw. welcher Fehlbedarf auftritt, der durch Zukauf ersetzt werden muss!

Welche Alternativen

Biertreber

Biertreber ist eine für Milchkühe gut geeignete Rationskomponente. Es handelt sich hierbei insbesondere um ein Proteinfuttermittel, das sich durch einen sehr hohen Anteil an beständigem Protein (UDP 40%) auszeichnet, was für Hochleistungskühe von besonderer Bedeutung ist. Praxiserfahrungen hinsichtlich positiver Effekte auf Leistung und Gesundheit der Tiere dürften in erster Linie hierauf zurückzuführen sein (bessere Eiweißversorgung am Dünndarm, geringere RNB). Hinzu kommen eine beobachtete positive Beeinflussung der Futteraufnahme sowie so genannte diätetische Effekte, die allerdings im Zusammenhang mit der Gesamtrationsgestaltung betrachtet werden müssen.

Biertreber müssen, analog zu Pressschnitzeln, möglichst heiß siliert werden, um sie haltbar zu machen. Dies bedeutet Mehr­arbeit, Silierverluste und Risiko, was bei der Beurteilung der Preiswürdigkeit zu be­rücksichtigen ist. Frische Biertreber haben mit durchschnittlich 24 % einen relativ niedrigen Trocken­massegehalt, so dass sie schnell verderben. Sie müssen deshalb stets mindestens vier, besser sechs Wochen silieren. Dies bedeutet mindestens zwei Silos – aus einem wird gefüttert, das zweite siliert! Fütterungsversuche haben gezeigt, dass bis zu 15 kg Biertrebersilage je Kuh und Tag mit Erfolg einzusetzen sind. In der Praxis haben sich Mengen bis zu 8 kg bewährt, was zu einer Ersparnis von 15 % an sonstigem Grobfutter führt.

Pressschnitzel

Eine weitere Möglichkeit ist der Zukauf von Pressschnitzeln. Dieses Futtermittel eig­net sich sehr gut zum Silieren. Die Pressschnitzel (25-28 % TM) müssen jedoch schnell, noch warm mit ca. 40-45 Grad Celsius, einsiliert und sorgfältig abgedeckt werden.

Hierzu eignet sich das Verfahren der Schlauchsilierung, bei der mittels einer Silo­presse das Siliergut in einen Folienschlauch gepresst wird. Je nach Presse haben die Schläuche einen Durchmesser von 1,65 bis 3,00 Meter, der unbedingt an den Tierbestand angepasst werden muss, um einen Vorschub von 0,3-0,5 Meter pro Tag realisieren zu können. Für die Dauer der Gär­gasbildung müssen im Folienschlauch Ventile eingesetzt sein, durch die ent­stehenden Gärgase entweichen können. Nach Abschluss der Gärgasbildung sind diese Öffnungen wieder zu verschließen. Mit der Verfütterung wird nach frühestens 6-8 Wochen begonnen, wenn die Silage abgekühlt ist. Die Energiekonzentration der Pressschnitzel liegt bei ca. 7,5 MJ je kg Trockenmasse. Der Proteingehalt ist mit 11 % relativ niedrig. Die maximale Einsatzmenge pro Kuh und Tag sollte auf 12 – 14 kg Pressschnitzel begrenzt werden. Bei der Rations­gestaltung ist trotz der positiven pansenphysiologischen Wirkung auf den Ausgleich mit Strukturkomponenten zu achten. Die maximale Einsatzmenge beträgt bei Kühen 5,0 kg TM/Kuh/Tag, in der Mastrinderfütterung knapp 30 % der Gesamtfutter-aufnahme. Durch den praxisüblichen Einsatz von 8-12 kg Pressschnitzel lassen sich etwa 15-20 % Grobfutter in der Tagesration einsparen.

Zuckerrübenkleinteile

Sofern von der Zuckerfabrik Zuckerrübenkleinteile abgegeben werden, können diese ebenfalls in der Rinderfütterung eingesetzt werden. Dieses Produkt entsteht bei der Verarbeitung der Zuckerrübe. Neben kleinen Rübenbruchstücken sind auch Stengelteile enthalten. Das Futter ist sehr gut silierbar und wird gerne gefressen. Die Energiekonzentration der Kleinteile, die zum großen Teil aus Zucker kommt, liegt bei ca. 6,2 MJ NEL je kg TM. Es handelt sich um ein reines Saftfutter ohne jegliche Struk­tur. Problematisch kann der schwankende Anteil an Schmutzresten sein, was sich im Rohaschegehalt wiederspiegelt. Rohaschegehalte von weniger als 12 % weisen auf eine saubere Ware hin. Hohe Rohaschegehalte über 12 % können Probleme hin­sichtlich der Verdauung hervorrufen.

Kartoffelpresspülpe

Dieses Futtermittel wurde in den letzten Jahren verstärkt auch in Milchviehbetrieben verfüttert. Kartoffelpresspülpe entsteht bei der Herstellung von Kartoffelstärke. Die Pülpe besteht aus feingemahlener Schale, Zellwänden, Stärkeresten und Frucht­wasser. In einer Spezialanlage wird die Pülpe bis auf 14 – 15 % Trockenmasse ent­wässert und lässt sich gut silieren. Sie ist reich an Stärke (ca. 38 %) und Energie (ca. 7,3 MJ NEL/kg TM), aber arm an Protein und enthält keine strukturwirksame Rohfaser. Die Stärke wird langsam im Pansen abgebaut und ist für den Wiederkäuer zu 100 % verfügbar.  In der Milchviehfütterung können 10-15 kg Pülpe in der Ration eingesetzt werden. Hierbei ist neben dem notwendigen Strukturausgleich auf eine Mineralstoff- und Spurenelementergänzung zu achten.

Kartoffelreibsel

Kartoffelreibsel entstehen beim Schälen von Kartoffeln. Sie enthalten hauptsächlich Stärke. Der Energiegehalt beträgt ca. 7,6 MJ NEL/kg TM, der Trockensubstanzgehalt knapp 19 %. In der Praxis werden Mengen von bis zu 6-12 kg Kartoffelreibsel je Kuh und Tag eingesetzt. Bei der Rationsplanung ist der hohe Gehalt an beständiger Stärke zu berücksichtigen. Für einen Ausgleich an Strukturfutter muss ebenfalls ge­sorgt werden.

Möhrentrester

Möhrentrester entsteht bei der Herstellung von Möhrensaft. Er fällt als Pressrück­stand bei der Saftherstellung an und ist ein nährstoffreiches Futter mit hohem Carotingehalt. Der Energiegehalt beträgt ca. 7,9 MJ NEL/kg TM, der Trockensubstanz­gehalt knapp 18 %. Der Gehalt an Zucker liegt bei ca. 9 %. Vor der Verarbeitung werden die Möhren enterdet und gewaschen, anschließend dampfgeschält, zer­kleinert und der Saft herausgepresst. Je Kuh und Tag werden ca. 3 – 4 kg Frisch­masse gefüttert.

Durch den hohen Zuckergehalt siliert der Trester ohne Probleme. Die Silooberfläche sollte glattgestrichen werden. Um Oberflächenverluste zu vermeiden, kann die Ober­fläche mit Salz abgestreut werden.

Anschließend wird der Trester mit einer Silofolie luftdicht abgedeckt und die Folie mit Reifen oder Sandsäcken beschwert, um ein Eindringen von Wasser und Luft zu ver­hindern. Der Vorschub bei der Entnahme sollte etwa 0,8 bis 1,0 Meter pro Woche betragen.

Apfeltrester

Apfeltrester entsteht bei der Herstellung von Apfelsaft. Der Trester ist der Press­rückstand bei der Saftherstellung. Bei den heutigen Herstellungsmethoden enthält der Pressrückstand deutlich mehr Restzucker, der durchaus bis 25 % betragen kann. Der Energiegehalt beträgt ca. 7,4 MJ NEL/kg TM, der Trockensubstanzgehalt knapp 20 %.

Apfeltrester wird mit ca. 5-6 kg pro Kuh und Tag eingesetzt und verbessert die Schmackhaftigkeit der Gesamtration. Apfeltrester eignet sich gut zu reiner bzw. über-wiegender Grassilagefütterung, besonders zu zuckerarmen Silagen. Apfeltrester sollte zur Verlustminimierung, ähnlich wie Möhrentrester, einsiliert werden.

Luzerne

Luzerne ist universell einsetzbar sowohl bei Milchkühen als auch Mastbullen. Fütterungsversuche bei Mastbullen an der LFL in Grub (Ettle et al., 2012) mit 60% Luzernesilage in der Ration zeigten neben positiven diätetischen Eigenschaften zufrieden-stellende Ergebnisse bei Mast- und Schlachtleistung.

Aufgrund der guten Strukturwirkung passt Luzerne sehr gut zu maisbetonten Rationen. Die Konservierung ist als Silage, Heu oder Trockengut möglich. Allerdings zählt Luzerne aufgrund des geringen Zuckergehaltes (ca. 65 g/kg TM) und der hohen Pufferkapazität (79 g MS/kg TM) zu den schwer silierbaren Futtern. Bewährt hat sich das Pressen in Rund- oder Quaderballen, bei ordnungsgemäßer Lagerung sehr guten Erfolgen hinsichtlich Verminderung von Futterverlusten durch Verderb. In der Ration ersetzen z.B. 2,0 kg TM Luzernesilage ca. 0,9 kg Sojaextraktionsschrot und 1,4 kg Stroh bzw. 1,1 kg Rapsextraktionsschrot und 1,2 kg Stroh hinsichtlich der Versorgung mit Rohprotein, Energie und Struktur.

Neben dem Eigenanbau wird auch, i.d.R. in Quaderballen verpresstes, getrocknetes Luzerneheu gehandelt. In Fütterungsversuchen konnten positive Effekte dieser Luzerne auch auf die Futteraufnahme nachgewiesen werden. Bei den getesteten Fütterungsvarianten (Pries et al., 2013) lag die Futteraufnahme der „Luzernegruppen“ um 1,2 bis 1,4 kg höher gegenüber der Strohvariante. Bei Einsatzmengen von 2 kg/Tier/Tag können rund 10 % der täglichen Gras- und 5 % Maissilage eingespart werden.

Gras- und Maiscobs

Der Nährstoffgehalt dieses Futtermittels ist abhängig von dem des Grundfutters. Cobs sind rohprotein- und energiereich, aber rohfaserarm. Die Strukturwirksamkeit der Grascobs ist zu vernachlässigen. Zudem beträgt der Anteil an beständigem Protein knapp 40 %. Bei „Struktur-Heu“, das ebenfalls in den Trocknungen produziert wird, dagegen bleibt die Struktur des Ausgangsmaterials erhalten. In der Milchviehfütterung können etwa 4 – 5 kg Cobs je Kuh und Tag und 6 – 8 kg Strukturheu ohne Probleme eingesetzt werden. Bei Cobs sollte die Menge nicht höher liegen, da es wegen des Fehlens an strukturierter Rohfaser sonst zu Pansenstörungen kommen kann. Die Einsparmöglichkeit an Grundfutter liegt durch den Cobseinsatz bei ca. 20 – 30 % und bei Struktur-Heu entsprechend höher. Der hohe ß-Carotingehalt von Grascobs führt zu einer guten Kombinationseignung mit den ß-carotinarmen Futtermitteln mit Stroh- oder auch Maissilage.

Durch den Einsatz von Maiscobs, die aus der gesamten Maispflanze bestehen und somit rohfaserreich sind, kann in der Ration eine Energielücke geschlossen werden. Der Energiegehalt liegt bei knapp 6,9 MJ NEL/Kg TM. Gerade im Hochleistungsbereich kann deswegen der Zukauf dieses Produktes sinnvoll sein, um höhere Leistungen leichter ausfüttern zu können. In welchem Maße sich Gras- und Maiscobs als Ersatzfuttermittel für die Milchviehfütterung bei Futterknappheit eignen, hängt davon ab, zu welchem Preis sie zugekauft werden können.

Stroh – aber nur kurz gehäckselt

Für den Einsatz von Stroh auch in der Milchviehfütterung spricht die relativ günstige Beschaffung (Zukauf bzw. eigene Ernte), die gute Möglichkeit der Futterlagerung als Rund- oder Quaderballen sowie das Handling, vor allem bei Einsatz eines Futter­mischwagens. Der Futterwert (3,7 MJ NEL/kg TM, -7 RNB) ist gering, der Strukturwert dagegen sehr hoch. Zwischen den einzelnen Getreidearten bestehen nur geringe Unterschiede. Wichtig ist die hygie­nische Beschaffenheit, auf die auch während der Lagerung zu achten ist. Durch den Einsatz von Melasse (ca. 1,0-1,5 kg/Tier/Tag), in Verbindung mit Häckseln des Strohs auf etwa 3,5-4,5 cm, kann eine höhere Futteraufnahme erzielt werden.

 „Sparrationen“ mit Futterstroh und Kraftfutter

Trockensteher

Der wohl größte Rationsanteil an Stroh lässt sich in der Fütterung der trockenstehen­den Kühe einsetzen, vor allem in der ersten Trockenstehphase (7 bis 3 Wochen vor dem Abkalben). In der Übersicht 1 sind exemplarisch drei Rationen für diesen Leistungsabschnitt dargestellt.

Übersicht 1: Trockensteher-Rationen (Phase 1, 7- 3 Wochen a.p.)

Futtermittel kg   Frischsubstanz  je Kuh und Tag
8 kg Milchleistung
Grassilage

2. Schnitt, 38 % TM
(5,8 MJ NEL/kg TM)

19,0 13,0 14,5
Maissilage 35 % TM
(6,5 MJ NEL/kg TM)
3,5
Heu 2,5
Stroh 4,5 4,5 5,0
Ausgleichsfutter
Weizen 0,7 0,8 0,75 0,80 0,65
Melasseschnitzel 0,7 0,7 0,75 0,75 0,35
Rapsextraktionsschrot 0,1 0,6
Futterharnstoff 0,01 0,01 0,05 0,02
Mineralfutter *) 0,05 0,05 0,05 0,05 0,05
TM-Aufnahme aus Grobfutter 11,1 11,0 11,0

*)  speziell für Trockensteher

Unterstellt man eine Trockenmasseaufnahme von knapp 11,0 kg, so lassen sich in diesen Rationen bis zu 5 kg Futterstroh unterbringen. Das durch den Stroheinsatz auftretende Nährstoffdefizit muss, wie in den Beispielen gezeigt, beispielsweise mit Einzelkomponenten wie Getreide, Melasseschnitzeln und einer Eiweißkomponente, z.B. Rapsextraktionsschrot, ausgeglichen werden. Um einem Mangel an mikrobieller Synthese vorzubeugen, empfiehlt sich bei diesen Rationskomponenten auch der Einsatz von 10 bis 50 g/Kuh/Tag Futterharnstoff zum Ausgleich der negativen Stick­stoffbilanz. Das Mineralfutter

Futterharnstoff darf aber nicht als Einzelkomponente direkt verfüttert werden, da die Gefahr besteht, dass die Tiere zu große Mengen auf einmal aufnehmen. Dies kann gesundheit­liche Schäden nach sich ziehen. Voraussetzung ist deshalb, entweder eine Mischung aus Getreide, ggf. einer Eiweißkomponente und Futterharnstoff selbst herzustellen oder auf Mischfutter mit Futterharnstoff (i.d.R. 2% Anteil) zurückzugreifen. Informationen zum Einsatz von Futterharnstoff gibt das  Merkblatt für den Einsatz von Futtermittel-Zusatzstoffen im landwirtschaftlichen Betrieb, Teil 2: Harnstoff und seine Derivate.

Das Ein­sparpotential an Grobfutterkomponenten dieser Rationen beträgt 40 bis 50 Prozent.

Laktierende Kühe

Die folgenden Rationsbeispiele beziehen sich auf die Leistungsabschnitte bis 15,  25 und 35 kg Milchleistung je Kuh und Tag. Der Einsatz und damit der Spareffekt durch Stroh in diesen Rationen richten sich nach dem Laktationsstand und der Milchleistung der Tiere. Während sich bei Kühen im unteren Leistungsbereich (bis 15 kg Milch) bis zu 4,0 kg Stroh in die Ration inte­grieren lassen, sollte im mittleren Laktationsabschnitt (bis 25 kg Milch) die maximale Strohmenge 2 – 3 kg betragen. Bei Einsatz höherer Mengen ist die für die Leistung notwendige Energiedichte nur schwer abzudecken bzw. in das Tier zu bringen. Im ersten Laktationsabschnitt ist der Einsatz von Stroh sehr begrenzt. In struktur­schwachen Rationen werden in der Praxis ca. 300 bis maximal 500 g Häckselstroh (Ø 3,5 cm) eingesetzt. Höhere Anteile wirken sich negativ auf die Futteraufnahme aus und ver­dünnen dazu die Energiedichte der Rationen zu stark.  Auf die Ergänzung der Rationen mit einem aus-reichend vitaminierten Mineralfutter, hier vor allem Vitamin A, D und E, ist bei diesen silagereduzierten Rationen zu achten. Auf die Beachtung der ß-Carotin-Versorgung (150-300 mg Kuh/Tag) ist be­sonders zu achten, da Stroh quasi kein ß-Carotin enthält.

Stroh-Rationen mit mittlerer Gras- und Maissilagequalität

Die folgende Übersicht 2 zeigt Normal- und Sparrationen in verschiedenen Kombinationen mittlerer Gras- und Maissilagequalität. Der Einsatz von Stroh in diesen Rationen zieht einen erhöhten Einsatz von Kraftfutter nach sich, der je nach Rationstyp zwischen zwei bis vier Kilogramm je Kuh und Tag beträgt.

Übersicht 2: Normal- und Sparrationen mit mittlerer Gras- und Maissilagequalität *) bei Leistungsgruppen

Futtermittel kg Frischsubstanz je Kuh und Tag
bis 15 kg bis 25 kg bis 35 kg
tägliche Milchleistung tägliche Milchleistung tägliche Milchleistung
Normal Spar Normal Spar Normal
Grassilage

1. Schnitt, 35 % TM
(6,2 MJ NEL/kg TM)

19,5 11,0 19,5 15,5 19,0
Maissilage 35 % TM
(6,5 MJ NEL/kg TM)
19,5 11,0 19,5 15,5 19,0
Stroh 4,0 2,5 0,5
Ausgleichsfutter
Weizen 0,1 1,5 2,0 2,0 1,9
Körnermais 0,75
Rapsextraktionsschrot 0,6 0,75 0,3 0,5
Futterharnstoff 0,05 0,06 0,08 0,07 0,06
Futterkalk 0,06 0,04 0,05 0,08 0,1
Viehsalz 0,05 0,03 0,04 0,03 0,03
Mineralfutter **) *) *) 0,15**) *) *)
Leistungsfutter          
MLF 19/4 1,75 3,0 4,6 6,8
zusätzliche Leistungsfuttergabe 3,3 1,9

*)  50:50 Gras-Maissilage-Anteil auf Basis Trockenmasse    *)  Vitamin- u. Spurenelementergänzung   **)  11% Ca/ 3,0% P

Der Einspareffekt an Grobfuttern aus Gras- und Maissilage durch den Einsatz von Stroh beträgt je nach Rationstyp und angestrebter Milchleistung 25 bis 45 Prozent.

Stroh-Rationen für die Jungrinderaufzucht und Kalbinnen

In der Jungrinderaufzucht ist in Zeiten von Futtermangel der Einsatz von Stroh erste Wahl. Zwar sind unter diesen Bedingungen die für ein frühes Erstkalbealter not­wendigen täglichen Zunahmen nicht zu erreichen. Unter den Bedingungen von Grobfuttermangel muss auf eine hohe Wachstumsintensität der Färsen unter Um­ständen verzichtet werden.

Der Ein­satz von Stroh kommt allerdings erst ab einem Alter von knapp 1 bis 1 1/2 Jahren in Betracht. Ab einem Gewichtsabschnitt von 300 kg können, je nach Rationstyp, 3 bis maximal 4,5 kg Stroh eingesetzt werden. Zur Absicherung der Spurenelement- und Vitamin-versorgung ist eine Zufütterung von 50 g Mineralfutter je Tier und Tag not­wendig.

Übersicht 3: Sparrationen für die Jungrinderaufzucht

Futtermittel kg Frischsubstanz je Tier und Tag
300 kg Lebendgewicht 400 kg Lebendgewicht 500 kg Lebendgewicht Kalbinnen

24-26

1 2 3 1 2 3 1 2 3 Monate
Grassilage

2. Schnitt, 38 % TM
(5,8 MJ NEL/kg TM)

7,0 3,5 9,0 3,0 9,0 3,5
Maissilage 35 % TM
(6,5 MJ NEL/kg TM)
2,5 2,5 3,5 3,5 4,0 7,0 5,0
Stroh 3,0 3,5 4,0 3,5 4,0 4,5 3,5 4,0 4,5 6,0
Ausgleichsfutter
Weizen 0,9 1,5 1,6 2,6 2,2 1,8 2,1
Rapsextraktionsschrot 0,2 0,9 0,7 0,2 0,8 1,3 1,6
Mineralfutter 0,05 0,05 0,05 0,08
Leistungsfutter
MLF 19/4 1,4 1,5 3,0

Wiederkäuergerechte Ration beachten

Alle Rationen, auch die sog. Notrationen mit Stroh, Nebenprodukten oder höheren Anteilen an Kraftfutter, müssen unter dem Gesichtspunkt der wiederkäuergerechten Fütterung komponiert werden.

Neben den wert bestimmenden Nährstoffen wie Protein, Energie, Stärke, Zucker, Mineral- und Spurenelementen benötigt der Wiederkäuer einen bestimmten Anteil an Rohfaser in der Ration, der etwa 18 % der Gesamt-Trockenmasse betragen sollte. Diese Rohfaser wird benötigt, um die Verdauungsvorgänge im Pansen in den richti­gen Gleisen zu halten. Bei ausreichender Versorgung der Pansenmikroben vergären diese die Rohfaser zu Essigsäure. Die Milchkuh produziert daraus Milchfett. Auf der anderen Seite benötigt die Milchkuh eine ausreichende Versorgung mit strukturierter Rohfaser, um eine ausreichende Wiederkau-tätigkeit sicherzustellen.

Hierfür ist die physikalische Beschaffenheit des Futtermittels ausschlaggebend. Durch die damit verbundene Speichelsekretion mit ihren puffernden Bestandteilen werden optimale pH-Wert-Verhältnisse und damit optimale Lebensbedingungen für die Mikroben im Pansen geschaffen. Gerade bei Grobfutterknappheit kann durch erhöhten Einsatz von Kraftfutter eine zu geringe Strukturwirksamkeit der Ration zum Engpass werden. Der Rohfaseranteil der Ration darf nicht unter 16 % absinken. Mindestens 2/3 der Rohfaser in der Trocken­substanz der Gesamtration muss strukturiert sein. Besonders bei knapper Strukturfutterbasis in Verbindung mit erhöhten Kraftfutter­gaben ist auf die leicht löslichen Kohlenhydrate in der Gesamtration zu achten.

Futterzukauf

Im Zusammenhang mit Futterknappheit stellt sich die Frage, was Zukauffuttermittel kosten dürfen. Grundsätzlich regeln Angebot und Nachfrage den Preis, aber immer unter Beachtung fach­liche Kriterien. Betriebe, die zu wenig Gras- und Maissilage oder Heu haben, sind darauf ange­wiesen, solche Futtermittel zuzukaufen. Das Defizit kann nicht über strukturschwache Saftfutter oder Kraftfutter ausgeglichen werden. Die Preise für diese Grobfuttermittel müssen sich an den Erzeugungskosten orientie­ren, wobei diese neben den Anbau-, Ernte- und eventuellen Konservierungskosten auch die Nutzungskosten für Fläche und Arbeit enthalten müssen (Vollkosten). Sinnvollerweise geht man von den Kosten je 10 MJ NEL aus und rechnet auf die Dezitonne bzw. den Kubikmeter hoch.

Produktions- oder Austauschwert bei Saftfuttern

Hierbei sind streng genommen zwei Varianten zu berücksichtigen. Kann man bei Futterknappheit statt dieser Futtermittel auf Kraftfuttermittel zurückgreifen, dann kann die Preiswürdigkeit auf Basis des Austauschwertes der Vergleichsfuttermittel Weizen für Energie und Sojaschrot für Protein ermittelt werden. Die objektivere Variante ist der Produktionswert des Zukauffuttermittels in der Ration. Der Produktionswert hängt vom jeweiligen Rationstyp ab bzw. ob Kraftfutter oder eben Grobfutter ersetzt werden muss.

Fazit

Die bedarfsgerechte Versorgung der Tiere steht trotz aller Schwierigkeiten auch in Zeiten der Futterknappheit im Vordergrund. Höhere Futterkosten und Arbeitsaufwendungen müssen dabei ggf. in Kauf genommen werden.

Mit Sparrationen ist es möglich, die Grobfutterversorgung der Tiere bei Einhaltung der Anforderungen einer wiederkäuergerechten Fütterung zu sichern. Wichtig für den Erfolg einer solchen Maßnahme sind

  • Erstellen eines Futterverteilplanes
  • Rationsgestaltung nach Leistungsgruppen
  • Rationierung des Grobfutterangebotes bei täglich zweimaliger Futterzutei­lung, Strohangebot zur freien Aufnahme
  • die erforderlichen höheren Kraftfuttergaben auf möglichst vier und mehr Mahlzeiten verteilen, um pansenphysiologi­sche Störungen zu vermeiden
  • Beachten des Anteils leichtlöslicher Kohlenhydrate im Leistungsfutter, da be­sonders bei Grobfutterknappheit die Grenzen der Zucker- und Stärkeverträglich­keit eher erreicht werden
  • Mineralstoff-, Vitamin- und Spurenelementausgleich vornehmen.

Die Frage des Grobfutterzukaufs hängt in erster Linie davon ab, ob die betriebseige­nen Vorräte für die Mindestversorgung der Tiere ausreichen oder in erster Linie struktur-wirksames Grobfutter zugekauft werden muss. Industrielle Nebenprodukte wie Biertreber, Pressschnitzel, Trester und Son­stige können diese Funktion nur sehr begrenzt erfüllen.


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