Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

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Fachschule Griesheim: Studierende präsentieren Projektergebnisse

An der zweijährigen Fachschule für Agrarwirtschaft in Griesheim stellte der Abschlussjahrgang kürzlich innovative Projekte mit landwirtschaftlichem Bezug vor.

Die Studierenden entwickelten und bearbeiteten ihre Gemeinschaftsarbeiten selbstständig im Rahmen des insgesamt 120 Unterrichtsstunden umfassenden Projektunterrichts. Sieben Projektteams fanden sich zusammen und präsentierten die gewonnenen Erkenntnisse ihren Kommilitonen, Lehrkräften sowie Detlef Szymanski vom VLF Aereboenia Starkenburg e.V.. Thematisch hatten sich die Studierenden mit Gemengeanbau, Apfelkeltern, Kompostierung, Aussaatstärken, Speiseöl-Erzeugung, Siliermitteln oder der automatischen Teilbreitenschaltung (Section Control) beschäftigt.

Praxistauglichkeit und Einsparpotential von Section Control

Die satelliten- und sensorbasierte Ausbringmengensteuerung, kurz Section Control (SC), hat sich innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte etabliert und wurde kontinuierlich weiterentwickelt, um die Effizienz beim Säen, Düngen und dem Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln auf dem Feld zu erhöhen. Benötigt werden für die SC-Nutzung: Eine elektrische Ansteuerung der Spritzbalken-Teilbreiten oder Einzeldüsen, ein Bedienterminal mit aktiviertem ISOBUS-Modul TC SC und gespeicherten Feldgrenzen als auch ein Traktor mit GPS-Empfänger.
Im Rahmen ihres Projekts untersuchten Leon Farr aus Rinderbügen, Johannes Jäckel aus Obbornhofen und Mika Sommer aus Bornich, wie praxistauglich SC ist und prüften dessen Vor- und Nachteile. Zielsetzung war, die gängigsten Systeme im Verbund mit SC und Pflanzenschutzmitteln zu vergleichen und dabei das Einsparpotential zu beleuchten. Betrachtet wurden dementsprechend die Einzeldüsenabschaltung im Verbund mit SC, 9 Teilbreiten mit SC sowie 9 Teilbreiten ohne SC. Für die Versuchsdurchführung stand ein Betrieb in Friedberg zur Verfügung, der im Bereich SC investieren möchte und in dem Johannes Jäckel beruflich tätig ist.

Während sich die drei Projektpartner verschiedenen Aufgabenbereichen wie der Versuchsplanung, -durchführung und Präsentationsgestaltung gemeinsam widmeten, teilten sie die Schreibarbeit untereinander auf: Gruppenleiter Mika Sommer befasste sich mit den Umweltschutzaspekten, Zielen und Hintergründen des Projekts. Leon Farr verschriftlichte indes Versuchsvorstellung, -wertung und Fazit und Johannes Jäckel bediente die Geräte, berechnete die Wirtschaftlichkeit und skizzierte den Versuchsaufbau. „Wir haben einen Schlag von entsprechender Größe ausgewählt, der nicht rechteckig, sondern möglichst realitätsnah und repräsentativ ist. Dazu haben wir noch ein 0,13 Hektar großes Hindernis über das GPS-System vom Traktor eingezeichnet“, erklärte Mika Sommer den Versuchsaufbau.

Auf der zu bearbeitenden Fläche von 6,41 Hektar wurde ein Fendt 516 mit RTK Lenksystem verwendet. Für eine Überfahrt wurde die Spritze mit 1750 Litern befüllt, geplante Ausbringmenge: 250 Liter pro Hektar. Als Spritzen wurden bei insgesamt sechs Überfahrten eine Amazone UX 4200 Super verwendet (Einzeldüsenabschaltung + SC) und eine John Deere R962i Anhängespritze (9 Teilbreiten á 3 Meter + SC). Die Auswertung ergab, dass die Einzeldüsenabschaltung + SC bei 24 Minuten Arbeitszeit eine Abweichung von 0,09 % zur geplanten Ausbringmenge mit sich brachte. Bei 9 Teilbreiten + SC waren es in 25 Minuten 1,62 % und bei 9 Teilbreiten ohne SC lag bei einer Arbeitszeit von 26 Minuten mit 2,12 % die größte Abweichung vor. Nachdem er Videos vom Applizieren abspielte, betonte Leon Farr: „Das Versuchsergebnis hat unsere Erwartungen vollkommen erfüllt, damit war eindeutig zu rechnen.“

In Bezug auf Umweltschutzaspekte erläuterte Johannes Jäckel, dass in dem Versuch rein mit Frischwasser und ohne Spritzmittel gearbeitet wurde, um die Fläche nicht unnötig zu belasten. „Generell ist es natürlich wichtig, keine Überlappung zu haben oder Fehlstellen zu produzieren und das ist durch SC gewährleistet“, so Jäckel weiter. Nach der Präsentation einer Wirtschaftlichkeitsberechnung kam die Projektgruppe zu dem Fazit, dass eine Investition in SC meist sinnvoll und Schulungen der Anwendenden sehr wichtig seien. Denn mit Blick auf die Investitionskosten sei das Einsparpotential hoch und der Umweltschutz mit SC besser möglich.

Wie vielfältig die Themen waren, mit denen sich die Studierenden der landwirtschaftlichen Fachschule Griesheim im Projektunterricht befasst hatten, verdeutlichte auch die Fragestellung der folgenden Präsentation:

Was wird aus dem Apfel?

Larissa Bausch aus Schupbach, Meike Dexheimer aus Neesbach und Luisa Eitenmüller aus Mossautal hatten für ihr Projekt eigenen Apfelsaft und -wein wie auch einen 40-prozentigen Apfelbrand hergestellt. Die entstandenen Produkte wurden im Klassenraum gemeinsam verkostet und dabei mit gekauftem Apfelsaft, -wein und -likör von einer regionalen Kelterei verglichen. Mit einer grünen bzw. roten Karte beurteilten alle Anwesenden das jeweilige Apfelprodukt.

Zuerst stellte Luisa Eitenmüller aber den Produktionsablauf in der regionalen Kelterei vor und ging auf die erforderlichen Arbeitsschritte und Lagermethoden ein. Larissa Bausch berichtete speziell von der Apfelsaftherstellung – vom Zerkleinern der Äpfel über die Funktion der Saftpresse, Messung des Zuckergehalts des Mosts bis hin zum Abkochen des Safts und schließlich zur Abfüllung. „Bei der Herstellung des Apfelsafts wurden ausschließlich spätreife Sorten verwendet, weil diese länger der Sonne ausgesetzt waren und somit auch mehr Fruchtzucker enthielten“, sagte Bausch.

Für den selbst gemachten Apfelwein wurden die Äpfel in einer Kelterei zu zwei Fässern Most verarbeitet. Eines der Fässer wurde mit Hefe und eines ohne angesetzt und beide in einem dunklen Keller bei gleichmäßigen 12 °C eingelagert. „Nach circa acht Wochen konnten wir beobachten, dass die Fässer angefangen hatten zu gären und erstaunlicherweise hat das Fass ohne Hefe wesentlich mehr gegoren“, hob Luisa Eitenmüller hervor. Mit der Zeit wurde der Apfelwein geschmacklich immer herber und trockener, hatte schließlich einen Alkoholgehalt von 6,8 Prozent. Für den Apfelschnaps wurden 300 Kilogramm Äpfel benötigt, die zwei Fässer á 120 Liter und im Endergebnis 200 Liter brennfähige Masse ergaben. „Nach achtwöchiger Lagerung bei 16 bis 18 °C haben wir die Maische dann zur Weiterverarbeitung in eine Brennerei gefahren“, so Meike Dexheimer, die im Weiteren den Brennvorgang beschrieb.

Ziel der Projektgruppe war es herauszufinden, ob es sich lohnt, die genannten Produkte selbst herzustellen. Anhand einer Aufwandberechnung bei einem geschätzten Stundenlohn von 13,50 Euro kamen die Studierenden zu dem grundlegenden Fazit, dass eine Produktion erst in höheren Mengen, etwa ab 80 Litern, gewinnbringend sei.


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