Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Landwirtschaftliche Fachschulen

Offen für Innovationen: Fachschüler präsentieren Projektergebnisse

Griesheim. Bevor die angehenden Agrarbetriebswirte der landwirtschaftlichen Fachschule Griesheim zurück in die Praxis entlassen werden, stellen sie im Rahmen des Projektunterrichts ihre Innovationskraft und die erlernten Arbeitsmethoden unter Beweis.

In Teams entwickeln und bearbeiten sie selbstständig Projektideen mit landwirtschaftlichem Bezug. Im diesjährigen Abschlussjahrgang fanden sich fünf Projektteams zusammen, die sich mit den Themen Geflügelfütterung, Kehrbesenbau für den Frontlader, Beregnung von Zuckerrüben, Insektenzucht und Bierherstellung beschäftigten.

Offen gegenüber neuen Märkten und Produktionsweisen: Die Fachschüler der Friedrich-Aereboe-Schule in Griesheim haben wieder einmal innovative Projektideen im Rahmen des Unterrichts durchgeführt, bewertet und präsentiert.
Offen gegenüber neuen Märkten und Produktionsweisen: Die Fachschüler der Friedrich-Aereboe-Schule in Griesheim haben wieder einmal innovative Projektideen im Rahmen des Unterrichts durchgeführt, bewertet und präsentiert.

Betriebliche Abfälle durch Insektenzucht „veredeln“?

Das Projekt zur Haltung und Zucht von Mehlwürmern von Nils Habermehl, Fabian Schüttler und Nils Storck griff den Trend zu alternativen und nachhaltigeren Proteinquellen in Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung auf. Insekten sind als Nahrungsquelle auch deshalb interessant, weil sie, im Gegensatz zu den hierzulande gängigen Nutztieren, eine sehr hohe Futternutzungseffizienz von 2:1 aufweisen.
Erste Haltungsversuche von Insekten reichen zurück in die 1970er Jahre. Seit den 2010er Jahren steigt auch in Europa die Popularität von Insekten als alternative Proteinquelle. In 2018 wurden u.a. Mehlwürmer und Grillenarten in der Novel-Food-Verordnung als Lebensmittel in der EU zugelassen. Mittlerweile sind auch Ökorichtlinien zur Produktion von Nutzinsekten von Naturland veröffentlicht wurden.

Im Projekt verglichen die Studierenden u.a. Substrate und Substratzusammensetzungen hinsichtlich Biomasseerzeugung und Entwicklungsdauer der Mehlwürmer. Dafür wurden die Mehlwürmer jeweils entweder mit getrockneten und gemahlenen Chicoréewurzeln, die auf dem elterlichen Betrieb eines Projektmitglieds anfielen, Haferkleie, Weizenkeime oder groben Haferflocken gefüttert. Die Auswertung ergab, dass der Anteil lebender zu toter Mehlwürmer beim Chicorée am höchsten war. Dennoch stuften die Studierenden schließlich Haferkleie und Weizenkeime als beste Substrate ein, da hier die Entwicklungsdauer kürzer war, also früher „geerntet“ werden konnte.

„Wichtig ist, bei der Fütterung darauf zu achten, ausreichend Feuchtfutter zur Verfügung stellen. Denn darüber decken die die Insekten ihren Wasserhaushalt. Entsteht hier ein Mangel fressen die Adulten Käfer die Würmer auf. Um dem vorzubeugen, haben die wir die Käfer im Wochenabstand umgesetzt“, erklärte Nils Habermehl.

Die Haltung von Mehlwürmern, so das Fazit der Schüler, sei gut umzusetzen und bietet Potenzial zur Veredelung betrieblicher Nebenprodukte aus dem Gemüse- und Obstanbau. Die Regulation der Temperatur und Luftfeuchtigkeit bei der Insektenhaltung stelle aber durchaus eine Herausforderung dar.

Die gewonnenen Erkenntnisse in einem ergänzenden Betriebszweig zu nutzen, sei mit Blick auf die Absatzwege jedoch (noch) schwierig. Der Markt Haustiernahrung sei gesättigt und im Lebensmittelbereich ist aufgrund des noch bestehenden Ekelfaktors bisher keine große Nachfrage zu verzeichnen.

Ist eine künstliche Beregnung von Zuckerrüben wirtschaftlich?

Vor dem Hintergrund des Dürresommers 2018 hatten sich Adrian Hinn, Kevin Knell und Tom Lautenbach mit der Effektivität und Wirtschaftlichkeit einer Zusatzberegnung im Zuckerrübenanbau beschäftigt. Für ihr Projekt teilten die Studierenden in 2019 einen Zuckerrübenschlag in drei Parzellen, die mit einem Großregner, einer Rohrberegnung bzw. unberegnet geführt wurden.
Im Frühjahr sowie zur Ernte entnahmen sie Bodenproben in den Bereichen 0-30 cm sowie 30-60 cm Tiefe, um den Nmin-Gehalt und die durch die Zuckerrüben aufgenommene Nährstoffmenge zu bestimmen. Der Ertrag wurde in Hinblick auf Quantität und Qualität untersucht.

Während der Vegetationsperiode fielen 364 l/m². Am 28.06. und 22.07.2019 erhielten die Beregnungsflächen jeweils einen Beregnungsgang mit 30 mm Wasser. Neben dem Ausgleich der Verdunstung durch die extreme Hitzephase im Juli und August brachte die Beregnung auch einen kühlenden Effekt. Der Befall mit Cercospora-Blattfleckenkrankheit war auf den beregneten Flächen zwar tendenziell höher, jedoch konnten die beregneten Zuckerrüben durch stärkeres Blattwachstum dies besser kompensieren.

Letztlich wurden folgende Erträge verzeichnet: 80,9 t/ha Rüben für die mit dem Großregner beregnete Fläche, 80,6 t/ha für die Rohrberegnung und 50,5 t/ha für die unberegnete Variante. Die Pflanzen auf den beregneten Flächen konnten die Nährstoffe aus dem Boden besser aufnehmen und verwerten, was die Bodenanalysen untermauerten. Zwar wiesen die beregneten Zuckerrüben niedrigere Zuckerkonzentrationen auf, doch konnte dies bei der Vergütung durch den höheren Gesamtzuckerertrag pro Fläche kompensiert werden.

Am Ende wies die unberegnete Fläche bei der Gewinn- und Verlustrechnung einen Verlust von 278 € aus, wogegen bei der Rohrberegnung 229 € und bei beim Großregner sogar 343 € Gewinn erwirtschaftet worden.

Die Projektgruppe kam auf Basis der Ergebnisse zum Fazit, dass eine Beregnung insbesondere für den Raum Südhessen sinnvoll sei. Sie könnte in Extremjahren auch vor einem Totalverlust schützen.
Die beiden Beregnungssysteme haben kaum Wachstumsunterschiede gezeigt. Nach Auffassung der Studierenden sei eine Rohrberegnung aufgrund des höheren Aufwands (Kosten und Arbeitszeit) jedoch eher für intensive Gemüsebetriebe eine praktikable Lösung.


Die Studierenden des Abschlussjahrgangs der landwirtschaftlichen Fachschule konnten Corona-bedingt erst Ende April die Ergebnisse ihrer Projektarbeiten vorstellen. Die derzeitigen Rahmenbedingungen führten dazu, dass nur das Lehrerkollegium und nicht wie gewohnt Vertreter des VLF Aereboenia-Starkenburg e.V. und des Berufstandes anwesend sein konnten.


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