Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Biodiversität

Grasstreifen vorübergehend stehen lassen

Beim Silage- oder Heuschnitt gibt es einfache, aber sehr effektive Möglichkeiten, den Artenreichtum in der Grünlandfläche zu unterstützen und zu fördern. Besonders vorteilhaft ist es, beim ersten und zweiten Silageschnitt Streifen an den Rändern der Flächen stehen zu lassen, da gerade hier zu dieser Jahreszeit Bodenbrüter ihre Nester und Wild wie Rehe und Hasen Jungtiere platzieren.

Wiesen mit vorübergehend stehengelassenem Grasstreifen
Vorübergehend stehengelassener Grasstreifen
Die stehen gelassenen Streifen „wandern“ mit jedem weiteren Schnitt an eine andere Stelle auf der Fläche – so werden besonders für Insekten Rückzugsbereiche geschaffen, aus denen heraus sie sich anschließend wieder ausbreiten können. So entstehen vorübergehende Strukturanreicherungen und Vernetzungselemente und der stehen gelassene Streifen wird nicht zu alt und kann noch zu guter Futterqualität verarbeitet werden.

Hat man Kenntnis von bodenbrütenden Vögeln im stehen gelassenen Streifen, sollten zwischen zwei Schnitten mindestens sechs, besser acht Wochen Zeit vergehen, bevor der Grasstreifen geerntet wird. Dies gewährleistet einen sicheren Schlupf der Küken.

Dagegen verbleiben echte Altgrasstreifen fast ein ganzes Jahr lang auf der gleichen Stelle ohne gemäht zu werden – auch über Winter. Erst nach dieser Zeit wandern sie an einen anderen Platz.

Standorte mit Vorkommen von Problempflanzen wie beispielsweise Jakobskreuzkraut oder Riesenbärenklau sind für stehen gelassene Grasstreifen nicht geeignet.

Schon während der Mahd kann man viel dazu beitragen, die Wiesenbewohner zu schonen: so gibt besonders ein langsames Fahren mobilen Tieren die Möglichkeit zur Flucht. Ein nicht zu tiefer Schnitt schont neben der Tierwelt außerdem die Maschine, erhöht die Futterqualität und erhält die Grasnarbe.

Die Mahd vom Innenbereich der Fläche nach außen zu den Rändern treibt fluchtfähige Tiere aus der Fläche heraus, statt sie im letzten Streifen zusammen zu treiben. Hier sollte der äußere Bereich stehen bleiben. Bei einer Mahd von außen nach innen sollte hingegen der innere Bereich stehen bleiben. Besonders wichtig und effektiv ist diese Maßnahme in sehr großen Flächen und strukturarmen Landschaftsbereichen.

Die großen Vorteile dieses Vorgehens liegen darin, dass es nahezu keinen Futterverlust und somit kaum Kosten gibt, eine solche Maßnahme aber eine hohe Effektivität aufweist und sehr leicht in betriebliche Arbeitsabläufe zu integrieren ist. Sie stellt einen guten Mittelweg zwischen Nutzung und Schutz dar.

Bereits geringfügige Änderungen in Bewirtschaftungs- und Arbeitsabläufen können über das Überleben oder Verschwinden einzelner Arten entscheiden.


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