Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Rebhuhn

Rebhuhnschutz in Waldeck-Frankenberg erobert zunehmend Fläche

Beteiligung für weitere Flächen in der Feldflur gesucht

Feldbegehung mit Familie Barthel: Neue Tafeln am Feldrand informieren zum Rebhuhnschutz
Feldbegehung mit Familie Barthel: Neue Tafeln am Feldrand informieren zum Rebhuhnschutz

Rebhühner reagieren sensibel auf Veränderungen und geben so als Zeigerart stille Auskunft darüber, wie es um den Lebensraum in der Feldflur bestellt ist.

Anfang November würdigten Waldeck-Frankenbergs Landrat Dr. Reinhard Kubat sowie Andreas Sandhäger, Direktor des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), mit einem Vor-Ort-Termin die Bestrebungen der Landwirtsfamilie Barthel und des Bürgermeisters der Stadt Bad Wildungen zum Rebhuhnschutz.

Die Feldflur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt; die Populationen der Hühnervögel sind erheblich geschrumpft. „Nur dort, wo genügend Insektennahrung, Brut- und Versteckmöglichkeiten vorhanden sind, sind Rebhühner noch heute – bzw. dank spezieller Artenschutzprojekte wieder – anzutreffen“, erläutert Andrea Imhäuser, Rebhuhnexpertin beim LLH. Sie berät Landwirte und Naturschützer, die an die Erfolge des initialen Rebhuhnprojektes um Bad Zwesten anknüpfen möchten. So auch Familie Barthel aus Bad Wildungen, die sich nach einer Rebhuhn-Sichtung informierte, eine passende Ackerfläche ausmachte und sie im Frühjahr 2021 mit einer speziellen Blühmischung für Rebhühner einsäte.

Die Anlage von speziellen Rebhuhnblühflächen und andere Artenschutzmaßnahmen gehen mit einem Ernteverzicht einher. Um Verluste zu kompensieren, erhalten landwirtschaftliche Betriebe über das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM) für fünf Jahre einen finanziellen Ausgleich für ihre Bemühungen.

Weitere Landwirte aus dem Raum Bad Wildungen sind herzlich eingeladen, sich zu informieren und sich am Rebhuhn-Projekt zu beteiligen (Kontakt: Andrea Imhäuser; Antragstellung über den Fachdienst Landwirtschaft des Landkreises).

Artenverlust stoppen

Landrat Kubat, der das Projekt von Anfang an unterstützte, sicherte die Finanzierung der heute an Familie Barthel übergebenen Infoschilder. Sie sollen am Rande der Blühflächen vorbeikommende Menschen über den Rebhuhnschutz informieren.

Neben Bad Wildungen existieren im Landkreis Waldeck-Frankenberg bereits in Vöhl-Basdorf und um die Stadt Rosenthal weitere kleinere Rebhuhnschutz-Projekte; zwei weitere befinden sich in Vorbereitung. Auch hier werden die Infotafeln bald zum Einsatz kommen.

Bürgermeister Gutheil freute sich ganz besonders über dieses erfolgreich gestartete Vorhaben – passt es doch sehr gut zu dem Wunsch der Stadt Bad Wildungen, deutlich mehr für die Artenvielfalt in ihrer Feldflur zu unternehmen und den Artenverlust zu stoppen. Aktuell bereitet die nordhessische Stadt ein Kooperationsprojekt mit Landwirtschaft, Landschaftspflegeverband und Naturschutz vor, in welchem die um Bad Wildungen noch vorhandenen abwechslungsreichen Landschaftsstrukturen, seltenen Arten und Naturschätze miteinander in Kombination geschützt und erhalten werden sollen.

LLH-Direktor Sandhäger betonte seine Freude über die gelungene Kooperation von Artenschutz und Landwirtschaft. Mit einem eigenen Fachgebiet werde der LLH das Beratungsangebot zur Biodiversität künftig noch weiter stärken. Dem Kooperations-Vorhaben mit der Stadt Bad Wildungen sicherte Sandhäger seine Unterstützung zu: „Damit aus ‚Restbeständen‘ wieder sichere, stabile Populationen werden können.“

Markus Schönmüller vom Landkreis Waldeck-Frankenberg hat hierzu einen ersten Projektentwurf erstellt, welcher neben dem Rebhuhnschutz auch die Förderung seltener Ackerwildkräuter und Feldvögel vorsieht. Auch die Wegrand- und Heckenpflege soll künftig mit einem professionellen Pflegekonzept angegangen werden.


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