Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Feldfutter

Weißkleegras mit Chicorée zur Risikoabsicherung in Trockenjahren

Kleegras stellt für Milchviehbetriebe eine interessante Option dar, die Grundfutterver­sorgung zu sichern. Neben der Bereitstellung von qualitativ hochwertigem Futter bietet die Auflockerung von Fruchtfolgen durch Kleegras weitere positive Aspekte, die zu einem hohen Vorfruchtwert führen und die Ertragsleistung der gesamten Fruchtfolge stabilisieren.

Blühender Weißklee
Feldfuttermischungen mit Weißklee können um futterbaulich attraktive Kräuterarten, wie Chicorée, ergänzt werden

Soll Kleegras mehrjährig genutzt werden, sind Mischungen gefragt, die stabil hohe Erträge und Qualitäten liefern, sowohl über die Aufwüchse eines Jahres als auch über die Anbaujahre. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch eine gezielte Zusammenstellung von Mischungen bestehend aus Gräsern, Leguminosen und Kräutern die Ertragsstabilität verbessert werden kann.

Kräuter als Mischungspartner interessant

Auch in Trockenjahren kann die Futtergrundlage mit speziell zusammengesetzten Feldfutter­mischungen häufig gut abgesichert werden. Durch die intensive Durchwurzelung des Bodens können diese Mischungen Wasser effizienter nutzen. Dabei hat sich u.a. die Luzerne in den letzten sehr trockenen Jahren als ertragsstabile Art erwiesen. Im Gegensatz zu Leguminosen wie Luzerne hat das Einbringen von Kräutern in Saatmischungen in Deutschland noch keine große Bedeutung, dennoch ist auch hier Potenzial vorhanden. Die Erweiterung von Feldfutter­mischungen um futterbaulich attraktive Kräuterarten, wie Chicorée, wird als mögliche Alternative erachtet, um Mischungen stabiler und damit ertragreicher zu machen. Bislang hierzu vorlie­gende Studien wurden meist nur über wenige Jahre durchgeführt, jedoch nicht über die maximal mögliche Anbaudauer von 5 Jahren.

Eine neue Studie der Universität Göttingen hat den Effekt einer Beimischung von Chicorée zu Weißkleegras auf die Stabilität von Ertrag und Futterqualität über 5 Jahre (2015-2019) geprüft. Es wurde angenommen, dass Chicorée die Futterbereitstellung insbesondere in Trockenjahren verbessern kann, da er gut an eine geringere Wasserversorgung angepasst ist. Die Versuche wurden an zwei Standorten (Reinshof, Deppoldshausen) durchgeführt und die Bestände über vier Schnitte pro Jahr genutzt. Auf eine N-Düngung wurde verzichtet – die Ergebnisse sind also besonders relevant für low-Input Systeme.

Chicorée stabilisiert Ertrag bei Trockenheit

Die Mischung mit Chicorée zeigte eine geringere Streuung der Erträge zwischen den Jahren, insbesondere auf dem tiefgründigeren Standort Reinshof. Darüber hinaus schwankten in trockeneren Jahren die Erträge der Aufwüchse eines Jahres weniger stark für die Chicorée-Mischung. In feuchteren Jahren hingegen wies die Chicoree-Mischung eine etwas geringere Ertragsstabilität zwischen den einzelnen Schnitten auf. Ein ähnliches Bild ergab sich für die Futterqualität. Die Abnahme von Rohprotein- und ADF-Gehalt, sowie die Zunahme des Zuckergehaltes – typisch für Trockenstress – waren in der Chicorée-Mischung in Trockenjahren weniger stark ausgeprägt.

Da die Wetterprognosen davon ausgehen, dass die Sommer künftig wärmer und trockener werden, dürfte eine Beimischung von Chicorée zu Weißkleegras als Risikoabsicherung an Interesse gewinnen.


Weitere Vorteile des Kleegrasanbaus

Eine intensive Durchwurzelung und die Zufuhr hoher Mengen organischer Substanz verbessern Bodengefüge, Aggregatstabilität und Bodenfruchtbarkeit; durch die N-Fixierung der Leguminosen kann mineralischer N-Dünger eingespart werden; die ganzjährige Bodenbedeckung bietet einen effizienten Schutz vor Bodenerosion, und durch intensive Beschattung und mehrmalige Nutzung kann Kleegras effektiv zur Beikrautregulierung beitragen – beispielsweise verträgt Ackerfuchsschwanz eine häufige Schnittnutzung nicht.


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