Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Gemüsebau & Kräuter

Jetzt Lagerbestände im Kühlhaus kontrollieren

Lagerbestände, die im zeitigen Frühjahr noch im Kühlhaus auf den Absatz warten, bedürfen nun einer regelmäßigen Kontrolle durch das verantwortliche Personal im Betrieb.
Bei den langzeitgelagerten Arten, wie Kohl, Möhren, Rote Bete, Rettich, Lauch, Sellerie u.a. besteht nun ein guter Nährboden für mikrobiologische Erreger, die Auslöser parasitärer Erkrankungen (Lagerfäulen) sind. Gerade die Restbestände von Hokkaidokürbissen können bei Infektion einzelner Früchte innerhalb kürzester Zeit (wenige Tage) die komplette Großkiste erfassen. Kleinste Verletzungen, Schnittwunden und Druckstellen begünstigen die Ausbildung von Faulstellen erheblich. Um größere Verluste durch Lagerschäden zu vermeiden, ist es notwendig, rechtzeitig mindere Qualitäten auszulagern und die (gesunden) Restbestände so zu sortieren, das die Luftströmung in allen Bereichen des Lagerstapels gesichert ist.

Bei Kühlhäusern beträgt je nach Art des Lagergutes bzw. der Qualität der Kühlaggregate und der Räumlichkeiten der Gewichtsverlust monatlich 2 – 7%. Verdampferanlagen haben gegenüber modernen Konvektionskühlzellen den Nachteil, dass sie dem Lagergut Flüssigkeit entziehen. Dem begegnen manche Betriebe durch Abdeckung z.B. mit Lochfolie. Eine Befeuchtungsanlage im Kühlraum kann dafür sorgen, die Luftfeuchte im Kühlraum immer auf dem Sättigungspunkt zu halten. (100 % relative Luftfeuchte). Mithilfe einer Nebelanlage wird mit technisch geringem Aufwand die Luftsättigung hierbei erzielt. Eine Intervallschaltung sorgt bei der Beneblung für eine gleichbleibende Feuchte. Wichtig ist dabei die Kenntnis der Wasserqualität im Betrieb, denn eine deutliche Überschreitung einer Wasserhärte von 5° dH (deutsche Härte) kann zur Erfordernis einer Enthärtungsanlage (z.B. Ionenaustauscher) führen.
Sollte keine spezielle Einrichtung zur Verfügung stehen, reicht auch das Aufspritzen von Wasser am Boden, um die Raumfeuchte anzuheben, sofern dafür noch genügend Bodenfläche zur Verfügung steht.

Das Obst und Gemüse wegen der Ausbildung von Ethylen und anderen Stoffwechselprodukten getrennt zu lagern ist, ist allgemein bekannt. Aber auch Gemüsearten wie Tomaten, Melonen und Brokkoli sollten von anderen Gemüsearten separiert werden, um vorschnellen Reifeprozessen vorzubeugen.
Bevor im Frühjahr die ersten Ernten (Salate, Radies, Kohlrabi und andere) ins Kühlhaus eingelagert werden, sollte man sich die Zeit nehmen, die Anlage nach dem kompletten Ausräumen mit dem Hochdruckreiniger zu säubern. Auch eine Desinfektion mit zugelassenen Mitteln kann sinnvoll sein. Nicht zu vergessen bei der Betriebshygiene ist die auf gleiche Weise zu erfolgende Reinigung des Kistenmaterials, denn auch hier lauern Krankheitserreger, die im Lager zu Schäden führen können.
Für die Desinfektion in Ökobetrieben zugelassen ist das Mittel Menno Florades (aktuell zunächst bis 07/2021). Die Ausbringung über Schaumanwendung (Skumix-Verfahren) sorgt dafür, dass schlecht erreichbare Flächen mit dem Schaum besser erreicht werden. Das Mittel kann über Nacht einwirken und trocknet dann ab. Achtung: kein direkter Kontakt mit Pflanzen!

Weitere Infos finden Sie unter anderem auf den Webseiten der Menno Chemie Vertrieb GmbH oder Biofa.


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