Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Grünland & Futterbau

Dauergrünland: Düngeregime und Rotklee

Auswirkungen des Düngeregimes auf den Pflanzenbestand im Dauergrünland und Erhöhung der Ernteelastizität durch Rotkleenachsaaten

Kontrolle des Nachsaaterfolges: Blattunterseite des Rotklees ist behaart
Kontrolle des Nachsaaterfolges: Blattunterseite des Rotklees ist behaart

Die Bestandeszusammensetzung und damit auch der Nährstoffbedarf des Dauergrünlands wird wesentlich von der Nutzung beeinflusst. So fördert eine hohe Nutzungsintensität bspw. den Weißkleeanteil im Bestand, da Weißklee ausreichend Licht benötigt, um sich flächendeckend zu etablieren. Allerdings ist auch wissenschaftlich untersucht1 und bewiesen, dass sich die Nährstoffverfügbarkeit (vgl. ökologische/ konventionelle Bewirtschaftung) auf die Pflanzenzusammensetzung auswirkt.

Ergebnisse einer Studie zum Vergleich beider Wirtschaftsformen auf die Zusammensetzung des Dauergrünlands:

Konventionelles Grünland

  • Gräseranteil überwiegt (96 % des Ertragsanteils)
  • Anteil Dt. Weidelgras dominiert (62 % Ertragsanteil)
  • höhere Futterwertzahl

Ökologisch

  • wesentlich höherer Kräuteranteil, bezogen auf Ertragsanteil und Artenzahl
  • deutlich höherer Weißkleeanteil (10 %, konventionell nur 2 %)
  • geringere Anteile Dt. Weidelgras (28 %)
Rotkleenachsaat in intensivem Silogrünland
Rotkleenachsaat in intensivem Silogrünland

Das Grünland passt sich an die Bewirtschaftung an. So sind kurzfristige Änderungen von Nachteil. Dazu gehört auch, einen konventionell intensiv geführten Grünlandbestand unter Bedarf zu düngen.

Düngung zum ersten Schnitt (konventionell)

  • N-Verfügbarkeit der org. Düngung ist temperatur- und wasserabhängig
  • organisch gebundener Stickstoff benötigt Bodenwärme zur Umsetzung und in der Folge für die Pflanzenverfügbarkeit
  • der erste Aufwuchs ist gräserbetont und benötigt bereits zu Vegetationsbeginn im März entsprechend Stickstoff
  • der Rohproteingehalt im ersten Aufwuchs wird durch die Höhe des pflanzenverfügbaren Stickstoffs und Schwefels sowie den Schnittzeitpunkt beeinflusst
  • mineralischer Dünger liefert schnellverfügbaren Stickstoff und ggf. auch Schwefel
  • Klee(-Knöllchen) benötigen Wärme und liefern erst in den Folgeaufwüchsen Stickstoff
  • optimale pH-Werte sowie ausreichende Phosphor- und Kaliversorgung maximieren die Assimilationsleistung der Leguminose (3 – 5kg N/ha/Jahr je %-Anteil im Bestand)
  • für intensiv genutztes, konventionelles Grünland ist die Kombination von organischen und mineralischen (Voll-)Düngern zum ersten Schnitt am wirkungsvollsten
  • für gute Rohproteingehalte und hohe TM-Erträge zum ersten Schnitt: ca. 20 m³/ha Gülle (2 kg Ammonium-N) + 30 kg N/P/K mineralisch/ ha, dabei idealerweise noch 10 – 15 kg S/ha

Empfehlungen

  • ersten Schnitt bedarfsgerecht und rechtzeitig düngen (auch P, K, S)
  • zum optimalen (frühen) Zeitpunkt gute Qualitäten ernten
  • ein früher erster Schnitt ermöglicht einen ertragreichen, zweiten Aufwuchs –> diesen vor der Vorsommertrockenheit ernten
  • Ergebnisse der Reifeprüfungen beachten!
  • Einsparungen von (teurem) Eiweißergänzer sind in der Fütterung bei hohen Rohproteingehalten in der Silage möglich

Einsparpotentiale für Mineraldünger ergeben sich nach dem zweiten. Schnitt. Eine Möglichkeit zukünftiger Düngereinsparung bietet die Rotkleenachsaat, frühestens nach dem ersten Schnitt. Dabei ist zu beachten:

  • Bodenproben auf pH, P und K-Versorgung prüfen
  • ausreichend Bodentemperatur (Mai-August)
  • nach einer Nutzung, auf die keine Gülle folgt (Nachsaat auch nach drittem Schnitt möglich)
  • mit Striegel nachsäen und anschließend walzen
  • 10 – 15 kg/ ha ausdauernde Sorten: Milvus, Merula oder Columba

1 Artenvielfalt, Leistungsmerkmale und bodenchemische Kennwerte des Dauergrünlands im konventionellen und ökologischen Landbau in Nordwestdeutschland, 2001 Wachendorf und Taube


Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag von Frau Katharina Weihrauch, LLH, Beratungsteam Pflanzenbau.


Dieser Beitrag stammt aus der Beratungs-Info Grünland Futterbau Hessen Süd.
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