Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Düngung

Was ist bei der Stickstoff-, Kalium- und Phosphordüngung zu beachten?

N-Düngung von Kartoffeln

Stickstoff ist der Nährstoff, den die Kartoffelpflanze während der Vegetation mengenmäßig am meisten aufnimmt. Die benötigte Menge wird aber nicht gleichmäßig über die gesamte Vegetation aufgenommen, sondern wird nur in einem relativ begrenzten Zeitfenster benötigt. Von der Keimung im Damm bis Mitte der Blattentwicklung (BBCH 15-19) benötigt die Kartoffelpflanze kaum Stickstoff aus dem Boden. Erst ab dem Zeitpunkt des Knollenansatzes steigt der Stickstoffbedarf sprunghaft an. Dieser Bedarf hält bis zur Blüte an. Danach fällt der N-Bedarf wieder stark ab. Somit wird in dieser kurzen Zeitspanne von ca. 6 Wochen 80% des gesamt benötigten N aufgenommen.

Sind nach der Blüte noch große Mengen an pflanzenverfügbarem N im Boden vorhanden, haben diese negative Auswirkungen auf die Abreife, die Qualität und Lagerstabilität der Kartoffeln.

Eine Überzogene N-Düngung bzw. eine zu späte Bereitstellung des Nährstoffs (nach der Blüte) im Vegetationsverlauf hat somit direkt negative Auswirkungen auf viele Qualitätsmerkmale und physiologische Vorgänge der Kartoffel. Dazu gehört zum Beispiel:

  • Eine reduzierte Knollenanlage
  • Eine verzögerte Abreife (Probleme bei krautreichen Sorten und kein Reglone mehr)
  • Ein reduzierter Stärkegehalt in der Knolle
  • Ein erhöhter Übergrößenanteil (Hohlherzigkeit)
  • Eine erhöhte Anfälligkeit für Zwiewuchs, Puppigkeit und Auswuchs
  • Ein erhöhter Nitratgehalt in der Knolle und dadurch mehr Erwinia-Anfälligkeit im Lager
  • Eine höhere Beschädigungsempfindlichkeit

Neben diesen negativen Auswirkungen auf den Ertrag und die Qualität, wird durch eine überzogene N-Dünung auch die N-Restmenge im Boden erhöht. Daher ist es sehr wichtig, den Bedarf an Stickstoff für jede einzelne Sorte, für jeden Standort und für jede Verwertungsrichtung zu bestimmen.

Nach zahlreichen Versuchen hat sich ein N-Optimum für die Kartoffel von ca. 160 kg N/ha (inkl. Nmin) ergeben. Zwar konnte der Ertrag mit höheren N-Gaben noch geringfügig gesteigert werden, die Knollenqualität hat sich dadurch jedoch überproportional verschlechtert. Höhere N-Mengen bringen somit die zuvor genannten negativen Auswirkungen mit sich.

Diese Basisempfehlung von 160 kg N/ha sollte jedoch auf die individuellen Standortbedingungen, Vorfrüchte und Sorteneigenschaften angepasst werden, denn einige Speisesorten reagieren sehr empfindlich auf eine hohe N-Düngung und verlieren sehr schnell an Qualität.

Düngerform

Lediglich zur Frühkartoffelerzeugung sollten schnell umsetzbare Dünger eingesetzt werden, denn eine verzögerte Freisetzung des Nährstoffs verursacht eine Wuchsverzögerung und eine dadurch bedingte spätere Ernte.

Grundsätzlich benötigt die Kartoffelpflanze den Stickstoff zum Aufbau des Blattapparats (80% des benötigten N). Danach werden die zur Verfügung stehenden Mengen nicht mehr in Ertrag umgesetzt, sondern führen zu den schon genannten Nachteilen.

Der Feinwurzelanteil der Pflanze erhöht sich bei einer Ammoniumernährung, wodurch eine bessere Nährstoffaneignung der Pflanze für alle weiteren Nährstoffe möglich ist. Somit sollte auf eine ammoniumlastige N-Ernährung der Kartoffel geachtet werden.

Zur Verringerung des Schorfbefalls kann es in manchen Fällen (Böden mit hohen pH-Werten) sinnvoll sein, SSA als N-Dünger einzusetzen. Denn durch seine versauernde Wirkung im Boden kann dieser Dünger den Befallsdruck reduzieren. Andere schwefelhaltige Dünger können für diesen Zweck durchaus auch geeignet sein.

Auch Kalkstickstoff kann durch seine basische Wirkung auf Böden mit eher niedrigen pH-Werten vorzüglicher sein. Seine positiven Nebenwirkungen auf Krankheiten, Unkräuter und Schädlinge können weitere Gründe für den Einsatz dieses Düngers sein.

Da die Kartoffel nicht gleich zu Beginn des Wachstums einen hohen N-Bedarf aufweist, haben Versuche gezeigt, dass stabilisierte N-Dünger zum Legen positive Effekte auf den Ertrag und die Knollenqualität haben, da der Stickstoff den Pflanzen dann zum richtigen Zeitpunkt für den Aufbau des Blattapparats zur Verfügung steht.

Die empfohlene/berechnete N-Menge sollte in einer einmaligen Gabe vor der Pflanzung/dem Dammaufbau ausgebracht werden. Eine Gabenteilung empfiehlt sich nur auf sehr leichten, durchlässigen Böden, in welchen die Nährstoffe Gefahr laufen, ausgewaschen zu werden. Die erste Gabe (2/3 des Gesamt-N) sollte dann vor dem Pflanzen gegeben werden und die zweite (1/3 des Gesamt-N) nach dem Auflaufen der Kartoffelpflanzen. Bei der Ausbringung in den Bestand ist dann darauf zu achten, dass die Blätter der Kartoffelpflanze trocken sind und der Dünger möglichst staubfrei ausgebracht wird, da es sonst zu Verätzungen auf dem Blatt kommen kann.

Tabelle 1: N-Düngebedarfsermittlung für Speisekartoffeln-Kartoffeln

Sehr guter Boden Guter Boden Mittlere Böden Sehr frühe Ware
mit sehr hoher Nachlieferung mit hoher Nachlieferung mit mittlerer bis schlechter Nachlieferung (Folienkartoffel)
Sollwert 160 160 160 160 200
Sollwertkorrekturen: Abzug vom Sollwert
Langjährige organ. Düngung –       20
Nachlieferung aus Zwischenfrucht schwach 5 -5 -5 -5
mittel 10 -10
kräftig 20
Sortenbedingt niedriges UWG -10
Nachlieferungspotential des Standortes Sehr schlecht +20
Schlecht 0
Mittel -10 -10 -10
Gut -20 -20
Sehr gut -40 -40
 Nmin-Wert 2020 Sommerung Hackfrucht allg. -44 -44 -44 -44
N-Düngebedarf:   66 kg N/ha 91 kg N/ha 101 kg N/ha 141 kg N/ha

Die gegebene N-Menge darf den nach der Düngeverordnung ermittelten Düngebedarf (welche auf die eigenen, standortbezogenen Bedingungen angepasst ist) nicht überschreiten!!!

Düngebedarfsermittlung nach DüV

Tabelle 2: Beispiel einer Düngebedarfsermittlung nach neuer DüV für Kartoffeln

Kartoffel OHNE organische Düngung MIT organischer Düngung
Stickstoffbedarfswert
(450 dt/ha)
180 180
Ertragsdifferenz je 50 dt/ha
> Bedarfswert = plus 10 kgN/ha
< Bedarfswert = minus 15 kgN/ha
500 dt/ha 500 dt/ha
+ 10 + 10
Nmin Gehalt 2020 – 44 – 44
Humusgehalt  < 4,0 % = 0 0 0
Organische Düngung Vorjahr
(z.B. 20 m³ = 60 kg N/ha > 10 %)
0 – 6
Nachlieferung Zwischenfrucht 0 0
Maximaler Düngebedarf: 146 140

Tabelle 3: Beispiel einer Düngebedarfsermittlung für Frühkartoffeln unter Vlies

Frühkartoffel OHNE organische Düngung MIT organischer Düngung
Stickstoffbedarfswert
(400 dt/ha)
220 220
Ertragsdifferenz je 50 dt/ha
> Bedarfswert = plus 10 kgN/ha
< Bedarfswert = minus 15 kgN/ha
500 dt/ha 500 dt/ha
+ 20 + 20
Nmin Gehalt -44 -44
Humusgehalt  < 4,0 % = 0 0 0
Organische Düngung Vorjahr
(z.B. 20 m³ = 60 kg N/ha > 10 %)
0 – 6
Nachlieferung Zwischenfrucht 0 0
Ernteverfrühung mit Vlies/Folie + 20 + 20
Maximaler Düngebedarf: 216 210

 

K-Düngung von Kartoffeln

Es ist bekannt, dass der Stärkegehalt in den Knollen direkt von einer Kaliumdüngung beeinflusst wird. Dabei kann sich eine Düngung sowohl erhöhend, als auch absenkend auf den Stärkegehalt auswirken. Neben der Nährstoffmenge spielt auch die Düngerform eine wichtige Rolle. Die Kartoffel zählt zu den chloridempfindlichen Pflanzen, d.h. Chlorid vermindert die Stärkeverlagerung von den Blättern in die Knollen. Wird chloridhaltiger Dünger im Herbst ausgebracht, wird das Chlor über Winter ausgewaschen und verliert somit diese Wirkung. Wurde im Herbst chloridhaltiger Dünger gestreut, dürfe das Chlor, aus dem Wurzelraum der Kartoffeln ausgewaschen worden sein, wenn ausreichend Niederschläge fallen.

100 – 150 kg/ha Kali in Form von chloridhaltigem Kalidünger (40er und 60er Kali) im Frühjahr ausgebracht, kann den Stärkegehalt um über 1 % absenken. Bei solchen Maßnahmen muss aber bedacht werden, dass es in niederschlagsreichen Jahren zur Verdünnung der Stärke innerhalb der Knollen kommen kann und die Kartoffel durch die Wirkung des Chlorids zusätzlich Stärke verliert. Dies kann zu einem wässrigen Geschmack führen.

Aus den genannten Gründen, und der Möglichkeit, dass die Abreife verzögert werden kann, sollte ab jetzt in Folien und Frühkartoffeln auf chloridhaltige Kalidünger verzichtet werden.

Liegen noch ca. 8 Wochen zwischen der Kalidüngung und der geplanten Pflanzung, kann noch Kalidünger mit Chlorid bis in eine Höhe von ca. 240 kg/ha gestreut werden. Rückt der Pflanztermin näher, sollte auch auf solchen Flächen auf chloridfreien Kalidünger zurückgegriffen werden.

Aber auch die Düngung von Kaliumsulfat kann zu einer Verringerung der Stärkegehalte in den Knollen führen. Dies ist häufig bei sehr hohen Düngergaben zu beobachten.

Des Weiteren hat eine gute Kaliversorgung einen leichten Einfluss auf die Anfälligkeit der Knollen gegenüber Schlagverletzungen und Schwarzfleckigkeit.

Allerdings ist die Kaliversorgung nur eine Stellschraube, die dieses Problemfeld beeinflusst. Weitere Faktoren sind Sorteneigenschaften, Dammtemperatur, Rodereinstellung, Fallstufen und Bodenbeschaffenheit. Besonderen Einfluss auf die Schwarzfleckigkeit hat der Trockensubstanzgehalt der Knollen. Je höher der TS-Gehalt ist, desto höher die Anfälligkeit für Schwarzfleckigkeit.

Tabelle 4: Auswahl an Kali-Dünger mit Inhaltsstoffen, Zusammensetzung wichtiger Kalidünger

Produkt K2O % MgO % Na % S % weitere Nährstoffe
Korn Kali mit 6% MgO 40 6 3 4 K-Chlorid, Mg-Sulfat
60er Kali „gran“ 60 K-Chlorid
Magnesia – Kainit 11 5 20 4 K-Chlorid,Na-Chlorid, Mg-Sulfat
Kaliumsulfat „gran“ 50 18 K-Sulfat
Patentkali 30 10 17 K-Sulfat, Mg-Sulfat

Kalidüngung nach Verwendungszweck und Bewirtschaftungsform

Für die Ermittlung des Kaliumdüngebedarfs sollte auf jeden Fall das Bodenuntersuchungsergebnis mit der entsprechenden Düngeempfehlung als Bemessungsgrundlage herangezogen werden. Die Kartoffel entzieht dem Boden ca. 0,6 kg K2O/dt Ertrag. Der Sollwert liegt somit bei einem Boden der Versorgungsstufe C und einem Ertrag von 500 dt/ha bei 300 kg K2O/ha. Hiervon sind noch Kaliumgehalte aus Ernterückständen und Wirtschaftsdüngern abzuziehen. Die Verwertungsrichtung bzw. Sortenwahl kann dann nochmals zu Ab- oder Zuschlägen in einer Größenordnung von ca. 50 – 80 kg K2O/ha führen.

Je nach Verwertungsrichtung der Kartoffeln sollten somit die Kalimengen angepasst werden. Speisekartoffeln, die früh hohe Stärkegehalte erreichen sollen, sollten nur mäßig mit Kali versorgt werden und erhalten somit einen Abschlag. Sorten die eher dazu neigen mehligkochend zu werden (Belana, Cilena) sollten etwas besser mit Kali versorgt werden. Ebenso wie Verarbeitungskartoffeln mit sicherem UWG die lange gelagert werden sollen.

Falls die Zwischenfrucht zur Kartoffel im Herbst schon mit Gülle versorgt wurde, muss der Kaligehalt mit angerechnet werden. Hier sollte die Aufdüngung auf den Kalibedarf mit chloridfreiem Kali (Patentkali) erfolgen.

Tabelle 5: Kalibedarf nach Verwertungsrichtung der Kartoffel

Verwertungsrichtung Kalidüngung in Versorgungsstufe C Düngerform und Bemerkungen
Speisefrühkartoffeln 160 – 200 kg/ha Sulfathaltige Dünger im Frühjahr
Speisekartoffeln

(Neigung zum Mehligkochen, Blau-/Schwarzfleckigkeit)

250 – 300 kg/ha KCL bis Mitte Februar; oder 2/3 im Herbst und 1/3 vor oder nach dem Pflanzen mit bis zu 150 kg/ha
Speisekartoffeln

(schwaches UWG)

180 -220 kg/ha KCL im Herbst, ab Winter/Frühjahr Kaliumsulfat
Frühe Verarbeitungssorten 160 – 240 kg/ha KCL im Herbst, ab Winter/Frühjahr Kaliumsulfat
Späte Verarbeitungssorten (hohes UWG, Neigung zu Blau-/Schwarzfleckigkeit) 280 – 350 kg/ha Kaligabe Splitten, 2/3 KCL im Herbst/Winter und 1/3 vor dem Pflanzen (Kaligaben von mehr als 300 kg/ha in einer Einmalgabe nicht sinnvoll)

 

P-Düngung von Kartoffeln

Ausgehend von den Grundnährstoffen Phosphor und Kalium, ist Phosphor der Nährstoff, der die geringsten direkten Einflüsse auf die Ertrags- und Qualitätsmerkmale der Kartoffel hat. Besonders wenn der Boden in der Versorgungsstufe C oder höher versorgt ist, arbeitet die Wurzel der Kartoffel so effektiv, dass mit einer Phosphordüngung nur geringe Ertragssteigerungen zu erzielen sind.

Im Kartoffelbau wirkt Phosphor trotz der geringen Ertragswirksamkeit positiv auf den Knollenansatz, die Wurzelmasse und die Stolonenstabilität. Zusätzlich verbessert eine gute P-Versorgung die Widerstandskraft gegen Krankheiten und den Stärkegehalt, sowie die Stärkequalität.  

Die Wurzeln der Kartoffeln arbeiten zwar sehr effektiv, durchwurzeln aber nur ein rel. geringes Bodenvolumen, zusätzlich ist Phosphat nur sehr schlecht beweglich im Boden (Aufnahme nur wenige Millimeter um die Wurzel), wodurch es sinnvoll ist, die benötigten Phosphatmengen zum Legen zu applizieren. In diesem Fall sollte auf leicht lösliche Phosphatdünger zurückgegriffen werden, wie z.B. DAP oder Superphosphat. Bei DAP sollte zusätzlich darauf geachtet werden, dass der enthaltene N-Gehalt bei der N-Düngung mitberücksichtigt wird. Der Dünger sollte dann möglichst zeitnah zum Knollenansatz ausgebracht werden. Das heißt, die Ausbringung sollte möglichst zum Legen, aber spätestens zum Dammaufbau auf der Fläche sein, damit er in den Damm mit eingearbeitet werden kann. Neben der räumlichen Nähe der Wurzeln zum Nährstoff sollte auch auf eine gute Bodenstruktur und einen passenden pH-Wert (um pH 6) geachtet werden, um die Verfügbarkeit von P hoch zu halten.

Die Kartoffel entzieht dem Boden ca. 14 – 16 kg P2O5/100 dt Ertrag. Auf gut versorgten Böden hat eine P-Düngung, wie zuvor schon erwähnt, wenige direkt messbare Effekte. Es sollte aber darauf Wert gelegt werden, über eine ausreichende P-Düngung die Versorgungsstufe des Bodens aufrechtzuerhalten, um so die Ertrags- und Qualitätsleistung der Böden zu erhalten. Somit sollte bei einem Ertrag von 400 dt/ha eine Phosphordüngung von 60 kg P2O5/ha im Frühjahr zum Legen als leicht lösliches Phosphat ausgebacht werden.


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