Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Rinder

Futterkosten im Verhältnis zum Milchpreis

In den meisten Milchviehbetrieben wird aktuell eine Ration mit festen Anteilen an Maissilage und erstem Schnitt des vergangenen Jahres gefüttert. Was die Analyseergebnisse bereits angedeutet haben, zeigt sich nun auch im Trog. Die Silagen „melken schlecht“.

Rapsextraktionsschrot hat die 40 € Marke überschritten
Rapsextraktionsschrot hat die 40 € Marke überschritten

Positiv zu sehen ist der aufgefüllte Vorrat an Mais- und Grassilagen in den Betrieben. Ohne den steigenden Milchpreis könnten aber die stark gestiegenen Futterkosten nicht aufgefangen werden. Doch wo liegen die Futterkosten, was bewirkt die Verdopplung des Kraftfutterpreises und ist es sinnvoll Kraftfutter einzusparen?

Zusammenhang zwischen Kraftfuttereinsatz und -kosten

Die Betriebszweigauswertung ‚Milch‘ der konventionellen Betriebe zeigt jährlich, dass die Futterkosten ca. 50 Prozent der Vollkosten betragen. Die Kraftfutterkosten betrugen im Wirtschaftsjahr 2019/20 rund 40 Prozent der Futterkosten, auch wenn teilweise selbsterzeugtes Kraftfutter, wie Getreide oder Ackerbohnen eingesetzt wurden. Die Auswirkungen einer Steigerung des Einkaufspreises und der Einsatzmenge wird in Tabelle 1 ersichtlich.

Tabelle 1: Auswirkungen einer Steigerung des Kraftfutterpreises und –aufwandes auf die Kosten

Niedriger KF-Einsatz
Einkaufspreis in Cent/ kg MLF 20 ergibt 4  ct/ kg Milch
KF-Aufwand in g/ kg Milch 200
Einkaufspreis in Cent/ kg MLF 30 ergibt 6  ct/ kg Milch  2 ct Unterschied
KF-Aufwand in g/ kg Milch 200
Hoher KF-Einsatz
Einkaufspreis in Cent/ kg MLF 20 ergibt 6  ct/ kg Milch
KF-Aufwand in g/ kg Milch 300
Einkaufspreis in Cent/ kg MLF 30 ergibt 9  ct/ kg Milch  3 ct Unterschied
KF-Aufwand in g/ kg Milch 300

Erhöht sich der Einkaufspreis um 10 € pro dt Milchleistungsfutter, steigen die Produktionskosten um 2 ct pro kg Milch. Je höher der Kraftfuttereinsatz, desto stärker fällt die Kostensteigerung aus. Das für den Betrieb teuerste Szenario ist die Erhöhung des Kraftfutteraufwandes um 100 g pro kg Milch und Steigerung der Kosten von hier im Beispiel gezeigten 10 € pro dt MLF. Damit erhöhen sich die Kraftfutterkosten um 5 ct/ kg Milch.

Auswirkungen des gestiegenen Milchpreises und Kraftfutterkosten am Beispiel

Anhand einer grasbetonten Beispielration wird die Auswirkung der Steigerung der Kraftfutterkosten und des Milchpreises verdeutlicht. Die Silagen haben folgende Inhaltsstoffe:

Grassilage 1. Schnitt:

  • 38 % TS;
  • 12 % Rohprotein; 27,5 % Rohfaser
  • je kg TS: 5,8 MJ NEL; 123 g nXP; + 0,5 g RNB

Maissilage:

  • 32 %
  • 28 % Stärke
  • je kg TS: 6,5 MJ NEL; 132 g nXP; – 8 g RNB

Zur aufgewerteten Grundration erfolgt einer Ergänzung mit 3,2 kg Milchleistungsfutter pro Kuh und Tag an der Kraftfutterstation (Tabelle 2).

Tabelle 2: Beispielration mit Rapsschrot zur Eiweißergänzung
Bsp. Ration 2022 Grasbetont_Rapsextr.schrot

Futterart Frischmasse Trockenmasse
Bezeichnung
kg kg
Grassilage 1 – Ende Mai 2021 Grob. 21,0 8,0
Maissilage 28% Stärke 6,5 MJ NEL Grob. 14,0 4,5
Rapsextraktionsschrot Kraft. 3,3 2,9
Wintergerste Kraft. 1,5 1,3
Körnermais Kraft. 1,5 1,3
MinFu 21 % Ca 0 % P Mineral. 0,1 0,1
Viehsalz Mineral. 0,02 0,00
MLF 20-4 Kraft. 3,20 2,8
Summe der Teil-TMR + KF-Station 44,6 20,9
TM-Aufnahme 20,7 kg
Grobfutter-TS- Aufnahme 12,7 kg
Kraftfutter -TS-Aufnahme 7,9 kg
Energiegehalt der Ration 6,76 MJ NEL/kg TS
nXP-Gehalt der Ration 159 g/kgTS
RNB der Ration  -2,1 g/kg TS
Milchzeugungswert aus Energie 30,2 kg
Milchzeugungswert aus nXP 33,2 kg

Aufgrund der geringen Energie- und Eiweißgehalte in den Silagen liegt der Kraftfutteraufwand im Durchschnitt der Herde bei 323 g/ kg ECM. Im Szenario wird der März 2021 mit Januar 2022 verglichen. Geändert haben sich im Beispiel der Milchpreis und die Kraftfutterkosten (Tab.3).

 

Tabelle 3: Änderung der Kosten für Zukaufsfutter im Beispiel

Mrz 21 Jan 22
Kosten der Futtremittel in Brutto
Grobfutter
Grassilage 1. Schnitt 24 24  €/dt TS
Maissilage 2021 14,4 14,4  €/dt TS
Kraftfutter
Getreide 24 31  €/dt FM
Körnermais 24 29  €/dt FM
Rapsextr.schrot 30 42  €/dt FM
Mineralfutter 75 85  €/dt FM
Viehsalz 25 35  €/dt FM
Kraftfutterstation/ AMS
MLF 20/4 26 31  €/dt FM

Für den Milchviehbetrieb würde das eine Kostensteigerung von 0,7 € pro Kuh und Tag bedeuten (Tab. 4). Die Erzeugung pro kg Milch verteuert sich in der Ration um 2,3 ct. Steigt gleichzeitig der Milchpreis um 7,6 ct verbessert sich die Situation.

 

Tabelle 4: Auswirkungen der geänderten Futterkosten und des gestiegenen Milchpreises am Beispiel eines Betriebes

 März 2021
Melkende Kühe 100
Milchmenge pro Tag: Molkerei: 2800 sonst. Milch 100 Milch ges. 2900 Milch je Kuh 29 kg
Milchpreis netto: 32 (Kälber, Sperrm.) Milchpreis brutto: 35,4 ct
Fett-%: 4,2 ECM je Kuh 29,8 kg
Eiweiß-%: 3,45
Futterkosten (ct/kg Milch): 16,8
Futterkosten €/ Kuh: 4,8
Futterkosten € für 100 Kühe: 488
 Januar 2022
Melkende Kühe 100
Milchmenge pro Tag: Molkerei: 2800 sonst. Milch 100 Milch ges. 2900 Milch je Kuh 29 kg
Milchpreis netto: 38,8 (Kälber, Sperrm.) Milchpreis brutto: 43,0 ct
Fett-%: 4,2 ECM je Kuh 29,8 kg
Eiweiß-%: 3,45
Futterkosten (ct/kg Milch): 19,1
Futterkosten €/ Kuh: 5,5
Futterkosten € für 100 Kühe: 553

Dennoch zeigt erst der Bezug der Futterkosten zum Milchpreis und der Erlös nach Futterkosten, wie die Erzeugungskosten einzuordnen sind. Die Futterkosten sollten weniger als 40 Prozent des Milchpreises betragen, um auch alle anderen Kosten decken zu können. Nimmt man 46 ct/ kg Milch Vollkosten an, muss der Erlös nach Futterkosten bei mehr als 23 ct pro kg Milch liegen. Im Beispiel (Tab. 4) überstiegen im März 2021 die Futterkosten alle Grenzwerte. Zur Deckung aller anderen variablen und festen Kosten blieb nicht mehr genügend Erlös. Im Januar 2022 änderte sich die Situation. Dennoch wurde das optimale Verhältnis der Futterkosten zum Milchpreis noch nicht erreicht. Verbessern kann sich das durch einen höheren Milchpreis oder hier im Beispiel mit einem geringeren Kraftfutteraufwand. Da der Milcherzeugungswert der Ration und die tatsächlich gemolkene Milchmenge bei 30 kg liegen, kann hier nur minimal gegengesteuert werden. Ein Ansatzpunkt zum Sparen von Kraftfutter sind die Altmelker. So kann anhand der Betrachtung der Futtereffizienz einzelner Kühe entschieden werden, ob diese eventuell etwas früher trockengestellt oder nicht tragende Kühe früher verkauft werden.

Tabelle 5: Verschiedene Kennzahlen der Rationskosten

 März 2021  Januar 2022
Kraftfuttermenge kg FM/ Kuh 9,64 9,64
Futteraufnahme in kg TS/ Kuh 20,9 20,9 Ziel:
Kraftfutterverbrauch g FM / kg ECM 323 323 250 – 280
Futtereffizienz kg Milch/ kg TS 1,42 1,42  1,4 – 1,6
IOFC (income over Feed Cost) c/kg Milch 18,6 23,9  > 23 ct
Verhältnis Futterkosten zu Milchpreis 47,5 44,4  < 40 %
IOFC €/ Kuh und Tag 5,54 7,11  > 6 €

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