Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Klimaschutz

Mit Klimabilanzen wissen, wo der eigene Betrieb steht

Die Auseinandersetzung mit der Thematik Klimawandel ist auch für die Landwirtschaft und den Gartenbau von zunehmender Bedeutung.

Zwei Personen vor Poster
Möchten die Betriebe für den Klimaschutz sensibilisieren und sie bei der Erarbeitung von Klimaschutzmaßnahmen unterstützen: Marcel Phieler & Lisa Fröhlich vom LLH; Foto: Cornelius Mohr
Die meteorologischen Veränderungen mit zunehmend heißen und trockenen Bedingungen in der Vegetationsphase verlangen einerseits nach Anpassungsstrategien, die den Ertrag und den Betriebsgewinn sichern. Andererseits ist auch die Landwirtschaft gefordert, die produktionsbedingten Treibhausgasemissionen zu reduzieren, um dadurch die gesteckten Klimaziele zu erreichen und so die klimatischen Veränderungen einzuschränken. Gleichzeitig verfügt die Landwirtschaft aber auch über großes Potential, CO2 zu speichern und damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Der Anteil der Landwirtschaft an den Gesamtemissionen in Deutschland liegt derzeit bei etwa 7,5 Prozent. Neben CO2, welches beim Kraftstoff- oder Stromverbrauch aber auch durch Umsetzungsprozesse im Boden frei wird, werden auch Methan (CH4) und Lachgas (N2O) mitberücksichtigt. Methan und Lachgas entstehen vorwiegend durch die Tierhaltung und durch den Einsatz stickstoffhaltiger Düngemittel. Zur Vergleichbarkeit der Treibhausgase und ihrer unterschiedlichen Klimawirksamkeit, werden diese in CO2-Äquivalente umgerechnet (siehe dazu Abbildung 1). So ist z.B. ein Lachgas-Äquivalent fast 300-mal klimawirksamer als ein CO2-Äquivalent (CO2eq).
Auch Ammoniak (NH3) als indirektes Treibhausgas, welches zu einem diffusen Eintrag von Stickstoff in die Ökosysteme beiträgt, wird bei der Bilanzierung mitberücksichtigt.

Abbildung 1: Lachgas ist circa 300 Mal klimawirksamer als CO2
Abbildung 1: CO2-Äquivalente der Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas

Um zu wissen, wo der eigene Betrieb steht und, welche Maßnahmen im individuellen Fall zu einer Energie- und Treibhausgaseinsparung beitragen, ist es sinnvoll, eine betriebliche Klimabilanz zu erstellen.
Hierbei werden eingesetzte Betriebsmittel (z.B. Kraftstoff, Strom, Dünger, Futtermittel, Pflanzenschutzmittel, Verpackungsmaterial), auf dem Betrieb gehaltene Tiere, erzeugte pflanzliche und tierische Produkte, erneuerbare Energien sowie Maßnahmen, die zur C-Speicherung beitragen, miteinander in Beziehung gesetzt.

Die Beratungskräfte des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) unterstützen die hessischen landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betriebe bei der Erstellung der Klimabilanz sowie bei der Erarbeitung/Ausarbeitung von entsprechenden Maßnahmen. Das Beratungsangebot wird von der Hessischen Landesregierung über den Integrierten Klimaschutzplan Hessen 2025 gefördert und steht Landwirten und Gärtnern kostenfrei zur Verfügung.

Ablauf einer Klimaberatung

Die Klimabilanzen können für den Gesamtbetrieb oder für einzelne Produktionszweige angefertigt werden. Dies erfolgt meist direkt vor Ort auf dem Betrieb und dauert in der Regel zwei bis drei Stunden. Nach Eingabe der Daten wird die Klimabilanz des Ist-Betriebes ausgewertet. Das Ergebnis der Bilanz zeigt an, wo der eigene Betrieb steht und wo Potentiale zur weiteren Optimierung der Klimabilanz liegen.

Im nächsten Schritt werden realistisch umsetzbare Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen und zur Kohlenstoffspeicherung besprochen. Der Effekt der einzelnen Maßnahmen auf die betriebliche bzw. produktbezogene Klimabilanz wird im Programm direkt ausgewiesen. Die Beratung erfolgt dabei unter gesamtbetrieblichen und ökonomischen Gesichtspunkten. Abschließend werden die besprochenen Maßnahmen von der Beratungskraft in Form eines Beratungsberichts zusammengefasst und der Betriebsleitung zugesendet. Der Bericht kann auch persönlich in einem zweiten Beratungstermin besprochen werden. Bei Bedarf kann dem Betrieb zusätzlich eine Beratungsbescheinigung ausgestellt werden.

Welche Vorteile bietet eine betriebliche Klimabilanz?

Zwischenfrüchte
Zwischenfrüchte leisten einen Beitrag zur Biodiversität und zum Gewässerschutz. Als Klimaschutzmaßnahme können sie ebenfalls gewertet werden.
Viele der Maßnahmen optimieren nicht nur die betriebliche Klimabilanz, sondern verbessern auch die Wirtschaftlichkeit. Zudem ergeben sich häufig Synergien mit weiteren Umweltzielen. So wirken sich z. B. viele Ansatzpunkte in der pflanzlichen Erzeugung auch positiv auf die Biodiversität oder auf den Gewässerschutz aus. Die Integration von Leguminosen in die Fruchtfolge, die Anlage von Untersaaten oder der Feldfutter- und Zwischenfruchtanbau können ebenfalls als Klimaschutzmaßnahmen betrachtet werden. Eine möglichst ganzjährige Begrünung, der Verbleib von Ernterückständen auf der Fläche sowie eine gute Durchwurzelungsintensität und die Durchwurzelungstiefe können zu einer zusätzlichen Kohlenstoffspeicherung im Boden beitragen. Auch die Verknüpfung zur Anpassung an den Klimawandel ist häufig gegeben.

In unserem Beitrag „Treibhausgas-Einsparung: Jeder Betrieb hat Potential“ stellen wir konkrete Maßnahmen zu CO2-Einsparungen vor.


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