Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Klimaschutz

Treibhausgas-Einsparung: Jeder Betrieb hat Potential

In unseren Beratungsgesprächen zur betrieblichen Klimabilanz zeigt sich häufig, dass viele der klimarelevanten Maßnahmen bereits im Betrieb umgesetzt werden, aber bisher unter anderen Aspekten betrachtet wurden. Das heißt, eine betriebliche Klimabilanz ermöglicht eine andere Betrachtung der Betriebsabläufe und der eingesetzten Ressourcen. Die Ergebnisse und neuen Erkenntnisse, aber vor allem auch die umgesetzten Maßnahmen, können ebenfalls in der Bewerbung der eigenen Produkte oder in der öffentlichen Diskussion hilfreich sein.

Die bisherigen Erfahrungen mit betrieblichen Klimabilanzierungen zeigen, dass es eine ganze Reihe an Ansatzpunkten gibt, die zu einer Optimierung der eigenen Bilanz beitragen können. Meist ist es eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen.

Mögliche Treibhausgas (THG)-Einsparungsmöglichkeiten in der Tierhaltung

Biogasanlage aus der Vogelperspektive
Die Vergärung von Gülle in einer Biogasanlage senkt den Ausstoß klimaschädlicher Gase
Rinder bei der Fütterung
Mit verändertem Fütterungsmanagement lassen sich Emissionen einsparen

Für Betriebe mit Rinderhaltung haben die Methanemissionen aus der Verdauung einen großen Anteil an den betrieblichen Treibhausgasquellen. Die Verdauungsgase der Wiederkäuer sind biologisch bedingt und lassen sich nur im geringen Umfang reduzieren. Gleichwohl führen eine bessere Tiergesundheit bzw. längere Nutzungsdauer zu einer Verbesserung der Bilanz. Auch über ein optimiertes Fütterungsmanagement lassen sich Emissionen einsparen. So kann der Einsatz heimischer Eiweißfuttermittel oder eine gute Grundfutterverwertung in der Rinderhaltung, die Klimabilanz weiter verbessern. Der Einsatz von Grobfutter ist eine hochwertige Möglichkeit zur Nutzung von Grünland, welches zum Humuserhalt und somit zur CO2 Speicherung beiträgt. Weiterhin hat vor Ort erzeugtes Grundfutter in der Regel einen geringeren CO2-Fussabdruck als zugekaufte Kraftfuttermittel. Insbesondere in der Geflügelhaltung und Schweinemast entfallen etwa 20 bis 60 Prozent der Emissionen auf die Futterbereitstellung (Abbildung 1).  Eine bedarfsgerechte Rationsgestaltung kann zu einer reduzierten Stickstoffausscheidung und somit zu geringeren Lachgas-Emissionen beitragen. Denn zwischen der N- bzw. der Harnstoffausscheidung der Tiere und der potenziellen N2O-Bildung besteht eine enge Beziehung.

Produktbezogene Treibhausgasemissionen
Abbildung 1: Produktbezogene Treibhausgasemissionen in verschiedenen Betriebszweigen. Die prozentualen Anteile beziehen sich jeweils auf kg Milch, kg Schlachtgewicht und kg Ei (verändert nach Hülsbergen und Rahman 2013, LWK Niedersachsen 2014)

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist die Wirtschaftsdüngerlagerung, da es sich bei den Lagerstätten um nicht unerhebliche Emissionsquellen handelt. Bereits in der Planungsphase kann darauf geachtet werden, dass die Behälteroberfläche möglichst klein gehalten wird, um Ammoniak-, Methan- und Geruchsemissionen zu reduzieren. Vor allem die Ammoniakemissionen aus dem Güllelager lassen sich durch eine Zeltdachabdeckung deutlich reduzieren.

Durch die gezielte Vergärung der Wirtschaftsdünger in einer Biogasanlage kann das entstehende Methan energetisch sinnvoll genutzt werden. Hieraus werden nach dem Prinzip der Kraft-Wärm-Kopplung Strom und Wärme bereitgestellt. In einem Milchviehbetrieb können so mehrere Tonnen CO2eq pro Jahr vermieden werden.

Derzeit wird nach Erhebungen des Umweltbundesamtes nur etwa ein Drittel der Wirtschaftsdüngermengen in Biogasanlagen vergoren. Dabei wurde mit dem Erneuerbaren Energien Gesetz 2012 eine spezielle Anlagenklasse (Gülle-Kleinanlagen) geschaffen, die eine im Vergleich zu anderen Biogasneuanlagen höhere Vergütung für eingespeisten Strom gewährt. Vor dem Hintergrund des Umwelt- und Klimaschutzes stellt eine Biogasanlage also  eine sinnvolle Investition dar. Ob die Anlage auch zum individuellen Betriebskonzept passt, muss im Rahmen eines Beratungsgesprächs geprüft werden. Nutzen Sie unser Website- und Beratungsangebot.

Mögliche THG-Einsparungsmöglichkeiten auf dem Acker

Im Pflanzenbau fallen vor allem die Emissionen aus der Stickstoff-Düngung und die CO2-Freisetzung aus den Böden, in Folge von Umsetzungsprozessen und Humusabbau, am stärksten ins Gewicht (Abbildung 2). Lachgas-Emissionen aus den Böden entstehen zum einen durch direkte Emissionen in Folge von mineralischer oder organischer Düngung sowie der Mineralisierung von Ernterückständen und zum anderen durch indirekte Emissionen in Folge von NH3-Verlusten sowie der Auswaschung von Nitrat. Es wird davon ausgegangen, dass etwa ein Prozent des auf die Produktionsfläche ausgebrachten Stickstoffs als Lachgas (N2O) in die Luft entweicht. Das Treibhausgas N2O ist fast 300-mal klimaschädlicher als CO2.

Treibhausgasemissionen in der pflanzlichen Erzeugung
Abbildung 2: Produktionsbedingte Treibhausgasemissionen in der pflanzlichen Erzeugung (verändert nach Hülsbergen und Rahmann, 2013)

Die Verbesserung der Stickstoffeffizienz als auch die Reduzierung des N-Überhanges sind daher sehr wirksame Maßnahmen, um die produktionsbedingten Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Die sofortige Gülleeinarbeitung vermindert zudem etwa 60 bis 80 Prozent der NH3-Emissionen und erhöht somit die potenziell pflanzenverfügbare N-Menge im Boden.

Tabelle 1: Emissionsarme Wirtschaftsdüngerausbringung

Technik Emissionsminderung [%]
  Rind Schwein
Einarbeitung innerhalb 1 Stunde 60 55
Güllegrubber 80 70
Schleppschlauch 10 bis 30 30 bis 50
Schleppschuh 40 60
Scheibenschlitz 60 80

Der regelmäßige Anbau von Zwischenfrüchten und / oder Untersaaten verringert nicht nur die Gefahr der Nitratauswaschung und daraus resultierend erhöhter Lachgasemissionen über den Winter, sondern kann aufgrund der Humusbildung auch zur CO2-Bindung im Boden beitragen. Durch den regelmäßigen Anbau von Zwischenfrüchten über den Winter können im Boden, pro Hektar und Jahr, bis zu 320 kg Kohlenstoff gespeichert werden. Dies entspricht mehr als einer halben Tonne CO2.

Mögliche THG-Einsparungsmöglichkeiten im Bereich Energie

Auch die Energieeffizienz spielt in der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Produktion eine Rolle. Zudem bieten sich auf landwirtschaftlichen Betrieben oft umfangreiche Möglichkeiten einerseits Energie effizienter einzusetzen (z.B. Wärmerückgewinnung, LED-Beleuchtung, frequenzgesteuerte Pumpen) und andererseits fossile Energieträger durch Erneuerbare Energien (z.B. Solarthermie, Photovoltaik) zu ersetzen. Ebenfalls trägt eine ganze Reihe verfahrenstechnischer Maßnahmen zur Kraftstoffeinsparung und somit zu einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen bei. Durch die Einsparung von einem Liter Diesel lassen sich rund 3 kg CO2eq vermeiden.

Fazit: Jeder Betrieb hat Potential

Fasst man die einzelnen Maßnahmen zusammen, so können rechnerisch und je nach betrieblichen Gegebenheiten, zwischen 10 und 200 t CO2eq/Jahr und Betrieb eingespart werden. Zur besseren Einordnung, was die Einsparungen bedeuten: 50 t CO2eq/Jahr entsprechen den jährlichen Emissionen von fünf Bundesbürgern bzw. für die gleiche Einsparung müssten rund 100 durchschnittliche vier Personen-Haushalte ihren jährlichen Stromverbrauch um ein Viertel reduzieren.


Unser Ziel ist es, die Betriebe für das Thema Klimaschutz zu sensibilisieren, sie bei der Erarbeitung von Klimaschutzmaßnahmen zu unterstützen und so gemeinsam aktiven Klimaschutz zu betreiben.
Abschließend soll noch erwähnt werden, dass Klimaschutz und die Klimaanpassung dabei nicht als gesonderte Themen betrachtet werden können. Vielmehr sollte eine stärkere Berücksichtigung und Einbindung in alle geeigneten landwirtschaftlichen Themenbereiche stattfinden.

Haben Sie Interesse daran zu erfahren, wie die Klimabilanz ihres Betriebes aussieht und welche weiteren Klimaschutzmaßnahmen eventuell in Ihren Betrieb integriert werden können? So fragen Sie gerne nach einem individuellen Beratungstermin!

Oder lesen Sie unseren Beitrag  „Mit Klimabilanzen wissen, wo der eigene Betrieb steht“!


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