Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Landwirtschaftliche Fachschulen

Neue Agrarbetriebswirte in Fritzlar

Liebgewonnene Traditionen haben einen festen Platz im Schulkalender. Einmal im Jahr darf die Fachschule für Agrarwirtschaft ihre Absolventen feiern und die besten unter ihnen noch einmal gesondert auszeichnen. Aktuell gab es eine Absolventin und 14 Absolventen, die ihren frisch errungenen Titel dem Publikum präsentieren konnten.

Die Absolventen des Jahrganges 2015/2017 der LLH-Fachschule Fritzlar mit Lehrkräften und EhrengästenDas Haus an der Eder in Fritzlar bot einen würdigen Rahmen für die Abschlussfeier des Jahrgangs 2015/17. Schulleiter Dr. Lothar Koch begrüßte die Studierenden und deren Freunde und Verwandte und das Lehrer-Kollegium. Zahlreiche Ehrengäste waren der Einladung in das Soldatenheim in der Kaiser- und Domstadt gefolgt. Angefangen beim Fritzlarer Bürgermeister Hartmut Spogat, über Michael Stein, als Vertreter des LLH, Michael Kraft vom Agrartechnikerverband Fritzlar, bis hin zum Vertreter der Kreislandwirte Erich Schaumburg, waren das diejenigen, die sich mit einem Grußwort an die Anwesenden richteten.

Schulleiter Dr. Lothar Koch war die Eröffnung der Veranstaltung vorbehalten. Neben den zahlreichen Ehrengästen, stellte Dr. Koch vor allem die Eltern in den Mittelpunkt, weil sie in den zwei Jahren, in denen ihre Kinder in Fritzlar waren, dies arbeitsmäßig auffangen mussten. Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat betonte in seinem Grußwort die Verbundenheit der Stadt mit der Landwirtschaft. Die Absolventen sind für ihn jetzt kleine Experten, die in ihren Betrieben nachhaltig für Wertschöpfung sorgen.

Landwirte haben Spaß an der Arbeit

Michael Stein, Abteilungsleiter Bildung beim LLH, würdigte was alle in der Fachschule in den zwei Jahren geleistet haben. Gerade europaweit ist die Ausbildung im Landwirtschaftsbereich nicht immer so gut organisiert wie bei uns. In einigen EU-Mitgliedsstaaten gibt es überhaupt keine landwirtschaftliche Ausbildung, gab er aktuelle Erkenntnisse von LLH-Direktor Andreas Sandhäger weiter. Dabei ist es Steins Ansicht nach in Zeiten der Milchpreiskrise und unter dem Eindruck der Diskussionen um Düngeverordnung, Tierwohl und Kastenstandsurteil umso wichtiger, dass die Schüler auf zukünftige Entwicklungen gut vorbereitet sind. Viele Fragen zur Zukunft des Agrarsektors sind die Herausforderungen, denen sich die Absolventen in den nächsten 15 bis 20 Jahren stellen müssen.

Dabei geht es nicht zuletzt um die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung, aber auch um die Zufriedenheit der Landwirte mit ihrem Beruf selbst. Stein zitierte eine top agrar-Umfrage, in der drei Viertel der befragten Landwirte angaben, dass sie glücklich mit ihrem Beruf sind. Nur die Einkommensentwicklung macht dem stellvertretenen Direktor des LLH Sorge: Die Betriebe müssen seit Jahrzehnten wachsen, nur um das Einkommen zu halten. Michael Stein ermutigte die Absolventen, individuelle und differenzierte Weg zu gehen. Wichtig ist, dass der Spaß an der Arbeit in der Natur oder auch mit den Tieren erhalten bleibt. Immerhin, das gab Stein den Absolventen noch mit auf den Weg, liegen Landwirte auf Platz 2 im Ranking der Berufe. Dabei müssen alle Beteiligten darauf achten, dass Landwirtschaft und Gesellschaft besser zusammen finden.

Rein in Verbände und Parlamente

Für die Kreislandwirte hatte Erich Schamburg, Kassel, das Grußwort übernommen. Er betonte, wie wichtig es ist, eine breite Ausbildung in der Landwirtschaft zu garantieren und lobte zugleich wie vielfältig und facettenreich der Beruf des Landwirtes letztens in einer HNA-Broschüre dargestellt wurde. Schaumburg betonte, dass der Berufsstand, trotz der wirtschaftlichen Zwänge, keine so eingleisige Strategie mehr fährt wie vor zehn oder fünfzehn Jahren. Das zeigt sich gerade in Nischen und in der Regionalität. In den Gunststandorten, und die heimische Landwirtschaft hat solche, besteht für ihn die Verantwortung so viel zu produzieren, dass der Hunger in der Welt beherrscht werden kann. Er gab noch zu Bedenken, dass die Industrie ihre Produktionsstandorte verlagert, wenn die politischen oder wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht entsprechend sind. Die Landwirtschaft kann das nicht, sie hängt am Boden. Schaumburg appellierte an die Absolventen, dass sie einen Teil ihrer Freizeit im Sinne der Landwirtschaft in Vereinen, Verbänden und erst recht in den Parlamenten einzusetzen.

Balance aus Konzentration und Entspannung

Vom Agrartechniker-Verband Fritzlar kam Michael Kraft zu Wort, der vor sieben Jahren noch in den Reihen der Absolventen zu finden war. Er ist heute noch begeistert von der vielseitigen und gut anzuwendenden Ausbildung. Mit vollem Elan gehen die Absolventen auf die Betriebe. Kraft rät ihnen, die Balance aus Konzentration und Entspannung nicht aus dem Auge zu verlieren. Das ist wichtig für die Entwicklung des Betriebs, aber auch für die soziale Eingliederung in die Gesellschaft. Sich im „normalen“ Leben einen freien Kopf zu verschaffen und Kraft zu sammeln und das dann für die Weiterentwicklung des Betriebes zu nutzen, ist für den Techniker eine essentielle Maxime. Dabei sollten sich die Absolventen nicht von dem Motto „Wachsen oder Weichen“ leiten lassen. Wichtig ist für die jungen Betriebswirte sich am öffentlichen Leben, gerade in Vereinen und Verbänden, zu beteiligen, um als persönliche Multiplikatoren das Verständnis für die Landwirtschaft wieder zu steigern.

Für neue Herausforderungen geschult

Schulleiter Dr. Lothar Koch brachte seine Freude zum Ausdruck, dass es im Schuljahrgang 2015-2017 15 Absolventen gelungen ist, den Abschluss zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt zu erlangen. Acht Schüler haben zusätzlich noch die Fachhochschulreife erworben. Diese Tatsache löst sowohl bei den Absolventen und erst recht bei den Eltern und bei den Fachlehrer Erleichterung und Freude aus. Aus der zweijährigen Ausbildung hob Koch besonders die betriebswirtschaftliche Hausarbeit mit ihrer intensiven Betriebsanalyse wie auch die produktionstechnischen Übungen auf den Betrieben der Absolventen heraus. Jetzt haben die Absolventen die Freiheit, so zitierte der Schulleiter einen spanischen Philosophen, sich entscheiden zu müssen. In Zukunft werden sich die neuen Agrarbetriebswirte auf ihren Betrieben der Realität in der Landwirtschaft zu stellen haben. Der Spagat zwischen den politischen und den ökonomischen Zwängen wird immer größer. Viele Dinge kann die Landwirtschaft nicht beeinflussen und doch müssen die Absolventen Projekte von erheblicher Tragweite mit Mut und Risikobereitschaft in die Tat umsetzen. Dafür müssen sie ihr Wissen auf dem aktuellsten Stand halten, Netzwerke knüpfen und konstruktiv mit den sich veränderten Rahmenbedingungen umgehen. Mit zwei weiteren Zitaten verdeutlicht der Schulleiter diese Notwendigkeit: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom, sobald man aufhört, treibt man zurück!“, Benjamin Britten, ergänzt wird das durch ein Goethe-Zitat: „Wenn wir bewahren wollen, was wir haben, müssen wir vieles verändern.“ Unternehmer, die dauerhaft erfolgreich sein wollen, brauchen Weitsicht, sonst gilt für sie, so Dr. Koch: „Wer heute nicht handelt, wird behandelt.“ Mit der Lernbereitschaft, die die Klasse an den Tag gelegt hat, blickt Schulleiter Dr. Lothar Koch optimistisch für die frisch gebackenen Absolventen in die Zukunft und wünschte allen Gesundheit, Glück und Zufriedenheit.

 

Mit einem Preis der DLG wurden die Jahrgangsbesten ausgezeichnet: Jochen Sagel, Burgwald-Birkenbringhausen, Sabine Wollenweber, Friedland-Lichtenhagen, und Tom Rose, Warburg-Calenburg (von rechts).Als Klassensprecher hatte Sebastian Bächt die Aufgabe, das Schlusswort zu übernehmen. Er betonte, dass im Laufe der zwei Jahre in Fritzlar zahlreiche Freundschaften geschlossen werden konnten. Bächt erwähnte aber auch die Arbeitsgemeinschaft Betriebsführung Nordhessen, der auch nach der Schulzeit für gemeinsame Treffen genutzt werden soll. Schon in diesem Jahr hatte die AG eine Veranstaltung mit interessanten Referenten zum Thema Betriebsführung, da waren auch ehemalige Absolventen dabei. Dass die Klasse sich regelmäßig trifft, ist Sebastian Bächt als Klassensprecher zuversichtlich. Die anschließende Feier war gleichzeitig ein Ende der Schulzeit, aber auch ein Versprechen für die Pflege der Freundschaften der Absolventen in den nächsten Jahren.


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