Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Dauergrünland

Grünland in Trockenjahren bewirtschaften

Veränderte Bedingungen beim Weidegang durch den Klimawandel

Rinder auf Weide
Dürrephasen treten ein, wenn innerhalb 2 Monaten kaum Regen fällt

Auch wenn Prognosen eine gewisse Unsicherheit anhaftet, können wir vom Klimawandel einige Dinge erwarten: So werden Hitze- und Trockenperioden, aber auch extreme Niederschläge zunehmen. Dürrephasen treten vermehrt auf. Von einer Dürre spricht man bei mindestens zweimonatig anhaltender Trockenheit. Die Niederschläge konzentrieren sich in Zukunft vermehrt auf den Herbst und Winter, mit weniger Kältephasen. Nasse sowie trockene Wetterlagen halten länger an und wir müssen uns auf eine weiterhin hohe Variabilität des Wetters einstellen. Das hat Auswirkungen auf das Dauergrünland. So führen punktuell starke Niederschläge zu Überschwemmungen und Auswaschungen. Das betrifft besonders lockere Grasnarben. Auf der anderen Seite verdorrt in Dürrephasen der Aufwuchs. Besonders auf sonnengeneigten Hängen führt die Hitze zu Wachstumsdegression und irreparablen Schäden der Pflanzen.

In einem Onlineseminar beantwortete Grünlandexperte Prof. Martin Elsäßer Fragestellungen aus der Praxis.

Sind alle Grünlandbestände gleichermaßen von den Auswirkungen betroffen?

Nein, das Grünland hat das Potential mit vermehrt trockenheitstoleranten Arten resilient, also belastbar zu reagieren. Dennoch geschieht das sehr langsam. Das Klima ändert sich viel schneller (5.000-mal), als sich Pflanzen anpassen können! Einige Pflanzen haben sich bereits angepasst beispielsweise durch Ausbildung tiefer Wurzeln oder Spaltöffnungen im Blatt, die sich bei Trockenheit schließen. Mehrartenbestände sind deshalb im Vorteil. Fällt eine Art nach einem Extremwetterereignis aus, kann die Lücke durch eine andere Art geschlossen werden. Auch die Erholung einer Grünlandnarbe mit mehreren Arten findet nach einem Wetterereignis zügiger statt. Wie sich Pflanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften positiv beeinflussen, zeigt ein Versuch mit Tief- und Flachwurzlern, Leguminosen und Stickstoffzehrern. So brachte die Kombination aus Deutschen Weidelgras (Flachwurzler, N-Zehrer), Wegwarte (Tiefwurzler, N-Zehrer) mit den Leguminosen Weißklee (Flachwurzler) und Rotklee (Tiefwurzler) Ertragszuwächse. Die Leguminosen erzielten 12 Prozent mehr und die Stickstoffzehrer 17 Prozent mehr Ertrag als in Einzelsaat. Eine sinnvolle Saatmischung verschiedener Arten ist daher sehr wichtig. In einem weiteren Versuch in der Schweiz versetzte man die Grünlandnarbe unter Trockenstress durch Wasserentzug. Nach der Trockenheit hatten alle im Versuch geprüften Pflanzen eine größere Wurzelmasse. Besonders das Deutsche Weidelgras reagierte positiv auf die wiederkehrende Feuchte. Zudem kam es nach der Trockenphase mit einsetzenden Niederschlag zu einem Mehrertrag der Gräser durch verstärkte N- Mobilisierung im Boden.

Was kann der Landwirt fürs Grünland tun?

Rinder auf Weide
Gräser altern in der Trockenheit sehr schnell, eine Nachmahd ist hier notwendig
Rinder auf Weide
Tiefwurzelnde Kräuter wie die Wegwarte wachsen auch bei Trockenheit

Gräser speichern ihre Reservestoffe nicht wie andere Pflanzen in der Wurzel, sondern in der Stoppel. Deshalb nicht zu tief mähen oder abweiden lassen (Ziel: 5 – 7 cm Stoppel).

Gräser altern bei Trockenheit schneller, als klee- und kräuterreiche Grünlandnarben. Ein Anteil Kräuter und Leguminosen verzögert daher den Anstieg der Rohfaser bei Trockenheit. Die Nachsaat von Wiesenrotklee (5 kg/ha) mit beispielsweise den Sorten Pastor oder Milvus erhöhen die Trockentoleranz der Narbe. Als Nachsaattermin ist der Spätsommer vor einsetzenden Niederschlägen eine gute Möglichkeit.

Bei Trockenheit den Aufwuchs stehen lassen oder früh ernten?

Die klare Aussage von Prof. Elsäßer: „Früh ernten und nicht zu lang warten!“ Die Grünlandnarbe nimmt bei fortschreitender Trockenheit an Trockenmasseertrag ab. Durch den Klimawandel ändert sich der Futterzuwachs im Jahr. Der Vegetationsstart beginnt heute bis zu zwei Wochen früher. Hier ist das frühe Düngen, Pflegen, Weiden und Schneiden wichtig. Denn im Sommer gibt es kaum noch Zuwachs. Das enorme Wachstum im Mai muss ausgenutzt werden. In Zukunft werden die ersten beiden (frühen) Schnitte an Bedeutung gewinnen. Auch wenn der Niederschlag im Spätsommer wieder einsetzt und die Weidedauer sich im Herbst verlängert, sind doch die Frühjahrsaufwüchse entscheidend. Auf die Frage aus dem Publikum nach der Gülledüngung, empfahl Prof. Elsäßer besser im Frühjahr bedarfsgerecht höhere Gaben, als viele kleine Gaben, wofür die Pflanzen u.U. im Sommer keine Verwendung finden.

Was ist, wenn keine Futtervorräte mehr angelegt werden können?

„Es wird nicht mehr gehen, dieselbe Tierzahl knapp auf Kante zu halten“, so Prof. Elsäßer. Neben dem harten Schritt die Tierzahl abzustocken, besteht die Möglichkeit, Ackerflächen zur Futternutzung einzubeziehen, Zwischenfrüchte zu nutzen oder mit Nachbarbetrieben einen Vertrag einzugehen. Dieser kann beispielsweise Getreide anbauen und in futterknappen Jahren als GPS an den Tierhalter verkaufen.

Was ist beim Weidegang zu beachten?

Neben dem frühen Weideauftrieb ist die Tierzahl an den Aufwuchs anzupassen. Das verstärkte Wachstum im Frühjahr mit hohen Zuwachsraten kann zu einem „Davonwachsen“ des Aufwuchses führen. Überständiges Futter hat einen schlechten Futterwert und die Tiere sortieren es aus. Deshalb sind die Wochen von Mitte März bis Mitte Juni auch für das Weidemanagement entscheidend. Passt der Tierbesatz nicht zur Weidefläche, sollte ein Teil für den ersten Schnitt gemäht werden. Überbeweidung in Trockenphasen schwächt die Narbe durch zu tiefen Verbiss. Hier kann die Herde geteilt oder im Stall zugefüttert werden. Ist die Fläche verdorrt, sollte die Tiere ganz von der Weide abgetrieben werden, um nachhaltige Narbenschäden zu verhindern. In Trockenphasen nehmen gemiedene Pflanzen zu. Eine Wechselbeweidung mit anderen Weidetieren kann für manchen Betrieb eine Lösung sein.

Was ist bei Trockenstress auf dem Grünland zu beachten?

Das Abdecken einer vertrockneten Narbe mit dickflüssiger Gülle bedeutet zusätzlichen Stress. Auch das Striegeln der Narbe, um beispielsweise die Gemeine Rispe zu bekämpfen sollte in Trockenphasen, so Prof. Elsäßers Erfahrungen, vermieden werden. Die Narbe kann durch regelmäßige Nachsaat mit angepassten Gräsern (guter Nachtrieb = höhere Resilienz) verbessert werden. Das erfüllt z.B. das Deutsche Weidelgras. Dabei sind tetraploide Sorten stabiler im Klimawandel und diploide Sorten eignen sich besser für die Beweidung. Die bedarfsgerechte Ernährung des Bestandes, auch mit Kalium und Phosphor, ist sehr wichtig. Der Einsatz von Nitrifikationshemmern bei der N-Düngung (Gülle) kann eine Strategie in trockenen Sommern sein. Zum Schluss wies Prof. Elsäßer darauf hin, dass es mit dem Klimawandel auch ein Umdenken und Einstellen auf Neues geben wird. Weitere Informationen finden Interessierte auch in dem kürzlich erschienenen Buch: „Anpassungsstrategien an den Klimawandel im Grünland“, DLG. Grünlandexperten, wie Prof. Elsäßer aber auch Dr. Anna Techow vom LLH haben daran mitgewirkt.


Das Onlineseminar, das sich vorrangig an Mutterkuhhalter und Futterbaubetriebe richtete, wurde vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und vom Netzwerk Fokus Tierwohl Rind organisiert. Die hohe Teilnehmerzahl zeigte, welche Aktualität die Themen Trockenheit und Futtermangel haben.


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