Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Striegeln von Ackerbohnen und Körnererbsen

Da sowohl Ackerbohnen (AB) als auch Körnererbsen (KE) eine relativ langsame Jugendendwicklung aufweisen, und somit Unkräuter und -gräser relativ schlecht unterdrücken, ist bei gegebenem Druck eine i.d.R. mehrfache Regulierung anzuraten.

In den letzten Tagen waren die Aussaatbedingungen sicher an vielen Standorten gut. Ackerbohnen können zwar auch schon im Februar gedrillt werden. In 2020 dürfte die Befahrbarkeit der Flächen aber zu diesem Zeitpunkt, bis hinein in die erste Märzhälfte, in vielen Regionen nicht gegeben gewesen sein.

Allgemeine Hinweise zum Striegeln

Abb. 1
Abb. 1: Umgelegter Unkrautkeimling, Erdbedeckung händisch weggeschoben

Abb. 2: Unkraut in Körnererbsen im Keimblattstadium
Abb. 2: Unkraut in Körnererbsen im Keimblattstadium

Um einen kulturschonenden Striegeleinsatz, ohne herausziehen von AB oder KE Keimlingen, zu ermöglichen, ist eine ausreichende, insbesondere gleichmäßige Tiefenablage des Saatgutes, sowie eine ebene Bodenoberfläche wichtig. Der nicht zu vermeidenden Beeinträchtigung der Kulturpflanze beim Striegeln ist insofern entgegenzuwirken, dass die Saatstärke um ca. 10% erhöht werden sollte, z.B. von 45 auf 50 kf. Kö./m² (wenn mehr als zwei Striegelgänge im Nachauflauf geplant sind, auf über 10%).

Die Wirkungsweise des Striegels basiert zum größten Teil auf seiner verschüttenden Wirkung. Das heißt durch ein „Umlegen“ der Unkrautkeimlinge mit nachfolgender Erdbedeckung, werden diese bekämpft (siehe Bild 1). Dies bedingt zum einen, dass der Boden der bearbeiteten Fläche in einem schüttfähigen Zustand, sowie die Unkräuter/-gräser maximal im Keimblattstadium sein sollten, um hohe Wirkungsgrade zu erreichen (siehe Bild 2).

Da insbesondere tonige Standorte durch die in den Wintermonaten ergiebigen Niederschläge und wenigen Frosttage zum Teil sehr verkrustet und grob daliegen, kann es Sinn machen, nach der Aussaat zu walzen, um mehr schüttfähigen Boden herzustellen und einen besseren Bodenschluss des Saatkorns zu erreichen (siehe Bild 3)

Sehr grobscholliger Boden; Foto: Matthias Müller
Sehr grobscholliger Boden; Foto: Matthias Müller

Das Arbeitsergebnis des Striegelns wird hauptsächlich durch die Parameter Arbeitstiefe, Fahrgeschwindigkeit und Anstellwinkel des Zinken beeinflusst. Diese haben einen Einfluss auf die verursachte Erdbewegung. Dabei liegt die Arbeitstiefe zwischen 1-3 cm (je nach Einsatzzeitpunkt), die Fahrgeschwindigkeit zwischen 2 und 10 km/h (noch höhere Fahrgeschwindigkeiten bringen eher arbeitswirtschaftliche Vorteile, können aber die Kulturpflanze stärker schädigen) sowie der Anstellwinkel des Striegelzinkens bei 90° zur Bodenoberfläche.

Wird nach dem Auflaufen der Kulturpflanze gestriegelt, sollte dies nach Möglichkeit bei sonnigem Wetter in den Nachmittagsstunden durchgeführt werden, da so zum einen eine gewisse Elastizität der Kulturpflanzen vorliegt sowie ein stärker vertrocknender Effekt auf die bekämpften Pflanzen wirkt. Vermieden werden sollten Einsatztage, denen mehrere Nächte mit Frost (ca. 3) sowie größere Mengen Niederschlag folgen: Frost stresst zusätzlich die Kulturpflanzen, Wasser fördert ein wieder Anwachsen ausgerissener Unkräuter.

Einsatzempfehlungen in AB und KE

Abb. 3
Abb. 3: Unbeschädigter Erbsenbestand

Beim Blindstriegeln kann eine starke Striegeleinstellung und hohe Fahrgeschwindigkeit gewählt werden, sofern die Körnerleguminosenkeimlinge nicht kurz vorm Durchstoßen sind. Sollten bei in den letzten 14 Tagen gesäten Flächen trotz der niedrigen Temperaturen bereits Unkrautkeimlinge zu finden sein, dürften die momentanen Witterungsverhältnisse für ein Blindstriegeln gut geeignet sein. Mit der nötigen Vorsicht (2-4 km/h Fahrgeschwindigkeit, schwächerer Zinkendruck) können sowohl AB als auch KE schon während dem Auflaufen gestriegelt werden (siehe Bild 4). Dabei ist bei hohem Unkrautdruck auch ein leichtes Verschütten der Kulturpflanzen möglich ohne allzu starke Ertragseinbußen befürchten zu müssen. Wenn AB und KE das dritte Blattpaar entfalten, kann wieder aggressiver, auch schräg zur Drillrichtung, gefahren werden. Beendet wird das Einsatzfenster bei AB ab einer Wuchshöhe von ca. 15 cm sowie ab dem Verranken der KE. Durch die teils leichten bis mittleren Nachtfrösten ist von einem Striegelgang im Nachauflauf momentan allerdings abzuraten.

Grundsätzlich kann von einem erfolgreichen Striegelgang gesprochen werden, wenn ca. 80-90% des Unkrauts verschüttet oder ausgerissen ist, und dabei weniger als 10% der Kulturpflanze abgebrochen oder herausgezogen werden. Da durch die Erdbewegung während des Arbeitsganges weitere Samen zur Keimung angeregt werden, ist mit weiteren Überfahrten zu rechnen.

Bei Fragen können Sie sich gerne an mich wenden!


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