Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Marktfruchtbau

Wirtschaftlichkeit des Sojaanbaus

Die Sojaanbaufläche 2019 in Hessen hat sich zum wiederholten Mal deutlich vergrößert, von 642 ha in 2018 auf 912 ha in 2019. Zwar spielt der Sojaanbau im Vergleich zu anderen Ackerkulturen nur eine marginale Rolle, das Interesse am Anbau aber steigt kontinuierlich. Die Ursachen hierfür sind vielseitig: Zum einen wird immer öfter nach einer Alternative zu den gängigen Körnerleguminosen Ackerbohne und Erbse gesucht, welche besser mit den extremen Witterungen der letzten Jahre zurechtkommt. Außerdem fördern Agrarumweltmaßnahmen wie das der „Vielfältigen Kulturen im Ackerbau“ HALM C.1 die Experimentierfreudigkeit der hessischen Betriebe. Nicht zuletzt gibt es auch eine Nachfrage nach hochwertigen, gentechnikfreien, regional erzeugten Eiweißfuttermitteln für die hiesigen Veredlungsbetriebe.

Nichts desto trotz ist neben dem pflanzenbaulichen Wissen, auch ein Überblick über die Kosten und Leistungen des Sojaanbaus entscheidend. Vor einem Anbau sollte eingeschätzt werden, ob unter den jeweiligen Standort- und Anbaubedingungen eine wirtschaftliche Erzeugung dieses hochwertigen Eiweißlieferanten, im Vergleich zu den anderen angebauten Kulturen, realisierbar ist.

Für eine Einschätzung werden im Folgenden die wichtigsten Kostenblöcke und im Anschluss daran ein durchschnittlicher Deckungsbeitrag dargestellt.

Als Datengrundlage dienen die Ergebnisse des Sojanetzwerkes aus den Jahren 2014 bis 2017, welche im dessen Rahmen von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ausgewertet wurden. Ihnen zu Grunde liegt ein Netzwerk aus über 100 Datenerfassungsbetrieben, die sowohl konventionell als auch ökologisch wirtschaften.

Variable Kosten des Sojaanbaus

In Tabelle 1 sind die vierjährigen Durchschnitte der verschiedenen Blöcke der variablen Kosten zu sehen:

Tab. 1: Aufteilung der variablen Kosten in € / ha im Mittel der Jahre 2014-2017

Saatgut Düngerkosten Aufbereitung Trocknung variable MK PSM Summe
konv. 280 80 30 15 230 85 720
öko 355 110 35 30 320 0 850

Quelle: nach Sojanetzwerk und LfL Bayern, eigene Berechnungen

In Ergänzung zu Tabelle 1 einige Erläuterungen:

In den Saatgutkosten enthalten sind neben den Kosten für das eigentlichen Sojasaatgut, auch Kosten für die Saatgutimpfung sowie etwaiges Zwischenfruchtsaatgut.

Die Düngerkosten entsprechen für Phosphor und Kalium, der durch das Erntegut abgefahrenen Nährstoffmenge multipliziert mit dem in der jeweiligen Betriebsform gängigen Reinnährstoffpreis. Für Stickstoff werden dagegen, wenn durchgeführt, die tatsächlichen Kosten der Düngeaufwendung angesetzt, da die durch das Erntegut abgefahrene N-Menge / ha ca. der N-Fixierung / ha durch die Sojapflanze entspricht.

Unter Kosten für Aufbereitung sind die Kosten für ein etwaiges Toasten der Sojabohne zu verstehen. Da viele Betriebe aber Rohsoja verkaufen, und die aufgeführten Kosten ein Durchschnitt aller Betriebe darstellt, fällt dieser Wert relativ niedrig aus. Wird eine Aufbereitung durchgeführt, sind die tatsächlichen Kosten pro ha deutlich höher. Der Wert der getoasteten Sojabohne steigt damit aber auch.

In den variablen Maschinenkosten (MK) sind, wie in der Deckungsbeitragsrechnung üblich, alle entstandenen variablen MK ab der Ernte der Vorfrucht bis zum Drusch und der Einlagerung der Sojabohne enthalten.

Sowohl im konventionellen als auch im ökologischen Sojaanbau verursachen Saatgut (39 % bzw. 42 % der Gesamtkosten) sowie die variablen MK (32 % bzw. 38 % der Gesamtkosten) ca. drei Viertel der gesamten variablen Kosten. Im Ökolandbau sind die variablen MK durch den häufigeren Einsatz des Pfluges, sowie der mechanischen Unkrautregulierung mit Striegel und Hacke ca. 39 % höher als im konventionellen Anbau.

Durchschnittsdeckungsbeiträge Soja

Nach den Kosten, jetzt in Tabelle 2 zu den Deckungsbeiträgen (DB) im Mittel der Jahre 2014 bis 2017. Dabei waren die Jahre 2016 und insbesondere 2017, überdurchschnittliche Anbaujahre, das Jahr 2015 eher ein Unterdurchschnittliches:

Tabelle 2: Deckungsbeitrag Sojabohne im Mittel der Jahre 2014 bis 2017

Ø DB 2014-2017 Einheit konv. öko.
Ø Ertrag dt / ha 28,8 25,1
Ø Erzeugerpreis netto € / dt 37,7 85,3
Leistung € / ha 1.084 2.140
N-Fixierung gesamt kg / ha 173 151
N-Entzug Ernteabfuhr kg / ha 127 110
verbleibender N kg / ha 46 41
N Leistung in € / ha € / ha 46 185
Leistung incl. N-Nachlieferung € / ha 1.130 2.324
variable Kosten € / ha 720 850
DB ohne N-Nachlieferung € / ha 364 1.290
DB incl. N-Nachlieferung € / ha 410 1.474

Quelle: nach Sojanetzwerk und LfL Bayern, eigene Berechnungen

Neben der reinen Marktleistung, wird im DB auch die Leistung inclusive Stickstoff Nachlieferung ausgewiesen. Diese ergibt sich aus der N-Fixierung durch die Sojabohne (unterstellt werden 6 kg N je dt Ertrag) und der N-Abfuhr durch das Erntegut (4,4 kg N je dt Erntegut). Der Reinnährstoffwert für Stickstoff im konventionellen Landbau wird mit durchschnittlich ca. 1,00 € / kg N, im ökologischen Landbau mit 4,50 € / kg N bewertet.

Bei voranstehender Berechnung wird ersichtlich, dass der mittlere DB im ökologischen Sojaanbau deutlich höher liegt. Dies liegt zum einen an dem mehr als doppelt so hohen Erzeugerpreis, sowie in gewissem Maße auch an der monetären Bewertung der N-Nachlieferung. Zum Erzeugerpreis für Ökosoja ist allerdings einschränkend anzumerken, dass in den hier genannten 85,3 € / dt nicht unerheblich viele Speisesojapreise enthalten sind. Der Speisesojapreis liegt im Vergleich zu Futtersoja ca. 10 € / dt höher. Für beide Bewirtschaftungsformen gilt: die Spannbreite der Deckungsbeiträge ist sehr groß, von negativen DB bei Totalausfällen bis hin zu DB, die mehr als doppelt so hoch sind, als die in Tabelle 2 dargestellten.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Höhe des DB wesentlich stärker durch die Höhe der Erträge sowie der Erzeugerpreise, als durch Abweichungen in den variablen Kosten beeinflusst wird.

Fazit

Zwei Hände voll Sojabohnen
Vor dem Anbau Vermarktungsmöglichkeiten klären
In Jahren mit guten Anbaubedingungen, sowie bei fachlich guten Anbaumanagement, kann die Kultur Sojabohne sowohl im konventionellen, aber insbesondere im ökologischen Anbau mit anderen Kulturen in der Fruchtfolge konkurrieren. Gleichzeitig können so deren pflanzenbaulich vorteilhaften Effekte auf die Gesamtfruchtfolge genutzt werden. Diese wirken sich mittel- bis langfristig auch zusätzlich ökonomisch positiv aus. Voraussetzung hierfür ist aber auch, dass vor dem eigentlichen Anbau, die Verwertungs- bzw. Vermarktungsmöglichkeiten geklärt sein müssen.

Die dargestellten Ergebnisse spiegeln die Verhältnisse von Anbaubetrieben in ganz Deutschland wieder, von denen sich über die Hälfte in Baden-Württemberg und Bayern, also tendenziell eher Sojagunstlagen, befinden. Zwar wurden auch Betriebe in Grenzlagen Niedersachsens, Sachsens, Sachsen-Anhalts sowie Thüringens mitberücksichtigt, dennoch sollte dieser Sachverhalt bei der Übertragung der Zahlen auf hessische Verhältnisse Berücksichtigung finden. Auch wenn die Anbaubedingungen in Teilen Südhessens als gut bezeichnet werden können, so sind die meisten Lagen Hessens eher als Grenzstandorte, denn als Gunstlagen, zu betrachten.

Zum Nachlesen

Weitere Informationen zur Datenauswertung des Sojanetzwerkes sind auf der Website der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zu finden.


Das Sojanetzwerk wurde gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen der BMEL Eiweißpflanzenstrategie.


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