Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Pflanzenschutz (Raps)

Schnecken integriert regulieren

In diesem Herbst ist verbreitet mit einem hohen Schneckendruck zu rechnen. Zunächst war die Ausgangspopulation im Frühjahr eher gering. Die nachhaltig feuchte Witterung ab Mai hat dann den Schnecken ideale Voraussetzungen zur Vermehrung geboten. In der Folge sind die Herbstsaaten nun durch Schneckenfraß gefährdet. Flächen, die besonders bodenschonend (Minimalbodenbearbeitung) bewirtschaftet werden, sind dabei vorrangig betroffen. Wegen fehlender Bekämpfungsrichtwerte wurde in der Vergangenheit oftmals ein hoher Anteil der Behandlungen prophylaktisch durchgeführt. Derzeit sind nur zwei Wirkstoffe für eine Bekämpfung der Schnecken zugelassen: Metaldehyd und Eisen-III-phosphat. In der Praxis wird überwiegend Metaldehyd zur Schneckenregulierung eingesetzt. Damit ist dieser Wirkstoff grundsätzlich von Minderwirkungen durch Selektion geringer sensitiver Schnecken bedroht (Resistenz). Indirekte Maßnahmen besitzen deshalb künftig eine zunehmende Bedeutung in der Schneckenregulierung.

Eine Schädigung der Kulturen geschieht hauptsächlich durch Ackerschnecken (Deroceras ssp.) und Wegschneckenarten (v.a. Arion vulgaris). Dabei ist das Ausmaß der Schädigung vom Schneckenbesatz, deren Aktivität und den Auflaufbedingungen der Pflanzen abhängig. Der Schneckenbesatz steht wiederum in engem Zusammenhang mit der Bodenfeuchte der vergangenen 4 Monate, der Anzahl an vorhandener Grobporen im Boden, der Vorfrucht und der Bodenart. Ein höherer Schneckenbesatz ist daher nach Raps sowie Wintergetreide und generell nach Mulchsaaten zu erwarten. Das Vermehrungspotenzial der Schnecken ist sehr hoch. Die genetzte Ackerschnecke legt bis zu 500 Eier ab. Aus diesen schlüpfen nach 2 bis 4 Wochen die Jungschnecken. Nach weiteren 4 bis 6 Wochen sind die Jungschnecken geschlechtsreif und beginnen einen neuen Generationszyklus.

Die Aktivität der Schnecken hängt von der Feuchte der Bodenoberfläche und der Temperatur ab. Bei Temperaturen von 10 bis 15 Grad Celsius und feuchtem Boden ist immer von sehr hohen Aktivitäten auszugehen. Bei Hochdruckwetterlagen reicht oftmals die nächtliche Taubildung aus, um hohe Aktivitäten zu ermöglichen. Laufen die Pflanzen bei hohen Schneckenaktivitäten nur zögerlich auf, ist der Bestand auch durch wenige Schnecken gefährdet.

Kontrolle der Schneckenaktivität mittels Falle

Für eine Kontrolle der Schnecken mit einer Falle müssen Bedingungen vorherrschen, die eine Aktivität vorhandener Schnecken erwarten lassen: bei Hochdruckwetter muss zumindest so viel Tau vorhanden sein, dass die Bodenoberfläche sichtbar feucht ist. Als geeignete Fallen dienen z.B. Schneckenfolien, feuchte Säcke oder Blumenuntersetzer. Dabei wird Metaldehyd-haltiges Schneckenkorn abends unter die Falle ausgelegt. Morgens, bevor die Sonne die Fallen erwärmt und vorhandene Schnecken sich verkriechen, kann man dann nach Schleim und Schnecken schauen. Kleine stecknadelgroße Jungschnecken werden bisweilen übersehen. Deshalb müssen auch kleinste Schleimspuren genau beachtet werden. Die Schneckenkontrolle sollte am besten vor der Saat der Kultur erfolgen, spätestens jedoch unmittelbar nach der Saat. Gesicherte Schadschwellen gibt es nicht. Eine direkte Bekämpfung ist erfahrungsgemäß bei einem Befall von 1 bis 2 Schnecken je Falle und Tag anzuraten.

Indirekte Maßnahmen haben bei der Schneckenbekämpfung künftig eine größere Bedeutung!

Alle Maßnahmen, die den Schnecken Unterschlupfmöglichkeiten nehmen, sind geeignet, Besatz und Aktivität zu unterdrücken: z.B. Pflügen mit Krumenpacker, Herstellung eines feinkrümeligen Saatbettes, gute Rückverfestigung der Saat sowie unmittelbares Anwalzen der Saat. Insbesondere beim Mulchsaatverfahren ist auf eine sorgfältige Rückverfestigung der Saat zu achten. Falls das Stroh nicht abgefahren wird, ist bei der Stoppelbearbeitung unbedingt auf eine intensive Einmischung in den Boden zu achten, damit den Schnecken Unterschlupfmöglichkeiten genommen werden. Hilfreich ist es ebenfalls, den Schnecken die Nahrungsgrundlage zu entziehen: daher sollte Ausfallgetreide und Ausfallraps rechtzeitig beseitigt werden. Dies gilt insbesondere für geplante Rapssaaten im Mulchsaatverfahren.

Direkte Maßnahmen

Kalkstickstoff

Werden 200 kg/ha Kalkstickstoff zur Saat von Winterraps ausgebracht, ist ein Nebeneffekt auf Schnecken zu erzielen. Durch die Cyanamidphase des Kalkstickstoffs sollen Jungschnecken und auch Schneckeneier im Boden erfasst werden. Eigene Versuche zeigten allerdings, dass bei hohen Schneckenaktivitäten und damit verbunden hohem Schadpotential die Wirkung vom Kalkstickstoff nicht ausreicht, um auf eine Behandlung mit Schneckenkorn verzichten zu können.

Hinweis: Die Vorgaben der Düngeverordnung schränken den Einsatz von Kalkstickstoff im Herbst ein, bzw. schließen ihn aus.

Schneckenkorn

Schneckenkorn ist das wirksamste Mittel der direkten Bekämpfung. Wird eine Schneckenkornbehandlung durchgeführt, ist vom Kalkstickstoff kaum eine zusätzliche Bekämpfungsleistung zu erwarten. Schneckenkorn auf Metaldeydbasis kann bis zu zweimal in der gleichen Kultur eingesetzt werden. Die Bekämpfungsleistung ist damit begrenzt und bei sehr hohen Schneckenzahlen (z.B. 100 Schnecken/Folie) nicht immer ausreichend. In solchen Situationen haben die indirekten Maßnahmen eine besonders große Bedeutung.

Wirkstoffe:

Derzeit sind zwei Wirkstoffe zur Schneckenbekämpfung im Ackerbau zugelassen. Es handelt sich um Eisen-III-phosphat und Metaldehyd. Sie sind Fraßgifte und müssen in ausreichender Menge von den Schnecken gefressen und verdaut werden, um Wirkung zu entfalten. Die Wirkung von Metaldehyd beruht auf eine Schädigung der schleimproduzierenden Zellen. Daraus resultiert eine übermäßige Schleimbildung, die zum totalen Energieverbrauch und Tod der Schnecke führt. Eisen-III-phosphat schädigt Zellen im Kropf und Mitteldarm. Daraus resultiert ein Fraßstopp. Grössere Schnecken müssen für eine letale Wirkung vergleichsweise viel Schneckenkorn aufnehmen. Die Schnecken ziehen sich zum Sterben in ihre Verstecke zurück. Im Gegensatz zum Metaldehydeinsatz sind bei Eisen-III-phosphat keine Schneckenleichen auf der Bodenoberfläche zu finden. Metaldehyd besitzt zusätzliche Wirkungsvorteile bei warmer Witterung.

Voraussetzungen einer effektiven Wirkung:

Damit das Schneckenkorn wirken kann, muss die Schnecke das Korn finden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schnecke ein Korn findet, steigt mit der Anzahl der Körner pro Quadratmeter. Dabei sind mindestens 35 gleichmäßig verteilte Körner je Quadratmeter anzustreben. Die Streubreite ist vom Produkt abhängig, sollte aber allgemein nicht mehr als 18 m betragen. Von Bedeutung ist ebenfalls die Größe des Korns; sehr kleine Körner werden bei Niederschlägen leicht in den Boden verschlämmt. Große Körner erfordern höhere Aufwandmengen in kg je ha, um die angestrebte Körnerdichte zu erreichen. Wichtig ist, dass der Köder regenstabil ist. Dabei unterscheiden sich Nasspressungen deutlich von den Trockenpressungen. Während Nasspressungen nach 5 Tagen und 100 mm Niederschlag noch stabil bleiben, beginnen Trockenpressungen sich vorher aufzulösen. Häufig wird dies zu spät bemerkt, so dass die Schnecken dann auflaufende Kulturpflanzen bereits geschädigt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schnecke ein Korn findet und frisst, erhöht sich enorm, wenn es keine Nahrungsalternativen gibt. Deshalb ist es sehr hilfreich, wenn das Schneckenkorn unmittelbar nach der Saat ausgebracht wird und die Schnecke auf das Schneckenkorn als alleinige Nahrungsquelle angewiesen ist. Bei sehr hohem Schneckendruck ist die Anwendung nach ca.14 Tagen zu wiederholen, wenn die erforderliche Körnerdichte mit 35 Körnern/m2 deutlich unterschritten ist. Zusätzliche Stressfaktoren, wie warmes, sonniges Wetter am Tage und wenig Unterschlupfmöglichkeiten, verbessern die Wirkung der Produkte.

Beispiele von Präparaten zur Schneckenbekämpfung in Getreide und Winterraps

Mittel Wirkstoff max. Anzahl Anwendungen Aufwandmenge pro Anwendung Zugelassen in Zulassung bis
Streubreite in der Regel nicht über 18 m (Streutabellen der Ausbringtechnik beachten).
Auflagen: Für alle Produkte gilt die NT116: Bei der Anwendung muss ein Eintrag in angrenzende Flächen vermieden werden. Weitere Auflagen sind nach Gebrauchsanweisung zu beachten. angewendet werden.
Metarex INOV Metaldehyd 4% 5 5 kg/ha Mais, ZR, Getreide, Raps, Kartoffel, Sojabohne 31.05.2022
Limares Techno Metaldehyd 5% 2 7 kg/ha Getreide, Raps, Sonnenbl. 31.05.2022
Axcela Metaldehyd 3% 3 7 kg/ha ZR, Getreide, Raps, Kartoffel 31.12.2027
Delicia-S-Linsen, Patrol Metapads G2; Mollustop, Innopro-tect S-Korn Metaldehyd 3% 2 3 kg/ha ZR, Getreide, Raps, A-Bohne 31.05.2022
Clartex Blau, Metarex Metaldehyd 5% 2 7 kg ZR, Getreide, Raps 31.12.2021
Arinex Metaldehyd 6 % 2 6 kg/ha Getreide, Raps 31.12.2021
Ironmax Pro, Sluxx HP Eisen-III-phosphat 2,4 %, 2,97 % 4 7 kg/ha ZR, Getreide, Raps, Hülsenfrüchte, Soja-Bohne 31.12.2031

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