Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Pflanzenschutz

Schneckenpopulationen ganzjährig im Blick behalten

Im Ackerbau sorgt die konservierende Bodenbearbeitung ohne Pflug für eine vergleichsweise hohe Biodiversität des Bodenlebens. Stets anzutreffen sind dabei auch Nacktschnecken. Diese ernähren sich wie die Regenwürmer grundsätzlich von vermoderndem Pflanzenmaterial und besitzen beim Aufbau von Dauerhumus eine wichtige Funktion. Weil landwirtschaftliche Nutzpflanzen allerdings häufig nahrhafter, weicher und geschmackvoller als Wildpflanzen sind, können manche Schneckenarten bei einer Übervermehrung zu Schädlingen werden.

Das Schadpotential der Genetzten Ackerschnecke (Deroceras reticulatum) sowie der verwandten Grauen Ackerschnecke (D. agreste L.) ist von besonderer Bedeutung im Ackerbau. Bei günstigen Witterungsbedingungen vermehren sich diese Arten ganzjährig. Dabei legt z.B. die Genetzte Ackerschnecke bis zu 500 Eier, aus denen nach 2 bis 4 Wochen Jungschnecken schlüpfen, die wiederum nach weiteren 4 bis 6 Wochen geschlechtsreif sind.

Neben den typischen Ackerschnecken kommen auf den Äckern einige Wegschneckenarten (Arion spp.) vor. Während die Graue Wegschnecke ähnlich den Ackerschnecken häufig inmitten der Ackerflächen anzutreffen ist, taucht die mobilere Spanische Wegschnecke eher im Randbereich in der Nähe grasbewachsener Wegränder, von Gräben und Böschungen auf. Das Vermehrungspotential der Wegschnecken ist deutlich geringer als das der Ackerschnecken. Dafür reagieren Ackerschneckenpopulationen empfindlicher auf trockene Witterungsphasen. Zwar versuchen sich die Tiere unter trockenen und warmen Bedingungen (> 25 Grad Celsius) in tieferen Bodenschichten vor tödlicher Dehydrierung zu schützen, doch ihre Eier, die nur mit einer vergleichsweise dünnen Kalkhülle versehen sind, trocknen rasch aus. Mehrere aufeinanderfolgende Jahre mit längeren Trockenphasen reduzieren die Bestände der Ackerschnecken deutlich.

Die Abhängigkeit der Ackerschnecken von hohen Bodenfeuchtegehalten erklärt, warum besonders in Regionen und Jahren mit ganzjährig hohen Niederschlägen Kulturschäden durch Schnecken entstehen. Insofern wird in diesem Jahr das Risiko von Schäden für weite Bereiche des Landes als eher gering beurteilt. Um das Schadpotential frühzeitig einzuschätzen, ist es notwendig, die Populationsstärke der Schnecken ganzjährig zu beobachten. Das typische Schadbild der Schnecken ist gekennzeichnet durch ausgefressene Saatkörner, abgefressene Keimblätter, durchlöcherte Laubblätter und angefressene Blattränder (, wobei größere Blattadern unversehrt bleiben), bis zum Kahlfraß ganzer Flächen.

Insbesondere in Raps können Schadsymptome der Schnecken mit dem Lochfraß des Erdflohs oder der Rübsenblattwespe verwechselt werden. Klarheit bringen in jedem Fall die glänzenden Schleimspuren der Schnecken auf den Pflanzen und dem Boden, die noch Tage später sichtbar bleiben. Dabei ist das Ausmaß der Schädigung vom Schneckenbesatz, deren Aktivität und den Auflaufbedingungen der Pflanzen abhängig. Je schneller und kompletter die Kulturpflanzen die kritischen Jungstadien (Getreide: Saat bis 1.-Laubblattstadium; Raps: Keimung bis 6-Blattstadium) durchlaufen, desto geringer sind die Schäden. Kräftige Mulchauflagen können die Auflaufphasen ungünstig verlängern, wenn dadurch eine tiefere Saatgutablage erforderlich wird und der Boden sich schlechter erwärmt. Die Aktivität der Schnecken hängt von der Feuchte der Bodenoberfläche und der Temperatur ab. Bei Temperaturen von 10 bis 18 Grad Celsius und feuchtem Boden ist von sehr hohen Aktivitäten auszugehen. Laufen die Pflanzen bei hohen Schneckenaktivitäten nur zögerlich auf, ist der Bestand auch durch wenige Schnecken gefährdet.

Kontrolle der Schneckenaktivität mittels Falle

Für eine Kontrolle der Schnecken mit einer Falle müssen Bedingungen vorherrschen, die eine Aktivität vorhandener Schnecken erwarten lassen: bei Hochdruckwetter muss zumindest soviel Tau vorhanden sein, dass die Bodenoberfläche sichtbar feucht ist. Als geeignete Fallen dienen z.B. Schneckenfolien, feuchte Säcke oder Blumenuntersetzer. Dabei wird ein Teelöffel Futter (z.B. Getreideschrot, Hühnerfutter, …) abends unter fünf verteilte Fallen pro Schlag gegeben. Morgens, bevor die Sonne die Fallen erwärmt und vorhandene Schnecken sich verkriechen, kann man dann nach Schleim und Schnecken schauen. Kleine stecknadelgroße Jungschnecken werden bisweilen übersehen. Deshalb müssen auch kleinste Schleimspuren genau beachtet werden. Die Schneckenkontrolle sollte am besten vor der Saat der Kultur erfolgen, spätestens jedoch unmittelbar nach der Saat. Gesicherte Schadschwellen gibt es nicht. Eine direkte Bekämpfung ist erfahrungsgemäß bei einem Fund von 1 bis 2 Schnecken je Falle und Tag anzuraten.

Indirekte Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden

Das Leben der Schnecken ist durch Austrocknung, UV-Strahlung und natürlichen Feinde (Vögel, Laufkäfer, Spinnen,…) bedroht. Sie können nicht graben und sind zu ihrem Schutz auf vorhandene Hohlräume, Grobporen oder Mulch angewiesen. Alle ackerbaulichen Maßnahmen sind nützlich, die den Schnecken Unterschlupfmöglichkeiten nehmen: Herstellung eines eher feinkrümeligen Saatbettes, gute Rückverfestigung des Saatbettes, sowie unmittelbares Anwalzen der Saat. Insbesondere bei der konservierenden Bodenbearbeitung ist auf eine sorgfältige Rückverfestigung der Saat zu achten. Ist mit Schneckenschäden zu rechnen, sollten Erntereste gründlich in den Boden eingearbeitet werden. Ebenso hilfreich ist es, wenn den Schnecken zuvor keine Nahrung in Form von Ausfallgetreide und Ausfallraps geboten wird.

Schneckenkorn

Bei einer Übervermehrung (Gradation) von Ackerschnecken ist Schneckenkorn das wirksamste Mittel, um Kulturschäden zu begrenzen. Schneckenkorn auf Metaldehydbasis darf zulassungsbedingt bei vielen Produkten nur zweimal in der gleichen Kultur eingesetzt werden. Die Bekämpfungsleistung ist damit begrenzt und bei sehr hohen Schneckenzahlen nicht immer ausreichend.

Wirkstoffe

Derzeit sind mit Eisen-III-phosphat und Metaldehyd nur zwei Wirkstoffe zur Schneckenbekämpfung im Ackerbau zugelassen. Sie sind Fraßgifte und müssen in ausreichender Menge von den Schnecken gefressen und verdaut werden, um Wirkung zu entfalten. Im Ackerbau wird überwiegend Metaldehyd zur Schneckenregulierung eingesetzt. Damit ist dieser Wirkstoff grundsätzlich von Minderwirkungen durch Selektion geringer sensitiver Schnecken bedroht (Resistenz). Indirekte Maßnahmen besitzen auch deshalb eine zunehmende Bedeutung in der Schneckenregulierung.

Die Wirkung von Metaldehyd beruht auf eine Schädigung der schleimproduzierenden Zellen. Dies führt zu einer übermäßigen Schleimbildung. Die Schnecken „verschleimen“ und sterben wegen des hohen Energieverbrauchs. Eisen-III-phosphat schädigt Zellen im Kropf und Mitteldarm. Daraus resultiert ein Fraßstopp. Größere Schnecken müssen für eine letale Wirkung vergleichsweise viel Eisen-III-phosphat aufnehmen. Die Schnecken ziehen sich zum Sterben in ihre Verstecke zurück. Im Gegensatz zum Metaldehydeinsatz sind bei Eisen-III-phosphat keine Schneckenleichen auf der Bodenoberfläche zu finden. Metaldehyd besitzt zusätzliche Wirkungsvorteile bei warmer Witterung.

Voraussetzungen einer effektiven Wirkung

Damit das Schneckenkorn wirken kann, muss die Schnecke das Korn finden. Nach eigener Beobachtung lässt sich eine besondere Lockwirkung bestimmter Produkte nicht nachweisen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schnecke ein Korn findet, steigt mit der Anzahl der Körner pro Quadratmeter. Dabei sind mind. 35 gleichmäßig verteilte Körner je Quadratmeter anzustreben. Die Streubreite ist vom Produkt abhängig, sollte aber allgemein nicht mehr als 18 m betragen (Streutabellen beachten!). Von Bedeutung ist ebenfalls die Größe des Korns. Sehr kleine Körner werden bei Niederschlägen leicht in den Boden verschlämmt. Große Körner erfordern höhere Aufwandmengen in kg je ha, um die angestrebte Körnerdichte zu erreichen. Wichtig ist, dass der Köder regenstabil ist. Dabei unterscheiden sich Nasspressungen deutlich von den Trockenpressungen. Während Nasspressungen nach 5 Tagen und 100 mm Niederschlag noch stabil bleiben, beginnen Trockenpressungen sich vorher aufzulösen. Häufig wird dies zu spät bemerkt, so dass die Schnecken auflaufende Kulturpflanzen bereits geschädigt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schnecke ein Korn findet und frisst, erhöht sich enorm, wenn es keine Nahrungsalternativen gibt. Deshalb ist es sehr hilfreich, wenn das Schneckenkorn bei feuchter Bodenoberfläche unmittelbar nach der Saat ausgebracht wird und die Schnecke auf das Schneckenkorn als alleinige Nahrungsquelle angewiesen ist. Bei sehr hohem Schneckendruck ist die Anwendung nach ca.14 Tagen zu wiederholen. Zusätzliche Stressfaktoren, wie warmes, sonniges Wetter am Tage und wenig Unterschlupfmöglichkeiten verbessern die Wirkung der Produkte.

Beispiele von Präparaten zur Schneckenbekämpfung in Getreide und Winterraps

Mittel Wirkstoff max. Anzahl Anwendungen Aufwandmenge pro Anwendung Körner m² Zugelassen in Zulassung bis
Streubreite in der Regel nicht über 18 m (Streutabellen der Ausbringtechnik beachten).
Auflagen: Für alle Produkte gilt die NT116: Bei der Anwendung muss ein Eintrag in angrenzende Flächen vermieden werden. Weitere Auflagen sind nach Gebrauchsanweisung zu beachten. angewendet werden.
Metarex INOV Metaldehyd 4% 5 5 kg/ha 30 Mais, ZR, Getreide, Raps, Kartoffel, Sojabohne 31.05.2022
Limares Techno Metaldehyd 5% 2 7 kg/ha 30 Getreide, Raps, Sonnenbl. 31.05.2022
Axcela Metaldehyd 3% 3 7 kg/ha 25 ZR, Getreide, Raps, Kartoffel 31.12.2027
Delicia-S-Linsen, Patrol Metapads G2; Mollustop, Innopro-tect S-Korn Metaldehyd 3% 2 3 kg/ha 33; 35 ZR, Getreide, Raps, A-Bohne 31.10.2020
Clartex Blau, Metarex Metaldehyd 5% 2 7 kg 36 ZR, Getreide, Raps 31.12.2021
Arinex Metaldehyd 6 % 2 6 kg/ha 40 Getreide, Raps 31.12.2020
Ironmax Pro, Sluxx HP Eisen-III-phosphat 3% 4 7 kg/ha 60 ZR, Getreide, Raps, Hülsenfrüchte, Soja-Bohne 31.12.2020

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