Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Eiweißinitiative

Einsatz von Körnerleguminosen in der Schweinefütterung

Chancen des regionalen Anbaus eiweißhaltiger Futtermittel

Abbildung 1: HALM C1-Fläche in Hessen; 2015 und 2020 im Vergleich
Abbildung 1: HALM C1-Fläche in Hessen; 2015 und 2020 im Vergleich
Abbildung 2: Anbaufläche Körnerleguminosen in Deutschland 2014 bis 2020; Quelle: Statistisches Bundesamt
Abbildung 2: Anbaufläche Körnerleguminosen in Deutschland 2014 bis 2020; Quelle: Statistisches Bundesamt

Der Anbau von Körnerleguminosen in Deutschland gewinnt zunehmend an Bedeutung (siehe Abb. 1). So nahm die Anbaufläche von Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Soja zwischen 2014 und 2019 von 84.500 ha auf 173.700 ha zu (Quelle: Statistisches Bundesamt). Für 2020 wird eine Steigerung des Ackerbohnenanbaus von 15 % und des Erbsenanbaus von 9 % gegenüber dem Vorjahr geschätzt. In Hessen werden deutlich mehr Flächen nach dem Agrarumweltprogramm HALM C1- Vielfältige Kulturen im Ackerbau- bewirtschaftet (siehe Abb. 2). Da hier ein Leguminosenanteil von 10 % vorgeschrieben ist, führt auch dies zu einer merklichen Ausweitung des Anbaus.

Die Vermarktung der Ernte wird durch Plattformen wie Leguminosen Marktplatz unterstützt. Ebenso wie beim Verkauf über den Landhandel wird jedoch zumeist nicht der Wert erzielt, den die Leguminosen als Futterwert in der Schweinefütterung haben. Dies ist mit dem noch zu geringen Angebot als Komponente für die Mischfutterindustrie zu begründen.

In der Schweinefütterung soll hier zunächst auf Ackerbohnen und Erbsen eingegangen werden. Diese haben in der Praxis die größte Bedeutung und sind vor allem als Eiweißfuttermittel interessant. Hier gibt es aber deutliche Unterschiede zwischen den Kulturen (Tabelle 1).

Tabelle 1: Inhalsstoffe verschiedener Futtermittel

Ackerbohnen Erbsen Rapsextraktionsschrot Sojaextraktionsschrot
Datenquelle: DLG-Futterwerttabelle
Rohprotein (%) 26,4 22,0 35,5 44,0
Energie (MJ ME/kg) 13,0 13,8 9,8 13,0
Stärke (%) 36,5 41,8 0 6,0
Rohfaser (%) 7,7 5,7 11,6 6,0

Auf ausgeglichene Aminosäuregehalte achten

Bei der Verfütterung von Ackerbohnen kann also deutlich mehr Soja- oder Rapsschrot eingespart werden als bei Erbsenfütterung. Wichtig sind hierbei aber auch die Aminosäuregehalte. So haben Ackerbohnen und Erbsen zwar relativ hohe Lysingehalte, die Gehalte an Methionin und Threonin sind im Verhältnis zum Lysin jedoch relativ gering (siehe Abb. 3). Bei Mischungen auf Basis Soja-Mineral sollte ein geeignetes Mineralfutter mit höheren Gehalten an Methionin und Threonin eingesetzt werden. Es kann auch Rapsschrot mit eingesetzt werden, hier sollte jedoch auf eine ausreichende Energiedichte der gesamten Mischung geachtet werden. Werden Ergänzungsfutter eingesetzt, so sollten diese speziell für die Leguminosenfütterung geeignet sein. Die Mischfutterhersteller bieten hier spezielle Ergänzungsfutter an. Auch deren Menge kann bei Leguminoseneinsatz reduziert werden, die Mineralisierung und Vitaminierung muss aber angepasst sein.

Abbildung 3: Aminosäureverhältnisse verschiedener Eiweißfuttermittel zu Lysin; Quelle: DLG-Futterwerttabelle
Abbildung 3: Aminosäureverhältnisse verschiedener Eiweißfuttermittel zu Lysin; Quelle: DLG-Futterwerttabelle

Blütenfarbe beeinflusst Taningehalt

Bei der möglichen Einsatzrate von Ackerbohnen und Erbsen sind aber auch andere Inhaltsstoffe zu beachten. Hier ist in der Schweinefütterung vor allem der Tanningehalt zu nennen. Bei zu hohen Gehalten kann die Futteraufnahme und die Proteinverdaulichkeit verringert sein. Die Tanningehalte unterscheiden sich sehr stark zwischen weißblühenden und buntblühenden Erbsen- und Ackerbohnensorten. Während die weißblühenden Sorten nur sehr geringe Taningehalte aufweisen, sind diese Werte bei buntblühenden Sorten bis zum 10-fach höher.
Bei Erbsen werden überwiegend weißblühende Sorten angebaut. Anders ist dies bei den Ackerbohnen. Aufgrund der wesentlich höheren Erträge sowohl an Menge als auch an Rohprotein pro Hektar, werden hier überwiegend buntblühende Sorten angebaut. Die Entwicklung geht hier aber auch zu leistungsstärkeren weißblühenden Sorten und zu taninärmeren, buntblühenden Sorten. Bei den aktuellen Sorten sind die in Tabelle 2 gezeigten maximalen Einsatzraten zu empfehlen.

 

Tabelle 2: Maximale Einsatzraten in den Futtermischungen

Einsatzbereich Ackerbohnen Futtererbsen
Mastschweine Vormast 28-50 kg  5% 10%
Mastschweine Mast 50-80 kg  8% 15%
Mastschweine Endmast ab 80 kg  10% 20%
Zuchtsauen tragend  8% 10%
Zuchtsauen laktierend  5% 5%
Ferkelaufzucht ab 12 kg  5% 5%

Hier erscheinen die Erbsen attraktiver zu sein, man muss aber auch den geringeren Rohproteingehalt und die geringeren Erträge bei zum Teil erschwerter Ernte (Lager) berücksichtigen.

Genaue Mischungsberechnung ist Voraussetzung

Da die Inhaltsstoffe bei Ackerbohnen und Erbsen sorten- und standortbedingt noch stärker schwanken als bei Getreide, sollten alle in der Fütterung eingesetzten Komponenten bei einer landwirtschaftlichen Untersuchungsanstalt (z.B. LHL Kassel) auf ihre Nährstoffgehalte untersucht werden. Nur dann kann eine exakte, möglichst N- und P-reduzierte, Mischung berechnet werden.

Den Futterwert von Ackerbohnen und Erbsen können Sie den folgenden Tabellen entnehmen.

Tabelle 3: Preiswürdigkeit von Ackerbohnen

Bei Einsatz von 8 % Ackerbohnen in einer Mastmischung (13,0 MJ ME / 9,5 g Lysin/kg)
Quelle: Eigene Berechnungen
Preis Sojaextraktionsschrot (LP)
Weizen-preis 30,00 35,00 40,00 45,00 50,00
15,00 22,80 25,60 28,40 31,20 34,00
18,00 24,00 26,80 29,60 32,40 35,20
21,00 25,30 28,10 30,90 33,70 36,50
24,00 26,70 29,50 32,30 35,10 37,90

 

Tabelle 4: Preiswürdigkeit von Erbsen

Bei Einsatz von 10 % Futtererbsen in der Mittelmast (13,0 MJ ME / 9,5 g Lysin/kg)
Quelle: Eigene Berechnungen
Preis Sojaextraktionsschrot (LP)
Weizen-preis 30,00 35,00 40,00 45,00 50,00
15,00 22,90 25,50 28,10 30,70 33,30
18,00 24,30 26,90 29,50 32,10 34,70
21,00 25,70 28,30 30,90 33,50 36,10
24,00 27,20 29,80 32,40 35,00 37,60

Was ist mit anderen Leguminosen?

Bei den weiteren Leguminosen sind zunächst die Lupinen zu nennen. Hier wurden bislang zumeist die blauen Lupinen auf leichteren Standorten mit niedrigem pH-Wert angebaut. Zunehmend an Bedeutung gewinnen aber auch die weißen Lupinen. Diese haben etwas höhere Ansprüche an die Bodenqualität und den pH-Wert. Sie sind aber ertragsstärker und weisen höhere Rohprotein- und Energiegehalte auf.

Beim Anbau von Sojabohnen sind vor allem die höheren Temperaturansprüche während der Vegetation zu beachten. Beim Einsatz von Sojabohnen oder Sojakuchen ist das vorherige toasten der Bohnen ein Muss. Die regionale Verfügbarkeit einer Toastungsanlage und die entstehenden Kosten sind vor dem Anbau unbedingt zu überprüfen.

Weitere Informationen rund um die Fütterung mit Leguminosen erhalten Sie hier:


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