Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Boden & Düngung

Düngebedarfsermittlung Herbst

… noch nicht vollständig!!!

Die anstehenden Düngungs-Maßnahmen im Herbst werden zunehmend von gesetzlichen Vorschriften reguliert. Dabei tritt für den Landwirt/die Landwirtin nicht nur die Schwierigkeit auf, unterschiedliche Rechtsgrundlagen, sondern auch unterschiedliche Gebietskulissen berücksichtigen zu müssen. Der folgenden Beiträge sollen helfen in diesem Wirrwarr den Überblick zu behalten.

Stickstoffbedarf und -düngung

Düngung in nicht eutrophierten und nicht mit Nitrat belasteten Gebieten

Die wenigsten Änderungen gegenüber der Düngeverordnung von 2017 sind im Fall der nicht mit Nitrat belasteten und nicht eutrophierten Flächen vorzufinden. Zwar spricht auch hier die Düngeverordnung von einem Düngeverbot, beginnend nach der Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum 31.01 des darauffolgenden Jahres. Jedoch werden hiervon Winterraps, Wintergerste (Vorfrucht Getreide) und Zwischenfrüchte bzw. Feldfutter ausgenommen. In diesem Fall darf eine aufgebrachte Menge von maximal 30 kg Ammoniumstickstoff pro Hektar oder 60 kg Gesamtstickstoff pro Hektar nicht überschritten werden. Empfehlungen zur Düngung von Kulturen mit einem Düngebedarf im Herbst sind in der Tabelle 1 aufgeführt.

Im § 6 (Abs. 9) definiert die Düngeverordnung Zwischenfrüchte, Winterraps, Feldfutter bei einer Aussaat bis zum Ablauf des 15. September und Wintergerste nach einer Getreidevorfrucht, als diejenigen Kulturen, die vor Winter einen Bedarf entwickeln, der voraussichtlich nicht aus dem Bodenvorrat gedeckt werden kann.

Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass ein Düngebedarf im Herbst nach den Hauptkulturen Mais, Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln, Feldgemüse und Leguminosen grundsätzlich nicht vorhanden ist.

Düngung in mit Nitrat belasteten Gebieten (rote Gebiete)

Deutlich komplizierter gestaltet sich die Planung der Düngung in den mit Nitrat belasteten Gebieten. Die Herbstdüngung wird deutlich stärker limitiert. Eine Düngung von Winterraps ist nur noch dann möglich, wenn dieser zum einen

  • nach Getreide angebaut wird und zum anderen
  • der Nmin-Wert nach der Ernte der Vorkultur nicht mehr als 45 kg Stickstoff pro Hektar beträgt.

Die Nmin-Probenentnahmetiefe muss in diesem Fall 60 cm betragen. Ausnahmen hiervon gibt es nur auf flachgründigen Standorten oder bei sehr ausgetrockneten und deshalb harten Böden, auf denen eine Probenentnahmetiefe von 60 cm nicht durchführbar ist. Um einen möglichst unverfälschten Nmin-Wert zu erhalten, ist es wichtig, die Proben direkt nach der Probennahme zu kühlen. Hohe Bodentemperaturen fördern die Umsetzungsprozesse im Boden und führen zu verfälschten Analyseergebnissen. In der Tabelle 2 ist eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen seit Mitte Juli aufgeführt. Betrachtet man die Summe aller untersuchter Proben, kann man feststellten, dass im Mittel ein Nmin Wert von 40 kg Stickstoff pro Hektar vorhanden ist. Allerdings ist die Spannbreite der Stickstoffwerte extrem groß und reichen von 7 bis 353 kg Stickstoff pro Hektar. Die in der Tabelle 2 aufgeführten Daten können jedoch nicht für die Düngebedarfsermittlung herangezogen werden, ersetzen daher nicht die eigene Beprobung. Ein eigenes Analyseergebnis (keine Schnelltests) ist unerlässlich. Da der Mittelwert als arithmetisches Mittel empfindlicher auf Ausreiser reagiert, ist in der Tabelle 2 auch der Median dargestellt, der robuster auf einzelne Werte, die sich stark von der Grundgesamtheit unterscheiden, reagiert.

Zu Zwischenfrüchten/Feldfutter und Zwischenfrucht-/Feldfuttermischungen mit einer Futternutzung kann ein Düngebedarf in maximaler Höhe von 30 kg Ammoniumstickstoff pro Hektar oder 60 kg Gesamtstickstoff pro Hektar entstehen. Zwischenfrüchten/Feldfutter und Zwischenfrucht-Feldfuttermischungen ohne eine Futternutzung dürfen nur mit Festmist von Huf- oder Klauentieren und Komposten bis zu 120 kg Gesamtstickstoff pro Hektar gedüngt werden.

Auch die Kernsperrfrist ist in den mit Nitrat belasteten Gebieten länger gefasst worden. Diese besteht im Falle des Einsatzes von Festmist von Huf- oder Klauentieren oder Komposten vom 01.11. eines jeden Jahres bis zum 31.01. des Folgejahres.

Lediglich die Düngung von Zweitkulturen kann in den mit Nitrat belasteten Gebieten in Höhe des Bedarfs erfolgen. Allerdings sollte hier darauf geachtet werden, das die maximale Aufbringmenge 130 kg Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr nicht überschritten wird und der Düngebedarf um 20 % zu reduzieren ist. Bevor eine Aufbringung von organischen Düngern stattfindet muss für diese ein Nährstoffuntersuchungsergebnis vorliegen, damit die Mengenbemessung genau vorgenommen werden kann. Das Untersuchungsergebnis darf nicht älter als zwei Jahre sein.

Die Sperrzeit auf Grünland und Ackerfutterflächen mit mehrjährigen Feldfutterbau in den mit Nitrat belasteten Gebieten ist von drei auf vier Monate ausgeweitet worden und beginnt mit 1.10. früher als in nicht belasteten Gebieten. Zudem wurde die zulässige Stickstoffmenge aus flüssigen organischen Düngemitteln und Wirtschaftsdüngern im September auf maximal 60 kg Gesamtstickstoff begrenzt.

Dabei muss darauf geachtet werden, das die maximale Aufbringmenge 170 kg Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr auf diesen Grünlandflächen nicht überschritten wird.

Tabelle 33:
Nmin Werte LHL seit 15.07.2021 – Analyseergebnisse

Nmin Proben LHL GesamtFlächen mit Angabe Wi-Raps (Hauptfrucht) und Wi-Gerste (Vorfrucht)
Probenentnahmetiefe0-30 cm30 – 60 cm0-60 cm0-30 cm30 – 60 cm0-60 cm
Anzahl Flächenn=168n=10
min42710313
max133128353341347
Mittelwert25164018826
Median21123315826

 

Achtung!
Ersetzt nicht die eigene Nmin Untersuchung

Düngung in eutrophierten Gebieten

In den Gebietskulissen die als eutrophiert bezeichnet werden und damit ein erhöhtes Phosphor-Austragsrisiko aufweisen sollen, gibt es zwei Anforderungen, die es nicht nur im Herbst, sondern immer zu beachten gilt:

  • vor dem Aufbringen sind die Gehalte an Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff und Gesamtphosphat auf der Grundlage wissenschaftlich anerkannter Messmethoden untersuchen zu lassen und das Untersuchungsergebnis darf nicht älter als zwei Jahre sein,
  • zur Vermeidung von Abschwemmungen in oberirdische Gewässer sind mit stickstoff- und phosphathaltigen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln vergrößerte Abstände zu Oberflächengewässern einzuhalten.

In den Gebietskulissen, bei denen es sich um gleichzeitig eutrophierte und mit Nitrat belastete Flächen handelt sind dann alle weiteren Auflagen zu beachten, die im vorhergehenden Abschnitt beschrieben worden sind.

Nmin Untersuchung vor Winterraps in den mit Nitrat belasteten Gebieten

(§ 13a Absatz 2 Nr. 5 DüV)

Im Herbst dürfen in mit Nitrat belasteten Gebieten keine Düngemittel mit einem wesentlichen Gehalt an Stickstoff zu Winterraps, Wintergerste und Zwischenfrüchten ohne Futternutzung aufgebracht werden (§ 13a Absatz 2 Nr. 5 DüV). Dies gilt im Fall von Winterraps nicht, wenn durch eine repräsentative Bodenprobe auf dem jeweiligen Schlag oder der jeweiligen Bewirtschaftungseinheit nachgewiesen wird, dass die im Boden verfügbare Stickstoffmenge 45 Kilogramm Stickstoff je Hektar nicht überschreitet.

Die repräsentative Bodenprobe muss aus einer Tiefe von 0 bis 60 cm gezogen werden. Die in unseren Breitengraden termingerecht ausgesäte Rapspflanze entwickelt eine Pfahlwurzel mit mehreren kräftigen langen Seitenwurzeln, die bogenförmig in die Tiefe wachsen. Bis Anfang November vermag die Rapspflanze ihre Wurzeln bis in eine Tiefe von 40 bis 90 cm voranzutreiben[5]. Die Rapspflanze reagiert allerdings empfindlich auf Bodenverdichtungen. Treten diese auf, weichen die Wurzeln aus, um gegebenenfalls an einer anderen Stelle weiter in die Tiefe zu wachsen.

In den letzten Jahren war aufgrund der Witterung (Trockenheit) eine Bodenprobenentnahme auf 60 cm Tiefe nicht immer möglich. Auf Standorten mit hoch anstehenden Gesteinen (Verwitterungsböden) ist der Wurzelraum ehedem oft auf 30 cm Tiefe begrenzt. In diesen Ausnahmefällen reicht die Entnahme der Bodenprobe auf 0-30 cm Tiefe aus, um den Bodenstickstoffgehalt zu bestimmen. Wird die Obergrenze von 45 kg N/ha unterschritten, ist eine Düngung mit der Beschränkung auf 30 kg Ammoniumstickstoff oder 60 kg Gesamtstickstoff je Hektar zulässig.

Sollten die zu beprobenden Rapsschläge in dem mit Nitrat belasteten Gebiet mit vergleichbaren Standortverhältnissen und einheitlicher Bewirtschaftung zur Bestellung vorgesehen werden, können diese zu einer Bewirtschaftungseinheit zusammengefasst werden, so dass sich die Anzahl der Untersuchungen vermindert.

Die Probennahme sollte unmittelbar nach der Ernte und vor der ersten Stoppelbearbeitung gezogen werden. Bei den hohen Temperaturen im Sommer muss ein besonderes Augenmerk auf einer ununterbrochenen Kühlkette, auf dem Weg von der Probenahme bis zum Untersuchungslabor, liegen. Werden die Proben in den Beuteln warm, setzt die Mineralisierung ein, so dass die zu erwartenden Ergebnisse verfälscht sind. Die Bodenanalyse muss entsprechend den Vorgaben des VDLUFA-Methodenbuches (Band 1: Die Untersuchung von Böden) durch Extraktion des Nitrates und Ammoniums mit 0,0125 molarer Calciumchloridlösung vorgenommen werden. Diese Bestimmung des mineralisierten Stickstoffes im durchwurzelbaren Bodenprofil kann nicht durch anderweitige Schnellbestimmungsmethoden ersetzt werden.

Das eingangs beschriebene Düngeverbot gilt im Übrigen nicht im Fall von Zwischenfrüchten ohne Futternutzung, wenn es sich bei den aufgebrachten Düngemitteln um Festmist von Huftieren oder Klauentieren oder Komposte handelt und nicht mehr als 120 kg Gesamtstickstoff pro Hektar aufgebracht werden.

[5] Siehe z. B. Einfluss von N-Düngung und Bodenbearbeitung auf Wurzelwachstumsdynamik, 14C-Assimilatverteilung und Rhizodeposition von Winterraps, J. Max, Kiel 2004

Tabelle 34:
Empfehlung zur Stickstoff-Herbstdüngung in nicht eutrophierten und nicht mit Nitrat belasteten Gebieten

KulturVorfrucht 2)langjährige organische DüngungErntereste der VorfruchtEmpfehlung
kg Gesamt-N/haBemerkung
Winterrapsjakeine N Düngung notwendig
neinabgefahren40
verblieben60
60bei Mulch oder Direktsaat, unabhängig von Vorfrucht, org. Düngung oder Verbleib von Ernteresten
WintergersteGetreidejakeine N Düngung notwendig
neinabgefahren20
verblieben40
Wintergerstealle anderen Vorfrüchtekeine N Düngung erlaubt
Ackergras/FeldfutterjaKeine Düngung notwendig und bei Aussaat nach dem 15.09. N-Düngung nicht erlaubt
neinbis 60Nutzung im Anbaujahr: N-Düngung in Abhängigkeit des Leguminosenanteils wie bei Zwischenfrucht

(oder Erstellung einer vollständigen DBE als Hauptfrucht, die Einschränkung der N-Düngung nach der Ernte der Hauptfrucht gelten dann nicht)

40 – 60Nutzung im Folgejahr: Aussaat bis 30.08
30 – 40Nutzung im Folgejahr: Aussaat vom 01.9. bis 15.09.
Zwischenfrucht1) (< 25 %. Leguminosen)nein40 – 60
Zwischenfrucht1) (< 25 %. Leguminosen)ja20 – 30
Zwischenfrucht1) (25 bis 75 %. Leguminosen)nein20 – 30
Zwischenfrucht1) (25 bis 75 %. Leguminosen)ja10 – 20
Zwischenfrucht1) (>75% Leguminosen)nein0keine N Düngung notwendig
Zwischenfrucht1) (>75% Leguminosen)ja0keine N Düngung notwendig

Kernsperrfristen für stickstoffhaltige und phosphathaltige Düngemittel

(wesentlicher Nährstoffgehalt von mehr als 1,5 % N oder 0,5 % P2O5)Die Getreideernte ist abgeschlossen und die folgenden Kulturen weisen bereits im Herbst einen Düngebedarf auf der mit organischen oder mineralischen Düngern gedeckt werden könnte. Dabei dürfen die vorhandenen gesetzlichen Regelungen nicht außer Acht gelassen werden. Hierzu gehören u. a. die Kernsperrfristen. Diese sind je nach ausgewiesener Gebietskulisse verschieden und deshalb ist eine differenzierte Betrachtung nötig.

Nicht mit Nitrat belastete und/oder eutrophierte Gebiete

In der Tabelle 1 werden die Kernsperrfristen und die dabei möglichen Aufbringmengen zu den Ackerbaukulturen und Grünland für die Schläge in nicht mit Nitrat belasteten Gebieten dargestellt. Diese gelten ebenso auch für die ausschließlich eutrophierten Gebietskulissen (P-Gebiete).

 

Abbildung 10:
Verbotszeiträume für die Aufbringung ausgewählter N-Dünger mit einem wesentlichen Gehalt und maximaler zulässiger NH4-N- und Gesamt-N-Mengen in den nicht nach AV DüV belasteten Gebieten

1) maximal 510kg N/ha = Gesamtmenge für drei Jahre

2) – Ausnahme: Wenn als zweite Hauptfrucht eine Futternutzung im Anbaujahr geplant ist

3) – auf Grünland, Dauergrünland und auf Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau, bei einer Aussaat bis zum 15.05. dürfen in der Zeit vom 01.09. bis zum Beginn des Verbotszeitraumes nicht mehr als 80 kg Ges.-N/ ha mit flüssig-organischen und organisch-mineralischen Düngern aufgebracht werden.

max. mögliche N-Mengen vor dem Verbotszeitraum01.12. bis 15.01.01.11. bis 31.01.02.10. bis 31.01.ausnahmslos keine Aufbringung erlaubt
Kulturmineralischer Düngerorganische Düngemittel
Stallmist
von Huf- und Klauentieren
GülleGeflügelmistKompost1)Klärschlamm
Weizen
Gerste
(Aussaat bis zum 01.10.,
Getreidevorfrucht)
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
Gerste
keine Getreidevorfrucht
Roggen
Triticale
Winterraps

 

30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
mehrj. Feldfutterbau
(Aussaat bis zum 15.05.) 3)
Feldfutterbau
(Aussaat zwischen
15.05. und 15.09.)
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg Ges.-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
Zwischenfrucht 2)
< 30 % Leguminosen
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg Ges.-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
Zwischenfrucht 2)
31 bis 69 % Leguminosen
15 kg NH4-N/ha
30 kg Ges.-N/ha
15 kg NH4-N/ha
30 kg Ges.-N/ha
15 kg NH4-N/ha
30 kg Ges.-N/ha
15 kg NH4-N/ha
30 kg Ges.-N/ha
Zwischenfrucht 2)
mit > 70 % Leguminosen
Grünland/
Dauergrünland 3)

In der Abbildung 10 werden die Kernsperrfristen und die dabei möglichen Aufbringmengen zu den Ackerbaukulturen und Grünland für die Schläge in nicht mit Nitrat belasteten Gebieten dargestellt. Diese gelten ebenso auch für die ausschließlich eutrophierten Gebietskulissen (P-Gebiete).

Dabei sind für Stickstoffdünger drei Zeiträume grob umrissen:

  1. Oktober bis 31. Januar des Folgejahres: Gerste mit Getreidevorfrucht, Winterraps, mehrjähriger Feldfutterbau bei einer Aussaat zwischen dem 15. Mai und dem 15. September und Zwischenfrüchten ohne Leguminosenanteil. Bei Zwischenfrüchten mit Leguminosenanteil von mehr als 70 % besteht kein Düngebedarf mehr, da davon ausgegangen werden kann, dass sich der Bestand über die N-Fixierung der Leguminosen ernährt.
  2. Vom 1. November bis zum 31.01. des Folgejahres besteht die Kernsperrfrist für Dauergrünland und mehrjährigen Feldfutterbau[6] bei einer Aussaat bis zum 15. Mai.
  3. Für Festmist von Huf- oder Klauentieren gilt unabhängig von den Kulturen eine Kernsperrfrist vom 1. Dezember bis zum 15. Januar.

[6] mehrjähriger Feldfutterbau muss bis zum Ablauf des 15. Mai gesät werden, mindestens einmal überwintern und in zwei aufeinanderfolgenden Kalenderjahren genutzt werden. Darunter fallen auch mehrjährige Energiepflanzen (z.B.: durchwachsende Silphie) mit einem Düngebedarf.

Mit Nitrat belastete Gebiete (§ 13a rote Gebiete)

Düngung in mit Nitrat belasteten Gebieten (rote Gebiete)

Deutlich komplizierter gestaltet sich die Planung der Düngung in den mit Nitrat belasteten Gebieten. Die Herbstdüngung wird deutlich stärker limitiert. Eine Düngung von Winterraps ist nur noch dann möglich, wenn dieser zum einen

  • nach Getreide angebaut wird und zum anderen
  • der Nmin-Wert nach der Ernte der Vorkultur nicht mehr als 45 kg Stickstoff pro Hektar beträgt.

Die Nmin-Probenentnahmetiefe muss in diesem Fall 60 cm betragen. Ausnahmen hiervon gibt es nur auf flachgründigen Standorten oder bei sehr ausgetrockneten und deshalb harten Böden, auf denen eine Probenentnahmetiefe von 60 cm nicht durchführbar ist. Um einen möglichst unverfälschten Nmin-Wert zu erhalten, ist es wichtig, die Proben direkt nach der Probennahme zu kühlen. Hohe Bodentemperaturen fördern die Umsetzungsprozesse im Boden und führen zu verfälschten Analyseergebnissen. In der Tabelle 2 ist eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen seit Mitte Juli aufgeführt. Betrachtet man die Summe aller untersuchter Proben, kann man feststellten, dass im Mittel ein Nmin Wert von 40 kg Stickstoff pro Hektar vorhanden ist. Allerdings ist die Spannbreite der Stickstoffwerte extrem groß und reichen von 7 bis 353 kg Stickstoff pro Hektar. Die in der Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. aufgeführten Daten können jedoch nicht für die Düngebedarfsermittlung herangezogen werden, ersetzen daher nicht die eigene Beprobung. Ein eigenes Analyseergebnis (keine Schnelltests) ist unerlässlich. Da der Mittelwert als arithmetisches Mittel empfindlicher auf Ausreiser reagiert, ist in der Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. auch der Median dargestellt, der robuster auf einzelne Werte, die sich stark von der Grundgesamtheit unterscheiden, reagiert.

Zu Zwischenfrüchten/Feldfutter und Zwischenfrucht-/Feldfuttermischungen mit einer Futternutzung kann ein Düngebedarf in maximaler Höhe von 30 kg Ammoniumstickstoff pro Hektar oder 60 kg Gesamtstickstoff pro Hektar entstehen. Zwischenfrüchten/Feldfutter und Zwischenfrucht-Feldfuttermischungen ohne eine Futternutzung dürfen nur mit Festmist von Huf- oder Klauentieren und Komposten bis zu 120 kg Gesamtstickstoff pro Hektar gedüngt werden.

Auch die Kernsperrfrist ist in den mit Nitrat belasteten Gebieten länger gefasst worden. Diese besteht im Falle des Einsatzes von Festmist von Huf- oder Klauentieren oder Komposten vom 01.11. eines jeden Jahres bis zum 31.01. des Folgejahres.

Lediglich die Düngung von Zweitkulturen kann in den mit Nitrat belasteten Gebieten in Höhe des Bedarfs erfolgen. Allerdings sollte hier darauf geachtet werden, das die maximale Aufbringmenge 130 kg Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr nicht überschritten wird und der Düngebedarf um 20 % zu reduzieren ist. Bevor eine Aufbringung von organischen Düngern stattfindet muss für diese ein Nährstoffuntersuchungsergebnis vorliegen, damit die Mengenbemessung genau vorgenommen werden kann. Das Untersuchungsergebnis darf nicht älter als zwei Jahre sein.

Die Sperrzeit auf Grünland und Ackerfutterflächen mit mehrjährigen Feldfutterbau in den mit Nitrat belasteten Gebieten ist von drei auf vier Monate ausgeweitet worden und beginnt mit 1.10. früher als in nicht belasteten Gebieten. Zudem wurde die zulässige Stickstoffmenge aus flüssigen organischen Düngemitteln und Wirtschaftsdüngern im September auf maximal 60 kg Gesamtstickstoff begrenzt.

Dabei muss darauf geachtet werden, das die maximale Aufbringmenge 170 kg Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr auf diesen Grünlandflächen nicht überschritten wird.

Abbildung 11:
Verbotszeiträume für die Aufbringung ausgewählter N-Dünger mit einem wesentlichen N-Gehalt und maximal zulässige NH4-N- und Gesamt-N-Mengen in den nach § 13a Abs. 1 Nr. 1 bis 3 mit Nitrat belasteten Flächen (rote Gebiete)

1) auf Grünland, Dauergrünland und auf Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau, bei einer Aussaat bis zum 15.05. dürfen in der Zeit vom 01.09. bis zum Beginn des Verbotszeitraumes nicht mehr als 60 kg Ges.-N/ ha mit flüssig-organischen und organisch-mineralischen Düngern aufgebracht werden.

7) Beim Feldfutterbau kann es sich auch um den Anbau einer zweiten Hauptfrucht handeln, für die hier keine vereinfachte Düngebedarfsempfehlung beschrieben werden darf; für Hauptfrüchte ist eine Düngebedarfsermittlung nach den Vorgaben der Düngeverordnung zu erstellen.

Max. mögliche N-Mengen vor dem Verbotszeitraum01.11. bis 31.01.01.10. bis 31.01.02.10. bis 31.01.ausnahmslos keine
Ausbringung
Kulturmineralischer
Dünger
organische Düngemittel
Stallmist von Huf- und Klauen-tierenGüllenGeflügel-
mist
KomposteKlär-
schlamm
Weizen
Gerste (Aussaat bis zum 01.10. Getreidevorfrucht)
Gerste keine Getreidevorfrucht
Roggen
Triticale
Winterraps
< 45 kg Nmin/ha (0-60 cm)
30 kg Ges.-N/ha30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
Winterraps
> 45 kg Nmin/ha
mehrj. Feldfutterbau
(Aussaat bis 15.05.) 1)
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
max.80 kg Gesamt-N/ha30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
Feldfutterbau 7)
Aussaat zwischen 15.05. und 15.09.)
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
Zwischenfrucht mit Futternutzung
< 30% Leguminosen
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
30 kg NH4-N/ha
60 kg Ges.-N/ha
Zwischenfrucht mit Futternutzung
31 bis 69% Leguminosen
15 kg NH4-N/ha
30 kg Ges.-N/ha
15 kg NH4-N/ha
30 kg Ges.-N/ha
15 kg NH4-N/ha
30 kg Ges.-N/ha
Zwischenfrucht mit Futternutzung
> 70% Leguminosen
Zwischenfrucht ohne Futternutzungmax. 120 kg
Ges.-N/ha
max. 120 kg
Ges.-N/ha
Grünland/Dauergrünland 1)

In den mit Nitrat belasteten Gebieten gelten drei Verbotszeiträume.

  1. Vom 1. November bis zum 31. Januar des Folgejahres darf kein Festmist von Huf- oder Klauentieren oder Kompost aufgebracht werden. Der Verbotszeitraum ist damit im Gegensatz zu den nicht als N-belasteten Gebieten um vier Wochen erweitert worden.
  2. Vom 1. Oktober bis zum 31. Januar dürfen in den mit Nitrat belasteten Gebieten Grünland, Dauergrünland, mehrjähriger Feldfutterbau (Aussaat bis 15.05.), außer mit Festmist- von Huf oder Klauentieren oder Kompost, nicht gedüngt werden.

Auf Ackerland ist ab dem Zeitpunkt, ab dem die Ernte der letzten Hauptfrucht abgeschlossen ist, bis zum Ablauf des 31. Januar eine Stickstoffdüngung, außer mit Festmist- von Huf oder Klauentieren oder Kompost, nicht erlaubt. Dies gilt nicht im Fall von Winterraps, wenn durch eine repräsentative Bodenprobe nachgewiesen wird, dass die im Boden (0 bis 60 cm) vorhandene pflanzenverfügbare Stickstoffmenge (Nmin Wert) von 45 kg Stickstoff pro Hektar nicht überschreitet. Ferner darf eine eingeschränkte Düngung auf Flächen bis zum 01. Oktober durchgeführt werden, wenn es sich um eine Zwischenfrucht zur Futternutzung mit einem Anteil von maximal 69 % Leguminosen handelt.

Damit ist die Liste derjenigen Kulturen, die nicht gedüngt oder mit entsprechenden längeren Kernsperrfristen ausgestattet worden sind, erheblich erweitert worden.

Düngung in eutrophierten Gebieten

In den Gebietskulissen die als eutrophiert bezeichnet werden und damit ein erhöhtes Phosphor-Austragsrisiko aufweisen sollen, gibt es zwei Anforderungen, die es nicht nur im Herbst, sondern immer zu beachten gilt:

  • vor dem Aufbringen sind die Gehalte an Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff und Gesamtphosphat auf der Grundlage wissenschaftlich anerkannter Messmethoden untersuchen zu lassen und das Untersuchungsergebnis darf nicht älter als zwei Jahre sein,
  • zur Vermeidung von Abschwemmungen in oberirdische Gewässer sind mit stickstoff- und phosphathaltigen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln vergrößerte Abstände zu Oberflächengewässern einzuhalten.

In den Gebietskulissen, bei denen es sich um gleichzeitig eutrophierte und mit Nitrat belastete Flächen handelt sind dann alle weiteren Auflagen zu beachten, die im vorhergehenden Abschnitt beschrieben worden sind.

Phosphorhaltige Düngemittel mit mehr als 0,5 % Phosphat

Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an Phosphat dürfen in der Zeit vom 1. Dezember bis zum Ablauf des 15. Januar nicht aufgebracht werden. Zu den hiervon betroffenen Flächen gehören auch Baumobst, Reben- oder Hopfenflächen.

 

 


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